Von Hermann Wygoda

Frankfurt 25.01.2010 In den 90er Jahren wurden die Pläne, den Osthafen in ein Wohngebiet umzuwandeln, nach heftigen Diskussionen zu den Akten gelegt. Jetzt bringen CDU und Grüne das Thema wieder auf die Tagesordnung.

Boris Rhein hat eine Vision: Über ihre Häfen könnten die Nachbarstädte Frankfurt und Offenbach näher zusammenrücken, meint der Kreisvorsitzende der CDU. Ein «Kreativhafen Frankfurt-Offenbach» schwebt ihm vor. «Damit hätten wir das erste richtig regionale Projekt», sagte er der FNP. Die Nachbarn haben den ersten Schritt gemacht. Der frühere Offenbacher Hafen soll zu einem Wohn- und Büroviertel werden.

Nur auf der Frankfurter Seite dominieren nach wie vor Speditionen, Betonmischanlagen und ähnliche Betriebe. Rhein stellt jetzt in Frage, ob man dafür noch so viel Fläche wie heute braucht. Er verweist darauf, dass Stadtrat Volker Stein (FDP) bereits eine Kooperation mit dem nur wenige Kilometer entfernten Hanauer Hafen auf den Weg gebracht habe. Für den Frankfurter Osthafen stellt sich Rhein künftig eine Mischung aus Wohnen und Gewerbe vor. «Das kann sicher nur über einen längeren Zeitraum verwirklicht werden, aber wir müssen das jetzt anpacken.» Die Wohnungsbaupläne aus den 90er Jahren könnten aber sicherlich nicht eins zu eins umgesetzt werden.

So wurde international für den „neuen Osthafen“ geworben

Ähnlich sind die Überlegungen des Fraktionschefs der Grünen, Olaf Cunitz. Frankfurt habe ein so kleines Stadtgebiet, «dass wir jede Möglichkeit ergreifen müssen, um die vorhandenen Flächen so effektiv wie möglich zu nutzen», sagte er im Gespräch mit der FNP. Deshalb fordert er, «den Osthafen neu zu denken und die Gewerbeflächen in den Oberhafen zu verlagern, damit der Unterhafen für andere Nutzungen frei werden kann».

Mit diesen Überlegungen macht der Grünen-Politiker für seine Partei nach fast genau 15 Jahren eine Kehrtwende in der Einschätzung des Osthafenareals. 1994 hatten die Grünen, damals in einer Koalition mit der SPD, zunächst durchgesetzt, dass ein Gegengutachten die vom Magistrat befürworteten Pläne einer Kompaktierung der Osthafenanlagen zu Fall bringt.

Das Projekt war bereits Ende der 80er Jahre von Oberbürgermeister Volker Hauff (SPD) unter dem Titel «Wohnen am Fluss» auf den Weg gebracht worden und sollte sowohl den West- wie auch den Osthafen umfassen. Während der Westhafen als Wohn- und Bürostandort eine Erfolgsgeschichte wurde, beschlossen die Grünen, obwohl damals in einer rot-grünen Koalition, gemeinsam mit der CDU 1997 das sogenannte Papier «Hafen 2000+». Damit wurde die Umwandlung des Osthafens in einen Wohn- und Gewerbestadtteil für rund 8 000 Bewohner analog dem Westhafen beerdigt.

Die beiden Fraktionen des Stadtparlaments konnten sich Frankfurt am Main nicht ohne einen großen Hafen vorstellen. In der jahrelangen Diskussion hatten sich nicht nur die Hafenbetriebe mit aller Macht gegen die Umwandlungspläne gestemmt, sondern auch die IHK hatte erhebliche Bedenken angemeldet, da der Stadt ein «intaktes Gewerbegebiet mit einer guten Infrastruktur für Lkw, Bahn und Schifffahrt» verloren ginge.

Davon rücken Cunitz (Grüne) und Rhein (CDU) stellvertretend für ihre Parteien heute offensichtlich wieder ab. Obwohl es sicher nicht nur auf Gegenliebe treffen wird, zumal die beiden Politiker bei ihrem Vorstoß auch auf eine engere Vernetzung der beiden Städte Frankfurt und Offenbach zielen.

Nachträglich kann die Vorausschau der Frankfurter Architekturstudenten an der Fachhochschule bewundert werden, die bereits im Jahr 2004 in einem Workshop für ihre Ideen für eine neue Nutzung des Osthafens den ersten Preis erhielten. Sie konzipierten eine «Netwerft», mit IT-Zentrum, auf der Hafenmole ein Cybermuseum, Internetportale und eine internationale Filmhochschule. Das Hafenflair wollten sie in ihren Planungen erhalten und hatten Wohnungen sowie mobile Wohnformen, zum Beispiel in Wohnbooten, vorgesehen.

Man darf durchaus gespannt sein, ob diese Pläne nun wieder hervorgezaubert werden…

Weniger Schiffe auf dem Main

Ein Argument der Verteidiger des Osthafens war immer der Main-Donaukanal, der die Zahl der auf dem Main Waren transportierenden Schiffe enorm erhöhen würde.

Schifffahrt auf dem Main am Abend Foto: Wygoda

Doch wurden diese Hoffnungen von der Wirklichkeit nicht bestätigt. Aus den aktuellen Zahlen des Wasser- und Schifffahrtsamtes geht hervor, dass in der Schleuse Kostheim, der ersten Schleuse nach der Mainmündung, die Tonnage der beförderten Güter von 23,5 Millionen Tonnen in 2000 auf 16,03 Millionen Tonnen in 2009 zurück gegangen ist. Und die Anzahl der Schiffe von 1505 auf 877.