Notstromaggregate sollen in der gesamten Stadt miteinander vernetzt werden

8.02.20101 Es war ursprünglich als ein relativ einfaches Unterfangen gedacht gewesen, als die Techniker von Mainova auf die Idee kamen, in Frankfurt ein virtuelles Kraftwerk zu installieren. Doch noch gibt es vor allem technische Probleme.

Virtuelle Kraftwerke sind Stromerzeuger, die aus den vielen zusammengeschalteten Notstromaggregaten bestehen, die in Krankenhäusern, Hochhäusern oder Rechenzentren bereitstehen, um bei einem Ausfall des öffentlichen Stromnetzes den Betrieb zu sichern. Die Idee, solche «stillliegenden Kraftwerke» über Netze miteinander zu verbinden, gibt es bereits seit sechs Jahren.

Notstromaggregate bei ancotel Foto: Wygoda

Rainer Nauertz, Geschäftsführer der Mainova Energiedienste, ist nach den ersten Gesprächen mit Technikern skeptischer geworden: «Wir hatten uns das einfacher vorgestellt.» Bereits Mitte vergangenen Jahres war das Projekt aufgelegt worden, doch «die technischen Herausforderungen wurden immer zahlreicher». Denn neben der neuen Aufgabe, Lieferanten für das öffentliche Stromnetz zu sein, müssen sie auch noch so zuverlässig wie bisher ihre eigentliche Aufgabe erfüllen.

Es müssen also auch logistische Aufgaben gelöst werden, wie etwa die Sicherstellung, dass der Dieseltank regelmäßig nachgefüllt wird. Während das letzte Problem wohl noch am leichtesten zu lösen sein dürfte, sind die technischen Probleme wie beispielsweise die Fragen der Datenanbindung oder der zentralen Steuerung der Anlagen noch ungelöst. Die notwendige Software stecke noch in den Kinderschuhen.

Damit erste Erfahrungen hausintern bei der Mainova gesammelt werden können, werden derzeit die eigenen Notstromaggregate auf die Stromlieferung in das öffentliche Netz vorbereitet.

«Das Ganze hat nicht nur einen energiewirtschaftlichen Aspekt, sondern auch einen finanziellen», weiß der Geschäftsführer, denn die Investitionen lohnen sich nur dann, wenn das neue virtuelle Kraftwerk auch oft genug angefragt wird, damit es Geld verdienen kann.

Um die technischen Probleme zu lösen, gibt es bereits mehrere ähnliche Projekte in der Bundesrepublik. Doch die Mainova Energiedienste wollen später noch einen Schritt weiter gehen, der bisher nur theoretisch als Möglichkeit diskutiert wird: «Wir denken daran, dass nach den großen Notstromaggregaten auch die etwa 50 kleinen Blockheizkraftwerke, die es im Stadtgebiet gibt, ebenfalls angeschlossen werden könnten», sagt Nauertz.

Erste Kunden hätten bereits angefragt, ob sie mitmachen können. Doch sie werden noch mindestens bis Mitte 2011 warten müssen. Erst Ende dieses Jahres werden bei der Mainova Ergebnisse vorliegen. Die Umrüstungskosten für die Anlagen werden derzeit auf 10 000 bis 50 000 geschätzt. wyg