Die Ausstellung wurde zunächst vom 17. August bis zum 2. September 2001 in der Dependance des Museums für Moderne Kunst, im Alten Hauptzollamt gezeigt.

Vom 27. November bis 23. Dezember wurde sie zum Teil mit einigen neuen Texten und Bildern im Bürgerhaus Saalbau Bornheim als Wiederholung präsentiert.

Aus dem Pressetext zur Ausstellung im SAALBAU:

Die Ausstellung erinnert aus Anlass des 50. Todestages von Paul Wolff in diesem Jahr an den bedeutenden Fotografen der Frankfurter Altstadt
Während ihrer ersten Station im Alten Zollamt des Museums für Moderne Kunst, wo sie bereits mehr als 2.000 Besucher hatte, haben sich viele Frankfurter Bürger, die eigene Erinnerungen an Paul Wolff hatten oder ihn sogar persönlich kannten, bei dem Kurator der Ausstellung, Hermann Wygoda, gemeldet. So wurde erst jetzt bekannt, dass die komplette Leica-Ausrüstung Wolffs sich seit seinem Tode in Frankfurt am Main befindet.

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Einladungskarten zu den Eröffnungen

Auch hatte Wolff 1950, ein Jahr vor seinem Tod, in Braunfels eine bisher unbekannte Autobiografie geschrieben, deren ersten beiden Seiten in der Fortsetzung der Ausstellung erstmals veröffentlicht werden. Auch ein erst jetzt entdecktes Foto von Paul Wolff aus dem Jahr 1943 kann in der Ausstellung zum ersten Mal gezeigt werden.
Paul Wolff hat sich mit seiner Arbeit für die Fotografie in Deutschland große Verdienste erworben. Sowohl durch seine Fotografien, als auch durch seine Bücher und Vorträge legte er die Grundlage für viele fotografierenden Laien, die sich mit den technischen Bedingungen und den gestalterischen Voraussetzungen der Fotografie auseinandersetzen.

eingang-ausstellung-im-mmkWerbung am Eingang des noch nicht umgebauten Haus am Dom Foto: Wygoda

Aus seiner jetzt aufgefundenen Biografie geht hervor, wie er selbst sich nicht nur die fotografischen Kenntnisse selbst angeeignet hat, sondern auch durch seine Experimente mit dazu beitrug, das „kleine“ Filmformat des Leica-Fotoapparates, der erstmals den Kinofilm benutzte, für die Fotografie praktisch nutzbar zu machen, um große Vergrößerungen herzustellen.

Die Stadt Frankfurt am Main, wo Wolff seit 1924 gearbeitet hatte, verdankt ihm mit seinen Aufnahmen ein einzigartiges fotografisches Gedächtnis ihrer untergegangenen Altstadt.

alter_markt_paul_wolffBlick vom Alten Markt zum Dom Foto: Paul Wolff

Aus dem umfangreichen Werk von Paul Wolff – allein das Institut für Stadtgeschichte hat rund 8.000 Motive archiviert – zeigen wir rund 50 Fotografien aus Frankfurt am Main und seiner Umgebung sowie Beispiele seiner Industriefotografien. Die ausgestellten Fotos aus dem Werk Höchst der IG Farben zeigen seine Arbeit als professioneller Auftragsfotograf.

Paul Wolff hatte in seinem Unternehmen, das er später gemeinsam mit Alfred Tritschler leitete, bis zu 20 Mitarbeiter beschäftigt. In seiner Biografie schrieb er, dass er „kein Reporter“ sei und er fasste seine Fotografie auch nicht als Kunst auf. Nach der ersten Station der Ausstellung wurde an dem bislang ebenfalls unbekannten Beispiel einer Reklameschrift der Reichs-Uhrenindustrie deutlich, in wie vielen unterschiedlichen Bereichen das Unternehmen „Paul Wolff“ tätig war.

Seine Fotografien veröffentlichte er in einer Vielzahl von Bildbänden, aber auch als Postkarten-Motive. Er hatte quasi eine „Bilderfabrik“, wie die Zahl von rund 500.000 Fotos belegt, welche im Bildarchiv „Dr. Paul Wolff und Tritschler“ in Offenburg aufbewahrt werden. Unsere Fotoauswahl zeigt sowohl „interessante“ Fotos als auch solche mit „schönen“ Motiven aus dem Frankfurt der 30er Jahre.

hauptwache_paul_wolffAn der Hauptwache Foto: Paul Wolff

Die Ausstellung stellt die Fotos in ihrem aktuellen Zusammenhang zu der Stadt Frankfurt am Main im Jahr 2001. In den Unterschriften wird erläutert, wo die abgebildete Örtlichkeit war und was heute dort zu sehen ist. Zwei Stadtpläne Frankfurts aus den Jahren 1944, vor der Zerstörung der Altstadt, und aus dem Jahr 1995 ermöglichen es den Besuchern sich ein Bild von dem „alten“ und dem „aktuellen“ Frankfurt zu machen und festzustellen, dass diese Stadt schon immer in Bewegung und im Umbruch war.
So ist in der Ausstellung beispielsweise das IG-Farben-Verwaltungsgebäude von Poelzig im Rohbau zu sehen, in das gerade die Universität eingezogen ist oder eine Innenansicht der Großmarkthalle im Ostend, deren Verlegung in nächster Zeit ansteht, weil das Gebäude von der Europäischen Zentralbank genutzt werden wird. Schließlich wurde auch eine Aufnahme aus dem Ostend in die Ausstellung aufgenommen, die von einer Glasplatte vergrößert wurde, bevor Wolff ausschließlich mit der Leica arbeitete.
Hermann Wygoda