Über 160 Beteiligungen der Stadt Darmstadt, die sich inzwischen ausschließlich als „Wissenschaftsstadt Darmstadt“ bezeichnet, werden in ihrem über 600 Seiten starken Beteili­gungsbericht aufgeführt. Diese Beteiligungen weisen insge­samt eine Bilanzsumme von rund 7,3 Milliarden Euro aus und beschäftigen rund 6 900 Menschen.

Strategische Führung der Beteiligungen über Holding

Während in anderen Kommu­nen bei der Einrichtung einer Holding die Frage der Steueropti­mierung im Vordergrund steht und die Möglichkeit, Leitungs­funktionen besser als im Rah­men des öffentlichen Tarifrechts zu bezahlen,darmstadt_opnv_b1

Der öffentliche Personennahverkehr ist eine der wichtigen Beteiligungen Der HEAG-Holding AG in Darmstadt  Foto: Wygoda

hat sich der Darm­städter Oberbürgermeister Wal­ter Hoffmann (SPD) mehr vorge­nommen. Er will, dass die städti­schen Beteiligungen neben den Möglichkeiten der Steueropti­mierung auch strategisch ge­führt werden und somit für die Stadt einen zusätzlichen Mehr­wert erreichen. Dabei kommt der Heag AG als Holding die Auf­gabe zu, die geschäftlichen Ziele vorzugeben und ihre Erreichung zu kontrollieren.

Seit Frühjahr 2008 mit neuer Struktur und neuem Vorstand

Am 1. April vergangenen Jahres war die neue Struktur in Kraft getreten, für die auch ein neuer Vorstand eingesetzt wurde. Mar­kus Hoschek, 40, und Klaus-Mi­chael Ahrend, 36, sollen als Schnittstelle „zentrales Denken und Handeln“ umsetzen. Dass die Schwierigkeiten dieses „zen­tralen Denkens und Handelns“ allein durch die Komplexität der Vielzahl der städtischen Beteili­gungen mit ihren unterschiedli­chen Aufgaben und Historien ein hohes Potenzial an Konflik­ten und Problemen beinhaltet, räumen beide unumwunden ein.

Der besondere Charme der Darmstädter Lösung liegt nicht zuletzt darin, dass es hier keine Aufteilung der Beteiligungen nach Sparten gibt. Die Heag AG steuert alle Themen von der Energie über den öffentlichen Nahverkehr bis zu den Bauge­sellschaften. Mit der HSE als Energielieferant und der Heag mobilo GmbH als dem Dienst­leister für den öffentlichen Perso­nennahverkehr ist die Heag AG auch über die städtischen Gren­zen hinaus in der südhessischen Region für die Energieversor­gung und den ÖPNV verantwort­lich. Ebenfalls zum Portfolio ge­hört die bauverein AG, die in Darmstadt und im gesamten süd- und mittelhessischen Raum rund 18 000 Wohnungen in ih­rem Besitz hält.

Neues Verhältnis Wirtschaft und Politik auch Kulturwechsel

Für die Geschäftsführer und Vor­stände der städtischen Unterneh­men ist es sicher eine neue Er­fahrung, nun neben ihren Auf­sichtsräten auch noch einer zen­tralen Holding Rechenschaft leisten zu müssen und gesagt zu bekommen, wie sie ihre Geschäf­te zu betreiben haben. „Es ist“, räumen die beiden Vorstände ein, „ein Kultur- und ein Genera­tionswechsel zugleich, der hier abläuft.“ Denn die Heag AG kon­trolliert nicht allein die Ergeb­nisse, sondern sie isS auch gehal­ten, bereits im Vorfeld die von ihr gesetzten Ziele zu beeinflus­sen, indem sie sich auch darum bemüht, den Mandatsträger, also den Mitgliedern der Aufsichtsrä­te, und damit den Stadtverordne­ten ihre Pläne im Rahmen der neu eingerichteten „Mandatsträ­gerinformation“ zu vermitteln.

„Wir können in diesen Informa­tionsgesprächen unsere Vorstel­lung über die Geschäftspolitik der Unternehmen vermitteln und zugleich die Konsequenzen für die Stadt aufzeigen“, erläutert Markus Hoschek, der bis zu sei­nem Einritt in den Heag-Vorstand selbst Mitglied der Darm­städter Stadtverordnetenver­sammlung war.

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Seit dem Frühjahr 2008 hat mit den beiden Vorständen Markus Hoschek und Michael Ahrend bei der Heag neues Denken Einzug gehaltent Foto: Wygoda

Das Verständnis für die Kommu­nalpolitik und die Bedürfnisse der Kommunalpolitiker zeich­net beide Vorstände aus, da auch Klaus-Michael Ahrend vor sei­nem Engagement in Darmstadt als kaufmännischer Leiter der städ­tischen Holding in Offenbach und als Geschäftsführer der dorti­gen lokalen Nahverkehrsorgani­sation angehörte.

Hermann Wygoda