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11 Apr 2015
Lebenselexier Jazz Heute gilt es etwas zu verkĂŒnden, was man nur schwer glauben kann: Emil Mangelsdorff ist 90 Jahre.

Frankfurt am Main 11.04.2015 Der „echte Frankfurter Bub“ Emil Mangelsdorff, ist in Preungeshaim in einem sozialdemokratisch eingestellten Elternhaus zusammen mit seinem drei Jahre jĂŒngeren Bruder Albert aufgewachsen. In diesem Haus wurde der „Feindsender“ Radio Luxemburg gehört, der Emil,. Als er etwa zehn Jahre alt war, brachten ihm die Ätherwellen dieses Senders regelmĂ€ĂŸig Jazz ins Haus.

Emil Mangelsdorff im Holzhausenschlösschen_b (c) Frankfurter BĂŒrgerstiftung

Emil Mangelsdorff in neinem Konzert im Holzhausen- Schlösschen

Foto: Frankfurter BĂŒrgerstiftung

Mit 12 Jahren spielte Emil zum ersten Mal öffentlich auf dem Akkordeon in der Rokoko-Diele des KyffhĂ€user-Hotels in der Kaiserstraße mit dem Hot Club,. Zu dieser Band gehörte unter anderen Jazzern, die spĂ€ter berĂŒhmt werden sollten, auch Horst Lippmann, der nach dem Ende der Nazi-Diktatur und des zweiten Weltkrieges das deutsche Jazzfestival organisierte. Horsts Vater hatte aus den USA Jazz-Platten mitgebracht, die von den Jugendlichen nicht nur gehört, sondern auch nachgespielt wurden. Im Hoch’schen Konservatorium lernte Emil spĂ€ter Klarinette, bis sein Lehrer von den Nationalsozialisten abgesetzt wurde und ein linientreuer auf seine Stelle kam, der dem Jazz ein Ende bereitete.

Den Nationalsozialisten war die AktivitĂ€t der Jungen „Swingboys“ nicht entgangen. Emil kam ins GefĂ€ngnis, wurde spĂ€ter zur Armee einberufen und musste an die Ostfront in Russland. Dort, so erzĂ€hlte er es spĂ€ter immer wieder, wurde ihm deutlich wie wichtige die Musik fĂŒr ihn war, als er von einem vorbeifahrenden Schiff eine Jazzmelodie hörte.

Nachdem er wieder in Frankfurt angekommen war, hatte ihm Carlo BohlĂ€nder unter die Arme gegriffen und ihm die ersten Auftritte ermöglicht. Von da an wurde Emil Mangelsdorff zu einem der GrĂŒndungsvĂ€ter, was heute die „Jazzhauptstadt Frankfurt“ genannt wird. Im Jazzkeller am heutigen Horst Lippmann-Platz jammte er mit all den großen Jazzern, die wegen der vielen US-Soldaten gerade in Frankfurt Konzerte gaben und die danach im Jazzkeller die Nacht beendeten. Emil war auch einer der ersten, die sich an dem vom Schlagzeuger Thomas Cramer im Mouson-Turm ausgerufenen Verein der „Jazzinitiative Frankfurt“ im Vorstand beteiligten. Die Idee hinter dem Verein, der bis heute besteht, war, dass den Musikern Mindesthonorare bezahlt werden sollten und sie nicht nur fĂŒr einen Anteil an den Eintrittsgeldern spielten.

Seine Erfahrungen wĂ€hrend der Nazi-Herrschaft gibt Emil Mangelsdorff noch heute weiter, wenn er vor SchĂŒlern erzĂ€hlt, was es hieß in den 30er Jahren Jazz zu spielen, als diese „Negermusik“ verboten wurde. Denn, und das ist ihm wichtig, „Jazz betont und braucht den individuellen Ausdruck“, und ist damit gleichsam der direkte Gegensatz zu allem ist, was eine konforme Massen ist.

Emil Mangelsdorff hat viele Ehrungen der der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen und der Bundesrepublik erhalten. Sogar zum „Ritter des Jazz“ wurde er geschlagen, Doch ihm ist noch wichtiger, dass er seit mehr als 20 Jahren einen Ort gefunden hat, an dem er einmal im Monat seine Konzerte mit von ihm eingeladenen KĂŒnstlern geben kann: Das Holzhausenschlösschen. Clemens Greve, der Hausherr, erzĂ€hlt stolz, dass in den immer ausverkauften Konzerten mehr als 100 verschiedene Musiker hier gespielt haben. Ihn, der eigentlich ein typischer Klassik-Musiker ist, habe Emil Mangelsdorff, so berichtete er gegenĂŒber uns, „hat mich davon ĂŒberzeugt, wie nahe doch die Klassik und der Jazz sich dann sind, wenn man sich mit Musik intensiv beschĂ€ftigt“.

Und bestimmt wird auch das geplante Geburtstagskonzert zum 90. Geburtstag von Emil Mangelsdorff intensiv werden, zu dem er nicht weniger als vier Posaunisten eingeladen hat. Doch ist dieses Konzert ebenfalls bereits ausverkauft, sodass man sich fĂŒr die Konzerte am 1. Juni und am 6. Juli am besten schon heute Karten bestellen sollte. Ob es fĂŒr den 90. Geburtstag gewollt ist oder nicht, jedenfalls passt es ebenfalls zu seinem90. Geburtstag, dass die Firma Bellaphon gerade jetzt die alten Platten von Emil Mangelsdorff wieder aufgelegt hat, die so viele Jahre in ihren Archiven verschwunden waren. Und fĂŒr Emil Mangelsdorff wĂŒnschen alle Jazzfreunde ihm: „Keep Swinging, Emil“ .    Hermann Wygoda

 

13 Mrz 2012
Frankfurt muss neuen OB im 2.Wahlgang wÀhlen / CDU-Kandidat Rhein erhielt 39,1 Prozent, SPD-Kandidat Feldmann 33,0 Prozent

Im ersten Wahlgang zur Wahl des neuen Frankfurter OberbĂŒrgermeisters gab es eine faustdicke Überraschung: Zwar erreichte der CDU-Kandidat Boris Rhein in dem Rennen um die Nachfolge von Petra Roth mit 39,1 Prozent der Stimmen den höchsten WĂ€hleranteil, doch wurde nicht die GrĂŒne Rosemarie Heilig die Zweitplatzierte, sondern der SPD-Bewerber Peter Feldmann. Zu Beginn des Wahlkampfes wurde Feldmann von der CDU noch milde belĂ€chelt und man machte sich ĂŒber die Direktwahl ihres Kandidaten ĂŒber die Sozialdemokraten lustig.

Das Ergebnis der Wahl zum OberbĂŒrgermeister im ersten Wahlgang
Skizze: Amt fĂŒr Statistik der Stadt Frankfurt am Main

Die Tendenzwende hatte sich schon vor einigen Wochen angekĂŒndigt und erhielt neuen Auftrieb durch eine Umfrage der Frankfurter Rundschau, die zwar nicht die Zahlen, doch aber die Reihenfolge korrekt prognostiziert hatte. Übrigens auch in der Berichterstattung der Frankfurter Tageszeitungen, die dem SPD- Kandidaten mehr Aufmerksamkeit widmeten als der von den GrĂŒnen bereits zur neuen Umweltdezernentin gewĂ€hlten Rosemarie Heilig. Hatte sie sich doch auch den Ärger des schwarzen Koalitionspartners zugezogen, als sie in ihren Wahlkampfauftritten vor Aussagen nicht Halt machte, die sich nicht mit den Koalitionsabsprachen im Römer deckten.

So werden denn die 14 Prozent, die Rosemarie Heilig fĂŒr die GrĂŒnen holen konnte, auch als ein Menetekel gesehen, dass die GrĂŒnen „wieder Bodenhaftung bekommen haben“, wie ein prominenter Sozialdemokrat feststellte.

Die Kandidaten im Pulk der Fernsehleute und Fotoreporter (von links) Peter Feldmann, Rosemarie Heilig, Boris Rhein. Petra Roth Foto: Wygoda
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Allerdings mĂŒssen sich alle Parteien auch an die eigenen Nasen fassen, denn die Wahlbeteiligung lag nach wie vor bei nur 37,5 Prozent der Stimmen. Daran konnte selbst die Vielzahl der Parteien und die zehn Kandidaten nichts Ă€ndern.

In den ersten Berichten aus den Wahllokalen wurde deutlich, dass die GrĂŒnen offenbar ihre meisten WĂ€hler in ihren Hochburgen verloren haben. Etwa dem Nordend. Die genauen Daten gibt das Statistische Amt der Stadt am heutigen Montag bekannt.

Da ist es nicht schwer voraus zu sagen, dass sich das Klima in der grĂŒn-schwarzen Koalition im Römer in der Zukunft eisiger anfĂŒhlen dĂŒrfte als in den letzten Jahren. Denn Boris Rhein gilt nicht gerade als Busenfreund der GrĂŒnen, sondern dĂŒrfte ihnen eher Paroli bieten als Petra Roth.

Der “gefĂŒhlte Wahlgewinner” Peter Feldmann (SPD) lĂ€sst sich von seinen UnterstĂŒtzern feiern. Foto: Wygoda

Rosemarie Heilig hat fĂŒr ihre Partei fĂŒr den zweiten Wahlgang am 25. MĂ€rz bereits die Losung ausgegeben, dass sie wĂ€hlen dĂŒrfen wen sie möchten, das heißt, dass es eine Wahlempfehlung der GrĂŒnen nicht geben wird. Und so wurde schon am Wahlabend in den GesprĂ€chen in den Römerfluren vermutet , dass sich die Mitglieder der GrĂŒnen in der Wahl zu je einem Drittel enthalten, zu einem weiteren Drittel die SPD wĂ€hlen und das letzte Drittel vielleicht mit seiner Stimme fĂŒr Boris Rhein die grĂŒn-schwarze Koalition im Römer stĂŒtzen werde.

Der Zweitplatzierte Peter Feldmann hat noch am Wahlabend eine Einladung der Piratenpartei zur Vorstellung erhalten und auch angenommen. Herbert Förster, Kandidat der Piraten, hatte 3,8 Prozent der Stimmen auf sich vereinen können.

Feldmanns Partei, die SPD, fĂŒhlt sich nach diesem Sieg des zweiten Platzes im Aufwind. Muss sie doch noch immer die nur 21 Prozent in den letzten Kommunalwahlen verkraften. Da sehen die 33 Prozent des eigenen OB-Kandidaten doch recht proper aus. Feldmann hat in einer schriftlich ĂŒbermittelten ErklĂ€rung denn auch sofort in diese Kerbe gehauen: „Frankfurt muss sich am 25. MĂ€rz entscheiden. Zwischen einem sozialen, ökologischen, weltoffenen Frankfurt mit mir als OberbĂŒrgermeister – oder einem rechtskonservativen Boris Rhein“. Er will die GrĂŒnen in möglichst großer Zahl fĂŒr sich an die WĂ€hlurnen locken. Insbesondere jene, die sich gar nicht vorstellen können Boris Rhein zu wĂ€hlen.

In diesem Zusammenhang kann mit Spannung beobachtet werden, welche Reaktionen die angekĂŒndigte Pressekonferenz mit Daniel Kohn-Bendit, dem Guru der Frankfurter GrĂŒnen, und Klaus Oesterling, dem SPD-Fraktionsvorsitzenden, haben wird. Denn beide hatten sich schon im vergangenen Jahr dazu verabredet, bei einer Stichwahl werde jeder zur Wahl des Kandidaten der anderen Partei aufrufen. Peter Feldmann erhĂ€lt also Hilfe von einem Altforderen der Frankfurter GrĂŒnen.

So werden die Folgen des Wahlergebnisses vom Sonntag wohl weniger von den Zahlen als mehr noch von den psychologischen EinflĂŒssen auf die Parteien des Römers bestimmt werden. Und das kann spannend werden, ja der RĂŒcktritt von Petra Roth kann nach diesem Wahlsonntag spĂ€ter einmal als der Tag fĂŒr eine neue ZĂ€sur in die Geschichte der Frankfurter Politik eingehen. Und so bekommt ein Hinweis von Petra Roth am Sonntagabend eine ganz neue Bedeutung: Sie verwies vor Journalisten darauf, dass sie schriftlich mit ihrer Unterschrift verzichten musste von ihrem RĂŒcktrittsrecht vom RĂŒcktritt als OberbĂŒrgermeisterin Gebrauch zu machen.    Hermann Wygoda

20 Jun 2011
Die Pinguine sind wieder zu sehen – Frankfurts MMK feiert sein 20jĂ€hriges JubilĂ€um mit einer großen Show

Frankfurt am Main 20.06.11 So etwas hat es in den vergangenen 20 Jahren noch nicht gegeben: Auf einen Schlag kann man mit einer Eintrittskarte tausend Kunstwerke von mehr als 150 KĂŒnstlern aus der Sammlung des Frankfurter Museums fĂŒr Moderne Kunst (MMK) sehen. Da bekanntlich das Museum in der Braubachstraße nicht so groß ist, wurde von dem Investor, DIC, des Maintor genannten Objektes, wo frĂŒher einmal die Degussa Hauptverwaltung ihren Sitz hatte, ein GebĂ€ude mit rund 4.000 Quadratmetern FlĂ€che zur VerfĂŒgung gestellt. Das GebĂ€ude in dem bis zum Oktober die Kunst residiert, wird nach der Show abgerissen.

57 Pinguine von Stephan Balkenhohl mit Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth und MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer. Foto: Wygoda

Trotz aller GrĂ¶ĂŸe des Museums selbst, des gegenĂŒberliegenden ehemaligen Hauptzollamtes und des GebĂ€udes auf dem ehemaligen Degussa-Areal könnten dennoch „nur“ 40 Prozent der kompletten Sammlung gezeigt werden, erlĂ€uterte die  Direktorin des MMKs, Susanne Gaensheimer.

Wer in das ehemalige Degussa-GebĂ€ude am Main kommt, wird von einem CafĂ© mit Sonnenterrasse empfangen, das der KĂŒnstler Tobias Rehberger eingerichtet hat. Es ist eine Rauminstallation, die aus der Sammlung der ehemaligen Dresdner Bank kommt, wo sie den einstigen Mitarbeitern als Kantine diente. Rehberger hatte sie in mehrere Sitzgruppen geordnet, die nach StĂ€dten benannt waren, in denen das Bankhaus Filialen unterhielt. FĂŒnf sind in der Ausstellung installiert, darunter Moskau, Dubai oder Mailand.

Wer durch die fĂŒnf Stockwerke des GebĂ€udes schlendert, in dem die ehemaligen BĂŒros zu Kunstateliers umgebaut wurden, kann sich auf einer Expedition durch die Gegenwartskunst seit den 60er Jahren wĂ€hnen. So sind hier die von den Besuchern des MMK am meisten vermissten 57 Pinguine von Stephan Balkenhol (endlich?) wieder zu sehen.

Bereits im Erdgeschoss ist die 1985 verstorbenen KĂŒnstlerin Charlotte Posenenske, zu erleben, die mit Bau- und Verpackungsmaterialien minimalistische Skulpturen gebaut hat, die oftmals als zur Einrichtung gehörig gesehen werden können, weil sie auch „echte“ AbluftkanĂ€le sein könnten. Hier ist auch der chinesische KĂŒnstler Ei WeiWei zu sehen, dessen 96 Blumenvasen gegen den Verkauf der traditionellen chinesischen Kunst in das westliche Ausland protestieren. Da Ei WeiWei noch immer von der chinesischen Regierung an einem geheimen Ort gefangen gehalten wird,

96 Porzellanvasen von Ei WeiWei Foto: Wygoda

ist seine Beteiligung sicher auch als ein politisches Signal zu verstehen. Die großen und besonders teuren Werke des Museums, wie Roy Lichtensteins „yellow and green brush“ ist zusammen mit der gesamten Pop Art im Haupthaus geblieben.

Tischgesellschaft von Katharina Fritsch Foto: Wygoda

Hier ist auch die bekannte „Tischgesellschaft“ vom Katharina Fritsch wieder an ihrem angestammten Platz zu erleben. Ebenso das aus Stein und Glas gebaute Iglu von Mario Merz.

Kultusstaatsminister Bernd Neumann lobte das MMK in seiner Rede zur Eröffnung im Kaisersaal: „Das MMK und seine ambitionierte JubilĂ€umsausstellung sind wichtige Bausteine fĂŒr den exzellenten Ruf der Kulturstadt Frankfurt“, sagte er. Was hier seit den spĂ€ten 70er Jahren entstanden ist, sei ein eindrucksvolles Erfolgsmodell.

Einen gedruckten Katalog gibt es nicht. DafĂŒr werden auf der Webseite des MMK www.mmk-frankfurt.de/de/sammlung/zur-zeit-ausgestellt die meisten der Werke prĂ€sentiert.  Diejenigen Werke, die noch nicht eingestellt wurden, sollen in der nĂ€chsten Zeit ergĂ€nzt werden.

Bis zum 9. Oktober ist die Ausstellung „MMK 1991-2011. 20 Jahre Gegenwart“ noch zu sehen. FĂŒr alle drei Ausstellungsorte kostet der Eintritt 12 Euro.

Hermann Wygoda

04 Jul 2010
Neuer Name fĂŒr das Airrailcenter: The Squaire Montage des letzten Fassadenteils wurde gefeiert

(03.07.10) Die Montage des letzten Fassadenteils wurde zum Anlass einer Feier genommen, um eine Art Richtfest fĂŒr das wohl spektakulĂ€rste GebĂ€ude Europas gegenĂŒber dem Frankfurter Flughafen zu feiern. Gleichzeitig wurde es auf einen neuen Namen getauft, der den technischen Namen des Projektes „Airrailcenter“ ablösen sollte: „The Squaire“ heißt es nun. Abgeleitet aus dem englischen Square, will man die Assoziation zu so berĂŒhmten Platzen wie Trafalgar Square in London oder Times Square in New York herbeizaubern. Da aber der Frankfurter „Platz“ auch noch am Flughafen steht, meinte man ein „i“ aus dem „air“ einfĂŒgen zu mĂŒssen- und hat wohl fĂŒr alle, die den Namen zum ersten Mal lesen, fĂŒr Verwirrung gesorgt.

Das Airrailcenter heisst nun “The Squaire”. Es ist mit seinen mehr als 600 Metern genauso lang wie die Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache.
Foto: Wygoda

Dabei hat das Projekt auch schon eine lange und auch verwirrende Geschichte hinter sich. Denn das 600 Meter lange GebÀude, das genauso lang und genauso viele Quadratmeter GebÀudeflÀche hat ist wie die Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache, war schon totgesagt und es hat bereits zwei Grundsteinlegungen feiern können. Das erste Mal wurde er 2003 gelegt, also vor sieben Jahren, doch danach passiert nichts. Erst nach der zweiten Grundsteinlegung, 2007, wurde mit dem Bau nun tatsÀchlich begonnen.

Denn erst bei der zweiten Grundsteinlegung konnten mehr als 50 Prozent der insgesamt 140 000 Quadratmeter FlĂ€che vermietet werden. Zwei Hotels der Hilton-Gruppe werden rund 34 000 Quadratmeter belegen, weitere 93 000 Quadratmeter sind fĂŒr BĂŒros vorgesehen, von denen die WirtschaftsprĂŒfungsgesellschaft KPMG sich den westlichen Kopf des GebĂ€udes reserviert hat. FĂŒr Einzelhandel und Gastronomie sind 5 700 Quadratmeter vorgesehen und ein Ärzte- und Wellnesszentrum, ebenfalls einer der ersten Mieter, wird etwa 3 600 Quadratmeter belegen. Jetzt zu diesem „Tauffest“ sind noch 4.000 Quadratmeter zu haben wurde berichtet. Sie hofft man, bis zum endgĂŒltigen Eröffnungstermin im FrĂŒhjahr 2011 auch noch an Mieter gebracht zu haben. Und zusammen mit der immer lĂ€ngeren Bauzeit stiegen auch die Kosten von zunĂ€chst 660 Millionen Euro auf fast eine Milliarde Euro.

Entworfen hat der Frankfurter Architekt Helmut Joos den Bau, der wie ein Flugzeugrumpf ĂŒber dem Intercity-Bahnhof des Frankfurter Flughafens auf den StĂŒtzen liegt. Diese StĂŒtzen zeigen, dass die Idee, die Überdachung des ICE-Bahnhofs mit einem GebĂ€ude, von Anfang an in den Köpfen der Beteiligten mitgedacht worden war.

Die Eisenbahn, das Auto und die Flugzeuge verbinden “The Squaire” mit Deutschland, Europa und der Welt.
Foto: Wygoda

Doch eigentlich beginnt die Geschichte des GebĂ€udes bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Denn damals hatte der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, die damals noch FAG hieß, die Idee, den mit BĂ€umen bewachsenen Streifen Land zwischen der Autobahn A3 und der Bundesstraße 43 aufzukaufen. Er hatte schon damals die weitsichtige Vorstellung, dass es „da drĂŒben einen Bahnhof geben wird“, wie er Journalisten damals den Kauf begrĂŒndete.

Die Zahlen des GebĂ€udes sind so beeindruckend wie die Architektur des Baus: 65 Meter breit und 45 Meter hoch. Mit 97 AufzĂŒge und Rolltreppen sowie 7000 TĂŒren. Das Gewicht des GebĂ€udes wird auf 350.000 Tonnen geschĂ€tzt, vergleichbar dem Gewicht von 1260 Riesenflugzeugen vom Typ A 380 (allerdings ohne Passagiere). 2500 Kilometer Kabel sind noch zu verlegen und das imposante Glasdach besteht aus mehr als 2000 Scheiben. Die gesamte Fassade hat 145.000 Quadratmeter und hat damit 5.000 Quadratmeter FlĂ€che mehr als die NutzflĂ€che des kompletten GebĂ€udes.

Frankfurts OberbĂŒrgermeisterin Petra Roth (CDU) und Hessens scheidender MinisterprĂ€sident Roland Koch (CDU) fassten mit an, als das letzte Fassadenteil montiert wurde.  Foto: Wygoda

„Schneller, urbaner und attraktiver kann die Welt nicht zusammenkommen als an dieser neuen internationalen Adresse“, strahlte Frankfurts OberbĂŒrgermeisterin Petra Roth (CDU). Der Vorstandssprecher des Bauherren IVG, Gerhard Niesslein, hob die besonders attraktiven Verkehrsverbindungen des GebĂ€udes hervor: Er machte die GĂ€ste darauf aufmerksam, dass „The Squaire“ von allen drei VerkehrstrĂ€gern Auto, Eisenbahn und Luftfahrt „die Region Rhein-Main mit Deutschland, Europa und der Welt“ verbinde. Und das mache die Einmaligkeit aus.

Hermann Wygoda

09 Apr 2010
A380 erprobt den Frankfurter Flughafen

(08.04.10) Zu einem dritten Testflug ist am Mittwoch das grĂ¶ĂŸte Flugzeug der Welt, der Airbus A 380 nach Frankfurt gekommen.

Die A 380 der Airbus Industries rollt ĂŒber das Vorfeld des Frankfurter Flughafens  Foto: Wygoda

Dieser Mittwoch hĂ€tte ein ganz normaler Tag sein können. Bei schönstem FrĂŒhlingswetter herrschte am Mittag die ĂŒbliche Hektik auf dem Vorfeld des Frankfurter Flughafens, wenn die Mittagsspitze lĂ€uft. Doch plötzlich kommt Bewegung in die Schar der fast 50 Fotografen und Reporter, die auf dem Vorfeld neben der Position B 28 stehen: Von Westen rollt der Airbus A 380 ĂŒber das Vorfeld auf eine der 15 fĂŒr dieses Flugzeug auf dem Frankfurter Flughafen bereits vorbereitete Positionen. Und zum ersten Mal rollt die Maschine, gesteuert von einem der beiden Testpiloten der Airbus Industries, ohne den gelb-schwarzen Follow-Me-Wagen und findet ihren exakten Standort ĂŒber die in der Höhe der Kabine am Terminal angebrachte Tafel.

Zwischen den beiden senkrechten Balken zeigt eine grĂŒne Lampe dem Piloten ob er korrekt einparkt  Foto: Wygoda

Mit einem grĂŒnen Leucht- Strich wird dem KapitĂ€n dort angezeigt, ob er das Flugzeug korrekt eingeparkt hat. FĂŒr den GeneralbevollmĂ€chtigen der Fraport AG fĂŒr das Terminalmanagement, Martin Bien ist es ein „entscheidendes Ereignis“. Warum dieser Tag der Generalprobe fĂŒr die rund 100 Mitarbeiter des Flughafens so entscheidend ist: Zum ersten Mal können sie alle wĂ€hrend des Aufenthalts am Flughafen notwendigen Handgriffe fĂŒr das Be- und Entladen, die Wasserversorgung und die FĂ€kalienentsorgung am Flieger live ausprobieren. Die Bodenstromversorgung muss ebenso gelernt werden wie die Betankung des Flugzeugs fĂŒr 5000 Passagiere.

Auch das Betanken des Riesenfliegers muss gelernt werden, damit spÀter jeder Handgriff sitzt.  Foto: Wygoda

Auch die Teams fĂŒr die Innenreinigung werden erstmals den Raum erleben und auch das ZurĂŒckdrĂŒcken des Riesenvogel aus seiner Parkposition auf das Vorfeld will spĂ€ter gekonnt sein, um den Verkehr auf dem Vorfeld nicht allzu lange aufzuhalten. Auch die Fahrer der drei FluggastbrĂŒcken, ĂŒber die die Passagiere ein- und aussteigen, können zum ersten Mal testen wie man mit den drei BrĂŒcken korrekt an die TĂŒren des A 380 heran fĂ€hrt. Die Nachtstunden sind fĂŒr den Airbus in der neuen großen A 380-Halle reserviert. Dann sollen dort auch die Lufthansa-Techniker lernen, wo die wichtigen Schrauben am Airbus sitzen.

Der Sprecher von Airbus Industries, Stefan Schaffrath, verweist darauf, dass der LĂ€rmteppich des grĂ¶ĂŸten Flugzeugs der Welt nur halb so groß sei wie der einer Boeing 747, obwohl der Airbus auch noch 40 Prozent mehr Passagiere befördern könnte.

Moderne Triebwerke und eine ausgefeilte Aerodynamik machten den A380 leiser als andere Großraumflieger. „Da er auch schneller abheben kann, entlastet er die umliegenden Gemeinden des Flughafens vom LĂ€rm.“ Wenn es jetzt auch „nur“ eine Maschine der Airbus Industries mit dem Kennzeichen F-WWDD war, die in Frankfurt Station machte, ist doch der 9. Mai schon fest im Kalender reserviert. Dann kommt die erste Maschine im Lufthansa-Design und mit Lufthansa-Ausstattung nach Frankfurt und wird dann auch auf den Namen ihrer Patenstadt „Frankfurt am Main“ getauft.

Hermann Wygoda

20 Dez 2009
EZB baut ihre TĂŒrme ab nĂ€chstem Jahr/ Rat der EZB segnet das Ergebnis des neuen Vergabeverfahrens ab

(18.12.09) Mit dem zweiten wurde alles besser. Das zweite Ausschreibungsverfahren fĂŒr den Neubau der EZB im Frankfurter Ostend hat nun ein fĂŒr die EuropĂ€ische Zentralbank finanziell tragbares Ergebnis erbracht. Im ersten Anlauf wollten die ZentralbĂ€nker einen GeneralĂŒbernehmer ihre TĂŒrme bauen lassen, doch war ihnen das einzige Angebot mit 1,4 Milliarden Euro viel zu teuer. Daraufhin wurde, was schon vor dem ersten Anlauf diskutiert worden war, der Bau in einzelne Gewerke, insgesamt 12 Pakete unterteilt, die in 69 Lose gesplittet wurden. Die ersten acht Pakete, darunter die Rohbauarbeiten, waren in diesem Jahr ausgeschrieben worden und umfassen 44 Lose. Damit waren bereits 80 Prozent der Baukosten ausgeschrieben, die die EZB fĂŒr den Rohbau intern auf 500 Millionen Euro nach Preisen von 2005 begrenzt hatte.

2009_12_18_wygoda2_nacht_beleuchtetDie ehemalige Großmarkthalle am Abend von Sachsenhausen aus Foto: Wygoda

Die mehr als 400 eingegangenen Bewerbungen aus ganz Europa, darunter auch von mittelstĂ€ndischen Unternehmen, haben gezeigt, dass diese zweite Strategie die richtige war. Alle von den Bauunternehmen fĂŒr diese Pakete eingereichten Angebote hĂ€tten innerhalb des Budgets von 500 Millionen Euro gelegen, berichtete das Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi vor der Presse. Daraufhin hatte der Rat der EZB grĂŒnes Licht fĂŒr den architektonisch spektakulĂ€ren Neubau des Wiener ArchitektenbĂŒros Coop Himmelb(l)au gegeben.

Die letzten Pakete sollen 2010 und 2011 ausgeschrieben werden. Die VertrĂ€ge mit den Bauunternehmen werden Anfang kommenden Jahres unterzeichnen. Die Bauarbeiten könnten dann, so erlĂ€uterte Smaghi, im April beginnen. Die Bauzeit soll drei Jahre, also bis Ende 2013, dauern. Die 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EZB könnte dann im ersten Halbjahr 2914 von der Innenstadt in das Ostend an die Großmarkthalle umziehen.

Allerdings gab sich Smaghi gegenĂŒber allen Fragen nach der Gesamtinvestitionssumme fĂŒr das GebĂ€ude verschlossen. Er ließ sich lediglich zu der Vermutung hinreisen, dass man „deutlich unter einer Milliarde Euro“ am Ende herauskommen werde. Allerdings ist die Rechnung leicht nachvollziehbar, da die reinen Baukosten auf 500 Millionen begrenzt sein sollen und bereits 180 Millionen fĂŒr das GrundstĂŒck bezahlt wurden. Eine Gesamtsumme von etwa 800 Millionen Euro scheint damit realistisch.

2009_12_18_wygoda4_pressekonferenzSimulation eiens Konferenzraumes in einem der neuen TĂŒrme der EZB  Bild: EZB

Das Direktoriumsmitglied rĂ€umte auch ein, dass man jetzt erfolgreich gewesen sei, weil inzwischen die Finanzblase geplatzt ist, wĂ€hrend bei der ersten Ausschreibung die Finanzblase noch gefĂŒllt war.

VerstĂ€ndlich, dass der Architekt der ZwillingstĂŒrme, Wolf Prix vom Wiener BĂŒro Coop Himmelb(l)au, hocherfreut war, dass sein GebĂ€ude ohne wesentliche Änderungen an der Architektur errichtet wird. Lediglich das VerbindungsgebĂ€ude zwischen der historischen Großmarkthalle und den beiden BĂŒrotĂŒrmen werde einfacher ausfallen als ursprĂŒnglich geplant.

2009_18_12_wygoda_ezb_nordenDie kĂŒnftigen EZB-TĂŒrme von Norden gesehen    Bild: EZB

Die Frankfurter OberbĂŒrgermeisterin Petra Roth (CDU) bezeichnete den Beschluss des EZB- Rates als „eine Entscheidung von strategischer Bedeutung“ fĂŒr die Mainmetropole. Die spektakulĂ€ren TĂŒrme der EZB wĂŒrden schnell zu einem neuen Wahrzeichen Frankfurts werden.

Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) unterstrich, dass der Neubau der EZB auch fĂŒr den Aufbruch im gesamten Frankfurter Osten stehe. Er erinnerte daran, dass auch der Bau einer neuen MainbrĂŒcke, die Anlage des Hafenparks oder die geplante Bebauung des Honselldreiecks, anstĂŒnden.

Kommentar
In Frankfurt war in den vergangenen Jahren viel Pessimismus verbreitet worden, ob die EZB denn nun ihre DoppeltĂŒrme neben der Großmarkthalle bauen wird oder nicht- das war selbst von höchster Stelle zu hören, auch von der OberbĂŒrgermeisterin. TatsĂ€chlich konnte sich doch eine der wichtigsten Notenbanken der Welt, das ist die EZB, eine solche Blamage nicht leisten. Dass sie bei ihrer ersten Ausschreibung schlecht beraten war, als sie auf Anraten ihrer externen Berater einen Generalunternehmer suchte, zeigt sich heute. Schon damals wurden wichtige Stimmen laut- intern und extern- die auf das kommende Desaster aufmerksam machten.

Doch das ist Schnee von gestern. Wenn auch die Diskussion um die Großmarkthalle noch so hitzig war- jeder, der die Situation kannte, wusste, dass die Großmarkthalle trotz ihres Status als Baudenkmal ohne die EZB verfallen wĂ€re, weil die Stadt die notwendige Sanierung des niemals hĂ€tte stemmen können. Auch hier waren bereits in der Vergangenheit grobe Fehler gemacht worden, als unter der rot-grĂŒnen Mehrheit die GrĂŒnen den Protesten der HĂ€ndler folgten, die ihre „Gemieskerch“ nicht verlassen wollten. Und wenn spĂ€ter einmal ĂŒber den 1,50 Meter bis 1,70 Meter hohen begrĂŒnten Wall geschimpft werden wird, der die Großmarkthalle der EZB schĂŒtzen wird, dann sollte man sich daran erinnern, dass die alte Großmarkthalle auch immer ein Gebiet war, auf das niemand gehen konnte und nur ganz wenige wirklich gehen wollten.

19 Jul 2009
RĂŒckblick nach fast 20 Jahren Frankfurts langer Weg zum „Leben mit AbhĂ€ngigen“

(18.07.09) Es war der frĂŒheren Frankfurter Gesundheits- und Frauendezernentin Margarethe Nimsch (GrĂŒne) zu verdanken, dass die Veranstaltung nicht nur ein Jubelchor zur Legalisierung der Behandlung SchwerstabhĂ€ngiger mit Heroin geworden ist.

1993, als die GrĂŒne in der rot-grĂŒnen Koalition das Gesundheitsdezernat ĂŒbernommen hatte, war die offene Drogenszene in der Taunusanlage mit rund 1000 DrogenabhĂ€ngigen noch traurige RealitĂ€t. Sie war dort entstanden, nachdem der frĂŒhere Frankfurter OberbĂŒrgermeister Walter Wallmann (CDU) die sogenannte „Haschwiese“ in der Wallanlage neben dem Stadtbad Mitte, dem heutigen Hilton-Hotel, rĂ€umen ließ, da die Eröffnung der Alten Oper bevor stand.

grane-straaye_smalDie Drogenambulanz in der GrĂŒne Straße Foto: Wygoda

Margarethe Nimsch ließ sich von einem Polizisten aus sichrere Distanz von einem der BanktĂŒrme aus mit einem Fernglas zeigen, wie die AbhĂ€ngigen „nicht nur mit Hunden, sondern auch mit Kindern“ in der Szene verkehrten, um ihre Sucht zu befriedigen. Dieses Erlebnis war fĂŒr die Juristin der Wendepunkt, von dem aus es fĂŒr sie klar war, „dass diesen kranken Menschen dringend geholfen werden musste, dass wir sie nicht nur aus der Taunusanlagen vertreiben konnten, sondern verantwortlich dafĂŒr waren, ihnen eine Alternative zu bieten“. FĂŒr die Juristin war dieser Schritt sicherlich besonders schwer, denn er bedeutete, gegen alle bisherigen Gesetze und Regelungen des Drogenrechts ankĂ€mpfen zu mĂŒssen. Margarete Nimsch rĂ€umte in ihrem kurzen Beitrag auch mit einer anderen Legende der Frankfurter Drogenpolitik auf: Sie berichtete, dass sie auch in ihrer Fraktion, den GrĂŒnen, auf erhebliche WiderstĂ€nde gestoßen sei, als sie die Heroinvergabe an SchwerstabhĂ€ngige thematisierte. FĂŒr sie galt von da ab nicht mehr das Schlagwort von der „drogenfreien Gesellschaft“, sondern das „mit AbhĂ€ngigen leben“.
Sie beantragte, wie Manuela Rottmann (GrĂŒne), ihre Nachfolgerin im Amt der Gesundheitsdezernentin berichtete, bereits 1993 die Erlaubnis fĂŒr ein wissenschaftliches Forschungsprojekt. Zwei Jahre spĂ€ter musste sie gegen die Ablehnung des Forschungsprojektes Klage einreichen.

Zu diesem Zeitpunkt stand Nimsch nicht mehr alleine auf der Seite der SchwerstabhÀngigen. Zwei ihrer wichtigsten Mitstreiter waren Oberstaatsanwalt Körner und der damalige Frankfurter Vizepolizei-PrÀsident Frerichs, der heute PolizeiprÀsident in Wiesbaden ist.

2009_07_18_wygoda1_heroinvergabe Erinnerungen an eine lange Auseinandersetzung um die heroingestĂŒtzte Behandlung SchwertsabhĂ€mgiger:Von links nach rechts: Rottmann, Köhler, Nimsch, Weißbach, Wolter-Brandecker, Tschierschke. Foto: Wygoda

Es war dem spĂ€teren CDU-Gesundheitsdezernenten Glaser vorbehalten, das Projekt aus den Zeiten des rot-grĂŒnen Magistrats weiter zu fĂŒhren und es in einer StĂ€dteinitiative auf die Bundesebene zu heben- obwohl seinerzeit viele Beobachter mutmaßten, der CDU-Politiker werde das Heroinprojekt wohl eher sterben lassen. Jetzt berichtete auch er ĂŒber seien Erfahrungen beim Landswohlfahrtsverband (LWV) mit einer jungen drogenabhĂ€ngigen Mutter, die der Prostitution nachging, um ihr Kind und ihre Sucht finanzieren zu können. „Wir haben damals zum ersten Mal Methadon eingesetzt, um der Frau zu helfen, obwohl es zu dieser Zeit noch gar nicht dafĂŒr frei gegeben war“, berichtet er. Und er ließ sich danach als Frankfurter Gesundheitsdezernent auch von den Beispielen des pragmatischen Umgangs mit DrogenabhĂ€ngigen in ZĂŒrich und in Amsterdam ĂŒberzeugen.

Als 2002 nach der Teilnahme Frankfurts an der medizinischen Heroinstudie eine Liegenschaft gefunden werden musste, berichteten die Ortsvorsteherin von Bornheim-Ostend, Hedi Tschierschke und die SPD-Stadtverordnete Renate Wolter-Brandecker von ihren großen Problemen in den Diskussionen mit verĂ€ngstigten und besorgten Anwohnern, Eltern der Schulen und Gewerbetreibenden, zumal sie ĂŒber Auswahl des GrundstĂŒcks in der GrĂŒne Straße entgegen den Abmachungen erst aus der Zeitung erfuhren.

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Aufgezogene Spritze in der Heroinambulanz. Foto: Wygoda

„500 Personen kamen in die erste Informationsveranstaltung im Zoo-Gesellschaftshaus“ erinnerte sich die Ortsvorsteherin. Und die SPD-Politikerin erinnerte sich an die BefĂŒrchtungen der Eltern, ihre Kinder könnten mit Heroin gefĂŒllte Bonbons geschenkt bekommen. Doch trotz aller positiven Erfahrungen seit dem Beginn der Heroinstudie im Februar 2003 warnte sie davor die Ambulanz aus der GrĂŒne Straße im Ostend in einen anderen Stadtteil zu verlegen. „Alle Diskussionen, die wir hier gefĂŒhrt haben, werden dann wieder aufflammen“, zeigte sie sich ĂŒberzeugt. Auch Margrit Weißbach (CDU), Vorsitzende des Gesundheitsausschusses, berichtete nicht nur von den WiderstĂ€nden in ihrer eigenen Fraktion, sondern auch darĂŒber, durch welches Erlebnis sie „vom Saulus zum Paulus“ und damit zu einer Mitstreiterin fĂŒr die heroingestĂŒtzte Behandlung der AbhĂ€ngigen wurde: „Ich sah auf einer Treppe eine junge Frau, etwa Anfang 20 alt, die verzweifelt versuchte, sich eine Spitze in die Leistengegend zu setzen, bevor ein Polizist sie wieder vertrieb, was ihr aber offensichtlich nicht gelang- da wusste ich, dass wir diesen Kranken dringend helfen mussten“.

Hermann Wygoda

29 Mrz 2009
Hanau erfindet sich neu Vier Investoren wollen Hanaus neue Innenstadt entwerfen und bauen

Hanau 28.MĂ€rz 2009 Vier Investoren sind im Rahmen des Vergabeverfahrens „Wettbewerblicher Dialog“ von den fĂŒnf Teilnehmern, die ihre Planungsunterlagen abgegeben haben, ĂŒbrig geblieben, die ihre VorschlĂ€ge fĂŒr den grĂ¶ĂŸten Umbau in Hanaus Stadtgeschichte realisieren wollen. War zunĂ€chst sogar damit gerechnet worden, dass es keine Interessenten an diesem in der Bundesrepublik noch nicht durchgefĂŒhrten Verfahren geben werde, stellte OberbĂŒrgermeister Claus Kaminsky (SPD) befriedigt fest: „Alle Bewerber spielen in der Champions League“, sagte Hanaus OberbĂŒrgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Der Schloßplatz aktuell Foto: Wygoda

Es sind die Bietergemeinschaft 3W/ING Real Estate Germany aus Wiesbaden, die ECE Projektmanagement aus Hamburg, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) aus LĂŒbeck und die Frankfurter MAB Development. Zwei der Bewerber um den großen und verantwortungsvollen Auftrag sind bereits in Frankfurt durch besonders große Projekte hervorgetreten. So hat die ECE in Frankfurt das Hessencenter und das Main-Taunus-Center gebaut und wird auch am UEC fĂŒr den Einzelhandel beteiligt sein. Und MAB hat gerade das neue Einkaufscenter „My Zeil“ auf der Frankfurter Zeil eröffnet.

Der Schloßplatz wie ihn HBB neu gestalten möchte

Es geht in dem Auftrag um nicht weniger als die Umgestaltung der kompletten Innenstadt in der Platzfolge von fĂŒnf PlĂ€tzen: Der Altstadt mit dem Schlossplatz, der Freiheitsplatz, NeustĂ€dter Markt und das Stadtquartier um die Wallonisch- NiederlĂ€ndische Kirche.

Die Investoren haben wie zu hören war in ihren VorschlĂ€gen Neubauten von 50.000 Quadratmeter bis zu 95.000 Quadratmetern BruttogeschossflĂ€che vorgesehen. Die Investitionen der Investoren reichen von 160 Millionen Euro bis zu 265 Millionen Euro und die Stadt Hanau mĂŒsste zwischen fĂŒnf Millionen Euro und 25 Millionen Euro selbst investieren.

Der Platz hinter der wallonisch-niederlÀndischen Kirche aktuell.  Foto: Wygoda

FĂŒr den OberbĂŒrgermeister ist der jetzt eingeschlagene Weg ein „Meilenstein von stadthistorischer Bedeutung“, zumal ĂŒber eine Neugestaltung einzelnen PlĂ€tze der Stadt, wie etwa den Freiheitsplatz, der zur Zeit als Busbahnhof und Parkplatz genutzt wird, schon viele Jahrzehnte lang gestritten wurde.

„Noch nie waren wir in den vergangenen Jahrzehnten so nah dran, so viele Probleme auf einmal zu lösen“, stellte Kaminsky fest. Der OB versicherte zugleich, dass allen Mietern geholfen werde, die aus ihren Wohnungen ausziehen mĂŒssen. „Wir werden mit jedem einzelnem sprechen und eine Lösung finden“, versicherte das Stadtoberhaupt, das sich am 17. Mai in einer Direktwahl der Wiederwahl durch die BĂŒrger stellen muss.

Mit dem jetzt in seien zweite Phase eingetretenem Verfahren wird nach jahrzehntelangem Stillstand bei der Innenstadtentwicklung in der BrĂŒder-Grimm-Stadt östlich von Frankfurt am Main ein ganzes BĂŒndel von Baumaßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden. Denn es geht um alle Bereiche des stĂ€dtischen Lebens von Wohnen, Verkehr, Einkaufen, Gastronomie, bis zu Freizeit und Kultur.

Bei den jetzt vorgestellten EntwĂŒrfen fĂŒr alle PlĂ€tze geht es um GrĂ¶ĂŸe, Standort, Proportionen der Bauten und ihr mögliches Aussehen. „Die genauen Architekturen werden in vielen FĂ€llen erst nach Architektenwettbewerben festgelegt“, unterstrich Martin Bieberle, der Hanauer Stadtentwicklungsreferent.

Perspektive hinter der Wallonisch-NiederlÀndischen Kirche von MAB

Die weitere Chronologie des Wettbewerblichen Dialogs sieht vor, dass nach der jetzt am Wochenende erfolgten PrĂ€sentation der VorschlĂ€ge bei der die Investoren sich die Meinungen der Hanauer BĂŒrger anhören können, bis zum 8. Juni die Angebote abgegeben werden.

Danach muss das Stadtparlament entscheiden, ob mindestens zwei der Investoren aufgefordert werden, ihre konkreten Angebote vorzulegen. Nach diesem Beschluss muss nach der Verfahrensvorgabe am Ende ein Vertrag zwischen der Stadt und einem Investor abgeschlossen werden. Das ist fĂŒr das Ende dieses Jahres vorgesehen.

Damit könnte Ende 2010 oder Anfang 2011 der erste Spatenstich fĂŒr die komplette Neugestaltung der Hanauer Innenstadt erfolgen.

Hermann Wygoda

23 Jan 2009
Hauptwache ab 19. Februar fĂŒr Autos dicht

(23.01.09) Ab 19. Februar werden an der Frankfurter Hauptwache keine Autos mehr vorbei fahren. Der Verkehr wird dann an der Katharinenkirche Richtung Parkhaus Hauptwache abgeleitet.

Eine Woche vor der Eröffnung der GeschÀfte im Palais Quartier wird ein seit mehr als 30 Jahren in Frankfurt heftig umstrittenes Verkehrsprojekt realisiert. Denn insbesondere die Industrie- und Handelskammer hat immer wieder gegen eine Sperrung der Durchfahrt an der Hauptwache argumentiert, dass damit der GeschÀftsverkehr in der Innenstadt zusammenbreche.


Noch rollt der Verkehr an der Hauptwache vorbei- bis zum 18. Februar
Foto: Wygoda
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Der Frankfurter Verkehrsdezernent Lutz Sikorski (GrĂŒne) sieht mit der Straßensperrung „eine Riesenchance fĂŒr das Harz der Innenstadt“, wenn der neu gestaltete Goetheplatz gemeinsam mit der Zeil ein attraktives und fußgĂ€ngerfreundliches Ensemble bilden. FĂŒr Sikorski werde zugleich „die Innenstadt revitalisiert“.

50. 000 Personen, so Sikorski seien innerhalb von acht Stunden an den drei FußgĂ€ngerampeln gezĂ€hlt worden.

Von Norden wird der Verkehr in der Großen Eschenheimer Straße nur noch bis zur Einfahrt in die Tiefgarage des „Palais Quartier“ mit rund 1.000 ParkplĂ€tzen fahren können. (wyg)