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09 Feb 2011
Frankfurt am Main setzt auf dezentrale Energieversorgung durch Blockheizkraftwerke

DEMO ¬Ĺ-2011 Ein virtuelles Kraftwerk, das aus m√∂glichst vielen kleinen, zusammengeschalteten Strom¬≠erzeugern besteht, will man in Frankfurt bauen, um Schwan¬≠kungen aus der Produktion der Windkraft- oder Sonnenanlagen auszugleichen und sich zugleich auch von den gro√üen Stromer¬≠zeugern frei zu machen.

Schon l√§nger wird bei dem st√§d¬≠tischen Energieversorger mainova AG an dem Projekt ‚Äěvirtuelles Kraftwerk“ gearbeitet, das jetzt in eine erste Testphase gehen wird.

Hatte man zun√§chst die relativ gro√üen¬† Notstromanlagen¬† im Stadtgebiet in den Hochh√§usern der Banken und B√ľros und nicht zuletzt bei den vielen Betreibern von Rechenzentren ins Auge ge-fasst, wird jetzt in dem ersten Test ein Verbund von zwei klei¬≠neren Blockheizkraftwerken an¬≠gestrebt. In den ersten Gespr√§¬≠chen f√ľr einen Versuch mit den mainova-eigenen Notstrom-Ag¬≠gregaten habe sich herausge¬≠stellt, dass die Genehmigungs¬≠verfahren f√ľr die kleineren Blockheizkraftwerke leichter zu handeln seien als f√ľr die gro√üen Anlagen, ‚Äěf√ľr die es bisher keine Vorschriften gibt, unter welchen technischen Bedingungen sie Strom f√ľr das √∂ffentliche Strom¬≠netz produzieren und gleichzeitig auch ihre Aufgabe als Not¬≠stromlieferant erf√ľllen k√∂nnen“, erl√§uterte der Gesch√§ftsf√ľhrer der ABG Nova, einer Tochter der mainova AG und des st√§dtischen Wohnungsunternehmens ABG Holding, Bernd Utesch.

Deshalb wurde die zunächst als zweiter Schritt geplante Einbe­ziehung der Blockheizkraftwer­ke vorgezogen. Die Tests sollen mit zwei kleineren Blockheiz­kraftwerken beginnen.

Voller Energie: Blockheizkraftwerk in Frankfurt. Foto: Hermann Wygoda

In diesem Feldtest muss sich he¬≠rausstellen, mit welcher Strate¬≠gie die dann produzierte Strom¬≠menge mit dem h√∂chsten Ge¬≠winn vermarktet werden kann, da sich nur dann die Kosten f√ľr den Anschluss eines Blockheiz¬≠kraftwerks an das virtuelle Kraft¬≠werk rechnen.

Dabei hat man auch im Blick, dass dieses virtuelle Kraftwerk zum Beispiel dann eingesetzt werden kann, wenn die sonst teuer eingekauften Stromspitzen aus der ‚Äěheimischen Versor¬≠gung“ gedeckt werden k√∂nnen, statt sie bei den gro√üen Erzeu¬≠gern einzukaufen.

Dass die Steuerung beider Aufga¬≠ben – n√§mlich sowohl des Ein¬≠satzes als Stromerzeuger in das √∂ffentliche Netz als auch weiter¬≠hin f√ľr die Sicherstellung der W√§rme- und Hei√üwasserversor¬≠gung f√ľr die Mieter, nicht ganz trivial ist und einiger Erfahrung bedarf, liegt auf der Hand. So m√ľssen durch gen√ľgend gro√üe Speicher die Warmwasservorr√§¬≠te immer dann einspringen, wenn das Kraftwerk Strom f√ľr das Netz produziert.

Im Frankfurter Stadtgebiet arbei¬≠ten inzwischen mehr als 170 de¬≠zentrale Blockheizkraftwerke, die zusammen eine Leistung von mehr als 20 000 Kilowattstun¬≠den oder 20 Megawatt haben. Ihre elektrische Leistung reicht von f√ľnf Kilowattstunden, etwa im Keller eines Mehrfamilien¬≠hauses, bis zu Gro√üanlagen mit bis zu 100 000 Kilowattstunden. Allerdings erwarten die Fachleu¬≠te, dass erst Anlagen ab etwa 50 Kilowattstunden f√ľr einen An¬≠schluss an das virtuelle Kraft¬≠werk infrage kommen. Doch k√∂nnen auch die kleineren Anlagen bei der Versorgung etwa eines Einfamilienhauses mit Strom einen Beitrag leisten, um die Energieversorgung √∂kologi¬≠scher zu gestalten.

Hermann Wygoda

16 Sep 2010
In Hanau beginnt eine neue Zeitrechnung Die Vaterstadt der Gebr√ľder Grimm bekommt mittels PPP ein neues Zentrum

Nach zwei Jahren konnte in Hanau das PPP- Bieterverfahren im Rahmen des wettbewerb¬≠lichen Dialogs abgeschlossen werden. Magistrat und Stadtver¬≠ordnetenversammlung beschlos¬≠sen mit gro√üer Mehrheit, dass die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH /HBB) aus L√ľbeck den Zuschlag erhalten sollte. Damit hat Hanau nach mehr als 50 Jahren die Chance erhalten, seine Innen¬≠stadt grundlegend zu moderni¬≠sieren. ‚ÄěIn den vergangenen Jah¬≠ren wurde doch immer wieder aufs neue diskutiert, was wo wie ver√§ndert werden k√∂nnte. Weil die Stadt aber in diesen Diskus¬≠sionen nie als Ganzes gesehen wurde, konnte man sich an kei¬≠ner Stelle darauf einigen, welche Ver√§nderungen notwendig sind“, erl√§uterte Hanaus Oberb√ľrger¬≠meister Claus Kaminsky (SPD) die Bedeutung der jetzt getroffe¬≠nen Entscheidung gegen√ľber der DEMO.

Der Freiheitsplatz heute von oben Foto: Wygoda

Diesmal ging es ohne große Geheimhaltung

Zur √úberraschung aller waren sich selbst die Fraktionen im Stadtparlament selten einig. Die¬≠se gemeinsame Entscheidung wird im hohen Ma√üe auch dem Verfahren zugesprochen, das ge¬≠w√§hlt wurde, um den privaten Partner f√ľr das Projekt zu finden. Denn in den bisher √ľblichen PPP-Verfahren musste immer un¬≠ter strengster Geheimhaltung √ľber die eingereichten Angebote verhandelt werden. Selbst die Vertreter der Stadtparlamente waren dieser Geheimhaltung un¬≠terworfen.

Im Dialog-Verfahren dagegen sind immer wieder Verfahrens¬≠schritte vorgesehen, in denen die √Ėffentlichkeit durch die Investo¬≠ren und den Magistrat informiert werden kann. Davon haben Han¬≠aus B√ľrger in √ľberraschend gro¬≠√üem¬† Umfang¬† Gebrauch¬† gemacht. Die B√ľrgerversammlun¬≠gen mit den Ausstellungen der bis dahin erreichten Ergebnisse wurden sehr gut besucht. Zum Teil wurden sie in manchen Ein¬≠zelheiten heftig diskutiert. Im¬≠mer wieder wurde etwa die Frage aufgeworfen, ob man den Frei¬≠heitsplatz wirklich an die Inves¬≠toren verkaufen m√ľsse.

Nachdem auch der Regierungs¬≠pr√§sident der permanent finan¬≠ziell klammen Stadt Hanau gr√ľ¬≠nes Licht – wenn auch mit Auf¬≠lagen versehen – gegeben hat, be¬≠ginnen die Arbeiten an den Planungsunterlagen, um mit dem zwischen 200 Millionen und 300 Millionen teuren Um¬≠bau der Innenstadt zu starten.

Dabei werden die drei wichtigs¬≠ten Pl√§tze Hanaus des als ‚ÄěNeu¬≠stadt“ bezeichneten Stadtkerns erneuert: Der Freiheitsplatz, der ‚ÄěNeust√§dter“ Marktplatz und der Kirchplatz mit der Wallonisch-Niederl√§ndischen Kirche.

Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) erl√§utert die geplanten Ver√§nderungen f√ľr den Freiheitsplatz Foto: Wygoda

Die Stadt hat sich die Neugestal­tung des Marktplatzes selbst vor­behalten. Sie soll jedoch in enger Abstimmung mit HBB erfolgen. Am Freiheitsplatz, der zur Zeit noch ein eher unwirtlicher Platz mit Busbahnhof, Taxihaltestel­len und einem großen Parkplatz ist, sollen ein Einkaufszentrum mit der Stadtbibliothek, ein mo­derner, verkleinerter, Busbahn­hof und eine Tiefgarage gebaut werden. Da die Genehmigungs­verfahren hier besonders lange dauern werden, wird mit einem Baubeginn nicht vor dem Jahr 2012 gerechnet.

Eher mit Zur√ľckhaltung wird der Bereich um die Wallonisch-Niederl√§ndische Kirche ange¬≠gangen, da hier mit heftigen Pro¬≠testen der Bewohner der kaum noch zu sanierenden alten Wohnungsbauten gerechnet wird. In einer gemeinsamen Projektge¬≠sellschaft wollen die Stadt und HBB diesen Teil der Stadt teilwei¬≠se abrei√üen und zum Teil auch sanieren. F√ľr Hanau, das steht au√üer Frage, hat mit dem Ergeb¬≠nis des wettbewerblichen Dia¬≠logs eine modernere Zeitrech¬≠nung begonnen. Von der erneu¬≠erten ‚ÄěNeustadt“ erwartet auch der Einzelhandel f√ľr Hanau ei¬≠nen neuen Anfang, der auch zu¬≠s√§tzliche Kunden in die Stadt bringen soll. ¬† ¬† ¬† ¬† Hermann Wygoda

05 Apr 2010
Deutlich mehr Transparenz bei Br√ľcken-PPP in Frankfurt am Main

Erfahrungen aus fr√ľheren Projekten bringen mehr Durchblick ins Verfahren Von Hermann Wygoda

Frankfurts K√§mmerer Uwe Becker (CDU) ist ein Fan des PPP-Verfahrens geworden. In Weimar hat er gerade vor den rund 700 Teilnehmern des Symposiums Bau das j√ľngste und bislang gr√∂√üte Frankfurter PPP-Projekt f√ľr die Sanierung von rund 70 Br√ľcken und Inge¬≠nieurbauwerken vorgestellt. Allerdings betonte er, dass er gegen√ľber dem letzten in Frankfurt am Main abgewi¬≠ckelten PPP-Verfahren, bei dem vier Schulen saniert bezie¬≠hungsweise neu gebaut wur¬≠den, beim Br√ľckenprojekt ‚Äědeutlich mehr Transparenz f√ľr die √Ėffentlichkeit“ herstel¬≠len wolle, denn Becker hat of¬≠fensichtlich aus den Diskussio¬≠nen √ľber die beiden ersten Ver¬≠fahren in Frankfurt gelernt.

170 Br√ľcken und Bauwerke sollen saniert werden. Foto:Wygoda

Beim Bau des Bildungszentrums Ostend (DEMO 4/2005) war in der √Ėffentlichkeit und in der Lo¬≠kalpolitik immer wieder der Vorwurf erhoben worden, die Stadt betreibe eine ‚ÄěGeheimpoli¬≠tik“ mit den PPP-Projekten. Da¬≠mals hatten die Vertreter der K√§mmerei demgegen√ľber da¬≠rauf hingewiesen, die Geheim¬≠niskr√§merei sei ‚ÄěPPP-immanent“ und aus juristischen Gr√ľnden unbedingt notwendig, um das Verfahren nicht zu gef√§hrden.

Jetzt erl√§uterte Becker, dass ‚Äědie Transparenz so weit wie m√∂g¬≠lich gehen“ solle, erm√∂glicht werde dieses neue Verfahren durch eine ‚Äěfr√ľhe vertragliche Ausarbeitung, in der die Trans¬≠parenz allen Bewerbern vor Be¬≠ginn des Verfahrens als eine Vo¬≠raussetzung f√ľr die Bewerbung mitgeteilt werde. ‚ÄěDamit wol¬≠len wir die fr√ľheren Diskussio¬≠nen gar nicht erst f√ľhren m√ľs¬≠sen“, unterstrich der K√§mmerer. Er sei davon √ľberzeugt, erl√§u¬≠terte er im Gespr√§ch mit der DE¬≠MO, dass ‚Äěein gro√üer Teil der Vorbehalte gegen die PPP-Verfahren durch fehlende Informa¬≠tion entstanden“ seien.

Allerdings war man bei den ers¬≠ten PPP-Projekten, nicht nur in Frankfurt am Main, sondern et¬≠wa auch bei dem Schulprojekt des Offenbacher Landkreises, noch der Meinung, juristisch sei es der einzig m√∂gliche Weg, die Verfahren mit m√∂glichst gerin¬≠ger √∂ffentlicher Information durchzuziehen. Becker verwies jetzt auch darauf, dass kein Be¬≠werber Angst haben m√ľsse, dass etwa betriebsinterne Kalkulati¬≠onsdetails oder andere firmen¬≠spezifische Informationen in die √Ėffentlichkeit gelangten.

Das aktuelle Br√ľckenprojekt mit PPP-Finanzierung hat ein Volumen von rund 500 Millio¬≠nen Euro und eine Laufzeit von 30 Jahren. In diesem Rahmen sollen Holzstege, mehr als 200 Meter lange Fu√üg√§ngerbr√ľcken aus Stahl und neue L√§rmschutz¬≠w√§nde erneuert oder gebaut werden.

Allerdings wurden alle Bauwer¬≠ke, die unter Denkmalschutz stehen, sowie alle Br√ľcken √ľber den Main wegen ihrer √∂ffentli¬≠chen Bedeutung nicht in das Pa¬≠ket aufgenommen. Beispiels¬≠weise wurde f√ľr die Sanierung der historischen Alten Br√ľcke ein eigener Wettbewerb veran¬≠staltet. Die Arbeiten sollen noch vor der Sommerpause 2010 an den Bauwerken europaweit als Paket ausgeschrieben werden.

Reduziertes Personal kann den Stau nicht beseitigen

‚ÄěWir haben mit dem Verfahren die Chance, dass wir den aufge¬≠tretenen Sanierungsstau inner¬≠halb von f√ľnf Jahren beseitigen k√∂nnen, was wir mit dem st√§dti¬≠schen Personal nie h√§tten leis¬≠ten k√∂nnen“, unterstrich der K√§mmerer. Denn allein im st√§d¬≠tischen Br√ľckenbauamt wurde durch Personaleinsparungen bei den verschiedenen Sparrunden die Personalst√§rke von fr√ľher einmal 25 Mitarbeitern auf fast die H√§lfte reduziert. Als erfreuli¬≠cher Nebeneffekt werde damit auch die Unterhaltung √ľber die kommenden 30 Jahre gesichert. Insgesamt, so hat die K√§mmerei ausgerechnet, werden bei der Vergabe als PPP-Projekt gegen¬≠√ľber der Sanierung in Eigenre¬≠gie acht Prozent eingespart.

Die Kosten f√ľr Unterhaltung und das Geb√§udemanagement wurden f√ľr die vorgesehene Vertragsdauer von 30 Jahren auf 153 Millionen Euro kalkuliert. F√ľr Planungs-, Kontroll- und Managementkosten sind 212 Millionen Euro angesetzt. Vor¬≠gesehen ist, dass die Stadt in den ersten zwei Jahren jeweils etwa rund sechs Millionen Euro be¬≠zahlt, der Betrag danach in den Jahren drei bis f√ľnf auf elf Mil¬≠lionen Euro ansteigt und f√ľr die restliche Laufzeit wurden 16 Millionen Euro j√§hrlich ge¬≠sch√§tzt. Diese Festlegung der zuk√ľnftigen Stadtpolitiker h√§lt Becker ‚Äěangesichts einen Ge¬≠samthaushalts von rund 2,9 Milliarden Euro“ vertretbar. Das Interesse an dem Millionen¬≠auftrag sei bereits jetzt gro√ü. Et¬≠wa 30 in Frage kommende Kon¬≠zerne h√§tten bereits ihr Interes¬≠se bekundet. Die Stadt plant je¬≠doch, weniger als zehn Unternehmen zur Abgabe eines Angebots einzuladen.

Stadtkämmerer Uwe Becker, Dezernatlll@stadt-frankfurt.de, www.frankfurt.de

04 Apr 2010
Das erste Mal in Hessen

In Stadt und Landkreis Gießen stehen zwei SPD-Frauen an der Spitze

Von Hermann Wygoda

Das hat es in Hessen bisher noch nicht gegeben: Sowohl das Landratsamt des mittelhessischen Kreises Gie√üen als auch die gr√∂√üte Stadt der Region Gie√üen werden von zwei SPD-Frauen regiert. Dietlind Grabe-Bolz, 53, hatte im Juni 2009 die Direktwahl gegen Amtsinhaber Heinz-Peter Haumann (CDU) klar mit 55,5 Prozent der Stimmen in der 75 000-Einwohner-Stadt gewonnen. Allerdings muss sie mit einer Koalition von CDU, B√ľndnisgr√ľnen und FDP klarkommen.

Gie√üens Oberb√ľrgermeisterin Dietlind-Grabe-Bolz Foto: Wygoda

‚ÄěIch setze auf eine starke Beteiligung der B√ľrgerinnen und B√ľrger‚Äú, sagt sie und deutet damit an, dass sie ihre im Wahlergebnis bewiesene Popularit√§t nutzen will, um trotz anderer Mehrheiten im Parlament einen eigenen Weg gehen zu k√∂nnen. Grabe-Bolz nennt es selbst den Versuch, ‚ÄěKonflikte im Vorfeld zu minimieren, indem man sich mit den Beteiligten zusammensetzt‚Äú. So werde es einen runden Tisch geben, um die Entwicklung eines Einzelhandelsgebiets zu diskutieren, bevor der Bebauungsplan aufgestellt wird. In einer Kommission soll ein Konzept zur Weiterentwicklung der Museen besprochen werden, und sie hat sich auch vorgenommen, die Kompetenzen der Universit√§t und der Fachhochschule Gie√üen-Friedberg f√ľr die st√§dtische Politik zu nutzen. Sie wird, wie sie ank√ľndigte, auch die von ihrem Vorg√§nger ausgesetzte B√ľrgersprechstunde wieder einrichten, um den B√ľrgern die M√∂glichkeit zu geben, mit der OB in Kontakt zu treten. Ein weiteres Instrumentarium, das sie nutzen will, soll ein Newsletter sein, der st√§dtische Informationen direkt an die B√ľrger liefern soll.

Nicht nur die Mehrheit im Stadtparlament ist problematisch

Aber nicht allein die Mehrheit im Stadtparlament ist f√ľr die neue Verwaltungschefin problematisch. Gie√üen schaut auch im Haushalt auf einen Schuldenberg, der Sorgen bereitet, zumal die Stadt als Oberzentrum auch gro√üe Aufgaben f√ľr das Umland zu schultern hat. Nicht nur kommt etwa die H√§lfte der Sch√ľler an den Gymnasien aus dem Umland, vielmehr unterh√§lt Gie√üen auch ein Theater, das vom Kreis unterst√ľtzt wird, dessen Zuschuss aber von einigen Kreistagsabgeordneten in Frage gestellt wird.

Da trifft es sich gut, dass kurz nach ihrer Wahl auch die SPD- Kandidatin f√ľr das Amt des Landrats, Anita Schneider, 46, als erste Frau in Hessen die Landratswahl f√ľr sich entscheiden konnte.¬† Die Diplomp√§dagogin, die aus dem s√ľdhessischen Bensheim stammt, bringt vielf√§ltige kommunalpolitische Erfahrungen mit. In Frankfurt arbeitete sie als Assistentin der SPD-Fraktion im R√∂mer und leitete dort ein Sozialrathaus. In Gie√üen war sie pers√∂nliche Referentin des SPD-OB Manfred Mutz und leitete die Stabsstelle Beteiligungsmanagement im Finanzdezernat der Stadt.

Landrätin Anita Schneider Foto: Wygoda

Mit diesen Voraussetzungen schien sie wohl ihren W√§hlern die richtige Frau f√ľr den Posten zu sein und schon in der Antrittsrede machte sie klar, dass f√ľr sie auch in der Kreisverwaltung ‚Äěnicht die Rechenmaschine allein unsere politischen Entscheidungen bestimmen‚Äú d√ľrfe. So lehnte sie Einsparungen bei der Jugendhilfe ab und erinnerte daran, dass ein √ĖPNV und fl√§chendeckende medizinische und pflegerische Versorgung f√ľr den l√§ndlich strukturierten Kreis unabdingbar seien.

Schneider verweist darauf, dass das neue Landratsamt, f√ľr das von ihrem Vorg√§nger in einer fr√ľheren US-Kaserne Mietvertr√§ge f√ľr die n√§chsten 20 Jahre abgeschlossen wurden, noch immer keine Busverbindung hat. Selbst Autofahrer suchen den Hinweis zur Beh√∂rde auf den Wegweisern vergebens. ‚ÄěWir m√ľssen auch wegkommen von dem bisherigen Gegeneinander zwischen dem Landkreis und seiner Metropole‚Äú, unterstrich sie. Auch sie will die unterschiedlichen Akteure jetzt endlich an einen Tisch holen, um miteinander die zwischen dem Landkreis und der Stadt kritischen Punkte zu besprechen. Bei der Wirtschaftsf√∂rderung, die ihr direkt zugeordnet ist, steht f√ľr sie der Ausbau der Breitbandverkabelung im Landkreis ganz oben auf der Agenda, da sie wei√ü, dass nur mit dieser Infrastruktur auch Neuansiedlungen erfolgreich m√∂glich sind.

www.giessen.de, www.lkgi.de

Haben die drei M√ľlltonnen eine Zukunft?

Die St√§dte Wiesbaden, Offenbach und Frankfurt am Main testen Alternativen zur gewohnten Hausm√ľllentsorgung

Das Papier geh√∂rt je nach Kommune in die gr√ľne oder in die blaue Tonne, der Kaffee¬≠satz und die Gem√ľsereste in die braune und Milch- und Apfel¬≠saftt√ľten in die gelbe Tonne. So wurde es uns fast 20 Jahre lang immer wieder eingetrichtert. Doch nun, so scheint es, m√ľssen wir demn√§chst vielleicht umler¬≠nen. Denn die bisherigen M√ľll¬≠verwertungsgrunds√§tze geraten nicht zuletzt wegen neuerer Technologien ins Wanken, da sie eine neue und bessere automati¬≠sche Sortierung all dessen er¬≠m√∂glichen, was unsere Wohl¬≠standsgesellschaft √ľbrig l√§sst.

Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden wurde von der Um¬≠weltministerin zum Testfeld f√ľr einen Versuch auserkoren, bei dem die gelbe Tonne wegfallen soll. Vom Januar 2011 an sollen dort Restm√ľll und Verpackun¬≠gen gemeinsam erfasst werden, Sinnvoll erscheint diese Neuori¬≠entierung, weil in der gelben Tonne vom System her eigent¬≠lich nur jene Verpackungen ge¬≠worfen werden sollten, die mit dem Recycling-Signet des Gr√ľ¬≠nen Punkts gekennzeichnet sind, doch in den meisten gelben Tonnen liegen oft mehr ‚Äěfalsche“ Verpackungen als richtige. Denn den B√ľrgern ist kaum klar zu ma¬≠chen, dass die eine Verpackung mit Signet in die gelbe Tonne soll, die andere aber, ohne Marke, zum Altpapier in die gr√ľne Ton¬≠ne geh√∂rt.

Ein Drittel der Einwohner Wies¬≠badens wird im Rahmen des Ver¬≠suchs ab kommendem Jahr statt des bisherigen Systems mit vier Tonnen von gr√ľn bis grau nur noch drei Tonnen bef√ľllen m√ľs¬≠sen. Die Landesregierung erhofft sich mit dem Versuch Aufkl√§¬≠rung, ob die ‚Äěgetrennte Erfas¬≠sung beim B√ľrger noch zeitge¬≠m√§√ü ist“, wie Umweltministerin Silke Lautenschl√§ger (CDU) er¬≠l√§uterte. Sie ist sich sicher, ‚Äědass nach unserem Versuch klar wird, was technisch, logistisch und wirtschaftlich machbar ist“.

Die gelbe Tonne- ein Auslaufmodell? Foto: Wygoda

Die Frage, was zeitgem√§√ü ist und was nicht, ist in Frankfurt am Main kein Thema. In der gr√∂√üten Stadt Hessens kann mit konkre¬≠ten Zahlen aufgewartet werden: 40 Prozent der Abf√§lle in den gel¬≠ben Tonnen seien Restabf√§lle, er¬≠l√§utert der Gesch√§ftsf√ľhrer der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), Benjamin Scheffler. Hier behilft man sich damit, dass jene Tonnen, die zu viele Abf√§lle enthalten, ganz abger√§umt werden. ‚ÄěUns zeigen die vielen Fehlw√ľrfe, dass die gelbe Tonne ‚Äěnicht akzeptiert ist“, ist sein Fazit. F√ľr ihn ist sogar das ganze System ‚ÄěWahnsinn“, denn der Abfall der gelben Tonne wird auf neun im Bundesland zugelas¬≠sene Unternehmen zur Sortie¬≠rung verteilt, deren Standorte die mehr als roo Kilometer von der Mainmetropole entfernt liegen, die gr√∂√üten Mengen werden bis nach Braunschweig gefahren.¬† Deshalb haben die Frankfurter die neue Variante einer ‚Äěgelben Tonne Plus“ ins Spiel gebracht. Sie w√ľrde neben den Verpackun¬≠gen auch noch Holz und Metall unter ihrem Deckel aufnehmen, wodurch eine Aussortierung nach weiteren Wertstoffen m√∂g¬≠lich w√ľrde.

In Offenbach hatten die Stadt¬≠verordneten noch eine andere Idee, die sie ihren Abfallsamm¬≠lern als Auftrag gegeben haben. Da es in Frankfurts Nachbarstadt bisher keine braune Tonne f√ľr die so genannten biogenen Abf√§lle gab, hatten sie der Offenba¬≠cher Dienstleistungsgesellschaft ESO Mitte 2007 aufgegeben, ‚Äěan¬≠fallenden Biom√ľll einer sinnvol¬≠len Verwertung zuzuf√ľhren“.

Auch hier gibt es zu viele Stadt¬≠teile, in denen die Biotonne we¬≠gen ihrer Bev√∂lkerungsstruktur nicht funktioniert. Die ESO er¬≠mittelte, dass bei einer Sortie¬≠rung der ‚Äěunsauber“ gef√ľllten Restm√ľlltonne bis zu 39 Prozent

Bioanteil gewonnen werden k√∂nne. In einer Testphase 2008 wurde ermittelt, dass 39 Prozent des Restm√ľlls danach f√ľr die Ver¬≠g√§rung genutzt werden k√∂nnten.¬† Allerdings muss der Restm√ľll zur Aussortierung und Verg√§¬≠rung in das etwa 40 Kilometer entfernte Wicker bei Wiesbaden gefahren werden, wo eine Bio-Verg√§rungsanlage bereits in Be¬≠trieb ist, die Strom produziert. ‚ÄěWir k√∂nnen neben der auf 500 000 Euro errechneten Er¬≠sparnis im Jahr zus√§tzlich mit Er¬≠tr√§gen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz rechnen“, erl√§u¬≠terte der Projektmanager Christi¬≠an Loose. Die restlichen 63 Prozent des M√ľlls, die als soge¬≠nannte Grobfraktion bei der Sor¬≠tierung √ľbrig bleiben, m√ľssen je¬≠doch zur√ľck in die M√ľllverbren¬≠nungsanlage im heimische Of¬≠fenbach gefahren werden.¬†¬† Hermann Wygoda

www.fes-frankfurt.de

29 Nov 2009
Vom Stromzähler zum Strommanagement-System Рder Smart Meter kommt

DEMO 11-2009

Vom kommenden Jahr an wer­den alle Neubauten und bei al­len größeren Renovierungsmaß­nahmen bei Altbauten nur noch mit den neuen, sogenannten Smart Metern ausgestattet. So hat es die EU-Kommission vorgeschrieben und die Bundesregierung im Ener-

giewirtschaftsgesetz umgesetzt. Diese neuen Stromz√§hler arbeiten nicht mehr mit einer Drehscheibe und den bekannten Rollenz√§hl¬≠werken, sondern zeigen den Stromverbrauch in kleinen Fl√ľs¬≠sigkristallanzeigen an. Da mit den neuen Z√§hlern elektronische Da-

ten erzeugt werden, können diese direkt an das Energieversorgungs­unternehmen weitergeleitet und dort zur Fernauslese genutzt wer­den. Während hierzulande noch erste Feldversuche laufen Рdie Frankfurter Mainova startete im August 2008 einen in rund 3000 Haushalten Рwurden die neuen Gerä­te in Frankreich und Schweden bereits flächendeckend einge­baut.smart meterSmart Meter in einem Frankfurter Haushalt Foto: Wygoda

Die M√∂glichkeiten, mit denen f√ľr die ‚Äěintelligenten Stromz√§h¬≠ler“ geworben wird, klingen viel¬≠versprechend: Das ‚ÄěSmart Mete¬≠ring“ soll die Energieeffizienz er¬≠h√∂hen, indem die Verbraucher durch die permanente √úberwa¬≠chung ihres Verbrauchs erken¬≠nen k√∂nnen, ob sie einen der ge¬≠f√ľrchteten ‚ÄěStromfresser“ in ih¬≠rer Wohnung haben, und ande¬≠rerseits sollen es die neuen Stromz√§hler erm√∂glichen, dass die Kunden etwa Waschmaschi¬≠ne oder Sp√ľlmaschine zu sol¬≠chen Zeiten anlaufen lassen, in denen zu viel Strom da ist und die Versorger ihn deshalb billi¬≠ger anbieten.

√Ąltere werden sich noch an die Speicher√∂fen erinnern, die in der Nacht mit billigerem ‚ÄěNach¬≠strom“ aufgeladen wurden, um am Tag ihre W√§rme abzugeben. Dieser ‚ÄěNachtstrom“ soll jetzt als Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energiever¬≠brauchs zur√ľckkommen, indem vorgeschrieben wurde, dass last¬≠variable oder tageszeitabh√§ngi¬≠ge Tarife eingef√ľhrt werden m√ľssen. Die Bundesregierung verspricht sich damit eine Ener¬≠gieeinsparung von f√ľnf bis zehn Prozent.

Die neue Technik produziert auch manche Sorgenfalte

Eine gern genannte weitere M√∂glichkeit ist, dass dem Kun¬≠den dann, wenn Wind aus den Windkraftwerken viel Strom lie¬≠fert, die Versorgung auf ‚ÄěWind¬≠strom“ oder auch auf ‚ÄěSolar¬≠strom“ umgeschaltet werden kann. Doch l√∂st die neue Tech¬≠nik bei den Stromanbietern nicht nur helle Freude aus, son¬≠dern produziert auch so manche Sorgenfalte. Denn die neuen

Z√§hler sind drei- bis viermal teu¬≠rer als die alten. Und w√§hrend die sogenannten Ferraris-Z√§hler 30 bis 40 Jahre ‚Äěim Netz“ bleiben k√∂nnen, haben die elektroni¬≠schen Z√§hler eine garantierte Laufzeit von acht Jahren mit ei¬≠ner Verl√§ngerungsoption um weiter f√ľnf Jahre.Das bedeutet, dass sich die Mar¬≠ketingabteilungen bereits land¬≠auf, landab die K√∂pfe zerbrechen, wie die h√∂heren Kosten bei den Kunden wieder eingespielt wer¬≠den k√∂nnen und man ihnen viel¬≠leicht auch noch zus√§tzliche M√∂glichkeiten der Datentechnik verkaufen kann, um ihnen die neue intelligente Z√§hlertechnik schmackhaft zu machen.Zu den √úberlegungen geh√∂rt die Bereitstellung der Daten in ei¬≠nem Internetportal oder auf ei¬≠nem Display – gegen Geb√ľhr, versteht sich. Doch es geht bei der neuen digitale Technik nicht allein um Kosten. Der Frankfur¬≠ter Fachhochschulprofessor f√ľr Recht der Informationsgesell¬≠schaft, Peter Wedde, verweist da¬≠rauf, dass ‚Äěmit dem Smart Meter neue Datenstr√∂me entstehen“.

Das bedeutet auch, dass nach Mail-Kontrolle und Telefon√ľber¬≠wachung jetzt auch die ganz in¬≠dividuellen privaten Verhaltens¬≠weisen wie Kochen und Schla¬≠fengehen, Urlaubszeiten und Ar¬≠beitszeiten von den Energie-versorgern viertelst√ľndlich als Bewegungsprofile √ľber Strom-, Wasser- und Fernw√§rmever¬≠brauch nachgezeichnet werden k√∂nnen.¬†¬† Hermann Wygoda

Info: p_wedde@fbsuk-fh-frankfurt. de, www.mainova.de

19 Mai 2009
Stadtumbau im Dialog – Hanau w√§hlt Investoren f√ľr eine neue Innenstadt

DEMO 5-2009 In dem Projekt. einer Stadt ein komplett neues Gesicht zu geben, hat Hanau einen weiteren wichtigen Schritt getan:¬† Vier der urspr√ľnglich f√ľnf Investoren haben Im Rahmen des in der Bundesrepublik erstmals angewandten Vergabeverfahren ‚ÄěWettbewerblicher Dialog‚Äú in der sogenannten ‚ÄěDialogphase‚Äú der Bev√∂lkerung ihre Vorstellungen und Ideen f√ľr eine neue Innenstadt √∂ffentlich vorstellen und erl√§utern k√∂nnen. Die ‚ÄěDialogphase‚Äú ist in dem Vergabeverfahren (siehe auch DEMO 9-2008) vorgesehen, um die √Ėffentlichkeit trotz der sonst vorhandenen Schweigepflichten w√§hrend der Vergabe beteiligen zu k√∂nnen.

‚ÄěWir waren uns trotz vieler gegenteiliger Aussagen sicher, gen√ľgend Investoren zu finden, die sich bei dieser f√ľr Hanau so wichtigen Entscheidung beteiligen werden‚Äú, sagte der Oberb√ľrgermeister der Heimatstadt der Br√ľder Grimm,¬† Claus Kaminsky (SPD). Zufrieden f√ľgte er hinzu, dass ‚Äěalle Bewerber in der Champions League spielen‚Äú.

in der Tat betreiben alle Bietergemeinschaften im Rhein-Main-Gebiet und in ganz Europa Stadtentwicklungen. Die¬† Bietergemeinschaft 3W/ING Real Estate Germany aus Wiesbaden, die ECE Projektmanagement aus Hamburg, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) aus L√ľbeck und die Frankfurter MAB Development. Drei der Bewerber um diesen gro√üen und verantwortungsvollen Auftrag haben bereits in Hanaus Nachbarschaft, in der Mainmetropole Frankfurt am Main,¬† gro√üe Projekte entwickelt oder sind gerade dabei. Die ECE hat in Frankfurt bereits zwei gro√üe Einkaufscenter gebaut und wird auch am fr√ľheren UEC, dem jetzt SkylinePlaza¬† genannten Einkaufs- und B√ľrocenter am Rande der Messe f√ľr den Einzelhandel beteiligt sein. MAB hat gerade das neue Einkaufscenter ‚ÄěMy Zeil‚Äú auf der Frankfurter Zeil er√∂ffnet.

Der in Hanau zu erf√ľllende Auftrag bedeutet f√ľr alle Investoren nicht weniger als die Umgestaltung der kompletten Innenstadt in einer Platzfolge von f√ľnf Pl√§tzen. Mit dem laufenden Verfahren wollen die Stadtv√§ter endlich die Nachkriegsgeschichte ihrer Stadt vergessen machen. Nachdem im M√§rz 1945 die Kleinstadt im Osten Frankfurts zu 90 Prozent durch Bomber dem Erdboden gleichgemacht wurde, wurde sie in der Nachkriegszeit ohne Gesicht und Charme wieder aufgebaut, ein Schicksal, dass sie mit manch‚Äô vergleichbarerer Kommune bis heute teilt.

Die Investoren haben, wie zu h√∂ren war, in ihren Vorschl√§gen Neubauten von 50.000 Quadratmeter bis zu 95.000 Quadratmetern Bruttogeschossfl√§che vorgesehen. Die Investitionen der Investoren sollen zwischen 160 Millionen Euro bis zu 265 Millionen Euro betragen und die Stadt Hanau m√ľsste zwischen f√ľnf Millionen Euro und 25 Millionen Euro selbst in die Hand nehmen. Das Besondere an dem Verfahren ist n√§mlich, dass hier Projekte mit wirtschaftlicher Bedeutung, wie der Einzelhandel oder die B√ľrofl√§chen, mit solchen f√ľr die Stadt notwendigen Vorhaben gekoppelt werden, die weniger lukrativ sind.

F√ľr den Oberb√ľrgermeister ist der eingeschlagene Weg ein ‚ÄěMeilenstein von stadthistorischer Bedeutung‚Äú, zumal √ľber eine Neugestaltung einzelnen Pl√§tze der Stadt schon viele Jahrzehnte gestritten wurde. Bei der √ľberragenden Bedeutung des Projekts f√ľr die Stadt Hanau ist es auch kein Wunder, dass das Diskussionsforum und nicht zuletzt auch die dreit√§gige Ausstellung der Investorenideen von den B√ľrgen f√∂rmlich √ľberrannt wurden: 3.500 Menschen haben sich f√ľr die st√§dtebauliche Zukunft ihrer Stadt interessiert.

Zeitpunkt, √∂ffentliche Pr√§sentation und Diskussion der √úberlegungen kommen f√ľr den OB genau richtig, will er sich doch am 17. Mai wiederw√§hlen lassen und kann sich mit diesem Projekt als kompetenter Macher pr√§sentieren, zumal sich kein Oberb√ľrgermeister vor ihm an diese Herkulesaufgabe gewagt hatte.

Im Herbst sollen die Ideen des Siegerentwurfs √∂ffentlich vorgestellt werden, bevor die Entwurfsplanung beginnt. Ende 2010 oder Anfang 2011 k√∂nnte der erste Spatenstich f√ľr die komplette Neugestaltung der Hanauer Innenstadt erfolgen. F√ľr den ‚ÄěMacher‚Äú Kaminsky¬† ist der Stadtumbau nicht die einzige gro√üe Aufgabe, die er f√ľr Hanau auf den Weg bringt. Erst k√ľrzlich konnten 800 B√ľrgerinnen und B√ľrger auf einer Rundfahrt mit dem OB die 430 Hektar gro√üen ehemaligen US-Kasernen besichtigen, f√ľr die man jetzt ebenfalls neue Verwendungen finden muss. Auch das wird f√ľr Hanau einen weiteren gro√üen Sprung in seiner Entwicklung bedeuten, f√ľr den Kaminsky weiter regieren will.

Hermann Wygoda

15 Mrz 2009
Fraport lässt den Hahn fliegen

Der Betreiber des Frankfurter Flughafens verkauft seine Anteile am Airport Hahn f√ľr einen Euro an Rheinland-Pfalz

Der Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsr√ľck, der vor gut zehn Jahren als ein Konversi¬≠onsprojekt des Landes Rhein¬≠land-Pfalz aus einem amerikani¬≠schen Milit√§rflugplatz entstan¬≠den ist, geh√∂rt wieder dem Land Rheinland-Pfalz allein. Schneller, als es die Beteiligten selbst er¬≠wartet hatten, einigten sich Land und Fraport AG darauf, dass der Betreiber des Flughafens Frank¬≠furt ‚Äěden Hahn“ f√ľr einen Euro r√ľckwirkend zum i. Januar 2009 dem Land √ľberschreibt. Das Un¬≠ternehmen war mit 65 Prozent der gr√∂√üte Anteilseigner am Flughafen Hahn, w√§hrend die L√§nder Hessen und Rheinland-Pfalz jeweils 17,5 Prozent halten. Hessen wollte seinen Anteil zu¬≠n√§chst auch verkaufen, doch h√§lt es seine 17,5 Prozent weiter, es wurden weitere m√∂gliche Nachforderungen des Nachbar¬≠landes abgelehnt.

Anbindungsprobleme und rote Zahlen schreckten ab

Die im M-Dax notierte Fraport AG hatte sich einen Zeitrahmen von zehn Jahren gesetzt, in dem sie den Flughafen in die schwar¬≠zen Zahlen bringen wollte. Gro¬≠√üe Projekte waren mit dem rund 90 Kilometer entfernt liegenden Projekt verbunden worden: Als Ausweichflughafen f√ľr den chronisch √ľberlasteten Frank¬≠furter Airport sollte er dienen und eine ‚ÄěFlughafenkooperati¬≠on“ sollte aufgebaut werden. Fra¬≠port-Chef Wilhelm Bender brachte gar eine Transrapidver¬≠bindung zwischen dem gr√∂√üten Flughafen des europ√§ischen Kontinents und seinem Ableger ins Spiel. Doch in den zehn Jah¬≠ren war es weder gelungen, die Stra√üenverbindung zwischen Autobahn und Flughafen kom¬≠plett auf vier Spuren auszubau¬≠en, noch die fr√ľher zur Kohlelie¬≠ferung f√ľr den US-J√§gerst√ľtz¬≠punkt genutzte Eisenbahnver¬≠bindung zu reaktivieren.

Ausl√∂ser f√ľr den Ausstieg aus dem gemeinsamen Flughafen-Entwicklungsprojekt war ein Streit √ľber die Einf√ľhrung eines sog. Hahn-Talers geworden. An¬≠gesichts nicht endender roter Zahlen sollten sich nach den Vor¬≠stellungen der Fraport AG die Passagiere mit einem Betrag von drei Euro an der Zukunftsent¬≠wicklung des ‚ÄěHahn“ beteiligen. Au√üerdem sah ein Konzept mehr Verkaufsfl√§chen hinter den Gates vor sowie eine schnellere Vermarktung der gro√üen Fl√§¬≠chen auf dem Flugplatzareal.flughafen_hahn_michael-cawley-anja-seugling-in-ffm

Ryanair Vize-Präsident Michael Cawley und Pressesprecherin Anja Seugling. Foto: Wygoda

Doch der einzige große Kunde des Flughafens, die irische Ryan­air, tat das, was sie immer tut, wenn sie ihre Privilegien gefähr­det sieht: Sie drohte mit dem Ab­zug ihrer Flugzeuge, die Frank­furt-Hahn erst zu dem interes­santen Lowcost-Airport der ver­größerten Rhein-Main-Region gemacht hatten.

Damit war f√ľr die Mainzer Lan¬≠desregierung die Schmerzgrenze erreicht. Sie lehnte die Einf√ľh¬≠rung der Flughafengeb√ľhr ab. In Kreisen der Luftfahrtbranche wird zwar Verst√§ndnis f√ľr das Verhalten der Landesregierung ge√§u√üert, f√ľr die die unterentwi¬≠ckelte Hunsr√ľck-Region rund um den Hahn heute bereits ein Erfolgsprojekt dank der Flugha¬≠fenentwicklung ist. So haben in rund 120 Betrieben √ľber 3 200 Mit¬≠arbeiter Arbeit gefunden. Und ein Gutachten der FH Trier hat f√ľr das Jahr 2012 am Flughafen 6 461 Besch√§ftigte und weitere 4 523 in der Region prognosti¬≠ziert. Der rheinland-pf√§lzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) wies in diesem Zu¬≠sammenhang darauf hin, dass bereits im Jahr 2005 durch den Hahn 52,3 Millionen Euro Steu¬≠ern in die Kassen des Landes ge¬≠flossen seien. Das sei ‚Äěein Mehr¬≠faches an Steuereinnahmen, als urspr√ľnglich investiert wurde“.

Die Interessen der Partner sind sehr unterschiedlich

Da verwundert es nicht, dass die Interessen der Fraport als an der B√∂rse notiertes Unternehmen andere sind als die des Landes Rheinland-Pfalz, das regionale F√∂rderpolitik betreiben muss, die durch einen m√∂glichen Ab¬≠zug der Ryanair einen schweren D√§mpfer erlitten h√§tte. Die Pas¬≠sagierzahlen waren durchaus be¬≠achtlich. Mit vier Millionen Pas¬≠sagieren und rd. 125 000 Tonnen Fracht im vorigen Jahr liegt er im Frachtbereich auf Platz f√ľnf nach Leipzig und im Passagierbe¬≠reich auf Platz elf vor Leipzig. Doch wird kritisiert, dass der iri¬≠sche Billigflieger es wieder mal geschafft hatte, sich seine preis¬≠werten Flugtickets von jemand anderem bezahlen zu lassen.

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Das Vorfeld des Flughafens Hahn Foto: Flughafen Hahn

Wie es weitergehen soll, erl√§u¬≠tert Wirtschaftsminister Hand-rik Hering in einem Gespr√§ch mit DEMO: ‚ÄěWir werden in den kommenden drei Monaten einen Entwicklungsplan f√ľr den Flug¬≠hafen Hahn vorlegen und uns dann einen neuen Partner su¬≠chen.“ Von den Mitarbeitern des Flughafens erhielt er bei der Vor¬≠stellung seines Konzepts ein lautstarkes ‚ÄěDanke“ zugerufen. Doch wird auch Hering sicher wissen, dass es nicht einfach werden wird, etwa die EU-Kom¬≠mission davon zu √ľberzeugen, dass die st√§ndigen Zusch√ľsse des Landes sein m√ľssen. Ein Verfah¬≠ren gegen den Flughafen Frank¬≠furt-Hahn hat die Kommission bereits eingeleitet.

Die Fraport AG dagegen bel√§sst zwar ihre Mitarbeiter im Huns¬≠r√ľck und wird weiter auch mit ihrem Know-how bereitstehen, wie Flughafen-Vizevorstand Ste¬≠fan Schulte versicherte, doch kann sie den weiteren Entwick¬≠lungen beruhigt entgegensehen. Die fr√ľher angedachte Flugha¬≠fen-Kooperation ist f√ľr sie nach der Genehmigung der vierten Bahn nicht mehr aktuell und den Dauerkrach mit dem An¬≠teilseigner Lufthansa wegen der Unterst√ľtzung der Billigkonkur¬≠renz ist sie damit auch losgewor¬≠den. Angesichts der Folgen der Finanzkrise f√ľr den Luftverkehr hat sie genug andere Sorgen.

Hermann Wygoda

02 Feb 2009
Holding als Steuerungsinstrument – Stadt Darmstadt will aus Beteiligungen mehr machen

√úber 160 Beteiligungen der Stadt Darmstadt, die sich inzwischen ausschlie√ülich als ‚ÄěWissenschaftsstadt Darmstadt“ bezeichnet, werden in ihrem √ľber 600 Seiten starken Beteili¬≠gungsbericht aufgef√ľhrt. Diese Beteiligungen weisen insge¬≠samt eine Bilanzsumme von rund 7,3 Milliarden Euro aus und besch√§ftigen rund 6 900 Menschen.

Strategische F√ľhrung der Beteiligungen √ľber Holding

Während in anderen Kommu­nen bei der Einrichtung einer Holding die Frage der Steueropti­mierung im Vordergrund steht und die Möglichkeit, Leitungs­funktionen besser als im Rah­men des öffentlichen Tarifrechts zu bezahlen,darmstadt_opnv_b1

Der öffentliche Personennahverkehr ist eine der wichtigen Beteiligungen Der HEAG-Holding AG in Darmstadt  Foto: Wygoda

hat sich der Darm¬≠st√§dter Oberb√ľrgermeister Wal¬≠ter Hoffmann (SPD) mehr vorge¬≠nommen. Er will, dass die st√§dti¬≠schen Beteiligungen neben den M√∂glichkeiten der Steueropti¬≠mierung auch strategisch ge¬≠f√ľhrt werden und somit f√ľr die Stadt einen zus√§tzlichen Mehr¬≠wert erreichen. Dabei kommt der Heag AG als Holding die Auf¬≠gabe zu, die gesch√§ftlichen Ziele vorzugeben und ihre Erreichung zu kontrollieren.

Seit Fr√ľhjahr 2008 mit neuer Struktur und neuem Vorstand

Am 1. April vergangenen Jahres war die neue Struktur in Kraft getreten, f√ľr die auch ein neuer Vorstand eingesetzt wurde. Mar¬≠kus Hoschek, 40, und Klaus-Mi¬≠chael Ahrend, 36, sollen als Schnittstelle ‚Äězentrales Denken und Handeln“ umsetzen. Dass die Schwierigkeiten dieses ‚Äězen¬≠tralen Denkens und Handelns“ allein durch die Komplexit√§t der Vielzahl der st√§dtischen Beteili¬≠gungen mit ihren unterschiedli¬≠chen Aufgaben und Historien ein hohes Potenzial an Konflik¬≠ten und Problemen beinhaltet, r√§umen beide unumwunden ein.

Der besondere Charme der Darmst√§dter L√∂sung liegt nicht zuletzt darin, dass es hier keine Aufteilung der Beteiligungen nach Sparten gibt. Die Heag AG steuert alle Themen von der Energie √ľber den √∂ffentlichen Nahverkehr bis zu den Bauge¬≠sellschaften. Mit der HSE als Energielieferant und der Heag mobilo GmbH als dem Dienst¬≠leister f√ľr den √∂ffentlichen Perso¬≠nennahverkehr ist die Heag AG auch √ľber die st√§dtischen Gren¬≠zen hinaus in der s√ľdhessischen Region f√ľr die Energieversor¬≠gung und den √ĖPNV verantwort¬≠lich. Ebenfalls zum Portfolio ge¬≠h√∂rt die bauverein AG, die in Darmstadt und im gesamten s√ľd- und mittelhessischen Raum rund 18 000 Wohnungen in ih¬≠rem Besitz h√§lt.

Neues Verhältnis Wirtschaft und Politik auch Kulturwechsel

F√ľr die Gesch√§ftsf√ľhrer und Vor¬≠st√§nde der st√§dtischen Unterneh¬≠men ist es sicher eine neue Er¬≠fahrung, nun neben ihren Auf¬≠sichtsr√§ten auch noch einer zen¬≠tralen Holding Rechenschaft leisten zu m√ľssen und gesagt zu bekommen, wie sie ihre Gesch√§f¬≠te zu betreiben haben. ‚ÄěEs ist“, r√§umen die beiden Vorst√§nde ein, ‚Äěein Kultur- und ein Genera¬≠tionswechsel zugleich, der hier abl√§uft.“ Denn die Heag AG kon¬≠trolliert nicht allein die Ergeb¬≠nisse, sondern sie isS auch gehal¬≠ten, bereits im Vorfeld die von ihr gesetzten Ziele zu beeinflus¬≠sen, indem sie sich auch darum bem√ľht, den Mandatstr√§ger, also den Mitgliedern der Aufsichtsr√§¬≠te, und damit den Stadtverordne¬≠ten ihre Pl√§ne im Rahmen der neu eingerichteten ‚ÄěMandatstr√§¬≠gerinformation“ zu vermitteln.

‚ÄěWir k√∂nnen in diesen Informa¬≠tionsgespr√§chen unsere Vorstel¬≠lung √ľber die Gesch√§ftspolitik der Unternehmen vermitteln und zugleich die Konsequenzen f√ľr die Stadt aufzeigen“, erl√§utert Markus Hoschek, der bis zu sei¬≠nem Einritt in den Heag-Vorstand selbst Mitglied der Darm¬≠st√§dter Stadtverordnetenver¬≠sammlung war.

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Seit dem Fr√ľhjahr 2008 hat mit den beiden Vorst√§nden Markus Hoschek und Michael Ahrend bei der Heag neues Denken Einzug gehaltent Foto: Wygoda

Das Verst√§ndnis f√ľr die Kommu¬≠nalpolitik und die Bed√ľrfnisse der Kommunalpolitiker zeich¬≠net beide Vorst√§nde aus, da auch Klaus-Michael Ahrend vor sei¬≠nem Engagement in Darmstadt als kaufm√§nnischer Leiter der st√§d¬≠tischen Holding in Offenbach und als Gesch√§ftsf√ľhrer der dorti¬≠gen lokalen Nahverkehrsorgani¬≠sation angeh√∂rte.

Hermann Wygoda

19 Dez 2008
Passiv f√ľr den Klimaschutz

Frankfurt am Main. f√ľhrt beim Passivhausbau. Nachholbedarf herrscht bei st√§dtischer Infrastruktur I Von Hermann Wygoda

DEMO 12_2008

Im Oktober war man in Frank¬≠furt √ľberrascht √ľber das starke Interesse an einer Veranstaltung √ľber Passivhausbauten. Mehr als 60 Stadtverordnete und Verwal¬≠tungsfachleute waren aus Frei¬≠burg angereist, um sich vor Ort zu informieren, wie man insbe¬≠sondere Altbauten der 1950er-und 1960er-Jahre so saniert, dass sie den Passivhausstandard fast erreichen. ‚ÄěFr√ľher“, sagt der Ge¬≠sch√§ftsf√ľhrer der st√§dtischen Wohnungsbauholding, Frank Junker, ‚Äěw√§ren wir nach Freiburg gefahren, um dort zu sehen, wel¬≠che M√∂glichkeiten des energie¬≠sparenden Bauens es gibt“.

Ihre derzeitige Spitzenstellung im nachhaltigen Bauen nach Pas¬≠sivhausstandard mit bisher rd. 300 gebauten Wohnungen ver¬≠dankt die Mainmetropole auch der Tatsache, dass nach einem ersten erfolgreichen Versuch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hatte, st√§dtische Wohnungen nur im Passivhaus¬≠standard zu errichten. Neben den bereits 300 fertig gestellten Woh¬≠nungen sind weitere 220 im Bau. Bisher, so konnte Junker seinen Besuchern verk√ľnden, habe das Unternehmen ‚Äěkeinerlei Proble¬≠me gehabt, die Wohnungen zu verkaufen“. Und in der Tat waren auf Infoveranstaltungen f√ľr neue Projekte, ‚Äěohne Anzeigen“ wie Junker betont, immer mehr feste Interessenten, als Wohnun¬≠gen angeboten wurden.

‚ÄěNicht ganz einfach“, r√§umte er ein, sei die Sanierung des Altbau¬≠bestands gewesen, doch habe es sich gezeigt, dass f√ľr die Mieter trotz des nicht ganz erreichten Standards enorme Einsparerfol¬≠ge erzielt wurden: W√§hrend vor der Sanierung f√ľr jede Wohnung 1 100 Liter Heiz√∂l pro Jahr ver¬≠brannt werden mussten, konnte der Heiz√∂lverbrauch nach der Sa¬≠nierung auf 150 Liter reduziert werden – eine Ersparnis von 850 Liter pro Wohnung und Jahr. F√ľr das n√§chste Projekt k√ľndigte er an, werde ein ‚ÄěWarmmiete-Mo-dell“ eingef√ľhrt, da die Erhebung der Verbrauchsdaten und das Schreiben der Rechnungen teu¬≠rer seien als die Heizkosten. 2315 Wohnungen will die st√§dti¬≠sche Holdung bis 2010 im Passiv¬≠hausstandard neu bauen oder energetisch sanieren.

passivhaus-hansaalee_b2315 Wohnungen im Passivhausstandart will die ABG Holding bis zum Jahr 2010 errichten Foto: Wygoda

Die erzielten Erfolge beim Ener¬≠giesparen beschr√§nken sich nicht nur auf den Wohnungs¬≠bau. Das Energiereferat der Stadt verk√ľndet stolz, man sei auf dem Weg zur ‚ÄěGreen City“, und ver¬≠weist darauf, dass die Bauherren der Hochh√§user in der Bankenmetropole seit Anfang der 1990er-Jahre im Rahmen eines Energieforums ‚ÄěBanken und B√ľ¬≠ro“ √ľber energiesparendes Bauen informiert wurden. Dabei sei es zum Beispiel gelungen, der Commerzbank AG bei ihren Planungen eine Einsparung des Energiever¬≠brauchs von einem Drittel ge¬≠gen√ľber der urspr√ľnglichen Pla¬≠nung aufzuzeigen.

Dass Energieeffizienz vom Markt bei Neuplanungen inzwischen sogar gefordert werde, best√§tigt Stefan Bl√ľmm von der Deut¬≠schen Immobilien Chance (DIC). In der Innenstadt plant die DIC zurzeit, ein 21 000 Quadratmeter gro√ües Gel√§nde der Degussa AG als ‚ÄěMainTor“ mit B√ľros und Wohnungen zu entwickeln. Er betont, dass ‚Äěwir heute schon an die m√∂glichen kommenden Vor¬≠schriften f√ľr die Nachhaltigkeit von Geb√§uden bei der Fertigstel¬≠lung im Jahr 2014 denken m√ľs¬≠sen“.

Auch Investoren und k√ľnftige Mieter h√§tten die Energie¬≠preise heute im Blick. Daher wer¬≠de viel Zeit und Energie in die Pr√ľfung der verschiedensten Energiespartechniken gesteckt, die teils noch in der Entwicklung sind. So wolle man etwa mit der Stadt dar√ľber verhandeln, die in einem gro√üen Abwassersammler unter dem Gel√§nde vorhandene W√§rme zu nutzen.

Reduzierung der Energiekosten spielt auch beim Betreiber des Frankfurter Flughafens, der Fra¬≠port AG, eine Rolle. Hier werden zuerst die Altbauten auf Einspar¬≠m√∂glichkeiten hin untersucht. Bei Sanierung etwa der Brand¬≠schutztechnik im Terminal 1 von 1972 konnten 30 bis 40 Pro¬≠zent Energiekosten gespart wor¬≠den. Fraport-Chef Wilhelm Ben¬≠der hatte erst k√ľrzlich ein ambi-tioniertes ‚ÄěSechs-Punkte-Pro¬≠gramm f√ľr mehr Klimaschutz“ vorgelegt, das vorsieht, die ‚Äěna¬≠tionale Zukunftsaufgabe Flugha¬≠fenausbau“ C02-neutral zu reali¬≠sieren. Dabei sei angestrebt, den durch den Ausbau entstehenden zus√§tzlichen Energieverbrauch durch Einsparungen zu kompen¬≠sieren. So k√ľndigte er an, dass ge¬≠plante neue Terminal 3 mit Hilfe energieeffizienter, innovativer Geb√§udetechniken, Geothermie und Photovoltaik als ‚Äělow emis-sion terminal“ zu errichten.

Frankfurts OB Petra Roth sieht ihre Stadt – immerhin 1990 Gr√ľndungsmitglied des EU-Kli¬≠ma-B√ľndnisses von St√§dten und Gemeinden – auf gutem Wege. Schlie√ülich sei man europaweit f√ľhrend beim Passivhausbau. Mitte April 2009 ist dann die ‚Äě13. Internationale Passivhausta¬≠gung“ am Main zu Gast. Ende 2008 will das Planerb√ľro Albert Speer unter dem Stichwort ‚ÄěFrankfurt f√ľr die Umwelt“ ein Konzept vorlegen, wie die Ban¬≠kenstadt Mobilit√§t, Ressourcen¬≠schutz und Energieeffizienz zu¬≠sammenbringt. Derzeit sei neben Privatgeb√§uden wie den Deut¬≠sche-Bank-T√ľrmen – die gerade aufw√§ndig energetisch saniert werden – auch die st√§dtische In¬≠frastruktur nicht mehr ganz Stand der Technik.

29 Okt 2008
Menschlichkeit als Qualitätsmaßstab

Die Arbeiterwohlfahrt Frankfurt zertifiziert sich mit Menschlichkeit und Effizienz I Von Hermann Wygoda #

DEMO 10_2008

Zwischen den Polen immer ge¬≠ringer werdender finanzieller Ressourcen und steigender An¬≠forderungen durch die staatli¬≠chen Finanzgeber hat die Arbei¬≠terwohlfahrt (AWO) in Frank¬≠furt am Main f√ľr sich ein speziel¬≠les Qualit√§tsmanagement entwickelt, dass neben den √ľbli¬≠chen Anforderungen der DIN-Norm auch die Anforderungen und Grunds√§tze des historisch gewachsenen Selbstbilds der AWO beinhaltet und f√ľr die rund 700 Mitarbeiter die Grund¬≠lage ihrer Arbeit darstellen. Da¬≠rin hei√üt es etwa: ‚ÄěIm Mittel¬≠punkt unserer Bem√ľhungen ste¬≠hen alte und pflegebed√ľrftige Menschen und ihre Angeh√∂ri¬≠gen. An ihrer Zufriedenheit wol¬≠len wir uns messen lassen.“

Energie und Zeiteinsatz der Mitarbeiter haben sich gelohnt

2005 wurden die ersten Zertifi¬≠zierungen nach einem langen und intensiven Diskussions- und Arbeitsprozess erfolgreich abge¬≠schlossen, ‚Äěin den alle Mitarbei¬≠ter sehr viel Energie und zus√§tz¬≠liche Zeit gesteckt haben“, wie die Leiterin des August-Stunz-Zentrums, Doris Mauczok, ein¬≠r√§umt. ‚ÄěDoch“, so stellt sie fest, ‚Äěes gibt kaum jemanden, der nicht einr√§umt, dass sich die Ar¬≠beit gelohnt hat.“

Dieses positive Ergebnis kommt auch nach √úberzeugung des Lei¬≠ters des Pflegediensts, Mathias Rosenberger, nicht zuletzt aus der Erkenntnis, ‚Äědass wir nicht nur den gesetzlichen Anforde¬≠rungen inzwischen besser ent¬≠sprechen, sondern auch, dass je¬≠der Mitarbeiter sieht, dass sich seine Arbeitsumgebung und sei¬≠ne Arbeit verbessert hat“.

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Die Pflege im August-Stunz-Zentrum soll an der Zufriedenheit der pflege¬≠d√ľrftigen Menschen gemessen werden. Foto: Wygoda

So √ľberraschend ein solches Ur¬≠teil zun√§chst klingen mag, am Beispiel der Heimk√ľchen wird es nachvollziehbar. Sind doch die Mahlzeiten f√ľr die Bewohner der Heime das A und 0 ihres Tages¬≠ablaufs und damit ein wichtiger Faktor f√ľr ihre Zufriedenheit.

K√ľchen in AWO-Regie mit mehr Service f√ľr weniger Geld

In den sechs Heimen des Frank¬≠furter AWO-Kreisverbands wa¬≠ren die K√ľchen wie in vielen an¬≠deren Heimen und Krankenh√§u¬≠sern an externe Unternehmen ausgelagert worden, die die Mahlzeiten nicht im Haus frisch zubereitet haben, sondern sie in ihren Gro√ük√ľchen ‚Äěfertigen“ lie¬≠√üen. Als die AWO ihre K√ľchen wieder in eigener Regie betrieb, hat dies selbst in der Gastrono¬≠mie-Fachpresse zu gro√üer Ver¬≠wunderung gef√ľhrt. Allerdings war Voraussetzung, dass durch die eigenen K√ľchen der Finanz¬≠haushalt nicht durcheinanderge¬≠bracht werden durfte.

In der Bearbeitung des Themas im Rahmen des Qualitätsmana­gements wurde schnell deutlich, welche Voraussetzungen not

wendig waren, um die Forderun¬≠gen nach schmackhaftem Essen und finanzieller Absicherung zu erf√ľllen. So wird jetzt f√ľr alle K√ľ¬≠chen im Intranet ein monatli¬≠cher Speisenplan mit den dazu geh√∂renden Rezepten einge¬≠stellt, den die K√ľchenchefs ge¬≠meinsam abstimmen. Danach wird f√ľr diesen Speiseplan zen¬≠tral eingekauft, um finanziell in¬≠teressante Konditionen f√ľr die t√§glich rund 1 000 Essen zu be¬≠kommen. Gleichzeitig wurde das aus den Krankenh√§usern bekannte Tablettsystem abge¬≠schafft, bei dem sich die Bewoh¬≠ner f√ľr eine Woche im Voraus festlegen m√ľssen. In den AWO-Heimen k√∂nnen sich die Bewoh¬≠ner, die sich nicht mehr so gut bewegen k√∂nnen, die Speisen von den B√ľffets auf Wagen aus¬≠suchen. Und eine weiter Neue¬≠rung ist besonders gut angekom¬≠men: das Fr√ľhst√ľcksbuffet. ‚ÄěEs ist jetzt hier wie im Hotel“, sagte eine Bewohnerin, die den K√ľ¬≠chenchef Bernd Breitling im Speisesaal traf und ihm dabei gleich noch einen Wunschzettel f√ľr den n√§chsten Speiseplan zu¬≠steckte. Im August-Stunz-Zen¬≠trum, so Doris Mauczok, sei jetzt sogar der Wunsch auch nach dem gemeinsamen Abendessen im Speisesaal aufgekommen. Aber nicht nur die Bewohner sind zufriedener. Auch in den Haushaltspl√§nen konnten in den ersten beiden Jahren Einsparun¬≠gen von bis zu 18 Prozent ge¬≠bucht werden. Jetzt werden die Essen-Etats wie veranschlagt ein¬≠gehalten. Und noch ein zweiter Bereich wurde neben der K√ľche wieder eingegliedert: der Reini¬≠gungsdienst. ‚ÄěWir haben dabei gelernt, dass auch der Kontakt mit den Reinigungspersonal f√ľr unsere Bewohner wichtig ist, weil sie oftmals die ersten sind, die in die Zimmer kommen, und mit denen sie auch ein kurzes Schw√§tzchen halten k√∂nnen“, berichtete Thomas Kasper, der Qualit√§tsmanager der Frankfur¬≠ter AWO. Gerade f√ľr demente Be¬≠wohner sei es √ľberaus schwierig gewesen, wenn ihnen die Reini¬≠gungsunternehmen immer wie¬≠der neue Mitarbeiter geschickt haben, die sie nicht kannten.

Der Gesch√§ftsf√ľhrer der Frank¬≠furter Arbeiterwohlfahrt, J√ľrgen Richter, zieht nach der ersten Zertifikatsrunde und den Erfah¬≠rungen zum Aufbau des Systems ein positives Fazit: ‚ÄěDie f√ľnf Jah¬≠re Aufbauarbeit, die wir gemein¬≠sam in unser Tandem-System ge¬≠steckt haben, haben sich ausge¬≠zahlt, denn wir kennen jetzt alle Prozesse in den H√§usern, jeder wei√ü, welche Verantwortung er hat und was er von den anderen f√ľr seinen Arbeitsbereich erwar¬≠ten kann. Und wenn es mal Pro¬≠bleme gibt, haben wir eine ganz andere Kommunikationskultur als vorher.“

19 Sep 2008
Grunderneuerung durch Gespräche

DEMO 9-2008 Die Um- und Neugestaltung der Innenst√§dte ist ein be¬≠liebtes Thema f√ľr langj√§hrige Diskussionen. Das ist in der Br√ľ¬≠der-Grimm-Stadt Hanau nicht anders. Fast 30 Jahre wurde dort ergebnislos √ľber die Neugestal¬≠tung der Innenstadt diskutiert. Die sog. Neustadt Hanaus wurde 1567 als Planstadt au√üerhalb der ‚Äěalten“ Stadt auf dem Rei√übrett entworfen. Dieses Grundschema mit seinem Rechteckraster von Stra√üen und Baubl√∂cken ist im Stadtbild noch heute ablesbar.

√úber die Neugestaltung drei der wichtigsten Pl√§tze dieses noch heute als ‚ÄěNeustadt“ bezeichne¬≠ten Areals, der Freiheitsplatz, der ‚ÄěNeust√§dter“ Marktplatz und der Kirchplatz mit der Wallonisch-Niederl√§ndischen Kirche, scheint nun Einigung erzielt worden zu sein. Mit den Stim¬≠men des als ‚ÄěKleeblatt“ bezeich¬≠neten B√ľndnisses von SPD, CDU, Gr√ľnen und B√ľrgern f√ľr Hanau (BfH) hat der Stadtrat Mitte Juni einstimmig einen weitreichen¬≠den und mutigen Schritt be¬≠schlossen.

Ziele der angesto√üenen Stadtent¬≠wicklung sind u.a. eine neue Bi¬≠bliothek, ein Br√ľder-Grimm-Kul¬≠turzentrum, sch√∂nere Pl√§tze mit mehr Aufenthaltsflair, attrakti¬≠verer Einzelhandel und nicht zu¬≠letzt besseres Wohnen in der In¬≠nenstadt, wo heute noch Nach¬≠kriegswohnungen ohne jeden modernen Komfort stehen.

Gelingen soll das mit dem bis¬≠lang in deutschen Kommunen noch nicht genutzten Instru¬≠ment des ‚Äěwettbewerblichen Dialogs“. Hanau ist damit die ers¬≠te Kommune, die diese neue Me¬≠thode der Vergabe √∂ffentlicher Auftr√§ge nach dem europ√§i¬≠schen Vergaberecht (Art 29 RL 2004/18/EG) erstmals anwendet. Das Besondere an diesem Verfah¬≠ren ist, dass es den Kommunen¬≠erlaubt, die Ausschreibung be¬≠sonders komplexer und schwie¬≠riger Verfahren so zu gestalten, dass es mehrere Phasen des Ver¬≠fahrens gibt, in denen durch neue Verhandlungen (Dialoge) zwischen Anbieter und der Kom¬≠mune passende L√∂sungen ge¬≠sucht werden k√∂nnen. Damit be¬≠steht die Chance, dass stets auf¬≠tretende Probleme aus Sicht der Kommune in den L√∂sungsvor¬≠schl√§gen der Anbieter gemein¬≠sam fr√ľhzeitig so gel√∂st werden k√∂nnen, dass beide Seiten damit leben k√∂nnen. Daher hei√üt es in der Pr√§ambel zur Ausschreibung w√∂rtlich: ‚ÄěDie Stadt Hanau √∂ff¬≠net sich im Rahmen des wettbe¬≠werblichen Dialogs ausdr√ľck¬≠lich einem gemeinsamen diskur¬≠siven Planungs- und Stadtent-wicklungsprozess mit Bewer¬≠bern und Investoren.“

Wenn alles gut l√§uft, sollte es mit diesem Verfahren die bei den bis¬≠herigen PPP-Verfahren nachtr√§g¬≠lich auftretenden Beschwerden nicht mehr geben, da W√ľnsche, Anregungen und √Ąnderungsvor¬≠stellungen in den sog. Dialog¬≠phasen ber√ľcksichtigt werden k√∂nnen. Dies stellt auch Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) als be¬≠sonderen Vorzug heraus: ‚ÄěWir haben uns f√ľr dieses Verfahren entschieden, weil es eine Form des Public Private Partnership ist, wir aber durch die zwischen die einzelnen Schritte geschalteten Dialogphasen die M√∂glichkeit haben, auch √∂ffentlich die f√ľr die Stadt beste L√∂sung zu erarbei¬≠ten.“

Gemeinsame Lösungen waren bisher nicht möglich

Das Verfahren wurde zun√§chst in niederl√§ndischen Kommunen angewandt, wo es die Hanauer kennen gelernt haben. Die bis¬≠her bekannten Vergabeverfahren nach PPP-Modell, wie sie in Frankfurt am Main beim Bil¬≠dungszentrum Ostend ange¬≠wandt wurden (DEMO 10/2007, S. 12; d. Red.), wurden auch des¬≠halb kritisiert, weil sie aus juris¬≠tischen Gr√ľnden nicht die M√∂g¬≠lichkeit beinhalten, dass Anbie¬≠ter und Bewerber vor der Abgabe der Angebote √ľber die zu erbrin¬≠genden Leistungen miteinander sprechen. Die Erarbeitung ge¬≠meinsamer L√∂sungen ist damit von vornherein ausgeschlossen. Es darf nur das gebaut werden, was zu Beginn des Planungspro¬≠zesses von beiden Parteien fest¬≠gelegt wurde.

F√ľr die Hanauer Kommunalpoli¬≠tik war partei√ľbergreifend ent¬≠scheidend, dass in dem zu bebau¬≠enden Bereich, der den gr√∂√üten und wichtigsten Teil der Innen¬≠stadt umfasst, ‚Äěeine Vielzahl un¬≠terschiedlicher L√∂sungen not¬≠wendig ist, um die Innenstadt so zu gestalten, dass sie ihren histo¬≠rischen Charakter beh√§lt und zu¬≠gleich den Anforderungen an ei¬≠ne moderne Stadtmitte mit Ein¬≠kaufs- und Freizeitm√∂glichkei¬≠ten, aber auch mit innerst√§d¬≠tischem Wohnen entspricht“, be¬≠gr√ľndet der Leiter der Stadtent¬≠wicklungsabteilung, Martin Bie-berle, die Wahl des Vergabever¬≠fahren nach dem wettbewerbli¬≠chen Dialog. Nach der nun abgeschlossenen Bieterphase ha¬≠ben sich acht Investoren um die¬≠ses PPP-Verfahren beworben. ‚ÄěEin sehr gutes Ergebnis“, bilan¬≠ziert er zufrieden.

Hermann Wygoda

www wettbewerblicher-dialog. de