Die St√§dte Wiesbaden, Offenbach und Frankfurt am Main testen Alternativen zur gewohnten Hausm√ľllentsorgung

Das Papier geh√∂rt je nach Kommune in die gr√ľne oder in die blaue Tonne, der Kaffee¬≠satz und die Gem√ľsereste in die braune und Milch- und Apfel¬≠saftt√ľten in die gelbe Tonne. So wurde es uns fast 20 Jahre lang immer wieder eingetrichtert. Doch nun, so scheint es, m√ľssen wir demn√§chst vielleicht umler¬≠nen. Denn die bisherigen M√ľll¬≠verwertungsgrunds√§tze geraten nicht zuletzt wegen neuerer Technologien ins Wanken, da sie eine neue und bessere automati¬≠sche Sortierung all dessen er¬≠m√∂glichen, was unsere Wohl¬≠standsgesellschaft √ľbrig l√§sst.

Die hessische Landeshauptstadt Wiesbaden wurde von der Um¬≠weltministerin zum Testfeld f√ľr einen Versuch auserkoren, bei dem die gelbe Tonne wegfallen soll. Vom Januar 2011 an sollen dort Restm√ľll und Verpackun¬≠gen gemeinsam erfasst werden, Sinnvoll erscheint diese Neuori¬≠entierung, weil in der gelben Tonne vom System her eigent¬≠lich nur jene Verpackungen ge¬≠worfen werden sollten, die mit dem Recycling-Signet des Gr√ľ¬≠nen Punkts gekennzeichnet sind, doch in den meisten gelben Tonnen liegen oft mehr ‚Äěfalsche“ Verpackungen als richtige. Denn den B√ľrgern ist kaum klar zu ma¬≠chen, dass die eine Verpackung mit Signet in die gelbe Tonne soll, die andere aber, ohne Marke, zum Altpapier in die gr√ľne Ton¬≠ne geh√∂rt.

Ein Drittel der Einwohner Wies¬≠badens wird im Rahmen des Ver¬≠suchs ab kommendem Jahr statt des bisherigen Systems mit vier Tonnen von gr√ľn bis grau nur noch drei Tonnen bef√ľllen m√ľs¬≠sen. Die Landesregierung erhofft sich mit dem Versuch Aufkl√§¬≠rung, ob die ‚Äěgetrennte Erfas¬≠sung beim B√ľrger noch zeitge¬≠m√§√ü ist“, wie Umweltministerin Silke Lautenschl√§ger (CDU) er¬≠l√§uterte. Sie ist sich sicher, ‚Äědass nach unserem Versuch klar wird, was technisch, logistisch und wirtschaftlich machbar ist“.

Die gelbe Tonne- ein Auslaufmodell? Foto: Wygoda

Die Frage, was zeitgem√§√ü ist und was nicht, ist in Frankfurt am Main kein Thema. In der gr√∂√üten Stadt Hessens kann mit konkre¬≠ten Zahlen aufgewartet werden: 40 Prozent der Abf√§lle in den gel¬≠ben Tonnen seien Restabf√§lle, er¬≠l√§utert der Gesch√§ftsf√ľhrer der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH (FES), Benjamin Scheffler. Hier behilft man sich damit, dass jene Tonnen, die zu viele Abf√§lle enthalten, ganz abger√§umt werden. ‚ÄěUns zeigen die vielen Fehlw√ľrfe, dass die gelbe Tonne ‚Äěnicht akzeptiert ist“, ist sein Fazit. F√ľr ihn ist sogar das ganze System ‚ÄěWahnsinn“, denn der Abfall der gelben Tonne wird auf neun im Bundesland zugelas¬≠sene Unternehmen zur Sortie¬≠rung verteilt, deren Standorte die mehr als roo Kilometer von der Mainmetropole entfernt liegen, die gr√∂√üten Mengen werden bis nach Braunschweig gefahren.¬† Deshalb haben die Frankfurter die neue Variante einer ‚Äěgelben Tonne Plus“ ins Spiel gebracht. Sie w√ľrde neben den Verpackun¬≠gen auch noch Holz und Metall unter ihrem Deckel aufnehmen, wodurch eine Aussortierung nach weiteren Wertstoffen m√∂g¬≠lich w√ľrde.

In Offenbach hatten die Stadt¬≠verordneten noch eine andere Idee, die sie ihren Abfallsamm¬≠lern als Auftrag gegeben haben. Da es in Frankfurts Nachbarstadt bisher keine braune Tonne f√ľr die so genannten biogenen Abf√§lle gab, hatten sie der Offenba¬≠cher Dienstleistungsgesellschaft ESO Mitte 2007 aufgegeben, ‚Äěan¬≠fallenden Biom√ľll einer sinnvol¬≠len Verwertung zuzuf√ľhren“.

Auch hier gibt es zu viele Stadt¬≠teile, in denen die Biotonne we¬≠gen ihrer Bev√∂lkerungsstruktur nicht funktioniert. Die ESO er¬≠mittelte, dass bei einer Sortie¬≠rung der ‚Äěunsauber“ gef√ľllten Restm√ľlltonne bis zu 39 Prozent

Bioanteil gewonnen werden k√∂nne. In einer Testphase 2008 wurde ermittelt, dass 39 Prozent des Restm√ľlls danach f√ľr die Ver¬≠g√§rung genutzt werden k√∂nnten.¬† Allerdings muss der Restm√ľll zur Aussortierung und Verg√§¬≠rung in das etwa 40 Kilometer entfernte Wicker bei Wiesbaden gefahren werden, wo eine Bio-Verg√§rungsanlage bereits in Be¬≠trieb ist, die Strom produziert. ‚ÄěWir k√∂nnen neben der auf 500 000 Euro errechneten Er¬≠sparnis im Jahr zus√§tzlich mit Er¬≠tr√§gen aus dem Erneuerbare-Energien-Gesetz rechnen“, erl√§u¬≠terte der Projektmanager Christi¬≠an Loose. Die restlichen 63 Prozent des M√ľlls, die als soge¬≠nannte Grobfraktion bei der Sor¬≠tierung √ľbrig bleiben, m√ľssen je¬≠doch zur√ľck in die M√ľllverbren¬≠nungsanlage im heimische Of¬≠fenbach gefahren werden.¬†¬† Hermann Wygoda

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