(03.07.10) Die Montage des letzten Fassadenteils wurde zum Anlass einer Feier genommen, um eine Art Richtfest für das wohl spektakulärste Gebäude Europas gegenüber dem Frankfurter Flughafen zu feiern. Gleichzeitig wurde es auf einen neuen Namen getauft, der den technischen Namen des Projektes „Airrailcenter“ ablösen sollte: „The Squaire“ heißt es nun. Abgeleitet aus dem englischen Square, will man die Assoziation zu so berühmten Platzen wie Trafalgar Square in London oder Times Square in New York herbeizaubern. Da aber der Frankfurter „Platz“ auch noch am Flughafen steht, meinte man ein „i“ aus dem „air“ einfügen zu müssen- und hat wohl für alle, die den Namen zum ersten Mal lesen, für Verwirrung gesorgt.

Das Airrailcenter heisst nun “The Squaire”. Es ist mit seinen mehr als 600 Metern genauso lang wie die Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache.
Foto: Wygoda

Dabei hat das Projekt auch schon eine lange und auch verwirrende Geschichte hinter sich. Denn das 600 Meter lange Gebäude, das genauso lang und genauso viele Quadratmeter Gebäudefläche hat ist wie die Zeil zwischen Hauptwache und Konstablerwache, war schon totgesagt und es hat bereits zwei Grundsteinlegungen feiern können. Das erste Mal wurde er 2003 gelegt, also vor sieben Jahren, doch danach passiert nichts. Erst nach der zweiten Grundsteinlegung, 2007, wurde mit dem Bau nun tatsächlich begonnen.

Denn erst bei der zweiten Grundsteinlegung konnten mehr als 50 Prozent der insgesamt 140 000 Quadratmeter Fläche vermietet werden. Zwei Hotels der Hilton-Gruppe werden rund 34 000 Quadratmeter belegen, weitere 93 000 Quadratmeter sind für Büros vorgesehen, von denen die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG sich den westlichen Kopf des Gebäudes reserviert hat. Für Einzelhandel und Gastronomie sind 5 700 Quadratmeter vorgesehen und ein Ärzte- und Wellnesszentrum, ebenfalls einer der ersten Mieter, wird etwa 3 600 Quadratmeter belegen. Jetzt zu diesem „Tauffest“ sind noch 4.000 Quadratmeter zu haben wurde berichtet. Sie hofft man, bis zum endgültigen Eröffnungstermin im Frühjahr 2011 auch noch an Mieter gebracht zu haben. Und zusammen mit der immer längeren Bauzeit stiegen auch die Kosten von zunächst 660 Millionen Euro auf fast eine Milliarde Euro.

Entworfen hat der Frankfurter Architekt Helmut Joos den Bau, der wie ein Flugzeugrumpf über dem Intercity-Bahnhof des Frankfurter Flughafens auf den Stützen liegt. Diese Stützen zeigen, dass die Idee, die Überdachung des ICE-Bahnhofs mit einem Gebäude, von Anfang an in den Köpfen der Beteiligten mitgedacht worden war.

Die Eisenbahn, das Auto und die Flugzeuge verbinden “The Squaire” mit Deutschland, Europa und der Welt.
Foto: Wygoda

Doch eigentlich beginnt die Geschichte des Gebäudes bereits in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Denn damals hatte der Vorstandsvorsitzende der Fraport AG, die damals noch FAG hieß, die Idee, den mit Bäumen bewachsenen Streifen Land zwischen der Autobahn A3 und der Bundesstraße 43 aufzukaufen. Er hatte schon damals die weitsichtige Vorstellung, dass es „da drüben einen Bahnhof geben wird“, wie er Journalisten damals den Kauf begründete.

Die Zahlen des Gebäudes sind so beeindruckend wie die Architektur des Baus: 65 Meter breit und 45 Meter hoch. Mit 97 Aufzüge und Rolltreppen sowie 7000 Türen. Das Gewicht des Gebäudes wird auf 350.000 Tonnen geschätzt, vergleichbar dem Gewicht von 1260 Riesenflugzeugen vom Typ A 380 (allerdings ohne Passagiere). 2500 Kilometer Kabel sind noch zu verlegen und das imposante Glasdach besteht aus mehr als 2000 Scheiben. Die gesamte Fassade hat 145.000 Quadratmeter und hat damit 5.000 Quadratmeter Fläche mehr als die Nutzfläche des kompletten Gebäudes.

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) und Hessens scheidender Ministerpräsident Roland Koch (CDU) fassten mit an, als das letzte Fassadenteil montiert wurde.  Foto: Wygoda

„Schneller, urbaner und attraktiver kann die Welt nicht zusammenkommen als an dieser neuen internationalen Adresse“, strahlte Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU). Der Vorstandssprecher des Bauherren IVG, Gerhard Niesslein, hob die besonders attraktiven Verkehrsverbindungen des Gebäudes hervor: Er machte die Gäste darauf aufmerksam, dass „The Squaire“ von allen drei Verkehrsträgern Auto, Eisenbahn und Luftfahrt „die Region Rhein-Main mit Deutschland, Europa und der Welt“ verbinde. Und das mache die Einmaligkeit aus.

Hermann Wygoda