Frankfurt 12. Juli 2010. Erstmal wurde eine Architekturzeichnung veröffentlicht, die zeigt, wie der Affenstein nach der Fertigstellung des Gebäudes der Geisteswissenschaften im Campus Westend der Frankfurter Universität zu erleben sein wird.

Das Baudenkmal wird, wenn das Haus der Geisteswissenschaften wie geplant zum Sommersemester 2012 eröffnet wird, als «lebender» Hinweis auf die Geschichtsträchtigkeit des Lernortes verweisen. Er wird dann sein «viertes Leben» als Denkmal in der Bibliothek beginnen.

Der Affenstein wie er später in der Bibliothek stehen wird. Animation: Architekten müller-reinamn

Die Leiterin des Frankfurter Denkmalamtes, Andrea Hampel, hatte in ihren Untersuchungen die wechselvolle Geschichte des Bauwerks beschrieben. Zunächst als Wehrturm erbaut, konnte er diese Funktion bis zur Erfindung des Schießpulvers an einer strategisch günstigen Stelle «gegen die Ritter aus dem Taunus» ausfüllen. Doch mit der Erfindung des Schießpulvers hatte er seine Funktion verloren, weil die Wehren weiter draußen vor der Stadt errichtet werden mussten.

Jetzt begann das «zweite Leben» des Turmes, der zur Mühle umgebaut wurde. In einer Quelle aus dem Jahr 1734 wird darüber berichtet, dass im Jahr 1530 diese Mühle auf dem Affenstein in Betrieb war. Allerdings ist unbekannt, wie lange sie betrieben wurde.

1859, «bei dem Beginn der Bauarbeiten für die Anstalt für Irre und Epileptische war der Turm weder als ehemaliger Wachturm noch als Mühle bekannt gewesen», erläuterte Andrea Hampel.

Jetzt begann das «dritte Leben» des Affenstein-Turmes. Eine hölzerne Plattform wurde eingebaut und die Wand mit Hilfe großer Balken mit Brettern verkleidet. Die Hölzer für diesen Einbau waren nach den Untersuchungen zwischen 1859 und 1864, also während der Bauzeit der Anstalt, gefällt worden. Er wurde wohl mit dem Erdreich aus der Baustelle für die «Irrenanstalt» des Heinrich Hoffmann zu dem Hügel aufgeschüttet, in dem man ihn bei Beginn der Bauarbeiten für den Universitätsneubau gefunden hatte. Mit der Erde hatte man zugleich eine noch bessere Dämmung des «Kühlschrankes» erhalten.

Wenn die Studenten auf den vorgesehenen Bänken rund um den Affenstein sitzen und lesen werden, wird er ihnen zeigen, welche Wendungen die Geschichte eines Bauwerkes nehmen kann. Und wie es möglich ist diese Wendungen zu rekonstruieren. Hampel kündigte an, dass die Geschichte auf einer Tafel beschrieben werden soll. Sie soll mit den bei der Ausgrabung gefundenen Porzellanresten der «Irrenanstalt» anschaulich gemacht werden wird. wyg