DEMO 11-2009

Vom kommenden Jahr an wer­den alle Neubauten und bei al­len größeren Renovierungsmaß­nahmen bei Altbauten nur noch mit den neuen, sogenannten Smart Metern ausgestattet. So hat es die EU-Kommission vorgeschrieben und die Bundesregierung im Ener-

giewirtschaftsgesetz umgesetzt. Diese neuen Stromzähler arbeiten nicht mehr mit einer Drehscheibe und den bekannten Rollenzähl­werken, sondern zeigen den Stromverbrauch in kleinen Flüs­sigkristallanzeigen an. Da mit den neuen Zählern elektronische Da-

ten erzeugt werden, können diese direkt an das Energieversorgungs­unternehmen weitergeleitet und dort zur Fernauslese genutzt wer­den. Während hierzulande noch erste Feldversuche laufen – die Frankfurter Mainova startete im August 2008 einen in rund 3000 Haushalten – wurden die neuen Gerä­te in Frankreich und Schweden bereits flächendeckend einge­baut.smart meterSmart Meter in einem Frankfurter Haushalt Foto: Wygoda

Die Möglichkeiten, mit denen für die „intelligenten Stromzäh­ler“ geworben wird, klingen viel­versprechend: Das „Smart Mete­ring“ soll die Energieeffizienz er­höhen, indem die Verbraucher durch die permanente Überwa­chung ihres Verbrauchs erken­nen können, ob sie einen der ge­fürchteten „Stromfresser“ in ih­rer Wohnung haben, und ande­rerseits sollen es die neuen Stromzähler ermöglichen, dass die Kunden etwa Waschmaschi­ne oder Spülmaschine zu sol­chen Zeiten anlaufen lassen, in denen zu viel Strom da ist und die Versorger ihn deshalb billi­ger anbieten.

Ältere werden sich noch an die Speicheröfen erinnern, die in der Nacht mit billigerem „Nach­strom“ aufgeladen wurden, um am Tag ihre Wärme abzugeben. Dieser „Nachtstrom“ soll jetzt als Anreiz zu Energieeinsparung oder Steuerung des Energiever­brauchs zurückkommen, indem vorgeschrieben wurde, dass last­variable oder tageszeitabhängi­ge Tarife eingeführt werden müssen. Die Bundesregierung verspricht sich damit eine Ener­gieeinsparung von fünf bis zehn Prozent.

Die neue Technik produziert auch manche Sorgenfalte

Eine gern genannte weitere Möglichkeit ist, dass dem Kun­den dann, wenn Wind aus den Windkraftwerken viel Strom lie­fert, die Versorgung auf „Wind­strom“ oder auch auf „Solar­strom“ umgeschaltet werden kann. Doch löst die neue Tech­nik bei den Stromanbietern nicht nur helle Freude aus, son­dern produziert auch so manche Sorgenfalte. Denn die neuen

Zähler sind drei- bis viermal teu­rer als die alten. Und während die sogenannten Ferraris-Zähler 30 bis 40 Jahre „im Netz“ bleiben können, haben die elektroni­schen Zähler eine garantierte Laufzeit von acht Jahren mit ei­ner Verlängerungsoption um weiter fünf Jahre.Das bedeutet, dass sich die Mar­ketingabteilungen bereits land­auf, landab die Köpfe zerbrechen, wie die höheren Kosten bei den Kunden wieder eingespielt wer­den können und man ihnen viel­leicht auch noch zusätzliche Möglichkeiten der Datentechnik verkaufen kann, um ihnen die neue intelligente Zählertechnik schmackhaft zu machen.Zu den Überlegungen gehört die Bereitstellung der Daten in ei­nem Internetportal oder auf ei­nem Display – gegen Gebühr, versteht sich. Doch es geht bei der neuen digitale Technik nicht allein um Kosten. Der Frankfur­ter Fachhochschulprofessor für Recht der Informationsgesell­schaft, Peter Wedde, verweist da­rauf, dass „mit dem Smart Meter neue Datenströme entstehen“.

Das bedeutet auch, dass nach Mail-Kontrolle und Telefonüber­wachung jetzt auch die ganz in­dividuellen privaten Verhaltens­weisen wie Kochen und Schla­fengehen, Urlaubszeiten und Ar­beitszeiten von den Energie-versorgern viertelstündlich als Bewegungsprofile über Strom-, Wasser- und Fernwärmever­brauch nachgezeichnet werden können.   Hermann Wygoda

Info: p_wedde@fbsuk-fh-frankfurt. de, www.mainova.de