FNP

FNP Archiv
08 Jun 2014
Siemens feierte das 30-jĂ€hrige Bestehen seines Werks fĂŒr gasisolierte Mittelspannungsschaltanlagen in Fechenheim

Frankfurt am Main 6.6.2014  FNP   Stolz ist Hartmut HĂŒbner, Leiter des Siemens-Schaltanlagenwerkes, nach 30 Jahren am Standort in Fechenheim schon. Denn „sein“ Werk habe sich in dieser Zeit auch zum „Leitwerk“ fĂŒr die Siemens-Standorte in vielen LĂ€ndern der Erde entwickelt, die nach dem sogenannten „Frankfurter Produktionssystem“ arbeiten.

Zwar ist Siemens bereits seit 1848 in Frankfurt vertreten (siehe Info-Kasten), doch erst 1971 hatte Siemens das Unternehmen „Voigt und Haeffner“ in der Hanauer Landstraße nahe des Osthafenplatzes ĂŒbernommen. In beiden Firmen wurden damals Anlagen zur elektrotechnischen AusrĂŒstung hergestellt, ohne die keine sichere Stromversorgung möglich wĂ€re, denn die Schaltanlagen können entweder Teile eines Stromverteilernetzes abschalten oder etwa die Lampen in ganzen StraßenzĂŒgen ein- beziehungsweise ausschalten.

Bei diesen gasisolierten Mittelspannungsanlagen konnte sich das Frankfurter Werk in den vergangenen 30 Jahren zum weltweit grĂ¶ĂŸten Unternehmen fĂŒr diese Anlagen entwickeln, in dem mehr als 1600 Mitarbeiter beschĂ€ftigt sind.

Siemens  WSerk Frankfurt 2014
Fertige SchaltkĂ€sten werden fĂŒr den Transport bewreit gestellt  Foto: wygoda

HĂŒbner verwies darauf, dass die Anlagen zur Sicherstellung der elektrischen Versorgung nicht nur in den Frankfurter HochhĂ€usern, wie den beiden TĂŒrmen der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB), oder in den Rechenzentren stehen, sondern auch bei der aktuellen Umstellung auf erneuerbare Energien fĂŒr die kĂŒnftigen dezentralen und intelligenten Netze eine zentrale Rolle spielen. „FĂŒr die sichere Energieversorgung der BallungsrĂ€ume, wie unserem Rhein-Main-Gebiet, werden die Netze miteinander kommunizieren mĂŒssen, um sowohl die großen Kraftwerke als auch die dezentralen Energieerzeuger mit Photovoltaik-Anlagen oder Windkraftanlagen miteinander zu verknĂŒpfen“, erlĂ€uterte der Werksleiter.

Kunden in 85 LĂ€ndern

TĂ€glich verlassen 150 bis 170 Lastwagen das Fechenheimer Werk mit etwa 1100 Schaltanlagen, die fĂŒr die Kunden in mehr als 85 LĂ€ndern weltweit nach deren jeweils eigenen technischen Anforderungen zusammengestellt werden.

FĂŒr Hartmut HĂŒbner gibt es kaum einen besseren Standort als Frankfurt, da er mit den erstklassigen Verbindungen ĂŒber den Flughafen, die Autobahnen und dem ICE-Knoten im Hauptbahnhof „hervorragend angebunden ist, um unseren 5000 Kunden im Jahr eine schnelle An- und Abreise zu ermöglichen, wenn sie sich ĂŒber unsere Angebote vor Ort informieren möchten“.

Siemens  WSerk Frankfurt 2014
Zur DichtungsprĂŒfung nach dem Zusammenbau Foto: Wygoda

Info: Lange Geschichte in Frankfurt

Mit Frankfurt verbindet Siemens eine lange gemeinsame Geschichte: 1848 wurde die berĂŒhmt gewordene Telegraphenverbindung zwischen Berlin und Frankfurt von Siemens gebaut.

HĂŒbner kĂŒndigte fĂŒr das Werk den Bau eines eigenen Blockheizkraftwerkes fĂŒr 1,2 Millionen Euro an, das etwa 80 Prozent der in dem Werk verbrauchten Stromenergie liefern soll. Bereits in drei Jahren rechne sich diese Investition, unterstrich der Werksleiter.

Globales HerzstĂŒck

Trotz der im Siemenskonzern angekĂŒndigten Einsparungen beim Personal brauchen sich die Mitarbeiter im Werk in Frankfurt keine Sorgen machen, da es „das HerzstĂŒck der globalen Produktion fĂŒr LĂ€nder wie Indien und China ist“, wie Stephan May, Leiter der GeschĂ€ftseinheit „Mittelspannung“ sagte, da die Produktionsstandards fĂŒr alle anderen ProduktionsstĂ€tten in der Welt hier in Frankfurt entwickelt wĂŒrden.

Im Jahr 2009 hatte Siemens ĂŒber 30 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Standorts investiert. Die FertigungsflĂ€che wurde um etwa 10 000 Quadratmeter erweitert. Zudem wurden ein automatisiertes Logistikzentrum und ein Kundenzentrum neu errichtet – jeweils entsprechend aktueller Energieeffizienz-Normen.

Das 30-jĂ€hrige Bestehen wird mit einem dreitĂ€gigen Fest gefeiert, das am Samstag auch die Familien der Mitarbeiter einbezieht, die zu einem „Familientag“ in das Werk eingeladen sind.

03 Jun 2014
Autos sollen mit Ampeln kommunizieren / Wir vertrauen den Daten nicht

Frankfurt am Main 31.5.2014   FNP    Hamburg hat sich gerade eine neue Verkehrsleitzentrale geleistet. Damit will man in der Hansestadt den Autoverkehr flĂŒssiger und weniger stauanfĂ€llig in den Griff bekommen. Frankfurt hat zunĂ€chst zwischen der Messe und dem Waldstadion eine erste Strecke mit computergesteuerten Ampeln ausgerĂŒstet. FNP-Mitarbeiter Hermann Wygoda sprach mit dem Leiter des Frankfurter Straßenverkehrsamtes, Ulrich Schöttler, ĂŒber die in der Mainmetropole gemachten Erfahrungen.

Herr Schöttler, die Frankfurter Stadtverwaltung hat bereits im Jahr 2002 erste Erfahrungen mit der automatischen Steuerung von Ampeln oder Lichtzeichen-Anlagen, wie sie offiziell heißen, gemacht. Jetzt will Hamburg ein Ă€hnliches System aufbauen. Hat das in einer Großstadt nach Ihren Erfahrungen ĂŒberhaupt eine Chance?

ULRICH SCHÖTTLER: Das Problem ist, unabhĂ€ngig in welcher Stadt Sie es versuchen, den Verkehr so exakt wie möglich zu erfassen. Es gibt innerstĂ€dtisch so viele VorgĂ€nge, die Sie gar nicht exakt genug erfassen können, weil man nicht so viele Detektoren einrichten kann. Denken Sie nur an die Lieferfahrzeuge, die Autos oder Pakete bei den Unternehmen abliefern. Das ist nicht unbedingt dort, wo wir unsere Detektoren eingebaut haben. Wir haben 2002 zunĂ€chst auf der Strecke von der Messe bis zum Hauptbahnhof und spĂ€ter bis zum Waldstadion Detektoren in sehr kurzem Abstand in die Straßen eingebaut und zusĂ€tzlich Infrarot-Detektoren an den Ampeln angebracht.

Straßenverkehrssteiuerung Video-Wand
Die Verkehrszentrale der Stadt Frankfurt am Main Foto: Wygoda

Das sind die kleinen Kugeln, die ĂŒber jedem Straßenstreifen an den Ampeln hĂ€ngen?

SCHÖTTLER: Das ist richtig. Wir haben aber auch unsere Fernsehkameras auf diese Strecke im Betrieb gehalten und aktualisiert. Von den fast 900 Ampeln können wir rund 500 bereits verkehrsabhĂ€ngig steuern. In den vergangenen zehn Jahren haben wir versucht, mit der Datenflut, die wir damit gesammelt haben, eine sogenannte „Verkehrslage“, also eine genaue Abbildung des tatsĂ€chlichen Verkehrs auf den Straßen, zu erhalten. Aber auch nach zehn Jahren muss ich sagen, dass wir diesen Daten nicht vertrauen.

Was heißt das fĂŒr den tĂ€glichen Verkehrsablauf?

SCHÖTTLER: Wir vertrauen eher unseren Mitarbeitern, die die Daten auf PlausibilitĂ€t prĂŒfen und sie mit den Bildern vergleichen, die die Fernsehkameras liefern, bevor wir etwa Ampelphasen Ă€ndern. Sie sehen, dass diese Verfahren noch alle schwierig sind, weil wir die Informationen nicht in der fĂŒr unsere Eingriffe notwendigen QualitĂ€t haben.Gibt es Vorstellungen, wie Sie zu einer unabhĂ€ngigen Steuerung des Verkehrs durch den Rechner kommen könnten?

SCHÖTTLER: Ich gehe davon aus, dass das Problem in den nĂ€chsten Jahren dadurch geringer werden wird, dass die Autos immer mehr Daten selbst sammeln, die fĂŒr unsere Zwecke abgerufen werden können. Damit hĂ€tten wir erst die Möglichkeit die jeweilige Verkehrslage genauer zu managen.

Verkehrsstau in Franklfurt am Main
Verkehrsstau in Frankfurt

Hier in Frankfurt und im nĂ€heren Rhein-Main-Gebiet lief vor einem Jahr der erste und grĂ¶ĂŸte Versuch mit der Kommunikation zwischen den Autos und den Ampeln. Warten Sie also darauf, dass jedes Fahrzeug selbstĂ€ndig seinen Standort meldet?

SCHÖTTLER: Ja, wir haben im Rahmen dieses Versuches die von den Testfahrzeugen gesendeten Daten mit unseren Überwachungskameras verglichen und dabei festgestellt, dass diese Daten so genau waren, dass wir aus ihnen Folgerungen fĂŒr die Verkehrslenkung ziehen könnten. Es gibt aber auch schon heute Systeme, mit denen solche Daten sehr genau erhoben werden können. Zum Beispiel hat die Firma Tom Tom in ihren Navigationsinstrumenten auch die Möglichkeit, Daten aus den Fahrzeugen ĂŒber ihren Standort europaweit zu sammeln. Dieser Übertragung muss der Besitzer des Systems zustimmen. Das Unternehmen kann dann die gefahrene Geschwindigkeit oder Daten ĂŒber Staus abrufen, sie aufbereiten und im Internet darstellen beziehungsweise sie auch an die Fahrzeuge zurĂŒckschicken, um die Angaben des NavigationsgerĂ€tes exakter und damit aktueller zu machen. Dieses System funktioniert sehr gut. Mit neuerer Technik wĂ€re es noch genauer, weil diese Daten direkt in die Verkehrsleitzentralen der StĂ€dte oder auch der LĂ€nder, beziehungsweise der Leitzentralen der Autobahnen eingespeist werden könnten. Damit erreicht man einen weiteren QualitĂ€tssprung, weil dann zusĂ€tzlich die bereits vorhandenen Daten mit einfließen können.

Gibt es einen Zeithorizont, ab wann eine genĂŒgende Anzahl Fahrzeuge mit dieser Technik ausgerĂŒstet sein werden?

SCHÖTTLER: Ich bin mit solchen EinschĂ€tzungen eher vorsichtig. Die Automobilfirmen nennen Prognosen von etwa fĂŒnf bis sechs Jahren. Allerdings werden diese neuen Systeme heute schon in die Pkws der Oberklasse eingebaut, so dass sie vielleicht schon frĂŒher auch in den preiswerteren Modellen zu finden sein werden. Tom Tom nennt, dass zurzeit etwa vier Prozent der Fahrzeuge mit ihrem System ausgerĂŒstet sind. Um noch genauer zu sein, meinen sie, dass fĂŒnf Prozent ausreichen wĂŒrden.

Dann bleibt aber noch das Problem des Datenschutzes, denn nicht jeder wird davon begeistert sein, dass seine Fahrtrouten jederzeit mitgeschnitten werden.

SCHÖTTLER: Dieses Problem besteht in der Tat, da haben Sie Recht. Doch geben viele Menschen bereits heute ihre Daten freiwillig ab.

30 Mrz 2014
Kein sicherer Hafen fĂŒr Firma Contargo- Container-Terminal kann doch nicht erweitern

Frankfurt  29.03.2014   Die Contargo Rhein-Main, eine Tochter der Rhenus AG, will seit vielen Jahren ihr Containerterminal im Osthafen ĂŒber die Schmickstraße hinweg erweitern. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Frankfurter Niederlassung, zu der auch Gustavsburg und  Koblenz gehören, Christian Eichmeier,  zeigte sich am Freitag  „sehr ĂŒberrascht“, nachdem ihm Frankfurts Wirtschaftsdezernent  Markus Frank eröffnen musste, dass die geplante Erweiterung nicht möglich sei. Auf dem GelĂ€nde gegenĂŒber dem derzeitigen Standort der Contargo ist seit 1960 das Unternehmen Waibel angesiedelt, das dort eine Anlage fĂŒr den Umschlag und den Vertrieb von Sand, Schotter und AbfĂ€llen betreibt. Zwar wollte die Waibel KG den Standort am Osthafen in den vergangenen Jahren verlassen, doch nachdem die Stadtverordnetenversammlung die VerlĂ€ngerung der MietvertrĂ€ge bis zum Jahr 2050 beschlossen hat, entschloss sich die Waibel KG ĂŒberraschend dazu entschlossen einen neuen Mietvertrag abzuschließen und durchkreuzte damit die ErweiterungsplĂ€ne der Firma Contargo Rhein-Main. Wie Wirtschaftsdezernent Markus Frank nach einem GesprĂ€ch bei dem Unternehmen berichtete, will die Waibel-Gruppe auf dem Osthafen-GrundstĂŒck fĂŒr eine weitere Betonmischanalage rund vier Millionen Euro investieren.

Osthafen_Containerterminal mit erweiterungsfflÀche
Das Containerterminal mit der vorgesehenen ErweiterungsflÀche (rechts) Foto: Wygoda

FĂŒr Markus Frank, der von der Vertragsunterzeichnung bei der stĂ€dtischen HFM erst von Außenstehenden erfahren hat, ist die Situation schwierig. Denn noch am 1. November vergangenen Jahres hatte Contargo-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Eichmeier ihm am Rande einer Pressekonferenz von den Planungen unterrichtet. In KĂŒrze sollte das alte große Getreidelager, das auf dem Contargo-GelĂ€nde steht, mit einem Millionen- Euro-Aufwand abgerissen werden um Platz fĂŒr weitere Container zu schaffen.  Bei dieser Gelegenheit hatte Eichmeier erneut erlĂ€utert, dass die Absicht besteht danach das GelĂ€nde der Waibel KG zu ĂŒbernehmen.

„Wir mĂŒssen uns jetzt mit der neuen SĂ­tuation erst einmal auseinandersetzen und eine mittelfristige Perspektive ĂŒberdenken“, sagte Eichmeier der FNP. Wie erfolgreich das Unternehmen im Frankfurter Osthafen arbeiten konnte, machte er an Zahlen deutlich: Der Containerumschlag konnte von fast 30.000 Containern im Jahr 2009 auf 45.000 Container im Jahr 2013 gesteigert werden. Diese Steigerung der Zahlen sei trotz der Bauarbeiten fĂŒr den Ausbau des Terminals bis an die SchmickbrĂŒcke und der Installation eines neuen Kranes möglich geworden. FĂŒr diese KapazitĂ€tserweiterung im vergangenen Jahr in das Terminal habe das Unternehmen rund 5 Millionen Euro in die Hand genommen, unterstrich der Contargo-GeschĂ€ftsfĂŒhrer. Welche Bedeutung das Containerterminal fĂŒr die Wirtschaft in der gesamten Rhein-Main-Region hat, machen auch die Verbindungen deutlich, die vom Osthafen aus per Schiff drei Mal pro Woche sowohl nach Rotterdam als auch Antwerpen angeboten werden und zusĂ€tzlich fahren pro Woche drei sogenannte LangzĂŒge mit Contianern vom Osthafen nach Hamburg und zwei nach Antwerpen. Wirtschaftsdezernent  Markus Frank nannte die Situation „sehr schwierig“, da zwei fĂŒr Frankfurt und die Region wichtige Unternehmen betroffen seien. Er kĂŒndigte an, sich dafĂŒr einzusetzen, dass auch das Containerterminal im Frankfurter Osthafen seine Chance auf eine Erweiterung des GelĂ€nde bekommt. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der HFM, Ralf Karpa, war am Freitag nicht erreichbar. Wyg

14 Mrz 2014
Neue Hoffnung fĂŒr die S-Bahn

Planfeststellungsverfahren fĂŒr ersten Abschnitt der Verbindung nach Hanau eingeleitet

Auf dem Papier sieht es gut aus fĂŒr die nordmainische S-Bahn von Frankfurt ĂŒber Maintal nach Hanau. Doch die Finanzierung ist immer noch nicht gesichert.

FNP  Frankfurt/Hanau. 14.3.2014    Seit den 1960er Jahren wird ĂŒber das Projekt diskutiert. Jetzt endlich wurde fĂŒr den ersten Abschnitt der nordmainischen S-Bahn zwischen Maintal und Hanau das Planfeststellungsverfahren eingeleitet. Am TeilstĂŒck zwischen Maintal und Frankfurt wird noch gearbeitet. Nach Angaben der Deutschen Bahn AG (DB) werden die PlĂ€ne dafĂŒr voraussichtlich im Dezember vorgestellt.

Frankfurt Bahnhof Mainkur
Der  Bahnhof Mainkur in Frankfurt wird im Zuge des Neubaus der Strecke abgerissen abgerissen Foto: Wygoda

„Vorsichtige Euphorie“

Am Mittwochabend informierte die Bahn zunĂ€chst in Hanau ĂŒber das Vorhaben. Der Hanauer OberbĂŒrgermeister, Claus Kaminsky sprach von einer „vorsichtigen Euphorie“ und dem GefĂŒhl, „dass das Signal von rot auf grĂŒn umgesprungen“ ist. FĂŒr alle, die tĂ€glich von Hanau nach Frankfurt zu Arbeit fahren, malte der KonzernbevollmĂ€chtigte der Bahn fĂŒr Hessen, Klaus Vonhusen, eine staufreie Zukunft an die Wand. Denn mit der S-Bahn wĂŒrde das Nahverkehrsangebot gegenĂŒber dem aktuellen Zustand um fast 75 Prozent gesteigert. Zwar verkehren dann nur noch 38 att heute 84 Regionalbahnen. DafĂŒr gibt es aber tĂ€glich 108 Verbindungen mit der neuen S-Bahn. Vier bis acht ZĂŒge pro Stunde sollen zwischen den beiden StĂ€dten verkehren. Die Fahrzeit zwischen Konstablerwache und Hanau-West wird etwa 20 Minuten betragen. 7500 FahrgĂ€ste pro Tag wĂŒrden Prognosen zufolge vom Auto auf die Schiene umsteigen.

Doch bis dahin ist allein an notwendigen Bauarbeiten noch viel zu tun. In Frankfurt muss ein 1,4 Kilometer langer Tunnel zwischen der Konstablerwache und dem Ostbahnhof gegraben werden, sieben Eisenbahn-, Straßen-, Geh- und Radwege-ÜberfĂŒhrungen sind zu erweitern, sechs BahnĂŒbergĂ€nge aufzuheben und auf etwa 22 Kilometer LĂ€nge mĂŒssen SchallschutzwĂ€nde errichtet werden. Alle Haltestellen werden auf S-Bahn-Standard gebracht. In Frankfurt wird der Bahnhof Mainkur abgerissen und durch die neue Haltestelle „Frankfurt-Fechenheim“ in der Höhe der Cassellastraße ersetzt.

Fertigstellung bis 2019

Doch noch hat die Bundesregierung nicht erklĂ€rt, dass sie die bestehende FinanzlĂŒcke von mindestens 60 Millionen Euro schließen wird. Verkehrsdezernent Stefan Majer (GrĂŒne) hofft aber, dass parallel zum Planfeststellungsverfahren die Finanzierung geklĂ€rt wird. Wichtig sei, dass die Strecke bis 2019 fertiggestellt wird, da sonst die ZuschĂŒsse nicht mehr gesichert seien. wyg

10 Feb 2014
Frankfurter Denkmalamt zieht Bilanz

Frankfurt am Main 8.2.2014 FNP  

Denkmalamt blickt auf ein Jahr mit erfreulichen Funden und Ă€rgerlichen Verlusten zurĂŒck

Unter der Stadt liegen wahre SchĂ€tze verborgen und weil oft der Zufall sie zutage fördert, ist die Freude doppelt groß. So war es auch 2013. Mancherorts aber kam das Denkmalamt zu spĂ€t Alteisensammler waren schneller.

Frankfurt. 

Verborgene Reste der Stadtmauer, Göttergaben aus der Römerzeit: Von diesen spektakulĂ€ren Funden weiß Andrea Hampel, die Leiterin des Denkmalamts, auch Monate danach noch wortreich zu schwĂ€rmen.

Den Beginn ihres JahresrĂŒckblicks widmete sie aber zwei SchĂ€tzen, die nun gar nicht im Verborgenen liegen – und auch deshalb vom stĂ€dtischen Denkmalbeirat zu den „DenkmĂ€lern des Jahres“ gekĂŒrt worden sind: die beiden KrĂ€ne auf der Ruhrorter Werft im Osthafen und das Haus der ehemaligen Viktoria-Apotheke in der Freßgass’. Schließlich zeigen beide Beispiele, wie man Altes ins Neue integrieren kann. Die KrĂ€ne aus dem Jahr 1912, die letzten von einst 18 auf der Werft, bildeten zusammen mit der Gastwirtschaft Oosten, ein „interessantes Ensemble“, findet Hampel. Eine der Kranbahnen wurde sogar als Aussichtsplattform auf die Skyline der Stadt in die GaststĂ€tte integriert. Auch das Freßgass’-GebĂ€ude von 1956, das heute ein ModegeschĂ€ft beherbergt, blieb weitgehend in seiner frĂŒheren Struktur erhalten.

Freßgass GebĂ€ude aus dem Jahr 1956, frĂŒhere Viktoria- Apotheke

Ehemalige Viktoria Apotheke aus dem Jahr 1956 Foto: Wygoda

Ruhrorter Werft mit Skyline

KrÀne auf der Ruhrorter Werft Foto: Wygoda

Drei GlĂŒckstreffer

Fraglos aber gelten drei GlĂŒckstreffer als Höhepunkte 2013. Reste der alten Stadtmauer wurden beim Erweiterungsbau des Flemings-Hotel am Eschenheimer Turm und in der Baugrube fĂŒr das Hotel an der Alten Oper gefunden.

Und dann kam noch Harheim-SĂŒd: Dank der dort geplanten Wohnungsbauten wurden dort archĂ€ologische Funde aus der Römerzeit sowie ein Grab aus der Hallstein-Zeit entdeckt. In Heddernheim machten die ArchĂ€ologen noch einen interessanten Fund obwohl der Fundort, ein Keller, bereits 1925 einmal archĂ€ologisch untersucht wurde:. eine goldplattierte Schale aus der Römerzeit, die vermutlich als Dank an die Götter dort vergraben worden war. Ein solcher Fund sei fĂŒr Frankfurt bisher einmalig, sagte DenkmalschĂŒtzerin Hampel – und strahlte.

Zu spÀt

Bei allen Erfolgen: Es gab auch FĂ€lle, in denen der Denkmalschutz zu spĂ€t kam oder sich notwendige Schutzarbeiten verzögerten. So etwa unter der LandbrĂŒcke vor der HonsellbrĂŒcke. Die schön gestalteten eisernen StĂŒtzen landeten, schnöde als Alteisen abqualifiziert im Schmelzofen.

Osthafen Kran von Fries und Sohn 1951

Kran im Osthafen- gebaut 1951 von der Frankfurter Firam Fries Foto: Wygoda

Das gleiche Schicksal dĂŒrfte auch einen grĂŒnen Kran der Frankfurter Firma Fries aus dem Jahr 1951 ereilt haben. Hier war das Denkmalamt bereits tĂ€tig geworden, doch wieder waren vermutlich die Alteisensammler schneller. Und der große Wasserturm im Osthafen, einst Stadtgaswerk der Mainova, scheint ebenfalls in Gefahr: Man sehe, so war zu hören, „keine Chance fĂŒr eine vernĂŒnftige Nutzung“. wyg

08 Feb 2014
Frankfurts SchmuckstĂŒck vergammelt Palmengarten: Außen hui, innen pfui

Von Hermann Wygoda

FNP  6.2.2014   Frankfurt am Main   Alte Rohre, verrostete Motoren, ĂŒberall Feuchtigkeit: Im Palmengarten mĂŒsste allerorten dringend saniert werden. Das notwendige Geld wurde zuletzt lieber ins Renommierprojekt Gesellschaftshaus gesteckt.

Der Palmengarten ist fĂŒr Frankfurter und Touristen noch immer ein SchmuckstĂŒck, mehr als 600 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr dorthin ins Westend. Doch leider trĂŒgt die nach außen so freundlich erscheinende Kulisse; hinter ihr hat der Palmengarten in den vergangenen Jahren unschöne Flecken bekommen, wie ein genauer Blick in die SchauhĂ€user und Gartenanlagen zeigt. Da sieht man zersprungene Scheiben in den DĂ€chern der GewĂ€chs- und SammlungshĂ€usern und verrostete Elektromotoren, die eigentlich die Sonnenschutzrollos ĂŒber den GlasdĂ€chern bewegen sollen. Die Fenster des BlĂŒtenhauses mussten mit Verpackungsplastik abgedeckt werden, um die empfindlichen Pflanzen vor der KĂ€lte zu schĂŒtzen.

Palmengarten-  BlĂŒtenhaus

Das BlĂŒtenhaus musste mit Verpackungs-Plastikplanen gegen KĂ€lte geschĂŒtz werden Foto: Wygoda

Dass die Besucher die marode Technik und die aufgeplatzten WĂ€nde nicht sehen, liegt nur daran, dass alle Mitarbeiter des Palmengartens dafĂŒr sorgen, dass den GĂ€sten solche Anblicke erspart bleiben. Als vor kurzem das VerwaltungsgebĂ€ude von ĂŒberwuchernden Efeu befreit wurde, bekam man nicht nur die fast italienisch anmutende Architektur des GebĂ€udes zum ersten Mal zu sehen, sondern auch die SchĂ€den, die die Pflanze am Mauerwerk angerichtet hat. Im Inneren wurde in einem BĂŒro die abgehĂ€ngte Decke heruntergenommen. Dahinter blieb ĂŒber Jahrzehnte hinweg eine interessante Malerdekoration erhalten, die jetzt wieder sichtbar gemacht werden soll. MauerschĂ€den durch eindringendes Wasser sind auch in den BetriebsrĂ€umen der Grotte im Palmenhaus zu bewundern, die durch den angelegten Wasserfall entstanden sind.

Die von 1982 bis 1987 gebauten HĂ€user des Tropicariums sind ebenfalls in die Jahre gekommen. In den Technikkellern sind noch einige Wasserpumpen von damals zu bewundern, die heute viel zu viel Strom verbrauchen. Und dort, wie die eine oder andere Pumpe inzwischen erneuert wurde, sieht man dann auch die verrosteten Rohre, die aus Geldmangel eben nicht erneuert werden konnten.

Palmengarten Wasserleitungen in der Zisternen-Anlage

Verrostete Rohrleitungen im Tropicarium Foto: Wygoda

Aus einer bisher öffentlich nicht bekanntgewordenen Aufstellung geht hervor, dass die Sanierung aller Anlagen und Einrichtungen mehr als 31,5 Millionen Euro verschlingen wird. Und dies ist nur eine vorsichtige und grobe SchĂ€tzung, in der die Planungskosten noch nicht berĂŒcksichtigt sind. Allerdings sind die GewĂ€chs- und SammlungshĂ€user nicht etwa nur zum Ansehen oder fĂŒr den Palmengarten selbst da. Die SammlungshĂ€user beherbergen eine der weltweit zehn grĂ¶ĂŸten Pflanzensammlungen mit vielen bedrohten Arten.

Aber nicht allein in den TechnikrĂ€umen ist ein großer Investitionsstau aufgelaufen. Auch in den RĂ€umen fĂŒr die Mitarbeiter scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. So gibt es in den Umkleiden nur drei Duschen fĂŒr Frauen, aber zwölf fĂŒr MĂ€nner – und das, obwohl es lĂ€ngst genauso viele GĂ€rtnerinnen wie GĂ€rtner gibt. Zwar wurden provisorisch weitere Duschen eingebaut, doch um sie zu erreichen, mĂŒssen die Frauen von den UmkleiderĂ€umen ĂŒber den Flur laufen.

98.000 Euro fließen weg

Ein weiteres Beispiel ist – auch wenn es von außen ganz passabel aussieht – das Haus Leonhardsbrunn. Wer sich im Keller umschaut, sieht ĂŒberall Wasser durchs Mauerwerk dringen, weil bei der erst kĂŒrzlich erfolgten Sanierung offenbar vergessen wurde, auch das Mauerwerk rundum abzudichten.

Palmengarten_ GewÀchshaus mit geflickten Scheiben

NotdĂŒrftig angeklebte Glöasscheiben in einem GewĂ€chshaus Foto: Wygoda

Dass in der jĂŒngeren Vergangenheit so wenig fĂŒr die Sanierung und die Erhaltung der Anlagen getan werden konnte, fĂŒhrt der Direktor des Palmengartens, Matthias Jenny, darauf zurĂŒck, dass „in den vergangenen Jahren immer die Sanierung des Gesellschaftshauses im Vordergrund stand“. Deshalb sei die Summe, die im Haushalt fĂŒr den Palmengarten vorgesehen war, allein fĂŒr dieses Projekts sehr hoch gewesen. „FĂŒr Sanierungen oder Reparaturen konnten keine zusĂ€tzlichen Gelder eingestellt werden“.

In einem Magistratsbericht hatte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (GrĂŒne) den Zusammenhang zwischen Gesellschaftshaus einerseits und dem Sanierungsbedarf des Palmengartens andererseits selbst hergestellt. Dort heißt es wörtlich. „Nur nachtrĂ€glich sei angemerkt, dass in den letzten Jahren mit erheblichen Mehrkosten bereits 39,3 Millionen Euro fĂŒr die Sanierung des Gesellschaftshauses aufgewendet wurden.“

Palmengarten Einer der verrosteten Motoren fĂŒr die Schatten-Rollos

Ein verrosteter Elektromotoren fĂŒr den Sonnenschutz auf dem Dach einws der GewĂ€chshĂ€user Foto: Wygoda

Das, so kann man heute sagen, dĂŒrfte ungefĂ€hr den Kosten entsprechen, die fĂŒr die Sanierung aller Anlagen und HĂ€user notwendig sein wird. Der Palmengarten-Chef hat mit solchen Verschiebungen wichtiger Investitionen schon hĂ€ufiger Erfahrungen sammeln mĂŒssen. Denn auch die Trink- und Brauchwasser-Ringleitungen mĂŒssten dringend auf Vordermann gebracht werden, entsprechende Arbeiten ziehen sich seit drei Jahren hin. Insgesamt sechs Kilometer lang sind die mehr als 30 Jahre alten Rohrnetze, 5,2 Millionen Euro mĂŒssten hineingesteckt werden.

Wie es in der Magistratsvorlage weiter heißt, kommen noch weitere 98.000 Euro hinzu, die pro Jahr durch den Wasserverlust der maroden Leitungen entstehen; deren Reparatur kann jedoch nur in den Monaten November bis MĂ€rz oder April erfolgen, da sie unter den Wegen verlaufen. BefĂŒrchtet wird, dass sich auch dieses Projekt bis 2016 hinzieht.

18 Jan 2014
Stadt steuert IT bald zentral

Neuer Leitstand fĂŒr Informations- und Datenverarbeitung kostet 260 000 Euro

Mit dem neuen Leitstand können die verschiedenen stĂ€dtischen IT-Dienste, die bislang in den jeweiligen Fachabteilungen separat ĂŒberwacht wurden, zentral kontrolliert werden.

Frankfurt.    11.01.2014    Bislang waren die verschiedenen stĂ€dtischen IT-Dienste in den jeweiligen Fachabteilungen separat ĂŒberwacht. In Zukunft sollen sie zentral kontrolliert werden. Die in der Vergangenheit sinnvolle dezentrale Aufgabenwahrnehmung, die aufgrund der immer komplexer werdenden technischen Weiterentwicklung nicht mehr zeitgemĂ€ĂŸ ist, wird damit abgelöst. „Wir haben uns mit diesem neuen Leitstand jetzt so aufgestellt, dass wir hier alle IT-Services der Stadt bei uns abbilden und steuern können“, stellte IT-Dezernent Jan Schneider befriedigt fest.

IT Dezernenet Jan Schneider im neuen IT-Leitstand der StadtIT-Dezernent Jan Schneider Foto: Wygoda

Von diesem Leitstand aus können alle 350 physikalischen und 250 virtuellen Server der Stadtverwaltung ĂŒberwacht und gesteuert werden. Dazu gehören auch die 42 Millionen Mails, die im Monat zur Stadtverwaltung geschickt oder von ihr versandt werden. Auch die tĂ€glich eine Millionen Zugriffe auf die stĂ€dtische Internetseite „frankfurt.de“ können hier regelmĂ€ĂŸig ĂŒberwacht und, falls notwendig, wieder zum Laufen gebracht werden.  Der Projektleiter fĂŒr den IT-Leitstand, Sascha Höhn, verwies auch darauf, dass das Servicecenter neben dem neuen, 260 000 Euro teuren Leitstand, auch die Auftragsannahme sowie das Servicecenter fĂŒr die Störungsannahme umfasst. Insgesamt habe die Entwicklungszeit ein Jahr betragen. Man habe jetzt die Möglichkeit geschaffen, alle Experten aus den einzelnen Bereichen an dem Leitstand zu versammeln, damit sie gemeinsam an der Lösung technischer Probleme arbeiten können.

Solch ein technisches Problem hat es, quasi als Feuertaufe, am Freitag der vergangenen Woche gegeben (wir berichteten), als es beim Austausch eines sogenannten Serverswitch, der die Datenpakete an die einzelnen Rechner weiterleitet, zu einer Netzwerkschleife kam,
wodurch das stĂ€dtische Netzwerk wegen Überlastung zusammengebrochen ist. „Wir hatten noch GlĂŒck im UnglĂŒck, dass es an einem Freitag passiert ist, als die Zahl der Mitarbeiter in der Verwaltung auch wegen der Ferienzeit in den 600 Standorten noch nicht ihren Höchststand erreicht hatte“, resĂŒmierte Jan Schneider. wyg

27 Dez 2013
Kaiserleikreisel wird ab 2015 zu einer Kreuzung umgebaut

Frankfurt. FNP   20.12.2013 Der Offenbacher Magistrat hat jetzt die Realisierung des Umbaus des Kaiserleikreisels in zwei Kreuzungen und den Bau und Umbau der Straßen zwischen Frankfurt und Offenbach beschlossen. Die Kosten sind auf rund 32 Millionen Euro veranschlagt.

Die Bauarbeiten sollen im ersten Quartal 2015 beginnen und rund zwei Jahre dauern. Nach der Beseitigung des Kreisels werden an der Strahlenberger Straße zwei neue Rampen zur Auffahrt auf die A 661 gebaut. Die sĂŒdlich verlaufende Berliner Straße (Offenbach) wird unter der Autobahn durchgefĂŒhrt, und im Westen wird die anschließende Kaiserleipromenade bis zur Strahlenberger Straße ausgebaut, die auf Frankfurter Gebiet als Deutschherrnufer weiterfĂŒhrt.

Offenabch_ Kaiserlekreiseli_b

Der Kaiserleikreisel Foto: Wygoda

Die Bereichsleiterin des Offenbacher Stadtplanungsamtes, Sigrid Pietzsch, rĂ€umte ein, dass den Autofahrern wĂ€hrend der Bauzeit „einiges zugemutet“ werde. Doch werde in den weiteren Planungen „alles versucht, um den Verkehr so flĂŒssig wie möglich zu organisieren“. In einem Konzept seien sechs Bauphasen definiert worden. Die grĂ¶ĂŸten Behinderungen werden demnach durch den Bau der beiden sĂŒdlichen Rampen fĂŒr die Zu- und Abfahrten zur A 661 sowie durch einen notwendigen großen Abwasserkanal in der VerlĂ€ngerung der Berliner Straße erwartet.

Plan Kasierlei ohne Kreisel mit zwei KreuzungenPlan fĂŒr den Umbvau des Kaiserleikreisels mit zwei Kreuzungen

Die ersten Planungen fĂŒr das Projekt waren vor 20 Jahren von dem Frankfurter Architekten DW Dreysse nach einem stĂ€dtebaulichen Wettbewerb erarbeitet worden. In der Folge beschlossen beide StĂ€dte einen Rahmenplan, um den Stadtteil Kaiserlei gemeinsam zu entwickeln, da ihre jeweiligen Gemarkungsgrenzen das Gebiet durchschneiden. Im Zuge der Planungen fĂŒr die neue OsthafenbrĂŒcke hatte Offenbach darauf bestanden, dass die Stadt Frankfurt ihr bei der Realisierung dieses Projektes unter die Arme greift, da sie mit dem Neubau der Kaiserleikreisels finanziell stark belastet werde. Frankfurt hatte daraufhin durch einen GrundstĂŒckskauf und einen verlorenen Baukostenzuschuss mehr als 8,4 Millionen Euro in die Nachbarstadt ĂŒberwiesen.  Der Kaiserleikreisel wird von tĂ€glich rund 24 000 Lastwagen und Autos genutzt zur Fahrt nach Offenbach, Frankfurt oder auf die A 661. wyg

17 Nov 2013
Alnatura mit Rekordumsatz

Frankfurt. 17.11.2013  FNP     Mit einem Rekordumsatz von 593 Millionen Euro schloss der Bio-LebensmittelhĂ€ndler Alnatura das GeschĂ€ftsjahr (zum 30. September) ab. Wie GeschĂ€ftsfĂŒhrer und GrĂŒnder Götz Rehn berichtete, wurde das Vorjahresergebnis um 15 Prozent ĂŒbertroffen. Alnatura wuchs damit stĂ€rker als der Bio-Markt insgesamt, der um sechs Prozent zulegte. Angaben zum Gewinn machte Rehn nicht. Nachdem im vergangenen GeschĂ€ftsjahr zehn Filialen eröffnet wurden, sollen nun mindestens zwölf weitere hinzukommen, unter anderem in Potsdam, DĂŒsseldorf und Ravensburg. Zurzeit gibt es
80 Filialen in 40 StÀdten.

Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer wĂŒrde nach der ersten Alnatura-Filiale in Frankfurt gerne weitere eröffnen, „etwa im Ostend“. Allerdings sieht er keine großen Chancen in den ostdeutschen LĂ€ndern, da dort „der Bio-Boom nicht so angekommen“ sei. Die im letzten GeschĂ€ftsjahr begonnene Expansion in die Schweiz soll fortgesetzt werden. Dieses und nĂ€chstes Jahr steht die Eröffnung von neun Bio-SupermĂ€rkten in der Schweiz auf dem Programm.

300 Mitarbeiter stellte Alnatura im letzten GeschĂ€ftsjahr neu ein, womit sich die Gesamtzahl auf 2100 erhöhte. FĂŒr Rehn leisten seine Kunden „mit ihrer Nachfrage nach Bio-Produkten einen sinnbestimmten Beitrag zur Förderung dieser nachhaltigsten und zukunftsfĂ€higsten Form der Landwirtschaft.“ Neben dem Umsatz erreichte auch die Zahl der Artikel im Sortiment mit 1100 einen neuen Höchststand. Im kommenden FrĂŒhjahr wird in Lorsch das bestehende Verteilzentrum des Unternehmens durch das weltweit grĂ¶ĂŸte Hochregallager erweitert, das ganz aus Holz gebaut wurde. wyg

16 Okt 2013
Gegenwind fĂŒr die DFS – Gutachter kommen zu völlig anderem Schluss als die Flugsicherung
Von Hermann Wygoda FNP  12.10.2013   Frankfurt

Wenn es nach der Deutschen Flugsicherung (DFS) geht, können im Rhein-Main-Gebiet quasi keine neuen WindrÀder gebaut werden. Betroffen davon sind auch zwei Standorte in Frankfurt. Ein Gutachten macht den Investoren aber wieder HoffnungVon Hermann Wygoda FNP  12.10.2013   Frankfurt

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) gerĂ€t unter Druck. Denn die Betreiber von Windkraftanlagen wehren sich immer stĂ€rker gegen die nach ihrer Meinung zu starre Haltung der DFS zu Windkraftanlagen. Die Flugsicherung lehnt neue WindrĂ€der im Rhein-Main-Gebiet derzeit aus SicherheitsgrĂŒnden ab. Das Potenzial sei ziemlich ausgeschöpft, sagte ihr Sprecher Axel Raab noch am Donnerstag (wir berichteten).

Windkraftanlagen bei Bad Vilbel

Winkraftanlagen bei Nieder-Erlenbach Foto: Hermann Wygoda

Doch die Anlagenbauer, die unter anderem in Nieder-Erlenbach und Bergen-Enkheim WindrĂ€der errichten wollen, geben nicht auf. Vier WindrĂ€der etwa plant die Mainova-Tochter „Abo Wind“ in Nieder-Erlenbach, direkt neben vier bereits auf Karbener Gemarkung stehender Anlagen. Nun hat sich das Unternehmen UnterstĂŒtzung bei der Firma „Navcom Consult“ besorgt. In der 70 Seiten starken Expertise heißt es als Schlussfolgerung, die unter anderem auf einer Simulationen basiert, „dass diese geplanten Windkraftanlagen (WEA) in der Entfernung von mehr als elf Kilometern nach gutachterlichem Ergebnis ohne besondere Maßnahmen und EinschrĂ€nkungen errichtet werden können“.

Keine Simulationen

Der Gutachter ist nicht irgendwer: Gerhard Greving hat langjĂ€hrige Erfahrungen. Unter anderem durch seine Arbeit fĂŒr den frĂŒheren Hersteller der laut DFS beeintrĂ€chtigten Drehfunkfeuer, SEL-Alcatel. Dort habe er unter anderem die fĂŒr Nieder-Erlenbach ausschlaggebende Anlage „Metro“ entwickelt und aufgebaut, berichtet Greving. Er macht der DFS auch den Vorwurf, dass sie die Richtlinie der Internationalen Luftfahrtorganisation (ICAO) nicht korrekt auslege. Diese habe den 15-Kilometer-Radius nicht als feste GrĂ¶ĂŸe ausgegeben, sondern vor jeder Entscheidung, ob eine Anlage gebaut werden darf oder nicht, eine EinzelfallprĂŒfung durch eine Computersimulation gefordert. Diese Computersimulationen wĂŒrden jedoch von der Flugsicherung nicht gemacht.

Raab bestĂ€tigt, dass die DFS neue Windkraftanlagen an einem Standort dann ohne PrĂŒfung ablehne, wenn sich dort bereits mehrere Anlagen drehen.

Umso unverstĂ€ndlicher ist es fĂŒr verschiedene Planer und Bauherren der Anlagen, dass sie von der DFS auf eine erste Voranfrage zunĂ€chst tatsĂ€chlich eine positive Antwort erhalten, die sich dann aber, nach der Einreichung aller Daten und Unterlagen, in ihr Gegenteil verkehrt. Dazu gibt der Direktor des Bundesaufsichtsamts fĂŒr Flugsicherung (BFA) Nikolaus Herrmann zu: Diese Praxis hat „noch Optimierungsbedarf“.

Gerichte anrufen

Was ebenfalls fĂŒr KopfschĂŒtteln und UnverstĂ€ndnis bei den Beteiligten sorgt, ist die „totale GesprĂ€chsverweigerung der DFS“, wie es uns nicht nur ein Politiker aus dem Regionalverband sagte. Alexander Koffka, Sprecher von „Abo Wind“, kĂŒndigt trotzdem an, nach der erhaltenen Ablehnung fĂŒr die Windkraftanlagen in Nieder-Erlenbach „auf jeden Fall noch einen Versuch zu unternehmen, um mit der DFS ins GesprĂ€ch zu kommen“. Danach werde man die Gerichte anrufen, unterstrich er. Mit dem vorliegenden Gutachten fĂŒhle man sich fĂŒr diese juristische Auseinandersetzung „gut gewappnet“.

Windkraftanaölgen bei Friedberg

Drei Winkraftanlagen bei Friedberg Foto: Hermann Wygoda

Welche Auswirkungen die Forderung der DFS nach einem 15-Kilometer-Radius um ihre Anlagen fĂŒr das Gebiet des RegierungsprĂ€sidiums (RP) Darmstadt hat, erlĂ€uterte RegierungsprĂ€sident Johannes Baron: Das von der Hessischen Landesregierung angestrebte Ziel von zwei Prozent des Strom aus Windkraft sei so „nicht erreichbar“.

Einen Schritt weitergegangen ist bereits die Kreisverwaltung des Landkreises Wesermarsch in Norddeutschland. Dort sind es Drehfunkfeuer des Flughafens Bremen, die die Errichtung neuer WindrĂ€der verhindern könnten. Die Kreisverwaltung hat jedoch fĂŒnf Windkraftanlagen eines Windparks mit insgesamt 33 Anlagen genehmigt, obwohl die DFS ihr Veto eingelegt hatte. Auch dort wird auf ein Gutachten der Investoren verwiesen, das zu dem Ergebnis kommt, dass die vom BFA befĂŒrchteten Störungen der NavigationsgerĂ€te in der absoluten Form nicht haltbar seien. Man habe das Gutachten „ausfĂŒhrlich untersucht und es auf PlausibilitĂ€t ĂŒberprĂŒft“, heißt es. Daraufhin habe man sich der EinschĂ€tzung des Gutachters, ebenfalls Navcom Consult, angeschlossen. Jetzt wĂ€re es an der DFS, gegen die Baugenehmigung zu klagen.

Drehfunkfeuer Metro

Das Drehfunkfeuer Metro Foto: Hermann Wygoda

In Hessen will auch die BĂŒrgermeisterin von HĂŒnfelden, Silvia Scheu-Menzer (parteilos), die Gerichte anrufen, falls die DFS den Bau einen dort geplanten Windpark ablehnen sollte. Angeblich soll aber das fĂŒr HĂŒnfelden zustĂ€ndige RP in Gießen ĂŒberlegen, die Anlage ohne die Zustimmung der DFS zu genehmigen.

16 Jun 2013
Salomon Korn: „NSU-Morde keine Überraschung“

FNP 4.6.2013  Seinen 70. Geburtstag feiert heute Salomon Korn, Vorsitzender der JĂŒdischen Gemeinde in Frankfurt und VizeprĂ€sident des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er gilt als analytischer Denker, der keine Debatte um den Holocaust und das jĂŒdische Leben in Deutschland danach scheute. Hermann Wygoda sprach mit ihm ĂŒber die JĂŒdische Gemeinde Frankfurts. 

Herr Korn, in Ihrem Zitat zur Einweihung des von Ihnen entworfenen neuen Gemeindezentrums der JĂŒdischen Gemeinde Frankfurt, „Wer ein Haus baut, will bleiben . . .“, sagten Sie 1986: „. . . und wer bleiben will, erhofft sich Sicherheit“. FĂŒhlt sich die JĂŒdische Gemeinde in Frankfurt sicher?

SALOMON KORN: Die ĂŒberwiegende Mehrheit der Mitglieder der JĂŒdischen Gemeinde hat in Frankfurt das GefĂŒhl, hier sicher zu leben. Dennoch bleiben Sicherheitsmaßnahmen fĂŒr unsere Einrichtungen notwendig, weil es immer wieder Hinweise gibt, dass etwas passieren könnte. Doch merken die Gemeindemitglieder im Alltag kaum etwas davon. Von Freunden und meiner eigenen Familie weiß ich, dass unsere Kinder die Sicherheitsmaßnahmen kaum noch wahrnehmen, da sie diese bereits als normal verinnerlicht haben.

Die Morde des NSU und der Umgang der deutschen Behörden damit bereiten Ihnen keine Sorgen?

KORN: Dieser Umgang ist fĂŒr mich keine Überraschung, weil ich seit vielen Jahren wahrnehme, dass die Behörden ihre Aufmerksamkeit eher auf das linke als auf das rechte Spektrum der politischen VorgĂ€nge richten.

Sie waren der Architekt des neuen JĂŒdischen Gemeindezentrums. Die Tafeln mit den zehn Geboten an der Front haben Sie zerschlagen dargestellt. WĂŒrden Sie das heute auch wieder so machen?

KORN: Ja. Es hat sich in den Jahren seit 1986 zwar einiges geĂ€ndert, wir sind auch sicher auf einem zukunftsfĂ€higen Weg, doch hat sich in dieser Zeit nicht alles ins Gegenteil verwandelt, denn die Wunden, die die Shoah (der Holocaust) hinterlassen hat, sind noch immer nicht verheilt. Ich habe stets darauf hingewiesen, dass, bevor eine pragmatische NormalitĂ€t zwischen Juden und Nicht-Juden herrschen wird, mindestens vier Generationen vergehen werden. Das sind etwa einhundert Jahre, wenn nicht mehr. Juden gedenken heute noch Ereignissen, die bereits ĂŒber 3000 Jahre zurĂŒckliegen. Dazu gehört zum Beispiel die spanische Inquisition vor ĂŒber 500 Jahren. Die Verbrechen des sogenannten „Dritten Reiches“ sind dagegen allerjĂŒngste Geschichte, die noch ĂŒber Generationen nachwirken werden.

Salomon Korn , Brunnen

Salomon Korn am Brunnen aus Davidsternen vor dem von ihm gebauten JĂŒdischen Gemeindezentrum Frankfurts

Foto: Wygoda

Die JĂŒdische Gemeinde Frankfurt besetzt praktisch alle Spitzenpositionen jĂŒdischer Organisationen in der Bundesrepublik. Dieter Graumann ist PrĂ€sident des Zentralrates der Juden in Deutschland, Sie sind sein Stellvertreter. Woher kommt diese herausgehobene Stellung Frankfurter Juden? Man hĂ€tte das wohl eher in Berlin erwartet.

KORN: Die Frankfurter Gemeinde ist wesentlich Ă€lter als die in Berlin, nĂ€mlich 900 Jahre. Die Berliner Gemeinde besteht seit rund 300 Jahren. Die Berliner JĂŒdische Gemeinde hat zwar mehr Mitglieder als die Frankfurter Gemeinde, die Zahlen sind allerdings nicht ausschlaggebend. Eine Rolle spielt sicher die historische Tradition ebenso wie die zentrale Rolle Frankfurts fĂŒr die Juden in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Hier hat Ignatz Bubis erfolgreich gewirkt. Dieter Graumann, Michel Friedman und ich, wir alle sind seine SchĂŒler. Bubis hat fĂŒr seine Nachfolge und damit fĂŒr die Zukunft der JĂŒdischen Gemeinde Frankfurt rechtzeitig gesorgt.

Die JĂŒdische Gemeinde Berlin hat bundesweit Aufmerksamkeit wegen etlicher Probleme mit ihren aus Russland stammenden Mitgliedern erzeugt. In Frankfurt sind solche Probleme offenbar nicht aufgekommen. Was macht Frankfurt besser als die Bundeshauptstadt?

KORN: Uns ist es durch frĂŒhzeitige Integrationsmaßnahmen gelungen, die neuen Mitglieder aus Russland in unsere Gemeinde zu integrieren. Und wir haben es auch geschafft, sie von Anfang an frĂŒhzeitig aktiv am Gemeindeleben zu beteiligen. So haben einige von ihnen beispielsweise Funktionen im Gemeinderat ĂŒbernommen. Auf diese Weise trĂ€gt die Tradition, die Ignatz Bubis hinterlassen hat, langfristig FrĂŒchte.

Was ist in Berlin noch anders?

In Berlin kommt sicher auch erschwerend hinzu, dass die Zahl der Zuwanderer im VerhĂ€ltnis zu den „Alteingesessenen“ grĂ¶ĂŸer war als hier in Frankfurt. Bei uns sind etwa ein Drittel der Gemeindemitglieder Zuwanderer, in Berlin sind es zwei Drittel. Alle Gemeinden, die solch hohe Zuwandererzahlen verzeichnen, haben es deutlich schwerer als Frankfurt. Und Berlin gehört zu diesen Gemeinden.

Ist es fĂŒr Frankfurts JĂŒdische Gemeinde eine Auszeichnung, dass eines ihrer Mitglieder, Peter Feldmann, OberbĂŒrgermeister ist?

KORN: Peter Feldmann ist Mitglied der JĂŒdischen Gemeinde, er war vorĂŒbergehend auch Mitglied im Gemeinderat, dem Parlament der JĂŒdischen Gemeinde. Es hat uns selbstverstĂ€ndlich sehr gefreut, dass ein OberbĂŒrgermeister, der Mitglied der JĂŒdischen Gemeinde ist, die Geschicke der Stadt lenkt.

Salomon Korn Geburtstagsfeier 2013Salomon Korn mit den SĂ€ngerinen der Lichtigfeldschule auf seiner Geburtstagsfeier Foto: Wygoda

Ist Feldmann der erste jĂŒdische OB?

Nein, er ist nicht der erste jĂŒdische OB Frankfurts. Ludwig Landmann, gebĂŒrtiger Jude, war in den 1920er Jahren ein erfolgreicher BĂŒrgermeister. Das heißt aber keineswegs, dass sich durch diese Tatsache GrundsĂ€tzliches fĂŒr die JĂŒdische Gemeinde geĂ€ndert hat. Peter Feldmann ist der OberbĂŒrgermeister aller Frankfurter. Inzwischen hatten wir ein offizielles Treffen mit ihm. Wir wollen keine bevorzugte Behandlung durch einen OB, der der JĂŒdischen Gemeinde angehört. Dies könnte als ein Zeichen positiver Ausgrenzung gewertet werden – und daran ist uns nicht gelegen.

Aus Ihren Schilderungen kann man so etwas wie NormalitÀt heraushören. Teilen sie diese EinschÀtzung?

KORN: Ich betrachte es eher als pragmatische NormalitĂ€t. Aber zu bestimmten AnlĂ€ssen spĂŒrt man doch hin und wieder, dass die VerhĂ€ltnisse noch nicht so sind wie sie sein sollten.

Welche AnlÀsse meinen Sie konkret?

KORN: Es gibt immer wieder EmpfĂ€nge, bei denen man in GesprĂ€chen in Anspielung auf Israel gefragt wird: „Wie fĂŒhlen Sie sich denn so bei der gegenwĂ€rtigen Politik Ihres Landes?“ DarĂŒber hat sich auch schon Ignatz Bubis erregt. Ich tue dies nicht, sondern betrachte solche Äußerungen als Gradmesser fĂŒr die zwischen Juden und Nichtjuden in Frankfurt und Deutschland herrschende sogenannte „NormalitĂ€t“. Es gibt eben immer noch Menschen in Frankfurt und Deutschland, die die JĂŒdische Gemeinde oder den Zentralrat der Juden in Deutschland als fĂŒnfte Kolonne des Staates Israel betrachten. Das hört man ĂŒbrigens eher von Angehörigen der Ă€lteren Generation – in der jĂŒngeren habe ich das bisher nicht vernommen.

Artikel vom 04.06.2013,

10 Apr 2013
Ungewisse Wege – intensive Bilder von Christel Koch

FNP 8-4-2013  Ostend. Mit „Ungewisse Wege“ hat Christel Koch (63) ihre zweite Aus­stellung in der Frankfurter Malaka­demie ĂŒberschrieben, Damit will sie den Betrachter auf ihren Weg mitnehmen, der sie durch ihre schwere Krankheit in eine ungewis­se Zukunft fĂŒhrt. „Christels Bilder sind sehr viel intensiver, beeindru­cken durch ihre krĂ€ftigen Farben und fordern den Betrachter auf, sich mit ihnen intensiv auseinan­derzusetzen“, erlĂ€uterte der Leiter der Malakademie im Ostend, GĂŒn­ter Maniewski.

Christel Koch  Ausstellung 2013Christel Koch und Ihr Bild „Augenblick“ in der aktuellen Ausstellung  Foto: Wygoda

Seit 1999 ist Christel Koch SchĂŒÂ­lerin der Malakademie und ihre ak­tuelle Schau ist nach 2006 die zwei­te Ausstellung, die sie in der Akade­mie prĂ€sentiert. Dazwischen lagen Ausstellungen ĂŒber das Hohelied des Alten Testamentes oder ĂŒber „Frauen und Engel“. Das Thema „Frauen“ ist ihr durchgĂ€ngiges Mo­tiv, sie malt Frauenbilder, in denen sie die Seelen der Frauen widerspie­gelt und sie als MĂŒtter, als Heilige,

als Huren, als Göttinnen darstellt. „Es gelingt ihr in ihren Bildern die Zerbrechlichkeit, aber zugleich die StĂ€rke von Frauen, die am Ende sind, aber wieder aufstehen“ darzu­stellen, sagte die stellvertretende Stadtverordnetenvorsteherin Rena­te Wolter-Brandecker (SPD), die die KĂŒnstlerin von Anfang an begleitet hat, bei der Eröffnung.

„Ihre neuen Bilder zeigen andere Ausdrucksformen, intensivere Far­ben herrschen vor, sie hat neue Mo­tive gesucht“, erlĂ€uterte die Redne­rin. Aus den aktuellen Bildern ist trotz ihrer intensiven Farbigkeit kein Optimismus zu erkennen, sie zeigen viel Wasser, Berge und BrĂŒÂ­cken, bei denen nicht zu erkennen ist, wohin sie fuhren, und Men­schen, die vor der untergehenden Sonne schwimmen. wyg

02 Jan 2013
Ein Hotel wie eine Wohngemeinschaft

Im Lindenberg in der RĂŒckertstraße gelten keine so starren Regeln

GĂ€ste im Lindenberg in der RĂŒckertstraße sollen sich eher wie in einer Wohngemeinschaft fĂŒhlen und weniger an ein Hotel erinnert werden. Das Konzept jedenfalls ist neu in Frankfurt.

FNP  28.12.2012    Franklfurt am Main    Über dem Hauseingang der Villa mit der weiß gestrichenen Fassade in der RĂŒckertstraße steht Lindenberg. Mehr nicht. An der HaustĂŒr ist auf einer großen Tafel zu lesen, dass das Lindenberg offenbar ein Hotel ist und Inhaber eines KĂŒnstlersozialversicherungsausweises, registrierte FreiheitskĂ€mpfer und niederlĂ€ndische StaatsbĂŒrger vergĂŒnstigte Konditionen erhalten.

Lindenberg Boardinghaus RĂŒckerststrAußenansicht des „Lindenberg“ Foto: Wygoda

Allerdings bestreitet Steen Rothenberger, Investor und Projektentwickler in einer Person, vehement, dass er in dem denkmalgeschĂŒtzten Wohnhaus, das frĂŒher der Familie Holzmann gehörte, ein Hotel betreibt. Der Name ist aber auch Programm. Denn: Udo Lindenberg wohnt in Hamburg auch schon seit Jahren in einem Hotel, erlĂ€utert er und ergĂ€nzt: Ich möchte, dass meine GĂ€ste sich nicht wie in einem Hotel mit starren Regeln fĂŒhlen, sondern eher wie GĂ€ste etwa in einer Wohngemeinschaft.

Service buchen

Deshalb kann sich im Lindberg jeder Gast beispielsweise selbst versorgen, hat einen eigenen KĂŒhlschrank in der GemeinschaftskĂŒche oder kann sich bestimmten Service wie Kochen oder Bettenmachen dazu buchen. In der Preisliste fĂŒr die zehn Zimmer des Hauses steht deshalb auch ab 99 Euro pro Tag fĂŒr die Einzimmersuiten oder ab 140 Euro pro Tag fĂŒr die Zweizimmersuiten.

Testphase fĂŒr das Konzept

Da Rothenberger sich nicht ganz sicher war, ob ein solches Konzept, bei dem die GĂ€ste selbst mitmachen mĂŒssen, tatsĂ€chlich ankommt, hatte er in einer Testphase mit toleranten GĂ€sten sein Konzept erst einmal ausprobiert und aus diesem Grund auch auf eine öffentlichkeitswirksame Eröffnung des Hauses verzichtet.

Lindenberg Boarding-House mit Steen Rothenberger und Eva Kösling

Eva und Steen Rothenberger in einem der Salons Foto: Wygoda

Wer das Lindberg bisher von innen gesehen hat, war laut Rothenberger begeistert. Sogar die DenkmalschĂŒtzer der Stadtverwaltung sind voll des Lobes ĂŒber das Konzept. Denn Rothenberger hat es mit seinem Konzept geschafft, die Struktur des Hauses als Wohnhaus praktisch nicht zu verĂ€ndern. Das Treppenhaus ist so offen geblieben wie es war, und die großen und hohen Zimmer des klassizistischen Altbaus wurden in ihrer Architektur nicht verĂ€ndert. BĂ€der und Toiletten wurden in eigene große WĂŒrfel hinter die Betten hineingestellt, die nicht die Höhe der Decke erreichen, Raum bis zu den WĂ€nden frei lassen und keine sogenannte Trockenbauten darstellen. Zudem hat jedes Zimmer eine feine individuelle Note erhalten keines gleicht dem anderen.

FĂŒr sportliche GĂ€ste gibt es selbstverstĂ€ndlich einen Fitnessraum, auch eine Bar ist fĂŒr sie vorhanden, diese kann allerdings einmal in der Woche zum Kino umfunktioniert werden.

Das Lindenberg, heißt es poetisch, ist ein gemeinsamer Raum. Ein Ort zum Eintauchen, Einatmen, Zusammensein oder ZurĂŒckziehen. Ein feiner Grad zwischen Geselligkeit und IntimitĂ€t. Das Zusammenleben mit Gleichgesinnten per Knopfdruck ein- oder ausschalten.

Rothenberger erzĂ€hlt, dass er selbst ĂŒberrascht war, dass unser Konzept so gut angenommen wird. Die Belegungsdauer reicht bereits jetzt von mehreren Monaten bis zu einigen Wochen. So konnte er auch das Ansinnen eines Geldinstituts ablehnen, das Interesse daran hatte, sein Lindenberg komplett zu mieten. Denn seine GĂ€ste sind bereits in den ersten Monaten zu 90 Prozent ĂŒber die Mundpropaganda zu ihm gekommen. Wir wissen auch gar nicht, in welches Vertriebssystem wir gehen sollten, unterstreicht der Hotelmanager, denn wir sind doch ein Exot, fĂŒr den eine Vertriebsplattform im Internet völlig fehlt.

Lindenberg Boardinhosue Steen Rtrhenberger

Steen Rothenberger in einem der Hotelzimmer Foto: Wygoda

Als Experiment angelegt

FĂŒr Rothenberg gibt es fĂŒr sein Experiment keinen besseren Standort als das Ostend. Dort trĂ€fen alt und neu zusammen. Und er denkt schon daran, nach dem ĂŒberschaubaren Experiment mit zehn Zimmern ein grĂ¶ĂŸeres Haus zu eröffnen.

Seit knapp einem Jahr betreibt Rothenberg das Lindenberg jetzt. Nach der Renovierung sieht man an der Front einen Treppenaufgang, der fast an New York erinnert, es fehlt lediglich das GeschÀft im Souterrain. wyg

07 Dez 2012
25 Jahre Malakademie- SchĂŒler und Dozenten der Malakademie stellen aus

Frankfurt am Main 07. Dezember 2012   „Kunst kann nicht gelehrt werden – der Weg zur Kunst aber kann gelehrt werden“. Dieses Zitat von Max Beckmann haben sich Claudia Klee und GĂŒnter Maniewski zum Vorbild genommen, als sie 1994 die Frankfurter Malakademie als kĂŒnstlerische Leiter ĂŒbernommen haben. An Kursteilnehmern jedenfalls fehlte es der Malakademie nicht, in einer JubilĂ€umsausstellung anlĂ€sslich des 25-jĂ€hrigen Bestehens ist von heute an das vielfĂ€ltige Schaffen zu bewundern.

Neue Techniken ausprobieren und ihre Anwendung mit den erfahrenen Dozenten diskutieren, sich RatschlĂ€ge geben zu lassen. Das macht den großen Vorteil der Kurse in der Frankfurter Malakademie aus. Foto: Wygoda

GegrĂŒndet wurde die private Kunstschule vom Frankfurter Maler Robert Freund, der damit Beispiele aus MĂŒnchen und Köln nach Frankfurt importierte. Die ersten Kurse wurden noch im Atelierhaus des KĂŒnstlers in Sachsenhausen abgehalten. Nach 25 Jahren können Klee und Maniewski heute darauf verweisen, dass die Malakademie fast 1 000 SchĂŒler den Weg zur Kunst gelehrt hat.

Nach dem Umzug in die Zobelstraße 11 wurde das Angebot Zug um Zug ausgebaut. JĂ€hrlich werden fast 70 Kurse mit 450 bis 500 Teilnehmern angeboten, in denen praktisch alle Maltechniken bis hin zum Malen am Computer gelehrt und erprobt werden. Erst kĂŒrzlich wurden zudem fĂŒnf zusĂ€tzliche RĂ€ume neu angemietet, die fĂŒr sechs Monate als Atelier gebucht werden können.

Foto: Wygoda

In seinem Beitrag fĂŒr die JubilĂ€umsschrift hob Kulturdezernent FelĂ­x Semmelroth (CDU) den „Verzicht auf eine elitĂ€re Haltung ohne auf kĂŒnstlerische QualitĂ€t zu verzichten“ hervor. So sei in den Jahren die Malakademie „eine etablierte Institution“ geworden, die Kunst im tĂ€glichen Leben verankere.

Naben den Kursen in den Ateliers werden auch Exkursionen zu wichtigen Ausstellungen mit eigenen FĂŒhrungen angeboten. In den „Forumsausstellungen“ in den AtelierrĂ€umen der Malakademie erhalten zwei bis drei Mal im Jahr Kursteilnehmer die Gelegenheit, eine Ausstellung fĂŒr ihre Arbeiten zu kuratieren und einem immer interessierten und engagierten Publikum zu prĂ€sentieren.

2006 wurde von der Malakademie eine neue Ausstellungsreihe mit dem Titel „KĂŒnstler im Zentrum“ initiiert. ZunĂ€chst stellte ein KĂŒnstler im August-Stunz-Zentrum aus. Daraus entstand die Idee, dass ein KĂŒnstler auch fĂŒr 18 Monate ein Atelier in dem Senioren- und Pflegeheim beziehen könnte und so direkt in Kontakt mit den Bewohnern kommt. Die SPD-Stadtverordnete Renate Wolter-Brandecker, auf deren Vermittlung das Projekt hervorging, berichtet, dass es „eine oft schwierige Aufgabe fĂŒr die KĂŒnstler sei,sich mit dem oft kritischen Blick der Senioren ĂŒber ihre Kunst direkt auseinandersetzen zu mĂŒssen“. Das erfordere von beiden Seiten Toleranz und biete den Menschen eine neue LebensqualitĂ€t.

Eine neue Radierung verlĂ€ĂŸt die Druckpresse- Dann ist zu sehen, wo  möglicherweise noch nachgearbeitet werden muß. Foto: Wygoda

Dass aus dieser zunĂ€chst nicht selbstverstĂ€ndlich erscheinenden Zusammenarbeit weitere Initiativen zwischen der Malakademie und den Institutionen das Stadtteils erwachsen, wĂŒnscht sich Claudia Klee.

Die JubilĂ€umsausstellung mit dem Titel „GlĂŒckliche Verbindung“ mit Arbeiten sowohl der Dozenten als auch der Kursteilnehmer ist ab sofort in der Zobelstraße 11 an den Samstagen und Sonntagen bis zum 13. Januar (außer an den Feiertagen) jeweils von 16 Uhr bis 18 Uhr geöffnet. (wyg)

03 Aug 2012
Angst vor neuen BrĂ€nden Stadt und Fachleute prĂŒfen, ob der gefĂ€hrliche DĂ€mmstoff Polystyrol ersetzt werden kann

Die Berichterstattung der FNP ĂŒber BrĂ€nde an mit Styropor gedĂ€mmten HĂ€usern hat zu einem Umdenken in der Stadtverwaltung und bei Fachleuten gefĂŒhrt.

Von Hermann Wygoda

Die bundesweite Aufmerksamkeit ist groß: Nachdem die FNP ĂŒber die Gefahren der DĂ€mmung mit Polystyrol (Styropor) berichtet hatte, zogen der Spiegel und das ARD-Magazin Panorama nach. Im Juni war an einem GebĂ€ude in der Adickesallee in kĂŒrzester Zeit die mit Styropor gedĂ€mmte Fassade in Brand geraten.

Auch die Stadtverwaltung reagierte mittlerweile. Noch unmittelbar nach unserem Bericht hieß es in einem stĂ€dtischen Argumentationspapier: Die Tatsache, dass WĂ€rmeverbundsysteme mit Polystyrol genehmigt sind, spreche fĂŒr ihre UngefĂ€hrlichkeit. Jetzt teilte der Sprecher von Baudezernent Olaf Cunitz (GrĂŒne) mit: „Nach einer Ă€mterĂŒbergreifenden Besprechung wird darĂŒber nachgedacht, ob es auch mögliche Alternativen zu mit Polystyrol gedĂ€mmten AußenwĂ€nden gibt.“

Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries befĂŒrchtet weiter BrĂ€nde an mit Polystyrol wĂ€rmegedĂ€mmten Fassaden  Foto: Wygoda

Das Deutsche Institut fĂŒr Bautechnik in Berlin, das die Zulassungen fĂŒr alle Bauprodukte und Bauarten in der Bundesrepublik erteilt, hatte noch im November vergangenen Jahres darauf verwiesen, dass bei einem Brand in Berlin, bei dem zwei Menschen starben, das WĂ€rmeverbundsystem nicht nach den geltenden Vorschriften gebaut worden sei. Jetzt kĂŒndigte der Leiter der Abteilung Brandschutz, Professor Gunter Hoppe, im GesprĂ€ch mit der FNP an, dass sich Fachleute demnĂ€chst bei einem Ortstermin in Frankfurt aus erster Hand ĂŒber die BrĂ€nde informieren werden.

Derzeit sieht das Institut keine Veranlassung, die Zulassung von Polystyrol zurĂŒckzuziehen oder andere Sofortmaßnahmen einzuleiten. Allerdings werde sich die Bauministerkonferenz auf ihren Sitzungen im August und September mit dem Thema befassen.

Albrecht Brömme, PrĂ€sident des Technischen Hilfswerkes, war frĂŒher Feuerwehrchef in Berlin und kĂ€mpft noch immer fĂŒr eine korrekte Bewertung von Polystyrol beim Einsatz als DĂ€mmstoff. Er fordert jetzt „eine öffentliche und objektive neue ÜberprĂŒfung des Baumaterials Polystyrol, um die Diskussion zu erden“. Dabei werde sich zeigen, ob Fehler beim Einbau fĂŒr die BrĂ€nde verantwortlich sind und ob das aus Erdöl hergestellte Polystyrol weiterhin fĂŒr die Abdichtung von Hausfassaden Verwendung finden könne.

Hauseingang mit DĂ€mmplatten Foto: Wygoda

Auch bei den Architekten scheint es zu einem Umdenken zu kommen. Der bekannte Frankfurter Architekt Stefan Forster, der sich nicht zuletzt durch seine PassivhĂ€user einen Namen gemacht hat, sagte der FNP, er werde seinen Bauherren „demnĂ€chst ein Schreiben schicken, in dem wir sie auf die jetzt aufgetretene Brandgefahr hinweisen werden“. FĂŒr ihn sei die Klinkerfassade als zweischalige Wand die bevorzugte Bauweise, da sie „sowohl den aktuellen Anforderungen an die DĂ€mmvorschriften als auch dem Wunsch nach Nachhaltigkeit“ entspreche.

FĂŒr ihn ist die DĂ€mmung mit Polystyrol „ein Widerspruch in sich, denn Polystyrol wird zu ĂŒber 90 Prozent aus Erdöl hergestellt“. Doch sei man als Architekt dem Sparen verpflichtet, da das Bauen immer mehr unter einem enormen Kostendruck stehe. Von den Architekten werde erwartet, dass sie möglichst preiswerte Materialien verbauen. Deshalb seien die DĂ€mmplatten aus Polystyrol „derzeit das Maß der Dinge, nach dem sich die Bauherren richten“.

22 Jul 2012
Feldmann: Sprayer brauchen mehr FlÀchen

FNP  20.7.2012   Der Frankfurter OberbĂŒrgermeister Peter Feldmann (SPD) will sich dafĂŒr einsetzen, dass sich das Klima fĂŒr Graffiti-Sprayer in Frankfurt verbessert. Bei einem Besuch der Graffitis an dem Bauzaun der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) sagte er zu, dass er sich fĂŒr mehr legale FlĂ€chen zum Sprayen einsetzen werde, da es in der ganzen Stadt immer wieder BauzĂ€une gebe, die freigegeben werden könnten.

OB Peter Feldmann (SPD) lĂ€sst sich die Spraykunst erlĂ€utern. Neben ihm (mit Helm)der ProhÂŽjketleiter der EZB fĂŒr den neubau, Thomas Rinders

Feldmann dankte in diesem Zusammenhang dem EZB-Projektmanager fĂŒr den Neubau, Thomas Rinderspacher, dass sich die Bank bereiterklĂ€rt habe, ihren Bauzaun fĂŒr die Zeit des Baus fĂŒr Spayer zur VerfĂŒgung zu stellen. Die EZB hatte außerdem die Holzplatten und die Farbe fĂŒr die Grundierung auf den rund 400 Metern am Bauzaun finanziert.

Der Organisator dieses „Sprayer-Sommerfests“, der Leiter des Jugendladens Bornheim, Stefan Mohr, verwies auf die Beispiele in Offenbach und Bad Vilbel, wo es ebenfalls legale FlĂ€chen gebe, die von den jungen KĂŒnstlern genutzt werden könnten. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Kommunalen Kinder-, Jugend- und Familienhilfe, Dieter Kieweg, verwies auf die Notwendigkeit, der „Entwicklung dieser Jugendkultur Raum zu geben“, damit sie ausgelebt werden könne.

OberbĂŒrgermeister Feldmann erkannte in dem inzwischen weltweit renommierten Frankfurter Sprayer Mario Klark einen frĂŒheren Besucher des Jugendclubs in Bonames, dessen Leiter Feldmann war. „Dort habe ich 1986 mein erstes Bild gemalt“, berichtete Klark und ĂŒberreichte dem OB eine signierte Spraydose mit roter Farbe. (wyg)

08 Jul 2012
Debatte ĂŒber Fassaden-BrĂ€nde Bauminister beraten, ob Styropor-DĂ€mmung sicher ist

Nach dem FNP-Bericht ĂŒber die Gefahren von Styropor-DĂ€mmung zieht das Thema Kreise: Im September wird sich die Konferenz der Bauminister der LĂ€nder damit befassen.

Der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) zieht Konsequenzen aus dem schweren Brand eines Hauses in der Adickesallee Ende Mai. Er hat darum gebeten, „das Brandverhalten von FassadendĂ€mmungen aus Polystyrol“ auf die Tagesordnung der nĂ€chsten Konferenz der Bauministerkonferenz am 20. und 21. September zu setzen. Wie berichtet, waren bereits vor dem Vorfall in der Adickesallee zwei HĂ€user in Sachsenhausen und in der Battonstraße durch an der Hausfassade angezĂŒndeten SperrmĂŒll in Brand geraten. Auch diese Fassaden waren mit Polystyrol gedĂ€mmt worden. Doch die Frankfurter Bauaufsicht hatte die Gefahr, die durch das Polystyrol ausgehen kann, heruntergespielt und darauf verwiesen, dass der DĂ€mmstoff zugelassen sei und als schwer entflammbar gelte.

In der Battonstraße in Frankfurt am Main konnte grĂ¶ĂŸerer schaden verhindert werden, da die Feuerwehr hier schnell angreifen konnte Foto: Wygoda

Doch diese These wird massiv in Zweifel gezogen. Wirtschaftsminister Rentsch hat die Vorsitzende der Bauministerkonferenz der LĂ€nder, die saarlĂ€ndische Innenministerin Monika Bachmann (CDU), darauf hingewiesen, dass in Frankfurt „die Fassade eines in Bau befindlichen GebĂ€udes ĂŒber alle Geschosse unter extremer Rauchentwicklung unerwartet schnell“ abgebrannt sei, „wobei der Brand ĂŒber die geborstenen Fenster in die Geschosse getragen wurde“. Rentsch schlug vor, die Feuerwehr an der Vorbereitung der Konferenz zu beteiligen. Und er regte an, „zusĂ€tzliche Großbrandversuche“ in Betracht zu ziehen, um eine realistische RisikoabschĂ€tzung zu ermöglichen.

Die Forderung nach „realistischen Brandversuchen an Fassaden“ hatten viele BrandsachverstĂ€ndige, aber auch Feuerwehrchefs bei unseren Recherchen erhoben. Die bisherigen Versuche fĂŒr die Zulassung der Polystyrol-Platten erschienen ihnen als nicht ausreichend.

In dem Beitrag der Sendung „Panorama“ sagte Reinhard Ries, in Frankfurt sei „durch eine Dokumentation von der ersten Sekunde an belegt, dass dieser DĂ€mmstoff sofort ĂŒberprĂŒft werden muss“. Ries ging sogar noch weiter und bezeichnete „das weitere Verbauen“ als „fraglich, um nicht zu sagen, dass es sofort gestoppt werden mĂŒsste“. Denn die Frankfurter Feuerwehr habe inzwischen durch eine Umfrage unter den deutschen Berufsfeuerwehren Berichte darĂŒber, dass in den letzten Jahren fĂŒnf weitere BrandfĂ€lle dieser Art registriert wurden, die jedoch in keiner Statistik auftauchten, da es eine solche nicht gebe.

Nach der Sommerpause wird sich voraussichtlich auch das Frankfurter Stadtparlament mit den BrĂ€nden befassen. Die Vorsitzende des Ausschusses fĂŒr Recht und Sicherheit, Ursula Busch (SPD), sagte der FNP, dass sie den Feuerwehrchef einladen wolle. wyg

03 Jun 2012
Tödliche Gefahr an der Wand? Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries schlÀgt Alarm

FNP-1-6-2012   Frankfurt am Main     Rund achtzig Prozent aller Neubauten werden mit Polystyrol gedĂ€mmt. LandlĂ€ufig ist das Material besser unter dem Namen Styropor bekannt. Doch jetzt schlĂ€gt der oberste Frankfurter Feuerwehrmann Alarm: Diese Praxis mĂŒsse dringend ĂŒberdacht werden, sagt er. Zu groß sei die Gefahr bei BrĂ€nden.

Von Hermann Wygoda

Feuerwehrchef Reinhard Ries vor der abgebrannten Fassade an der Adickesallee. Der Fachmann warnt vor der Benutzung von Styropor-DĂ€mmungen. Foto: Wygoda

Das Feuer-Inferno in der Adickesallee zu Beginn dieser Woche hat den Chef der Frankfurter Berufsfeuerwehr, Reinhard Ries, aufschrecken lassen. Innerhalb von Minuten war die Styroporfassade auf einer Baustelle gegenĂŒber dem PolizeiprĂ€sidium in Brand geraten; die Flammen loderten so stark, dass die Miquelallee komplett gesperrt werden musste – in beide Richtungen.  Man habe „unendlich viel GlĂŒck gehabt, dass keine Bauarbeiter auf dem GerĂŒst waren und die Apartments noch nicht bewohnt sind“, sagte Reinhard Ries zur FNP. Die Flammen seien so heiß gewesen, dass sogar der Beton der Tragekonstruktionen abplatzte. Das GebĂ€ude wĂ€re, wenn es bewohnt gewesen wĂ€re, „nicht mehr zu halten gewesen, da die Temperaturen mit der Möblierung noch viel höher gewesen wĂ€ren“, so der Frankfurter Feuerwehr-Fachmann.

Konkurrenzlos billig

Die Diskussion um den billigen DĂ€mmstoff ist nicht neu. Das aus Rohöl gefertigte Polystyrol gilt nicht als feuerfest, sondern lediglich als schwer entflammbar. Ist die Hitze groß genug, fĂ€ngt es Feuer. „Dann wirkt Styropor wie Brandbeschleuniger, treibt die Flammen in alle Richtungen, lĂ€sst Fensterscheiben platzen und das Feuer in weitere Wohnungen laufen“, sagte Alfred Broemme bereits vor Jahren. Der heutige PrĂ€sident des Technischen Hilfswerks (THW) war 2005 Einsatzleiter der Berliner Feuerwehr. Im April jenes Jahres hatte im Stadtteil Heinersdorf ein Großbrand ein Mehrfamilienhaus zerstört. Zwei Menschen kamen dabei ums Leben.

Styropor hat einen großen Vorteil – zumindest fĂŒr den Bauherrn: Es ist billig. Konkurrenzlos billig. Alternativen wie Steinwolle als DĂ€mmmaterial kosten ein Vielfaches. Architekten sagten gegenĂŒber dieser Zeitung, sie wĂŒrden immer wieder die Erfahrung machen, dass Bauherren „gerade bei der DĂ€mmung auf jeden Cent achten“.

Nun hat die Diskussion um die GefĂ€hrlichkeit des Stoffes auch Frankfurt erreicht. Zwar gab es hier bei GroßbrĂ€nden mit Styropor noch keine Toten. Doch der Feuerwehrchef schlĂ€gt Alarm: „Polystyrol muss dringend ĂŒberprĂŒft werden. Es gilt zu untersuchen, ob grĂ¶ĂŸere Bauwerke damit noch gedĂ€mmt werden sollten“, fordert er. Ries sagt auch: „Es besteht akute Gefahr fĂŒr Menschen in GebĂ€uden mit mehr als drei Stockwerken.“ Denn fĂŒr die Feuerwehr sei in solchen GebĂ€uden „die Grenze ihrer LeistungsfĂ€higkeit erreicht“.

Drei FĂ€lle in Frankfurt

Auch der Frankfurter Feuerwehrdezernent Markus Frank zeigte sich besorgt. Er kam einer Bitte des Feuerwehrchefs nach, die Brandstelle an der Adickesallee zu begehen. Danach Ă€ußerte er sich auf Nachfrage der FNP so: „Das Problem ist erkannt. Es geht nun aber nicht darum, die DĂ€mmung der HĂ€user aufzugeben. Doch mĂŒssen wir jetzt schnell untersuchen lassen, ob nicht andere DĂ€mmmaterialien eingesetzt werden mĂŒssen.“

Der Brand der mit Polystyrol gedÀmmten Fassade in der Adickesallee war in Frankfurt nicht der erste, den die Feuerwehr löschen musste. Bereits 2010 geriet in Sachsenhausen ein siebenstöckiges Wohn- und GeschÀftshaus in Brand. Die Fassade war mit Styropor gedÀmmt worden. Die Bilanz des Feuers: Sachschaden in Höhe von rund 500 000 Euro, 21 verletzte Bewohner.

Das sieben Stiockwerke hohe GeschÀfts- udn Wohnhaus in Frankfurt Sachenhausen brannte bis unter das Dach- auch weil die Feuerwehr nicht schnell genug an den Brandherd kam. Foto: Feuerwehr Franfurt

Der zweite Brand einer gedĂ€mmten Fassade wurde Anfang November vorigen Jahres in der Battonstraße registriert.

Auch in der Battontsraße in der Frankfurter Innenstadt war angezĂŒndeter SperrmĂŒll die Ursache dafĂŒr, dass das Styropor komplett verbrannte. Hier kam die Feuerwehr jedoch sofort an den Barndherd, da das Hasu an einer breiten Straße liegt. Foto: Hermann Wygoda

Eine Zigarettenkippe genĂŒgt

Allen drei BrĂ€nden in Frankfurt ist gemeinsam, dass die DĂ€mmplatten vermutlich durch eine – wie Experten formulieren – „besonders hohe Brandlast“ entzĂŒndet wurden. Das kann im Zweifelsfall eine Zigarettenkippe gewesen sein, die achtlos auf einige vor der Baustelle aufgestapelte Polystyrol-Platten geworfen wurde – und binnen kĂŒrzester Zeit ein Feuer auszulösen vermag.

Polystyrol-Platten auf einer Baustelle in Frankfurt Foto: Hermann Wygoda

Offenbar sind die Styropor-Platten nicht so ungefĂ€hrlich, wie die Zulassung als Baumaterial suggeriert. BrandsachverstĂ€ndige sagen, dass man bei der Einstufung nicht davon ausging, dass eine hohe Brandlast auf das Material einwirken wĂŒrde.  „Wenn Sie Polystyrol mit einem Feuerzeug anzĂŒnden, dann schmilzt es tatsĂ€chlich nur – und es entsteht nur ein Loch“, sagt ein Fachmann. Doch wenn, wie in Frankfurt wohl geschehen, eine Glut lĂ€ngere Zeit auf das Styropor einwirkt, „dann brennen die Platten in kurzer Zeit lichterloh!“

22 Mai 2012
Osthafen- Die Zeichen stehen auf Wachstum

FNP 22-5-2012 Frankfurt am Main    Er vernetzt Schiffe, Schiene und Straße und verbindet Industriestandorte in ganz Europa: der Osthafen, der am Mittwoch seinen 100. Geburtstag feiert. Im zweiten Teil unserer Serie widmen wir uns seiner Zukunft.

„Ab September in einem der attraktivsten Quartiere der Stadt“ so informiert das PlanungsbĂŒro SchĂŒĂŸler-Plan in einer Anzeige seine Kunden ĂŒber den Umzug in den Osthafen, in das „Dock 2.0″. FĂŒr ein Planungsunternehmen ist dies eine ĂŒberraschende Aussage, da man dort genau weiß, dass dieses „Quartier“ ein Industriegebiet ist. Das Dock 2.0 liegt unmittelbar neben dem Kontorhaus der Hafen Management GmbH und damit auch gegenĂŒber dem Containerterminal. Das BĂŒroprojekt von Groß und Partner war im Hafen mit großer Skepsis beobachtet worden. Denn man hielt es als einen zusĂ€tzlichen Mosaikstein fĂŒr eine weitere Umwandlung des „Industriegebietes Hafen“ in einen BĂŒrostandort. Wenn jetzt von einem „der attraktivsten Quartiere der Stadt“ geschrieben wird, dann wird diese Skepsis sicherlich nicht geringer werden.

In der Vergangenheit, so war zu hören, kamen von den Mietern in dem Kontorhaus etliche Klagen ĂŒber zu viel LĂ€rm aus dem Containerterminal. Denn das Aufeinandersetzen der großen Container funktioniert nicht ohne erhebliche GerĂ€uschentwicklung.

Dabei ist das Containerterminal wohl derjenige Betrieb, der im Osthafen nicht nur die Globalisierung der sogenannten „Realwirtschaft“ dokumentiert, sondern auch stetig wĂ€chst. Gerade wurde die verlĂ€ngerte Bahn fĂŒr den Portalkran bis an die Schmickstraße in Betrieb genommen. Und GeschĂ€ftsfĂŒhrer Christian Eichmeier erwartet fĂŒr das kommende FrĂŒhjahr nicht nur einen neuen und schnelleren Portalkran, sondern bis dahin auch eine weitere deutliche Steigerung der Umschlagzahlen. Wurden auf dem GelĂ€nde im vergangenen Jahr noch 50 000 Container durchschnittlicher GrĂ¶ĂŸe (TEU) bewegt, sollen es 2012 zwischen 58 000 und 60 000 TEU werden. „Diese Zahl ist nicht zu hoch gegriffen“, meint Eichmeier angesichts der Fakten seit Anfang des Jahres.

Inzwischen wurde auch die Zahl der sogenannten GanzzĂŒge aus Hamburg auf drei pro Woche erhöht, ab 1. Juni werden sechs GanzzĂŒge aus Rotterdam und Antwerpen in Frankfurt eintreffen. Diese Erweiterung des Zugangebotes war möglich geworden, nachdem das Gleis bis an die SchmickbrĂŒcke ausgebaut wurde und damit die erforderliche LĂ€nge erreicht hat, damit die ZĂŒge nicht mehr auseinandergenommen werden mĂŒssen.

Im Osthafen zusammenfĂŒhren

Die Skepsis ĂŒber die Zukunft im Osthafen, die angesichts des immer weiter voranschreitenden Baus der neuen Loft-Wohnungen am Osthafenplatz bei vielen Anliegern nicht weichen will, ist auch bei Petra Mandausch, der GeschĂ€ftsfĂŒhrerin der Mandausch- Gruppe, nicht zu ĂŒberhören. Sie sieht die Entwicklung im Osthafen nach wie vor mit Sorgenfalten. Ihr Unternehmen, das im Osthafen Altpapierverarbeitung, Bauschutt-Containerdienst und Aktenvernichtung betreibt, möchte sein weiteres Standbein, die Aktenarchivierung, aus einem der nördlichen Vororte Frankfurts in den Osthafen verlegen. „Wir wĂŒrde gerne hier im Osthafen alle AktivitĂ€ten unserer Gruppe zusammenfĂŒhren und fĂŒr die Aktenarchivierung eine eigene, nach allen gesetzlich notwendigen Vorgaben gebaute Halle errichten“, sagte sie.

Allerdings haben ihre derzeitigen MietvertrĂ€ge bei der Hafen-Frankfurt-Management GmBH (HFM) nur noch eine Laufzeit von 18 Jahren. Das, so unterstreicht sie, sei zu wenig um die Investition in Höhe von drei bis fĂŒnf Millionen Euro zu tĂ€tigen. Zumal sie fĂŒr diese Laufzeit wohl auch kaum einen Bankkredit erwarten könnte. So hofft sie, dass in der nĂ€chsten Aufsichtsratssitzung der HFM ein Beschluss gefasst wird, dass ihr Pachtvertrag ĂŒber den derzeit geltende Zeitraum hinaus verlĂ€ngert werden kann. Die Frage nach einem Umzug stellt sich fĂŒr Petra Mandausch nicht, denn: „Wir können in kein Gewerbegebiet ziehen, dort nimmt man uns nicht, weil wir zu viel LĂ€rm und Schmutz machen“, klagt sie. Also bleiben ihr nur Industriegebiete, aber die sind im Rhein-Main-Gebiet inzwischen zur Mangelware geworden.

Besser sieht die Situation in der HafenmĂŒhle aus. Nachdem es durch viele Verhandlungen und auch öffentlichen Druck nicht zu der geplanten Schließung der MĂŒhle gekommen ist, hat der neue GeschĂ€ftsfĂŒhrer der MĂŒhle, Jan Gausepohl, den Auftrag bekommen, die MĂŒhle „wieder in die Spur zu bringen“. Er meint, dass der MĂŒhlenstandort Frankfurt großes Potenzial inmitten der Region mit ihren hervorragenden Anbindungen zu Wasser, zu Land und auf der Schiene habe. Der in der vierten Familiengeneration gelernte MĂŒller, der zuletzt in Bukarest eine MĂŒhle neu strukturiert hat, bekam acht bis neun Millionen Euro, um am Main die MĂŒhle auf Kurs zu bringen.

 

In der Schweiz gebaut

Damit das gelingt, hat er mit zwei Kollegen fĂŒr eine der beiden MĂŒhlen die Konstruktion eines neuen HochleistungsmĂŒhlenwerkes entworfen. Im Moment werden gerade sieben Stockwerke im GebĂ€ude herausgerissen, um sie fĂŒr die neue MĂŒhle aufbauen zu können. Im August soll die MĂŒhle, die in der Schweiz gebaut wird, geliefert werden und im Dezember in Betrieb gehen. „Wir haben die aktuellste Steuerungstechnik einbauen lassen, die auf dem Markt ist und so in keiner anderen MĂŒhle angewendet wird“, berichtet er mit Stolz in der Stimme. So soll beispielsweise der Ventilator durch Sensoren an den Filtern auf die tatsĂ€chlich notwendige Leistung gebracht werden. „Bisher lief der Ventilator immer in Höchstlast, das kostete zu viel Strom und machte zu viel Krach“, betont Gausepohl. Er will, dass die Frankfurter MĂŒhle in der Kampffmeyer-MĂŒhlen-Gruppe wieder einen besonderen Stand bekommt. wyg

16 Feb 2012
Salomon Korn wirft Bund gefĂŒhllosen Umgang mit dem GrundstĂŒck Friedberger Anlage vor

FNP 15.2.2012 Scharfe Kritik hat der Vorsitzende der jĂŒdischen Gemeinde Frankfurt, Professor Salomon Korn, an dem Umgang der Bundesanstalt fĂŒr Immobilienaufgaben, BIMA  mit dem GrundstĂŒck der ehemaligen Synagoge in der Friedberger Anlage geĂŒbt.

Der Bunker in der Friedberger Anlage mit der GedenkstÀtte Foto: Wygoda

„Ich kann und will auch nicht verstehen, dass diese Anstalt der Bundesregierung ohne jedes GefĂŒhl ĂŒber den Umgang mit der deutschen Geschichte glaubt mit diesem GrundstĂŒck, auf dem noch die Grundmauern der ehemaligen Synagoge stehen, umgehen zu können wie mit jedem anderen GrundstĂŒck“, sagte Korn gegenĂŒber der FNP.

Wie berichtet will die BIMA das GrundstĂŒck nach dem Verkehrswert an die Stadt Frankfurt verkaufen, den sie bei 2,3 Millionen Euro sieht. Das 3.138 Quadratmeter große GrundstĂŒck, dass vor dem zweiten Weltkrieg der jĂŒdischen Gemeinde Frankfurt gehörte, war von den Nationalsozialisten 1938 enteignet worden. Der Luftschutzbunker, der heute noch auf dem GrundstĂŒck steht, wurde 1943 gebaut. Nach 1945 ging es als Kompensation fĂŒr EntschĂ€digungszahlungen an die jĂŒdische Gemeinde in den Besitz des Bundes ĂŒber. wyg

12 Feb 2012
Die HĂ€ndler trotzen der KĂ€lte – WochenmĂ€rkte im Winter

Frankfurt am Main 11.2.2012  FNP Trotz der nach wie vor kalten Witterung mĂŒssen die Frankfurter nicht auf ihren Wochenmarkt verzichten. Die Verbraucher können also auch heute auf den ErzeugermĂ€rkten am Bernemer UhrtĂŒrmchen in der Berger Straße und auch auf der Konstabler Wache einkaufen – fast alle Beschicker sind vertreten. Das erklĂ€rten die Sprecher der Marktbeschicker, Anja Katharina MĂ€nz und Denis Kretschel, auf Anfrage dieser Zeitung.

Mit PlastikhĂŒllen und WĂ€rmestrahlern schĂŒtzen die HĂ€ndler auf der Berger Sraße sich und ihre Waren. Foto: Wygoda

„Uns macht die KĂ€lte sehr zu schaffen“, gab Kretschel allerdings unumwunden zu. Deshalb gibt es auch Absprachen unter den Marktbeschickern, wer sich einen Tag Pause gönnen kann. Allerdings haben viele Beschicker mittlerweile aufgerĂŒstet „Viele Kollegen haben sich inzwischen auch AnhĂ€nger gekauft, die beheizbar sind, um damit nicht mehr mit den SeitenwĂ€nden an den Zelten arbeiten zu mĂŒssen“, erlĂ€uterte er. Allerdings bedeute die Notwendigkeit die Heizungen einzuschalten auch, dass dadurch natĂŒrlich zusĂ€tzliche Kosten anfallen.

Samstag ist viel los

Die GeschĂ€ftsfĂŒhrerin des Frankfurter Marktvereins, der den Verbrauchermarkt auf der Konstabler ins Leben gerufen hat, ist fest davon ĂŒberzeugt, dass am Samstag alle StĂ€nde wieder mit ihren Angeboten auf dem Markt sein werden. Am Donnerstag hatten nur rund die HĂ€lfte der Beschicker den Weg nach Frankfurt zum Markt auf die Konstablerwache gefunden. Doch da der Samstag nach wie vor der umsatzstĂ€rkste Tag fĂŒr die HĂ€ndler ist, werden nur wenige diesen Tag ausfallen lassen – schließlich leben alle HĂ€ndler ja auch vom Verkauf ihrer frischen Waren.

Höhere Preise

„Die Kunden mĂŒssen allerdings mit weiter steigenden Preisen bei Obst und GemĂŒse rechnen, denn die Ware wird bei diesen Temperaturen jeden Tag teurer“, kĂŒndigt Anja Katharina MĂ€nz schon mal an. Das werden die Frankfurter allerdings nicht gerne hören. Doch Gleiches gilt natĂŒrlich auch fĂŒr Salat und Obst im Supermarkt.

Herbert Janicke, Betriebsleiter der Marktbetriebe in der HFM, wies darauf hin, dass „viele HĂ€ndler ihre Ferien schon seit einigen Jahren in den Winter legen, weil sie die Situation kennen. Er machte zugleich deutlich, dass bei einer so langen KĂ€lteperiode wie im Moment es auf den MĂ€rkten in Frankfurt durchaus zu EngpĂ€ssen bei der Stromversorgung kommen könnte – allerdings nur dann, wenn sich zu viele HĂ€ndler dafĂŒr entscheiden, doch noch mit Heizstrahlern zu arbeiten. „DafĂŒr konnten wir unsere Stromversorgung nicht auslegen“, sagte Herbert Janicke.wyy 

11 Feb 2012
Winter bremst Main-Schifffahrt – Ab Aschaffenburg flussaufwĂ€rts geht nichts mehr

Frankfurt am Main 11.februar 2010  FNP   Die eisigen Temperaturen bremsen die Schifffahrt auf dem Main. Zwar ist der Main in Hessen noch eisfrei, aber flussaufwÀrts geht es nur noch bis Aschaffenburg. Dort liegen derzeit 16 Schiffe und warten auf Tauwetter.

Frankfurt.

Das Feuerlöschboot wird als Eisbrecher eingesetzt.

„Der Hafen ist voll“, sagte Stephan Momper vom Wasser- und Schifffahrtsamt in Aschaffenburg am Donnerstag. Alle nachfolgenden Schiffe seien aufgefordert worden, schon vorher LiegeplĂ€tze aufzusuchen, wo sie abwarten könnten, bis sich die Lage wieder entspanne. Die Frankfurter HĂ€fen sind zwar noch offen und die Reeder können laden und beladen, EinschrĂ€nkungen mĂŒssen aber auch sie hinnehmen.

Momper konnte sich „in der Zeit, in der ich hier arbeite, an einen solchen Winter mit einer solchen Sperrung des Schiffsverkehrs nicht erinnern“. Nach dem tĂ€glichen Eislagebericht ist der Main-Donaukanal komplett gesperrt und ab Krotzenburg ist die Schifffahrt „stark behindert“. Dort sind tagsĂŒber die beiden Eisbrecher „Pechmann“ und „Elsava“ zwischen 6 Uhr und 22 Uhr im Einsatz.

Eis abschlagen

Das Eis hat zwar auf dem Main bis Aschaffenburg noch keine durchgehende Eisdecke bilden können, doch schwimmen teilweise sehr große Eisschollen auf der OberflĂ€che, die sich an den Toren der Staustufen ansammeln. Dort mĂŒssen sie mit Handarbeit erst einmal beseitigt werden, bevor die Tore fĂŒr die Durchfahrt eines Schiffes geöffnet werden können.

Bevor die Schleusentore der Schleuse Offenbach geöffnet werden können, muss das Eis abgeschlagen werden Foto: Wygoda

Mit drei MĂ€nnern wurden an der Schleuse Offenbach vor jedem Öffnen der Tore mit langen Stangen die großen Eisplatten zur Seite gedrĂŒckt und die angefrorenen Eispanzer an den WĂ€nden und den Toren abgeschlagen. Im Zweischicht-Betrieb wird in diesen Tagen an den Mainschleusen gearbeitet, um die Schifffahrt wenigstens tagsĂŒber aufrecht erhalten zu können. „Wir mussten allerdings, um unsere Leute nicht zu gefĂ€hrden, den Schleusenbetrieb zwischen 22 und 6 Uhr einstellen“, berichtete der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes. Denn die Gefahr wĂ€re zu groß, dass bei den schlechten LichtverhĂ€ltnissen ein Mitarbeiter bei Dunkelheit verunglĂŒckt.

Aber selbst dann, wenn das Eis geschmolzen sein wird, ist die Arbeit nicht beendet, denn dann mĂŒssen die Eismassen, die in großen Blöcken den Main hinunterschwimmen, an den Wehren und den Schleusentoren weiterhin abgeschlagen und in die Strömung geschoben werden, damit sich das Wasser nicht staut.

Eisbrecher im Hafen

Das Feuerlöschboot Frankfurt im Eiseinsatz im Osthafen Foto: Wygoda

Im Frankfurter Osthafen mĂŒssen sich die Reedereien, die Sand und Kies, Schrott oder Container verladen, mit ihren Ent- und Beladearbeiten allerdings auf die Sperrung der Schleusen ab 22 Uhr einstellen. „Wir sind froh, dass wir alle Abfertigungen zur Ostsee und zur Elbe fast normal bedienen können, auch wenn wir uns an die Sperrzeiten der Schleusen halten mĂŒssen“, erklĂ€rte uns der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des Containerterminals im Unterhafen, Christian Eichmeier. Allerdings waren im Oberhafen und sowie in dem Wendebecken des Unterhafens in den vergangenen Tagen auch Eis zu sehen. Das aber „wird vom Feuerlöschboot der Frankfurter Feuerwehr schnell beseitigt, wenn wir dort anrufen“, sagte Hafenmeister Bernd FĂŒnkner.

Damit die Schiffe, die zurzeit im Rhein-Main-Donaukanal und auf dem Oberlauf des Mains fest liegen, wie zum Beispiel das mit den Bauteilen fĂŒr die neue MainbrĂŒcke Ost, weiterfahren können, mĂŒssen allerdings die Temperaturen lĂ€ngere Zeit ĂŒber die Null-Grad-Grenze steigen. wyg (wyg)

23 Jan 2012
150 Frankfurter sollen Offenbacher werden

Der angedachte Gebietstausch zwischen den beiden StĂ€dten birgt aber auch noch weitere HĂŒrden

Frankfurt am Mai 22. Januar 2012     Der Offenbacher OberbĂŒrgermeister Horst Schneider hat seine Klagedrohung gegen die Bebauung des Honselldreiecks mit dem Vorschlag eines Gebietstausches zwischen Frankfurt und Offenbach verknĂŒpft. Damit wĂŒrden rund 150 Frankfurter zu Offenbachern. Auf Offenbacher Seite wĂ€ren dagegen Hasen, Igel und Rehe betroffen.

Den ersten wĂŒtenden Anruf eines Frankfurter BĂŒrgers hat der Leiter des Liegenschaftsamtes, Alfred Gangel, bereits erhalten: „Das machen Sie mit mir nicht, dass ich Offenbacher werden soll und auch noch mit einem Offenbacher Kennzeichen rumfahren muss“, habe ihm der Mann zugerufen, als die Idee des OBs der Nachbarstadt, Horst Schneider (SPD), bekannt wurde, berichtete Gangel.

Schneider möchte die Stadtgrenze zwischen Frankfurt und Offenbach „begradigen“, wie er es nannte. An der Autobahn 661 gibt es zwei FlĂ€chen, die auf die jeweils andere Seite der Autobahn in das Offenbacher beziehungsweise Frankfurter Gebiet hineinragen.

Die Offenbacher Landstraße an der Stadtgrenze von Offenbach und Frankfurt Foto: Wygoda

Die Offenbacher Landstraße fĂŒhrt bis an die Stadtgrenze, wo ein inzwischen stillgelegter Kiosk an der Endstation der Straßenbahnlinien 15, 16 und 18 den Namen „An der Stadtgrenze“ trĂ€gt. Weiter sĂŒdlich ragt Offenbach nach Westen ĂŒber die A661 mit einem WaldgelĂ€nde und dem Buchrainweiher ĂŒber die Autobahn.

Seine Offerte zu einem solchen GelĂ€ndetausch hat das Offenbacher Stadtoberhaupt noch mit einem zweiten GeschĂ€ft sowie mit einem Beschluss seines Magistrats zu einer Klagedrohung verbunden. Das GeschĂ€ft betrifft den Kauf eines GrundstĂŒckes am Kaiserleikreisel, das aber mit keinerlei GrenzĂ€nderung zwischen den NachbarstĂ€dten verbunden ist. Der Kauf des GrundstĂŒcks auf Offenbacher Seite soll, so ist in der Stadtverwaltung Frankfurts zu hören, den Nachbarn finanziell helfen, den Kaiserleikreisel in zwei Kreuzungen umzubauen, um seine VerkehrstĂŒchtigkeit zu erhöhen. Der Wert dieses GrundstĂŒcks, das etwa 20 bis 30 000 Quadratmeter groß sein wird, steht derzeit noch nicht fest und muss noch durch ein SachverstĂ€ndigengutachten ermittelt werden.

Die Offenbacher Landstraße fĂŒhrt bis an die Stadtgrenze, wo ein inzwischen stillgelegter Kiosk an der Endstation der Straßenbahnlinien 15, 16 und 18 den Namen „An der Stadtgrenze“ trĂ€gt. Weiter sĂŒdlich ragt Offenbach nach Westen ĂŒber die A661 mit einem WaldgelĂ€nde und dem Buchrainweiher ĂŒber die Autobahn.

Seine Offerte zu einem solchen GelĂ€ndetausch hat das Offenbacher Stadtoberhaupt noch mit einem zweiten GeschĂ€ft sowie mit einem Beschluss seines Magistrats zu einer Klagedrohung verbunden. Das GeschĂ€ft betrifft den Kauf eines GrundstĂŒckes am Kaiserleikreisel, das aber mit keinerlei GrenzĂ€nderung zwischen den NachbarstĂ€dten verbunden ist. Der Kauf des GrundstĂŒcks auf Offenbacher Seite soll, so ist in der Stadtverwaltung Frankfurts zu hören, den Nachbarn finanziell helfen, den Kaiserleikreisel in zwei Kreuzungen umzubauen, um seine VerkehrstĂŒchtigkeit zu erhöhen. Der Wert dieses GrundstĂŒcks, das etwa 20 bis 30 000 Quadratmeter groß sein wird, steht derzeit noch nicht fest und muss noch durch ein SachverstĂ€ndigengutachten ermittelt werden.

Dagegen ist der zur gleichen Zeit vorgeschlagene Tausch von einer anderen Kategorie, denn eine GrenzĂ€nderung ist zugleich ein hoheitlicher Akt, der nach den Regularien der Hessischen Gemeindeordnung ablaufen muss. Danach mĂŒssen beide Kommunen einen Vertrag darĂŒber abschließen, der alle mit diesem Gebietstausch zusammenhĂ€ngenden Rechtsfragen klĂ€rt.

Da auf der Frankfurter Seite nach Auskunft des Statistikamtes nur etwa 150 BĂŒrgerinnen und BĂŒrger betroffen wĂ€ren, die an der Offenbacher Landstraße zwischen der BrĂŒcke ĂŒber die A 661 bis zur Stadtgrenze wohnen, könnte „ein vereinfachtes Verfahren“ angewendet werden.

Ob es aber ĂŒberhaupt so weit kommen wird, ist derzeit mehr als fraglich. Denn wĂ€hrend die Offenbacher der Mainmetropole Wald mit einem großen See anbieten, wollen sie ein großes StĂŒck Frankfurter Gemarkung haben, das noch viele Entwicklungsmöglichkeiten fĂŒr den Wohnungsbau und fĂŒr Gewerbeansiedlung bietet.

In Frankfurt wurde bisher die Losung ausgegeben, „die FĂŒĂŸe still zu halten“, denn man will erst einmal das fĂŒr den heutigen Montag angesetzte GesprĂ€ch des Frankfurter Verkehrsdezernenten Stefan Majer und des Offenbacher OberbĂŒrgermeisters Horst Schneider bei Verkehrsminister Ramsauer in Berlin abwarten,der soll sich an den Kosten des Kaiserlei-Umbaus beteiligen. wyg

07 Jan 2012
Das Pflanzenparadies ist nun vereint

Frankfurt am Main 05.Januar 2012     Seit Jahresanfang gehört der Botanische Garten zum Palmengarten, er bleibt aber der Wissenschaft erhalten
Um den Vertrag wurde lĂ€nger gerungen, mit dem 1. Januar ist er gĂŒltig: Die Uni gab den Botanischen Garten ab.

FĂŒr Eingeweihte, die den Botanischen Garten am Ende der Siesmayerstraße kennen, ist er so etwas wie „ein Frankfurter Paradies“. Abgeschirmt vor allzu vielen neugierigen SpaziergĂ€ngern wissen nur wenige, dass der Lehrgarten, der zum Jahresbeginn von der Uni an die Stadt Frankfurt und damit den Palmengarten ĂŒberging, öffentlich zugĂ€nglich ist.
Besucher erwartet ein „wissenschaftlicher“ Garten, der zuerst 1766 von der Senckenbergischen Stiftung am Eschenheimer Turm eingerichtet worden war. 1907/ 08, als die Stadt das GelĂ€nde dort fĂŒr ihre Erweiterung benötigte, zog der Botanische Garten an den nordöstlichen Rand des Palmengartens um.

Botanischer Garten Matthias Jenny (links), Manfred Wessel Foto: Wygoda

FĂŒr dessen Leiter, Matthias Jenny, gehören die GĂ€rten schon immer zusammen, der Botanische Garten hĂ€tte „schon dem Palmengarten zugeordnet werden sollen, als die UniversitĂ€t 1963 an das Land ĂŒberging“, meint er. Es dauerte weitaus lĂ€nger. Erst 2012 wurde nun der Vertrag zwischen Land und Stadt wirksam, der den Übergang regelt. Die UniversitĂ€t wird sich auf dem Riedberg, wo die Naturwissenschaften ihren neuen Standort haben, wieder einen eigenen wissenschaftlichen Garten anlegen, doch werden Forschung und Lehre auch am Palmengarten erhalten bleiben.

Erholen und Lernen
„FĂŒr den Palmengarten sehe ich in dieser Lösung, die erst nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen zu erreichen war, eine ideale ErgĂ€nzung. Er hatte immer beide Aufgaben: als Park fĂŒr die Bevölkerung und zugleich als Lehr- und Lernort.“
Der Botanische Garten soll so erhalten bleiben, wie er angelegt wurde. „Der Vertrag sieht vor, dass die UniversitĂ€t ihre Lehr- und Forschungsarbeiten dort auch weiterhin abhalten wird, weil der neue Garten auf dem Riedberg nicht alles aufnehmen kann, was hier angelegt wurde“, erlĂ€utert Jenny. Das Land Hessen gibt fĂŒr die Arbeit der Botaniker weiterhin 600 000 Euro im Jahr. 5000 Pflanzenarten und ihre Samen sind in dem Lehrgarten versammelt – eine Vielfalt, die ihm Bedeutung weit ĂŒber Frankfurt hinaus verleiht. Zumal die Frankfurter Biologen als eine der ersten botanischen Sammlungen damit angefangen hatten, Pflanzen in ihren natĂŒrlichen Gemeinschaften anzusiedeln.
Das passt zum Palmengarten. In dessen SchauhĂ€usern sind die exotischen Arten ebenfalls nach Pflanzengemeinschaften angeordnet, nun „haben wir jetzt als ErgĂ€nzung noch die Vegetation der gemĂ€ĂŸigten mitteleuropĂ€ischen Vegetationszonen bis hin zu Alpinenzone hinzubekommen“, freut sich Jenny.

Botanischer-Garten_Weiden-am-See-im-Winter Foto: wygoda

Zaun bleibt
Dass beide GĂ€rten nun von einer Stelle aus gefĂŒhrt haben, biete Raum fĂŒr etliche Synergien. Von der Öffentlichkeitsarbeit des Palmengartens werde auch der Botanische Garten profitieren. Allzu eng sollen beider aber nicht zusammenwachsen. So soll laut Jenny „der Zaun zwischen beiden GĂ€rten unbedingt erhalten bleiben, damit die etwa 30 000 Besucher des Rosen- und Lichterfestes den Botanischen Garten nicht ĂŒberlaufen“.
Dieser war bis vor etwa 20 Jahren fĂŒr Laien nur eingeschrĂ€nkt zugĂ€nglich. Damals bot der technische Leiter Manfred Wessel erstmals FĂŒhrungen durch die Pflanzensammlung an. „Bei uns kann man beispielsweise an der roten Farbe der Schilder jene Pflanzen erkennen, die vom Aussterben bedroht sind.“
Auch Wessel hĂ€lt die Anbindung an den Palmengarten fĂŒr „erfreulich, nachdem vorher ĂŒber PlĂ€ne diskutiert wurde, die den Verlust dieses Botanischen Gartens zur Folge gehabt hĂ€tten“. Damit meint Wessel Überlegungen des Stadtplanungsamtes, nach denen aus Palmen- und Botanischem Garten sowie der heutigen Jugendverkehrsschule ein sogenanntes „Gartenreich“ entstehen sollte. Der Titel klang gut, aber die beiden Fachleute Manfred Wessel und Matthias Jenny waren sich von Anfang an einig, dass ein solches Reich nicht entstehen sollte.
Gegen eine einheitliche Planung fĂŒr beide Areale hat der Palmengarten-Chef allerdings nichts einzuwenden, mahnt sie sogar an. So ist zu klĂ€ren, um nun anstelle der alten InstitutsgebĂ€ude der Biologen tatsĂ€chlich Wohnungen gebaut werden können. Eine erste Idee, dort Studentenwohnungen zu errichten, war bei den ZustĂ€ndigen in Wiesbaden nicht auf Gegenliebe gestoßen.
Auch weitere Immobilienfragen sind ungeklĂ€rt: Dabei sind die alte Kita sowie die Jugendverkehrsschule, die gegenĂŒber dem Palmengarten im GrĂŒneburgpark liegen, dringend sanierungs- oder gar erneuerungsbedĂŒrftig. wyg

19 Sep 2011
Alle sieben Tage ein Stockwerk / Die EZB wÀchst: Die ersten zehn Geschosse des Doppelturms sind fertig

Jetzt kann man es sehen: Die EZB wĂ€chst. Die ersten zehn Stockwerke des Doppelturms sind im Kern fertig, alle sieben Tage entsteht ein weiteres Stockwerk. Die Fassade der ehemaligen Großmarkthalle wurde inzwischen renoviert.
Von Hermann Wygoda
Frankfurt. 16.9.2011 FNP    Die EuropĂ€ische Zentralbank (EZB) sei mit ihrem 500 Millionen Euro teuren Neubau im Plan, sagte Andrea JĂŒrges von der EZB gestern nach einem Rundgang ĂŒber die Baustelle. 2014 will die Zentralbank mit ihren rund 1500 BeschĂ€ftigten, die derzeit auf mehrere GebĂ€ude in der Innenstadt verteilt sind, in das neue Domizil im Osten Frankfurts ziehen. Die TĂŒrme am Main werden rund 2300 ArbeitsplĂ€tze bieten. Auf Frankfurts grĂ¶ĂŸter Baustelle sind 400 Bauarbeiter beschĂ€ftigt.
Alles im Lot
Auch fĂŒr Thomas Rinderspacher, den Projektbeauftragten der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB) fĂŒr den Neubau im Ostend ist derzeit alles im Lot, zumal es bisher auch keinen ernsthaften Unfall gegeben habe. Auf der Riesenbaustelle wird nicht nur ein Hochhaus hochgezogen. Vielmehr wird gleichzeitig in den Dimensionen eines weiteren, flachgelegten Hochhauses gebaut: Die ehemalige Großmarkthalle ist mit ihren 250 Metern lĂ€nger als die beiden neuen HochhĂ€usern hoch werden (185 Meter).

Jede Woche wird ein Stockwerk fertig. Die Baustelle der EZB Foto: Wygoda

In der Großmarkthalle, die in Zukunft neben den Besprechungs- und KonferenzrĂ€umen, auch das Rechenzentrum aufnehmen wird, wurde inzwischen eine Bodenplatte eingebaut. Doch das ist keine normale, gerade durchgehende Bodenplatte, sondern hat fĂŒr die unterschiedlichsten Leitungen, Kabel und Rohre fĂŒr Wasser, Abwasser, Telefon- und Datenleitungen, DurchlĂ€sse und Öffnungen, die alle vorher genau angefordert und festgelegt werden mussten, erlĂ€uterte der Projektleiter. 15 000 Kubikmeter Beton wurden fĂŒr diese Bodenplatte verbaut. Auch das Haus im Haus fĂŒr die KonferenzrĂ€ume, das in die Großmarkthalle gebaut wird, ist bereits im Entstehen. So wurden die TreppenhĂ€user weitgehend gegossen und fĂŒr die Eisenkonstruktion, die die großen GlasflĂ€chen halten werden, stehen die ersten Betonteile. Im östlichen Kopfbau sind alle Betonteile saniert und mit neuem Beton verspritzt worden. 1250 Fenster, davon allein 400 in den TreppenhĂ€usern im Osten und Westen, werden entweder erneuert oder gesĂ€ubert. Die neuen, nach den historischen Vorbildern gebauten Fenster, seien inzwischen auf dem Schiff unterwegs von China nach Frankfurt. Damit sich die neue Großmarkthalle auch den Besuchern der EZB möglichst so zeigt wie das Original aus dem Jahr 1929, sind die neuen Fensterrahmen rot angestrichen.
WĂ€rmeschutz
Heute sind sie aus doppeltem Isolierglas, leicht grĂŒnlich, gefertigt. Sonst können sie die aktuellen Forderungen nach dem WĂ€rmeschutz gar nicht erfĂŒllen, erlĂ€utert Rinderspacher. Auf dem Rundgang kann man immer wieder Bemerkungen hören, die darauf hindeuten, dass allen Beteiligten die Arbeit an der frĂŒheren Gemieskerch des Architekten Martin Elsaesser viel Spaß macht.
In der Fassade sind Stein fĂŒr Stein abgetragene und sorgfĂ€ltig gesĂ€uberte Klinker der frĂŒheren Annex-Bauten wiederverwendet worden. WĂ€hrend der östliche Kopfbau bereits in seiner neuen Gestalt mit den neuen FensterbĂ€ndern zu sehen ist, wird im westlichen noch an der Ausbesserung der Fugen gearbeitet. In der Großmarkthalle ist selbstverstĂ€ndlich der grĂ¶ĂŸte Anteil Handarbeit notwendig, unterstreicht Dieter Allgöwer, der Projektleiter der Firma Torkret fĂŒr die Sanierungsarbeiten. FĂŒr sein Unternehmen hat der Auftrag an der Großmarkthalle auch so etwas wie einen DejĂĄ-vu-Charakter: Torkret war 1927 bis 1929 am Bau der Großmarkthalle beteiligt.

14 Sep 2011
106 Millionen fĂŒr das Ostend

FRANKFURT AM MAIN 13.9.2011  Verkehrsdezernent Stefan Mejer (GrĂŒne) sieht in der Entwicklung des Ostends „einen großen Fortschritt fĂŒr die Stadt Frankfurt“. Und dazu zĂ€hlte er nicht allein den Neubau der EuropĂ€ischen Zentralbank (EZB), sondern auch die kĂŒnftige grĂ¶ĂŸere AttraktivitĂ€t der beiden Mainufer.  Immerhin hat sein Dezernat einen Etat in Höhe von 106 Millionen Euro in die neuen Straßen, die Neugestaltung des Osthafenplatzes, die Sanierung der HonsellbrĂŒcke und den Bau der neuen BrĂŒcke Ost zur VerfĂŒgung, der bis zum Juni 2013 investiert sein wird, wenn auch die neue BrĂŒcke fertiggestellt ist.

Bisher wurden der Knotenpunkt vor dem Portikus und die Sonnemannstraße  erneuert. Zum ersten Mal war jetzt zu erfahren, dass die Erneuerung der Sonnemannstraße durch zu spĂ€te Entscheidungen der EZB und den Neubau fĂŒr Globetrotter vor der EisenbahnbrĂŒcke verzögert wurden, weil Entscheidungen ĂŒber die FernwĂ€rmeversorgung zu viel Zeit benötigten.

Aktuell wird an der Eytelweinstraße und an der Eyssenstraße gebaut. Die Eyssenstraße wird die spĂ€tere Zufahrt fĂŒr die Mitarbeiter der EZB in ihre Tiefgarage sein. Mit den Vorbereitungen fĂŒr den Abriss der langgezogenen Rampe zur HonsellbrĂŒcke wurde bereits begonnen. Diese sogenannte VorlandbrĂŒcke wird bis auf zwei der Rundbögen abgebrochen. Das ist notwendig, damit eine ebenerdige Kreuzung der Eyssenstraße mit der die Eytelweinstraße gebaut werden kann.

Die HonsellbrĂŒcke Foto: Hermann Wygoda

Die HonsellbrĂŒcke selbst muss saniert werden, da der Stahl nach 100 Jahren nicht mehr tragfĂ€hig genug ist. Um die historische Gestalt der HonsellbrĂŒcke nicht allzu sehr zu verĂ€ndern, wurde in einem Gutachten ein Vorschlag erarbeitet, der ĂŒber den beiden Rundbögen gleichsam eine zweite Haube vorsieht, an die die erneuerte Fahrbahn angehĂ€ngt wird. „Wir erreichen damit, dass die Fahrbahn praktisch an einer eigenen BrĂŒckenkonstruktion hĂ€ngt, die dann nicht mehr von den historischen BrĂŒckenbögen getragen werden muss“, erlĂ€uterte der Architekt Ferdinand Heide, der nicht nur die Sanierung der HonsellbrĂŒcke, sondern auch die neue BrĂŒcke Ost, die sich an die HonsellbrĂŒcke in Richtung  Oberrad anschließen wird, baut. FĂŒr ihn ist die gefunden Lösung „die Chance, dass das Ensemble aus der VorlandbrĂŒcke und der HonsellbrĂŒcke als stĂ€dtebauliches Ensemble bestehen bleiben kann.“ Wie der Verkehrsdezernent erlĂ€uterte, werden die beiden BrĂŒckenbögen zunĂ€chst nicht ausgebaut, sondern als „Leerraum“ belassen, damit ein spĂ€terer Betreiber einer kulturellen Nutzung seine eigenen Vorstellungen verwirklichen kann.

Der Frankfurter Architekt hatte den Wettbewerb fĂŒr die neue Mainquerung vor fĂŒnf Jahren gewonnen. Nach Auskunft der Leiterin des Straßenbauamtes, Gabriele Dehmer, wurden die AuftrĂ€ge fĂŒr die neue BrĂŒcke bereits vergeben. Voraussichtlich im FrĂŒhjahr des nĂ€chsten Jahres soll mit dem Bau der BrĂŒcke als „Open-Air-Schauspiel“ begonnen werden. Denn die komplette Konstruktion wird auf dem nördlichen Mainufer erfolgen, von wo aus sie nach der Fertigstellung auf Pontons auf ihre Widerlager eingeschwommen wird.

Die kĂŒnftige BrĂŒcke Ost. Animation Ferdinand Heide Architekt

Verkehrsdezernent Mejer sah sich schon neben den rund 17.000 Kraftfahrzeugen am Tag auf dem Fahrradweg ĂŒber die BrĂŒcke nach Oberrad radeln. Um auf der sĂŒdlichen Seite des Mains die Angst vor zu viel Verkehr zu nehmen, wies er darauf hin, dass am Ende der BrĂŒcke eine sogenannte Pförtnerampel dafĂŒr sorgen wird, dass der Verkehr, auch nach Offenbach zum Kaiserleikreisel, nur in quasi homöopathischen Dosen fließen kann.

Bei den Kosten fĂŒr das neue Bauwerk konnte Stefan Mejer noch eine gute Nachricht vermelden: Statt wie zunĂ€chst errechnet wird die neue BrĂŒcke nicht 41 Millionen Euro kosten, sondern voraussichtlich nur 31 Millionen. Zehn Millionen  Euro konnten Dank der inzwischen gesunkenen Metallpreise eingespart werden. Doch machte Mejer kein Hehl daraus, dass man bei Bauarbeiten „vor Überraschungen nicht sicher“ sein könne, was wohl heißen sollte, dass er nicht ausschließen kann, dass die hier eingesparten zehn Millionen in anderen Projekten vielleicht wieder als Mehrkosten eingesetzt werden mĂŒssen.

Hermann Wygoda

11 Aug 2011
Die PferdetrÀnke am Osthafenplatz bleibt stehen

10. August 2011 Die seit 100 Jahren am Osthafenplatz angestammte ehemalige PferdetrĂ€nke bleibt, wo sie ist. Das Landesdenkmalamt konnte sich mit dem Amt fĂŒr Straßenbau und Erschließung ĂŒber eine VerĂ€nderung der bisherigen BauplĂ€ne einigen.

Bei der ersten Planung ĂŒber die Umbaumaßnahmen zwischen der HonsellbrĂŒcke und dem Osthafenplatz, um den zukĂŒnftigen Verkehr zur EuropĂ€ischen Zentralbank abwickeln zu können, fiel niemanden auf, dass die PferdetrĂ€nke auf die ehemalige Trasse der Hafenbahn versetzt werden sollte. Und das, obwohl sie an dem angestammten Platz als eingetragenes Denkmal geschĂŒtzt sein sollte.

Nur Frederike Satvary, Inhaberin der Metzgerei Gref Völsing, wollte „diesen historischen Frevel“ nicht hinnehmen, denn fĂŒr ihre Familie war die PferdetrĂ€nke ĂŒber viele Generationen der Platz, an dem alle fĂŒr ihre Familie wichtigen Fotos gemacht wurden.

Der alarmierte Ortsbeirat 4 biss bei der stĂ€dtischen Verwaltung allerdings auf Granit. Es sei nichts mehr zu Ă€ndern, da das Gremium ja der Planung zugestimmt hĂ€tte, hieß es aus dem Amt fĂŒr Straßenbau und Erschließung.

So sah der Osthafenplatz nach dem Bau des Ostahfens aus. In der Bildmitte stehen vier Pferde an der TrĂ€nke Rechts ist die spĂ€etere Spinnerei noch nicht gebaut. Foto: Institut fĂŒr Stadtgeschichte

Erst eine Nachfrage der FNP bei der Leiterin des Denkmalamtes, Andrea Hampel, brachte neue Bewegung in den Fall der PferdetrĂ€nke. Das Denkmalamt fand heraus, dass zwar immer von einer „Zustimmung“ der DenkmalschĂŒtzer zu der Verlegung des Denkmals gesprochen wurde, diese sich aber in den Akten nicht nachweisen ließ. Damit hatte auch der Landesdenkmalpfleger Heinz Wionski eine Handhabe, die Akte „PferdetrĂ€nke Osthafenplatz“ neu aufzurollen und konnte mit dem Straßen- und BrĂŒckenbauamt eine VerĂ€nderung der bestehenden Planung und damit die vorgesehene Verlegung rĂŒckgĂ€ngig machen.

Nun kann, wenn der Osthafenplatz voraussichtlich im Jahr 2013 umgebaut wird, die alte PferdetrÀnke an ihrem angestammten Platz stehen bleiben, und die Familie Satvary wird auch weiterhin die Familienfotos mit ihren drei Töchtern dort machen können.wyg 

13 Jul 2010
Geisteswissenschaftler studieren am Affenstein

Frankfurt 12. Juli 2010. Erstmal wurde eine Architekturzeichnung veröffentlicht, die zeigt, wie der Affenstein nach der Fertigstellung des GebÀudes der Geisteswissenschaften im Campus Westend der Frankfurter UniversitÀt zu erleben sein wird.

Das Baudenkmal wird, wenn das Haus der Geisteswissenschaften wie geplant zum Sommersemester 2012 eröffnet wird, als «lebender» Hinweis auf die GeschichtstrÀchtigkeit des Lernortes verweisen. Er wird dann sein «viertes Leben» als Denkmal in der Bibliothek beginnen.

Der Affenstein wie er spĂ€ter in der Bibliothek stehen wird. Animation: Architekten mĂŒller-reinamn

Die Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, Andrea Hampel, hatte in ihren Untersuchungen die wechselvolle Geschichte des Bauwerks beschrieben. ZunĂ€chst als Wehrturm erbaut, konnte er diese Funktion bis zur Erfindung des Schießpulvers an einer strategisch gĂŒnstigen Stelle «gegen die Ritter aus dem Taunus» ausfĂŒllen. Doch mit der Erfindung des Schießpulvers hatte er seine Funktion verloren, weil die Wehren weiter draußen vor der Stadt errichtet werden mussten.

Jetzt begann das «zweite Leben» des Turmes, der zur MĂŒhle umgebaut wurde. In einer Quelle aus dem Jahr 1734 wird darĂŒber berichtet, dass im Jahr 1530 diese MĂŒhle auf dem Affenstein in Betrieb war. Allerdings ist unbekannt, wie lange sie betrieben wurde.

1859, «bei dem Beginn der Bauarbeiten fĂŒr die Anstalt fĂŒr Irre und Epileptische war der Turm weder als ehemaliger Wachturm noch als MĂŒhle bekannt gewesen», erlĂ€uterte Andrea Hampel.

Jetzt begann das «dritte Leben» des Affenstein-Turmes. Eine hölzerne Plattform wurde eingebaut und die Wand mit Hilfe großer Balken mit Brettern verkleidet. Die Hölzer fĂŒr diesen Einbau waren nach den Untersuchungen zwischen 1859 und 1864, also wĂ€hrend der Bauzeit der Anstalt, gefĂ€llt worden. Er wurde wohl mit dem Erdreich aus der Baustelle fĂŒr die «Irrenanstalt» des Heinrich Hoffmann zu dem HĂŒgel aufgeschĂŒttet, in dem man ihn bei Beginn der Bauarbeiten fĂŒr den UniversitĂ€tsneubau gefunden hatte. Mit der Erde hatte man zugleich eine noch bessere DĂ€mmung des «KĂŒhlschrankes» erhalten.

Wenn die Studenten auf den vorgesehenen BĂ€nken rund um den Affenstein sitzen und lesen werden, wird er ihnen zeigen, welche Wendungen die Geschichte eines Bauwerkes nehmen kann. Und wie es möglich ist diese Wendungen zu rekonstruieren. Hampel kĂŒndigte an, dass die Geschichte auf einer Tafel beschrieben werden soll. Sie soll mit den bei der Ausgrabung gefundenen Porzellanresten der «Irrenanstalt» anschaulich gemacht werden wird. wyg

10 Jul 2010
Lofts am Osthafen kommen Berliner Investor darf die alte Spinnerei fĂŒr 28 Millionen Euro umbauen

In das GebĂ€ude der ehemaligen Lencoryt-Spinnerei zieht neues Leben. Ein Berliner Investor will sie fĂŒr 28 Millionen Euro zum Wohnen umbauen.

Frankfurt 09. Juli 2010. Die Genehmigung ist da, am Osthafenplatz kann jetzt ein lange umstrittenes Bauprojekt gestartet werden. In dieser Woche hat die Bauaufsicht den Umbau des denkmalgeschĂŒtzten GebĂ€udes der ehemaligen Lencoryt-Spinnerei samt Erweiterungsbau an der Lindleystraße erlaubt. Lofts zum Wohnen und Arbeiten sollen in dem historischen GebĂ€ude Platz finden.

Das denkmalgeschĂŒtzte GebĂ€ude der ehemaligen Spinnerei am Osthafenplatz Foto: Wygoda

Das Vorhaben ist umstritten, Kritikern gilt es als eine Art «Einfallstor» fĂŒr eine Wohnbebauung im Osthafen. Dagegen hatten sich vor allem die Hafenbetriebe heftig gewehrt, weil sie fĂŒrchten, dass die neuen Nachbarn sich an LĂ€rm und Verkehr stoßen könnten, die beim Betrieb des Hafens und der dort ansĂ€ssigen Firmen nun einmal unvermeidlich sind. Juristische Auseinandersetzungen könnten die Folge sein. Selbst Hafendezernent Franz Stein (FDP) war von der Baugenehmigung fĂŒr den Umbau der Spinnerei nicht begeistert. Ebenso die Firma Wincanton, die auf der Hafenmole das Containerterminal betreibt. Sie hatte wiederholt davor gewarnt, Wohnungen im Osthafen zu genehmigen.

Denn Wincanton will wachsen: Wie GeschĂ€ftsfĂŒhrer Wolfgang Höhnemann der FNP erlĂ€uterte, will das Unternehmen im Herbst damit beginnen, sein Terminal bis zur Molenspitze an der SchmickbrĂŒcke zu erweitern. «Dort werden wir dann auch eine dritte KranbrĂŒcke aufstellen.» FĂŒr die derzeit genutzten Areale hat die Firma eine Betriebsgenehmigung. Gern wĂŒrde sie darĂŒber hinaus gehen. «Aber was wird mit unseren mittelfristig angelegten AusbauplĂ€nen, unser Areal auch auf die andere Seite der Schmickstraße zu erweitern?», fragte der Manager. Damit wĂŒrde das Containerterminal noch nĂ€her an die neuen Wohn-Lofts heranrĂŒcken.

FĂŒr Wincanton habe das Terminal im Frankfurter Osthafen nach wie vor eine große Bedeutung, um Containerschiffe fĂŒr den Weitertransport in die Rhein-Main-Region zu ent- und beladen, betont Höhnemann.

Die Berliner Premium Estate Group will trotzdem bauen. Einen positiven Bauvorbescheid hat sie schon lÀnger vorliegen. «Ein Wohnprojekt in dem als Mischgebiet ausgewiesenen Gebiet ist nunmal zulÀssig», erlÀutert der stellvertretende Leiter der Frankfurter Bauaufsicht, Rainer Kling, die Rechtslage. Wincanton hatte gegen den Bauvorbescheid Widerspruch eingelegt.

Erfolglos, wie sich nun zeigt. Im Oktober wollen die Berliner Investoren loslegen. Angefangen wird mit dem geplanten Erweiterungsbau an der Ecke zur Lindleystraße. Unter dem Neubau soll eine zweistöckige Tiefgarage mit 83 AbstellplĂ€tze entstehen. DarĂŒber und im Altbau insgesamt 13 große BĂŒros und 78 Wohnlofts entstehen. 2012 soll das GebĂ€ude bezugsfertig sein. 28 Millionen Euro, sagte Werner Stapelfeld, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Premium Estate Group, werde der Umbau kosten. wyg

18 Mai 2010
Einkaufszentrum mit Regenbogenfassade

Architektur des Frankfurter Skyline Plaza ĂŒberarbeitet – Vivico will noch in diesem Jahr Bauantrag einreichen

17.05.2010

Wie der Sprecher des Bauherren, der Vivico GmbH, bestĂ€tigte, will das Unternehmen «noch in diesem Jahr» den Bauantrag bei der Stadt einreichen. Der Projektentwickler Vivico errichtet das Skyline Plaza in einem Gemeinschaftsunternehmen mit der ECE. Die ECE ist nach eigenen Angaben europĂ€ischer MarktfĂŒhrer auf dem Gebiet innerstĂ€dtischer Shopping-Center. Noch heißt es auf der Internetseite der ECE vorsichtig, «voraussichtlich 2013» solle die «Skyline Plaza Frankfurt» eröffnet werden.

Das Skyline Plaza ist Teil eines Komplexes, zu dem auch ein Hotelturm und ein Kongresszentrum gehören. UrsprĂŒnglich sollte ein einziger Baukörper entstehen. Die Stadt hat die Genehmigung des Einkaufszentrums davon abhĂ€ngig gemacht, dass ein Kongresszentrum fĂŒr rund 3000 Besucher entsteht. Auf der Suche nach einem Betreiber des Kongresszentrums favorisiert die Vivico eine Zusammenarbeit mit der Messe. Es soll in einem gesonderten Baukörper neben dem geplanten Hotelturm am GĂŒterplatz entstehen.

Ein Vertrag mit der Messe ist allerdings noch nicht zustande gekommen. Die Messe als Partner könnte Veranstaltungen im geplanten Kongresszentrum organisieren und damit ihre eigene Infrastruktur besser nutzen.

Nach den ersten jetzt im Internet veröffentlichten Skizzen des Frankfurter Architekten Benjamin Jourdan wird das Einkaufszentrum mit den rund 38 000 Quadratmetren EinzelhandelsflĂ€chen fĂŒr etwa 160 LĂ€den eine besonders eindrucksvolle Fassade erhalten. Nachdem das frĂŒher vorgesehene Planetarium nicht gebaut wird, und durch das Kongresszentrum ersetzt wird, musste Jourdan umplanen.

Drei neu gestaltete EingÀnge wird das Skyline-Placa-Einkaufszentrum haben. Foto: ECE

Die Grundform des GebĂ€udes ist ein großes Oval. Über dem als ParkflĂ€che genutzten Tiefgeschoss werden das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss als EinkaufsflĂ€che genutzt, im sĂŒdlichen Abschnitt zieht sich die VerkaufsflĂ€che bis ins vierte Obergeschoss. Im nördlichen GebĂ€udeteil sind ParkflĂ€chen auch im zweiten und dritten Obergeschoss untergebracht. Im Erdgeschoss ist eine Schaufensterfassade vorgesehen, die darĂŒberliegenden wellenförmigen Ebenen stehen unterschiedlich weit vor und bilden in Höhe der vier EingĂ€nge Überdachungen. Ein Durchgang zwischen östlichem und westlichen Eingang erlaubt eine Durchquerung, auch wenn das Einkaufszentrum geschlossen ist.

Jourdan hat eine Fassade aus Lamellen entwickelt, die auf der einen Seite die Farben des Regenbogens erkennen lassen, wĂ€hrend sich ihre RĂŒckseiten von Weiß bis zu Schwarz verĂ€ndern. In den verspiegelten Fronten der Lamellen zeigen sich der Himmel und die Wolken. Auf dem Dach ist eine große öffentlich zugĂ€ngliche begrĂŒnte FreiflĂ€che geplant, die den Charme hat, dass sie von den HochhĂ€usern im Norden nicht verschattet wird. Auf 12 000 Quadratmetern sollen Zierkirschen, Blumenbeete, Hecken und Wiesen sprießen. tre/wyg

09 Mrz 2010
Mainova testet virtuelles KraftwerkMainova testet virtuelles Kraftwerk

Notstromaggregate sollen in der gesamten Stadt miteinander vernetzt werden

8.02.20101 Es war ursprĂŒnglich als ein relativ einfaches Unterfangen gedacht gewesen, als die Techniker von Mainova auf die Idee kamen, in Frankfurt ein virtuelles Kraftwerk zu installieren. Doch noch gibt es vor allem technische Probleme.

Virtuelle Kraftwerke sind Stromerzeuger, die aus den vielen zusammengeschalteten Notstromaggregaten bestehen, die in KrankenhĂ€usern, HochhĂ€usern oder Rechenzentren bereitstehen, um bei einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes den Betrieb zu sichern. Die Idee, solche «stillliegenden Kraftwerke» ĂŒber Netze miteinander zu verbinden, gibt es bereits seit sechs Jahren.

Notstromaggregate bei ancotel Foto: Wygoda

Rainer Nauertz, GeschĂ€ftsfĂŒhrer der Mainova Energiedienste, ist nach den ersten GesprĂ€chen mit Technikern skeptischer geworden: «Wir hatten uns das einfacher vorgestellt.» Bereits Mitte vergangenen Jahres war das Projekt aufgelegt worden, doch «die technischen Herausforderungen wurden immer zahlreicher». Denn neben der neuen Aufgabe, Lieferanten fĂŒr das öffentliche Stromnetz zu sein, mĂŒssen sie auch noch so zuverlĂ€ssig wie bisher ihre eigentliche Aufgabe erfĂŒllen.

Es mĂŒssen also auch logistische Aufgaben gelöst werden, wie etwa die Sicherstellung, dass der Dieseltank regelmĂ€ĂŸig nachgefĂŒllt wird. WĂ€hrend das letzte Problem wohl noch am leichtesten zu lösen sein dĂŒrfte, sind die technischen Probleme wie beispielsweise die Fragen der Datenanbindung oder der zentralen Steuerung der Anlagen noch ungelöst. Die notwendige Software stecke noch in den Kinderschuhen.

Damit erste Erfahrungen hausintern bei der Mainova gesammelt werden können, werden derzeit die eigenen Notstromaggregate auf die Stromlieferung in das öffentliche Netz vorbereitet.

«Das Ganze hat nicht nur einen energiewirtschaftlichen Aspekt, sondern auch einen finanziellen», weiß der GeschĂ€ftsfĂŒhrer, denn die Investitionen lohnen sich nur dann, wenn das neue virtuelle Kraftwerk auch oft genug angefragt wird, damit es Geld verdienen kann.

Um die technischen Probleme zu lösen, gibt es bereits mehrere Ă€hnliche Projekte in der Bundesrepublik. Doch die Mainova Energiedienste wollen spĂ€ter noch einen Schritt weiter gehen, der bisher nur theoretisch als Möglichkeit diskutiert wird: «Wir denken daran, dass nach den großen Notstromaggregaten auch die etwa 50 kleinen Blockheizkraftwerke, die es im Stadtgebiet gibt, ebenfalls angeschlossen werden könnten», sagt Nauertz.

Erste Kunden hĂ€tten bereits angefragt, ob sie mitmachen können. Doch sie werden noch mindestens bis Mitte 2011 warten mĂŒssen. Erst Ende dieses Jahres werden bei der Mainova Ergebnisse vorliegen. Die UmrĂŒstungskosten fĂŒr die Anlagen werden derzeit auf 10 000 bis 50 000 geschĂ€tzt. wyg

28 Jan 2010
Anlieger drĂ€ngen auf einen „Hafengipfel“

Frankfurt. 27.01.2010 „Mit allen möglichen Mitteln werden wir den Standort Osthafen verteidigen“, kĂŒndigte der Sprecher der Hafenanlieger, Willy Korff, gegenĂŒber der FNP an. Jetzt mahnte er auch ein «HafengesprĂ€ch» an, das ihm der fĂŒr den Hafen zustĂ€ndige Dezernent Volker Stein (FDP) bereits im November vorgeschlagen habe. An diesem „HafengesprĂ€ch“ sollten nach Angaben Korffs neben Stein auch Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU), Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) sowie Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (GrĂŒne) teilnehmen. Auf diesem „Hafengipfel“ solle „die Zukunft des Frankfurter Osthafens sichergestellt werden“, sagte Korff.

Sand und Kies Entladung an einem Betonwerk im Osthafen Foto: Wygoda

DemgegenĂŒber hieß es aus dem Dezernat des Hafendezernenten, dass zwar ein Termin fĂŒr ein GesprĂ€ch zwischen den Hafenanliegern und der Stadt gesucht werde, doch solle bei diesem Termin nicht ĂŒber die Zukunft des Hafens gesprochen werden, sondern es gebe «erheblichen Bedarf, ĂŒber die Verkehrssituation im Hafen und rund um den Hafen und die Zufahrten zu sprechen».

Nach Ansicht der IHK sollte der Osthafen „das letzte geschlossene Gewerbegebiet Frankfurts“ bleiben, sagte ein Sprecher. Nur so könne sich die Stadt die Möglichkeit zusichern, „sich auf diesem Gewerbegebiet den kĂŒnftigen VerĂ€nderungen der Industriestruktur anzupassen“. Auf dem Honsell-Dreieck seien bereits andere Nutzungen geplant. Sie sollten „immer unter dem Gesichtspunkt beraten werden, dass eine Entwicklung des Osthafens als Gewerbegebiet auch in Zukunft möglich bleibt“, mahnte der IHK-Sprecher. wyg

26 Jan 2010
Boris Rhein und Olaf Cunitz wĂŒnschen sich „Kreativhafen“ als erstes regionales Projekt zwischen Frankfurt und Offenbach

Von Hermann Wygoda

Frankfurt 25.01.2010 In den 90er Jahren wurden die PlĂ€ne, den Osthafen in ein Wohngebiet umzuwandeln, nach heftigen Diskussionen zu den Akten gelegt. Jetzt bringen CDU und GrĂŒne das Thema wieder auf die Tagesordnung.

Boris Rhein hat eine Vision: Über ihre HĂ€fen könnten die NachbarstĂ€dte Frankfurt und Offenbach nĂ€her zusammenrĂŒcken, meint der Kreisvorsitzende der CDU. Ein «Kreativhafen Frankfurt-Offenbach» schwebt ihm vor. «Damit hĂ€tten wir das erste richtig regionale Projekt», sagte er der FNP. Die Nachbarn haben den ersten Schritt gemacht. Der frĂŒhere Offenbacher Hafen soll zu einem Wohn- und BĂŒroviertel werden.

Nur auf der Frankfurter Seite dominieren nach wie vor Speditionen, Betonmischanlagen und Ă€hnliche Betriebe. Rhein stellt jetzt in Frage, ob man dafĂŒr noch so viel FlĂ€che wie heute braucht. Er verweist darauf, dass Stadtrat Volker Stein (FDP) bereits eine Kooperation mit dem nur wenige Kilometer entfernten Hanauer Hafen auf den Weg gebracht habe. FĂŒr den Frankfurter Osthafen stellt sich Rhein kĂŒnftig eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe vor. «Das kann sicher nur ĂŒber einen lĂ€ngeren Zeitraum verwirklicht werden, aber wir mĂŒssen das jetzt anpacken.» Die WohnungsbauplĂ€ne aus den 90er Jahren könnten aber sicherlich nicht eins zu eins umgesetzt werden.

So wurde international fĂŒr den „neuen Osthafen“ geworben

Ähnlich sind die Überlegungen des Fraktionschefs der GrĂŒnen, Olaf Cunitz. Frankfurt habe ein so kleines Stadtgebiet, «dass wir jede Möglichkeit ergreifen mĂŒssen, um die vorhandenen FlĂ€chen so effektiv wie möglich zu nutzen», sagte er im GesprĂ€ch mit der FNP. Deshalb fordert er, «den Osthafen neu zu denken und die GewerbeflĂ€chen in den Oberhafen zu verlagern, damit der Unterhafen fĂŒr andere Nutzungen frei werden kann».

Mit diesen Überlegungen macht der GrĂŒnen-Politiker fĂŒr seine Partei nach fast genau 15 Jahren eine Kehrtwende in der EinschĂ€tzung des Osthafenareals. 1994 hatten die GrĂŒnen, damals in einer Koalition mit der SPD, zunĂ€chst durchgesetzt, dass ein Gegengutachten die vom Magistrat befĂŒrworteten PlĂ€ne einer Kompaktierung der Osthafenanlagen zu Fall bringt.

Das Projekt war bereits Ende der 80er Jahre von OberbĂŒrgermeister Volker Hauff (SPD) unter dem Titel «Wohnen am Fluss» auf den Weg gebracht worden und sollte sowohl den West- wie auch den Osthafen umfassen. WĂ€hrend der Westhafen als Wohn- und BĂŒrostandort eine Erfolgsgeschichte wurde, beschlossen die GrĂŒnen, obwohl damals in einer rot-grĂŒnen Koalition, gemeinsam mit der CDU 1997 das sogenannte Papier «Hafen 2000+». Damit wurde die Umwandlung des Osthafens in einen Wohn- und Gewerbestadtteil fĂŒr rund 8 000 Bewohner analog dem Westhafen beerdigt.

Die beiden Fraktionen des Stadtparlaments konnten sich Frankfurt am Main nicht ohne einen großen Hafen vorstellen. In der jahrelangen Diskussion hatten sich nicht nur die Hafenbetriebe mit aller Macht gegen die UmwandlungsplĂ€ne gestemmt, sondern auch die IHK hatte erhebliche Bedenken angemeldet, da der Stadt ein «intaktes Gewerbegebiet mit einer guten Infrastruktur fĂŒr Lkw, Bahn und Schifffahrt» verloren ginge.

Davon rĂŒcken Cunitz (GrĂŒne) und Rhein (CDU) stellvertretend fĂŒr ihre Parteien heute offensichtlich wieder ab. Obwohl es sicher nicht nur auf Gegenliebe treffen wird, zumal die beiden Politiker bei ihrem Vorstoß auch auf eine engere Vernetzung der beiden StĂ€dte Frankfurt und Offenbach zielen.

NachtrĂ€glich kann die Vorausschau der Frankfurter Architekturstudenten an der Fachhochschule bewundert werden, die bereits im Jahr 2004 in einem Workshop fĂŒr ihre Ideen fĂŒr eine neue Nutzung des Osthafens den ersten Preis erhielten. Sie konzipierten eine «Netwerft», mit IT-Zentrum, auf der Hafenmole ein Cybermuseum, Internetportale und eine internationale Filmhochschule. Das Hafenflair wollten sie in ihren Planungen erhalten und hatten Wohnungen sowie mobile Wohnformen, zum Beispiel in Wohnbooten, vorgesehen.

Man darf durchaus gespannt sein, ob diese PlĂ€ne nun wieder hervorgezaubert werden…

Weniger Schiffe auf dem Main

Ein Argument der Verteidiger des Osthafens war immer der Main-Donaukanal, der die Zahl der auf dem Main Waren transportierenden Schiffe enorm erhöhen wĂŒrde.

Schifffahrt auf dem Main am Abend Foto: Wygoda

Doch wurden diese Hoffnungen von der Wirklichkeit nicht bestĂ€tigt. Aus den aktuellen Zahlen des Wasser- und Schifffahrtsamtes geht hervor, dass in der Schleuse Kostheim, der ersten Schleuse nach der MainmĂŒndung, die Tonnage der beförderten GĂŒter von 23,5 Millionen Tonnen in 2000 auf 16,03 Millionen Tonnen in 2009 zurĂŒck gegangen ist. Und die Anzahl der Schiffe von 1505 auf 877.

22 Jan 2010
Container-Terminal soll wachsen

Frankfurt 21.01.10. Trotz großer EinbrĂŒche im FrachtgeschĂ€ft ist geplant, das Container-Terminal im Osthafen zu erweitern. Jedoch werde man zunĂ€chst abwarten, ob die Zahlen der umgeschlagenen Container weiter steigen, sagte Hafen-GeschĂ€ftsfĂŒhrer Ralf Karpa. Auf einen Aufschwung deuten jedenfalls die Erfahrungen des Terminal-Betreibers Wincanton hin.

Blick auf das Containerterminal Foto: Wygoda

Wir haben gegen Ende des vergangenen Jahres eine deutliche AufwĂ€rtsentwicklung gemerkt“, sagte der Frankfurter GeschĂ€ftsfĂŒhrer Christian Eichmeier. Damit konnten aber die Verluste des ĂŒbrigen Jahres nicht aufgefangen werden. Unterm Strich stand am Jahresende ein Minus von 7000 Standardcontainern. Wegen dieses Einbruchs muss Wincanton sogar Personal abbauen.

Vorgesehen ist, auf der anderen Seite der Schmickstraße zwei weitere PortalkrĂ€ne zu bauen. Am Kai liegen bereits drei Eisenbahngleise, was es erleichtert, die Waggons mit den Containern zu ZĂŒgen zusammenzustellen. Die Erweiterung soll in zwei Stufen erfolgen.

Die Konkurrenz schlĂ€ft nicht. In Mainz wird derzeit fleißig an der Erweiterung des Containerterminals im Rheinhafen gebaut. Auf die doppelte Umschlagmenge soll die KapazitĂ€t der Anlagen erhöht werden. wyg

15 Mrz 2009
Affenstein-Turm bleibt erhalten

14.03.2009 Lokales Frankfurt

Frankfurt. Der Expertenstreit zwischen Frankfurter DenkmalschĂŒtzern um Amtsleiterin Andrea Hampel und Wissenschaftlern der Goethe-UniversitĂ€t ĂŒber die historischen Mauerreste am sogenannten Affenstein (neue UniversitĂ€t im Westend) geht in die nĂ€chste Runde. Das ist die schlechte Nachricht. Doch es gibt auch eine gute: UnabhĂ€ngig vom Ausgang dieser Kontroverse steht inzwischen fest, dass das historische Mauerwerk auf jeden Fall erhalten bleibt und in den geplanten Uni-Neubau integriert wird.

affenstein-innen-mit-zwischendecke-grabungstechniker-semmler-und-andrea-hampel_c

Der Affenstein von innen. MIt Grabunstechniker Hans-JĂŒrgen Semmler (links) und Denkmalamtleiterin Andrea Hampel Foto: Wygoda

KĂŒrzlich sei das Uni-Gutachten ĂŒber den nahe der Hansaallee entdeckten Turmstumpf an das Hessische Landesamt fĂŒr Denkmalpflege gegangen, informierte Peter Rost, Leiter der Planungsabteilung der Frankfurter Goethe-UniversitĂ€t. Die Hochschule hatte sich vor einem Monat bei einer Sitzung im Hessischen Landesamt fĂŒr Denkmalpflege vier Wochen Zeit ausbedungen, um die ErlĂ€uterungen der Frankfurter Denkmalpflege zum Turmrest zu prĂŒfen (wir berichteten).

Der nach Wiesbaden geschickte Bericht der UniversitĂ€t muss wohl als eine Gegenargumentation zu den Befunden der Frankfurter Denkmalpflege angesehen werden: Rost erwartetet, dass die Wiesbadener Behörde das gut zehn Seiten umfassende Papier prĂŒft und dann entscheidet, wie und wann die beiden Berichte der Öffentlichkeit vorgestellt werden – endlich!

Der Ausgang des Streits wird auch darĂŒber entscheiden, was spĂ€ter mal als ErlĂ€uterung zu den Mauerresten des etwa 6,50 Meter hohen Turms zu lesen sein wird. An der Fundstelle des Bauwerks sollen die Bibliothek und der Lesesaal des kĂŒnftigen InstitutsgebĂ€udes der Gesellschaftswissenschaften entstehen. «Wir haben mit dem Architekten bereits die Planungen fĂŒr eine Einbeziehung des Turmes besprochen», versicherte UniversitĂ€tsplaner Rost.

Die Frankfurter Denkmalbehörde sieht den Turm nach wie vor als einen Teil der mittelalterlichen Frankfurter Warten an, der im 19. Jahrhundert vielleicht auch als Eiskeller genutzt worden sein könnte. Damals stand am Affenstein das Krankenhaus des Frankfurter Irrenarztes und Psychiaters Heinrich Hoffmann, der als Autor des «Struwwelpeter» weltweit bekannt ist. wyg

Bahn-Tower: Jetzt wird ein neuer Mieter gesucht

14.03.2009 Lokales Frankfurt

Frankfurt. Die Entscheidung der Bahn, in den «Silver Tower» der Commerzbank zu ziehen, stellt die Hochhausplanungen auf der SĂŒdseite des Bahnhofs wieder in Frage. Die schwarz-grĂŒne Römerkoalition wartet nun ab, ob der Projektentwickler Vivico einen neuen Hauptmieter bringt.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Römer, Markus Frank, kĂŒndigte an, nötigenfalls eine neue adĂ€quate Lösung zu suchen, nachdem die Bahn als Hauptmieter nicht mehr zur VerfĂŒgung stehe. Voraussetzung sei, dass der Projektentwickler einen Mieter prĂ€sentiere, «der ebenfalls 3000 ArbeitsplĂ€tze am Bahnhof schaffen will».

Frank verweist darauf, dass das fĂŒr die Bahn AG geschnĂŒrte Paket neben der Höhe des Hochhauses (200 Meter) auch den Busbahnhof, einen Wohnungsanteil von 30 Prozent und eine Bahnerlebniswelt beinhaltet habe. «Wenn jetzt ein anderer Mieter dort seinen Firmensitz einrichten möchte, dann werden wir uns das wieder ganz genauso ansehen», sagte Frank.

Auch Olaf Cunitz, Fraktionschef der GrĂŒnen im Römer, betonte, dass man «eine ganz spezielle Lösung fĂŒr die Bahn AG als Hauptmieter» gesucht habe, als man die ursprĂŒnglich an diesem Standort geltende 100-Meter-Begrenzung fĂŒr die Hochhaushöhe aufgegeben habe. «Dies kann aber nicht auch fĂŒr ein x-beliebiges BĂŒrohochhaus gelten», so Cunitz. Auch er zeigte sich fĂŒr eine neue Lösung offen, falls ein anderes Unternehmen als Hauptmieter an diesem Standort eine Ă€hnlich große Zahl von ArbeitsplĂ€tzen wie die Bahn fĂŒr seine Mitarbeiter schaffen wolle. «Es muss fĂŒr uns schon gewichtige GrĂŒnde geben, wenn wir den Investoren zusĂ€tzliche Höhenentwicklungen erlauben sollen», sagte Fraktionsvorsitzende der GrĂŒnen.

OberbĂŒrgermeisterin Petra Roth sieht die Entscheidung der Bahn AG, in den Turm der Dresdner Bank zu ziehen, «nicht als Entscheidung gegen den Bahn-Tower» an, wie sie auf Anfrage mit teilte. wyg

04 Mrz 2009
Jetzt wird Offenbach verklagt

03.03.2009 08:31 Uhr Lokales Frankfurt

Frankfurt. In diesem Monat will die Stadt Offenbach damit beginnen, ihre Hafenmole in ein Wohn- und BĂŒrogebiet umzubauen. Doch dieser Baubeginn fĂŒr das «Mainviertel» könnte unter keinem guten Stern stehen. Denn sechs der 35 Unternehmen aus dem Frankfurter Oberhafen klagen beim Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel gegen den Offenbacher Bebauungsplan. Ein VGH-Sprecher bestĂ€tigte der FNP den Eingang der Normenkontrollklage. KlĂ€ger sind neben United Parcel Service (UPS) auch die Unternehmen Pro Logis, Glockenbrot, die Spedition Schenker sowie die Firmen Dyckerhoff und Drachengas.

offenbach_hafenmole_f

Offenbach Hafenmole: Hier sollen Wohn- und BĂŒrohĂ€user entstehen. Im Hintergrund die bestehenden WohngebĂ€ude am Nordring. Foto: Wygoda

Alle Unternehmen befĂŒrchten, dass sie durch die Wohnbebauung auf der sĂŒdlichen Mainseite mittel- und lĂ€ngerfristig in ihrem Bestand und in ihren Entwicklungschancen gefĂ€hrdet sind. In einem zehn Seiten starken Schriftsatz hatte die Gemeinschaft der Frankfurter Hafenanlieger bereits in einer Stellungnahme zum Bebauungsplan detailliert die Bedenken der Unternehmen auf der Frankfurter Mainseite dargelegt. Sie wiesen darauf hin, dass in dem 1969 von der Stadt Frankfurt erlassenen Bebauungsplan der Oberhafen als Industriegebiet ausgewiesen sei. Die LĂ€rmgrenzen fĂŒr das Mischgebiet am Offenbacher Nordring wĂŒrden eingehalten. Dagegen werde in dem nĂ€her gelegenen neuen Mischgebiet auf der Offenbacher Hafenmole wesentlich mehr LĂ€rm ankommen und damit «eine konfliktfreie Wohnnutzung nicht zulassen», heißt es in der Stellungnahme. Da es fĂŒr die Gewerbe-Betriebe im Frankfurter Hafengebiet keinen Bestandsschutz gebe, mĂŒsse mit nachtrĂ€glichen Auflagen gerechnet werden, die zur Schließung der Betriebe fĂŒhren könnten. Der von der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung erlassene Bebauungsplan sei «nicht problembewĂ€ltigend und rĂ€umt unsere Zweifel an der GenehmigungsfĂ€higkeit nicht aus», hieß es in der Stellungnahme.

Nach Ansicht der Hafenanlieger mĂŒssten Ausnahmeregelungen zur Umnutzung von GewerbeflĂ€chen in Wohnungen ebenso ausgeschlossen werden wie Wohnungen fĂŒr Hausmeister. Auch auf die wirtschaftliche Bedeutung des Frankfurter Oberhafens fĂŒr die gesamte Region wiesen sie hin und erinnerten die Offenbacher daran, dass von den rund 3400 Mitarbeitern der Betriebe im Oberhafen rund 1200 in Offenbach wohnen.

Selbst die Mitte Januar von Offenbachs OberbĂŒrgermeister Horst Schneider (SPD) und dem Frankfurter Hafendezernenten Volker Stein (FDP) unterzeichnete Vereinbarung, nach der am Rande der neuen Bebauung im Offenbacher Hafen bis zu 48 Dezibel LĂ€rm ankommen dĂŒrfen, trauen die Unternehmen auf der Frankfurter Mainseite nicht. Denn diese Vereinbarung wird derzeit noch vom RegierungsprĂ€sidenten (RP) in Darmstadt geprĂŒft. Ob sie die Unternehmen ĂŒberhaupt vor Klagen von KĂ€ufern oder Mietern im Offenbacher Mainviertel schĂŒtzen kann, wird von Verwaltungsjuristen skeptisch beurteilt. Der DarmstĂ€dter Rechtsanwalt Ingo-Endrick Lankau verweist darauf, dass eine solche Vereinbarung «nicht die Rechte der vom Bebauungsplan Betroffenen einschrĂ€nkt».

Die Verwaltungsjuristen verweisen auf die Seveso-Richtlinie der EuropĂ€ischen Union, die bereits dazu gefĂŒhrt hat, dass die Stadt Frankfurt ihre Planungen fĂŒr das Silogebiet in Unterliederbach einstellen musste. Die Hafenanlieger erinnern daran, dass nach dieser Richtlinie «bei der FlĂ€chennutzung langfristig dem Erfordernis Rechnung getragen werden muss, dass zwischen den unter die Richtlinie fallenden Betrieben und den Wohngebieten, Verkehrswegen ein angemessener Abstand gewahrt bleibt». Und sie erinnern an das große Gefahrgutlager in der Lindleystraße, mit dem sich der Magistrat Offenbachs bei der Aufstellung des Bebauungsplanes nicht ausreichend auseinandergesetzt habe. Die Unternehmen wollen ihre juristischen Möglichkeiten wahren, falls eine PrĂŒfung ergeben sollte, dass die Vereinbarung zwischen den beiden StĂ€dten ihre juristischen Bedenken nicht beseitigen kann. wyg

12 Feb 2009
Was uns die Jazz-Legende vererbt

12.02.2009 02:50 Uhr Lokales Frankfurt

Von Hermann Wygoda

Frankfurt. Vier Posaunen, darunter seine «King», mit der er meistens spielte, sind die PrachtstĂŒcke im Nachlass von Albert Mangelsdorff, des grĂ¶ĂŸten deutschen Jazz-Posaunisten. Mit im Paket sind viele Auszeichnungen, Plakate, Schallplatten, TonbĂ€nder und CDs, BĂŒcher und persönliche Korrespondenz, sowie ein nicht eingelöster Scheck

albert-mangelsdorff-an-posaune-palmengarten-e-2-9-04

Albert Mangelsdorff auf seinem letzten Konzert im Palmengarten. Foto: Wygoda

Jetzt haben alle diese Dinge ihre Heimat im Archiv des Frankfurter Instituts fĂŒr Stadtgeschichte gefunden. I 40 Regalmeter sind angefĂŒllt mit dem «Albert-Mangelsdorff-Archiv», das Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) vorstellte. Semmelroth dankte der Witwe des 2005 verstorbenen Jazzmusikers, Ilo Mangelsdorff, und deren Sohn Ralph. Sie ermöglichten es, dass die umfangreiche und vielfĂ€ltige Materialsammlung in Frankfurt der Nachwelt erhalten bleibt.

albert-mangelsdorff-mit-king-trompete-semmelroth

Alberts „King“-Posaune. Im Hintergrund Frankfurts Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth, die Leiterin des Instituts fĂŒr Stadtgeschichte Evelyn Brockhoff, Ilo Mangelsdorff und Ralph Mangelsdorff Foto: Wygoda

Denn beinahe wĂ€re der Nachlass von Albert Mangelsdorff in eine andere Stadt gegangen. Beinahe in letzter Minute wurde Kulturdezernent Semmelroth eingeschaltet. Zusammen mit der Leiterin des Instituts fĂŒr Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, arbeitet er beharrlich daran, dass Albert Mangeldorffs Noten, seine Posaunen und die Schallplattensammlung seiner Vaterstadt erhalten blieben. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft engagierte sich finanziell, um das Erbe fĂŒr Frankfurt zu sicher. Semmelroth nannte den Musiker einen Â«ĂŒberzeugten Frankfurter». Selbst in den USA hĂ€tten ihm alle TĂŒren offen gestanden, doch in seinem Buch «Frankfurt am Main. Jazzmusik und grĂŒne SoĂŸÂ» schrieb er: «Mich hat es nie hier weggezogen. Ich fand immer, dass ich in Frankfurt am besten aufgehoben war. Ich glaube auch, dass so, wie ich mich entwickelt habe, als Musiker und als KĂŒnstler, es nirgendwo anders möglich gewesen wĂ€re. Ich wollte nie von Frankfurt weg.»

Der Leiter des DarmstĂ€dter Jazzinstituts, Wolfram Knauer, wies darauf hin, dass es «schon sehr traurig gewesen wĂ€re, wenn dieser Nachlass nicht in der Region Frankfurt Rhein-Main geblieben wĂ€re». Er kĂŒndigte an, dass das Jazzinstitut auf seinem diesjĂ€hrigen Jazzforum dem Einfluss Albert Mangelsdorffs auf den deutschen Jazz nachgehen wird. Dazu soll eine Wanderausstellung entstehen, die vom DarmstĂ€dter Jazzinstitut und vom Frankfurter Institut fĂŒr Stadtgeschichte gemeinsam erarbeitet wird.

albert-m_schallplatten_noten

Schallplatten und ein Karton mit Noten von Albert Mangelsdorff Foto: Wygoda

Die Leiterin des Frankfurter Instituts kĂŒndigte an, dass mit dem Nachlass von Albert Mangelsdorff der Grundstock gelegt worden sei, um ein Archiv der Frankfurter Jazzgeschichte aufzubauen. Ein Vorhaben, von dem viele Freunde des Jazz in der Mainmetropole schon seit vielen Jahren getrĂ€umt haben. Denn beispielsweise der Nachlass von Horst Lippmann, dem großen und wichtigen Frankfurter Jazz-Impresario, ist zu großen Teilen bereits in seine Geburtsstadt Erfurt gegangen, weil sich dort einen privater Verein darum bemĂŒht hat.

Zu Mangelsdorffs Nachlass gehören auch auf den ersten Blick kuriose Dinge. Etwa eine Gitarre, denn er begann zunĂ€chst Gitarre und Geige zu spielen, bevor er auf die Posaune umstieg. SpĂ€ter nutzte er die Gitarre zum Komponieren. In den hinterlassenen Dingen findet sich auch ein TĂŒrschild mit dem Namen «Kernbeisser». Damit wollte der berĂŒhmte Musiker sich und seine Frau vor neugierigen GĂ€sten schĂŒtzen.

10 Feb 2009
Affenstein kommt in den Lesesaal

10.02.2009 02:50 Uhr Lokales Frankfurt

Frankfurt. Der Affenstein, das Relikt eines mittelalterlichen Bauwerks, wurde bei einem Treffen im Hessischen Landesdenkmalamt in Wiesbaden zum Kulturgut erklÀrt. Das berichtete die Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, Andrea Hampel, dieser Zeitung. Die EinschÀtzung des runden Turmes als ein mittelalterliches Bauwerk war von Wissenschaftlern der Johann- Wolfgang-Goethe-UniversitÀt in der Vergangenheit immer wieder bestritten worden.

Die Hochschule will auf dem GrundstĂŒck nahe der Hansaallee ein geisteswissenschaftliches Zentrum bauen, dessen Lesesaal nach den bisherigen Planungen das jetzt als Denkmal anerkannte GebĂ€ude umfassen wĂŒrde.

affenstein_von-westen_cDer Affenstein auf dem Campus-GelÀnde Foto: Wygoda

WĂ€hrend der Leiter der Planungsabteilung der Johann-Wolfgang-Goethe-UniversitĂ€t, Peter Rost, in der Vergangenheit immer die grundsĂ€tzliche Bereitschaft unterstrichen hatte, die Planungen so abzuĂ€ndern, dass das Denkmal in das GebĂ€ude eingefĂŒgt werden kann, hat er sich nun nach Angaben der DenkmalschĂŒtzerin eine «Bedenkzeit» von vier Wochen ausbedungen. «WĂ€hrend dieser Vier-Wochen-Frist können wir leider nicht ĂŒber die Ergebnisse unserer Recherchen zu dem Bauwerk berichten», sagte Hampel.Noch nicht ganz ĂŒberzeugt scheint man an der UniversitĂ€t von den Fakten des stĂ€dtischen Denkmalamtes zu sein. «Wir wollen das, was Frau Hampel uns mĂŒndlich vorgetragen hat, grĂŒndlich prĂŒfen», sagte Rost auf Anfrage.

Nach dieser PrĂŒfung sollen die Ergebnisse, die offensichtlich noch ĂŒberraschende neue Erkenntnisse ĂŒber den Bau und seine Nutzung beinhalten, in einer gemeinsamen Pressekonferenz vorgestellt werden. In der Zwischenzeit habe der Architekt, so teilt Peter Rost weiter mit, bereits die weiteren Planungen fĂŒr das geisteswissenschaftliche Institut verĂ€ndert.

Sollte sich nÀmlich herausstellen, dass der Affenstein tatsÀchlich ein Bauwerk aus dem Mittelalter ist, soll er «gut sichtbar» in den Neubau integriert werden. wyg

08 Feb 2009
Albrecht: IHK muss Meinung sagen dĂŒrfen

07.02.2009 02:50 Uhr Lokales Frankfurt

Frankfurt. Als «nicht haltbar» hat der VizeprĂ€sident der Frankfurter Industrie- und Handelskammer (IHK), Frank Albrecht, das Urteil des Verwaltungsgerichtshofes in Kassel bezeichnet, in dem das Gericht allen IHKs verbietet, politische Forderungen zu stellen. GegenĂŒber der FNP wies Frank Albrecht gestern darauf hin, dass die Industrie- und Handelskammern «mit ihrer demokratischen Legitimation als Parlament der Wirtschaft» gelten könnten. Es wĂŒrden sich immer weniger MĂ€nner und Frauen bereit erklĂ€rten, in den Gremien mitzuarbeiten, «wenn die IHKs so weitgehend kastriert» wĂŒrden.

Man mĂŒsse das Gericht auch nach seiner Definition politischer Themen fragen, sagte der IHK-VizeprĂ€sident. Eine Äußerung zum Ausbau des Frankfurter Flughafens sei eine Stellungnahme zur weiteren wirtschaftlichen Entwicklung auch der Bundesrepublik, «damit aber auch ein politisches Thema». Albrecht verwies zudem darauf, dass «die Politik immer wieder den Sachverstand der Wirtschaft sucht. DĂŒrfen wir dann zur Beratung der Politiker nicht mehr in die politischen Gremien gehen?»

Der Chefjustiziar des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK), JĂŒrgen Möllering, verwies in einer Stellungnahme darauf, dass die BegrĂŒndung des Urteils noch nicht vorliege. Allerdings sei der Richterspruch doch Â«ĂŒberraschend» nach der ersten Entscheidung des Verwaltungsgerichts Kassel und der bisher geltenden Rechtssprechung. Bisher sei immer klar gewesen, dass die Kammern sich zu wirtschaftspolitischen Fragen Ă€ußern dĂŒrften. Der Verwaltungsgerichtshof habe nun eine «zu eng gefasste, ressortbezogene Abgrenzung» vorgenommen.

Ähnlich Ă€ußerte sich der Justiziar der IHK Kassel, Oskar Edelmann. Er wies darauf hin, dass nach dem Urteil «nicht erkennbar» sei, wo die Grenzen der erlaubten MeinungsĂ€ußerung liegen sollen. «Wenn wir nur Ziele formulieren dĂŒrfen, aber keine Lösungen anbieten, dann ist unser gesetzlicher Auftrag, die Politik zu beraten, gefĂ€hrdet.»wyg