(18.12.09) Mit dem zweiten wurde alles besser. Das zweite Ausschreibungsverfahren für den Neubau der EZB im Frankfurter Ostend hat nun ein für die Europäische Zentralbank finanziell tragbares Ergebnis erbracht. Im ersten Anlauf wollten die Zentralbänker einen Generalübernehmer ihre Türme bauen lassen, doch war ihnen das einzige Angebot mit 1,4 Milliarden Euro viel zu teuer. Daraufhin wurde, was schon vor dem ersten Anlauf diskutiert worden war, der Bau in einzelne Gewerke, insgesamt 12 Pakete unterteilt, die in 69 Lose gesplittet wurden. Die ersten acht Pakete, darunter die Rohbauarbeiten, waren in diesem Jahr ausgeschrieben worden und umfassen 44 Lose. Damit waren bereits 80 Prozent der Baukosten ausgeschrieben, die die EZB für den Rohbau intern auf 500 Millionen Euro nach Preisen von 2005 begrenzt hatte.

2009_12_18_wygoda2_nacht_beleuchtetDie ehemalige Großmarkthalle am Abend von Sachsenhausen aus Foto: Wygoda

Die mehr als 400 eingegangenen Bewerbungen aus ganz Europa, darunter auch von mittelständischen Unternehmen, haben gezeigt, dass diese zweite Strategie die richtige war. Alle von den Bauunternehmen für diese Pakete eingereichten Angebote hätten innerhalb des Budgets von 500 Millionen Euro gelegen, berichtete das Direktoriumsmitglied Lorenzo Bini Smaghi vor der Presse. Daraufhin hatte der Rat der EZB grünes Licht für den architektonisch spektakulären Neubau des Wiener Architektenbüros Coop Himmelb(l)au gegeben.

Die letzten Pakete sollen 2010 und 2011 ausgeschrieben werden. Die Verträge mit den Bauunternehmen werden Anfang kommenden Jahres unterzeichnen. Die Bauarbeiten könnten dann, so erläuterte Smaghi, im April beginnen. Die Bauzeit soll drei Jahre, also bis Ende 2013, dauern. Die 1.400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der EZB könnte dann im ersten Halbjahr 2914 von der Innenstadt in das Ostend an die Großmarkthalle umziehen.

Allerdings gab sich Smaghi gegenüber allen Fragen nach der Gesamtinvestitionssumme für das Gebäude verschlossen. Er ließ sich lediglich zu der Vermutung hinreisen, dass man „deutlich unter einer Milliarde Euro“ am Ende herauskommen werde. Allerdings ist die Rechnung leicht nachvollziehbar, da die reinen Baukosten auf 500 Millionen begrenzt sein sollen und bereits 180 Millionen für das Grundstück bezahlt wurden. Eine Gesamtsumme von etwa 800 Millionen Euro scheint damit realistisch.

2009_12_18_wygoda4_pressekonferenzSimulation eiens Konferenzraumes in einem der neuen Türme der EZB  Bild: EZB

Das Direktoriumsmitglied räumte auch ein, dass man jetzt erfolgreich gewesen sei, weil inzwischen die Finanzblase geplatzt ist, während bei der ersten Ausschreibung die Finanzblase noch gefüllt war.

Verständlich, dass der Architekt der Zwillingstürme, Wolf Prix vom Wiener Büro Coop Himmelb(l)au, hocherfreut war, dass sein Gebäude ohne wesentliche Änderungen an der Architektur errichtet wird. Lediglich das Verbindungsgebäude zwischen der historischen Großmarkthalle und den beiden Bürotürmen werde einfacher ausfallen als ursprünglich geplant.

2009_18_12_wygoda_ezb_nordenDie künftigen EZB-Türme von Norden gesehen    Bild: EZB

Die Frankfurter Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) bezeichnete den Beschluss des EZB- Rates als „eine Entscheidung von strategischer Bedeutung“ für die Mainmetropole. Die spektakulären Türme der EZB würden schnell zu einem neuen Wahrzeichen Frankfurts werden.

Planungsdezernent Edwin Schwarz (CDU) unterstrich, dass der Neubau der EZB auch für den Aufbruch im gesamten Frankfurter Osten stehe. Er erinnerte daran, dass auch der Bau einer neuen Mainbrücke, die Anlage des Hafenparks oder die geplante Bebauung des Honselldreiecks, anstünden.

Kommentar
In Frankfurt war in den vergangenen Jahren viel Pessimismus verbreitet worden, ob die EZB denn nun ihre Doppeltürme neben der Großmarkthalle bauen wird oder nicht- das war selbst von höchster Stelle zu hören, auch von der Oberbürgermeisterin. Tatsächlich konnte sich doch eine der wichtigsten Notenbanken der Welt, das ist die EZB, eine solche Blamage nicht leisten. Dass sie bei ihrer ersten Ausschreibung schlecht beraten war, als sie auf Anraten ihrer externen Berater einen Generalunternehmer suchte, zeigt sich heute. Schon damals wurden wichtige Stimmen laut- intern und extern- die auf das kommende Desaster aufmerksam machten.

Doch das ist Schnee von gestern. Wenn auch die Diskussion um die Großmarkthalle noch so hitzig war- jeder, der die Situation kannte, wusste, dass die Großmarkthalle trotz ihres Status als Baudenkmal ohne die EZB verfallen wäre, weil die Stadt die notwendige Sanierung des niemals hätte stemmen können. Auch hier waren bereits in der Vergangenheit grobe Fehler gemacht worden, als unter der rot-grünen Mehrheit die Grünen den Protesten der Händler folgten, die ihre „Gemieskerch“ nicht verlassen wollten. Und wenn später einmal über den 1,50 Meter bis 1,70 Meter hohen begrünten Wall geschimpft werden wird, der die Großmarkthalle der EZB schützen wird, dann sollte man sich daran erinnern, dass die alte Großmarkthalle auch immer ein Gebiet war, auf das niemand gehen konnte und nur ganz wenige wirklich gehen wollten.