In das Gebäude der ehemaligen Lencoryt-Spinnerei zieht neues Leben. Ein Berliner Investor will sie für 28 Millionen Euro zum Wohnen umbauen.

Frankfurt 09. Juli 2010. Die Genehmigung ist da, am Osthafenplatz kann jetzt ein lange umstrittenes Bauprojekt gestartet werden. In dieser Woche hat die Bauaufsicht den Umbau des denkmalgeschützten Gebäudes der ehemaligen Lencoryt-Spinnerei samt Erweiterungsbau an der Lindleystraße erlaubt. Lofts zum Wohnen und Arbeiten sollen in dem historischen Gebäude Platz finden.

Das denkmalgeschützte Gebäude der ehemaligen Spinnerei am Osthafenplatz Foto: Wygoda

Das Vorhaben ist umstritten, Kritikern gilt es als eine Art «Einfallstor» für eine Wohnbebauung im Osthafen. Dagegen hatten sich vor allem die Hafenbetriebe heftig gewehrt, weil sie fürchten, dass die neuen Nachbarn sich an Lärm und Verkehr stoßen könnten, die beim Betrieb des Hafens und der dort ansässigen Firmen nun einmal unvermeidlich sind. Juristische Auseinandersetzungen könnten die Folge sein. Selbst Hafendezernent Franz Stein (FDP) war von der Baugenehmigung für den Umbau der Spinnerei nicht begeistert. Ebenso die Firma Wincanton, die auf der Hafenmole das Containerterminal betreibt. Sie hatte wiederholt davor gewarnt, Wohnungen im Osthafen zu genehmigen.

Denn Wincanton will wachsen: Wie Geschäftsführer Wolfgang Höhnemann der FNP erläuterte, will das Unternehmen im Herbst damit beginnen, sein Terminal bis zur Molenspitze an der Schmickbrücke zu erweitern. «Dort werden wir dann auch eine dritte Kranbrücke aufstellen.» Für die derzeit genutzten Areale hat die Firma eine Betriebsgenehmigung. Gern würde sie darüber hinaus gehen. «Aber was wird mit unseren mittelfristig angelegten Ausbauplänen, unser Areal auch auf die andere Seite der Schmickstraße zu erweitern?», fragte der Manager. Damit würde das Containerterminal noch näher an die neuen Wohn-Lofts heranrücken.

Für Wincanton habe das Terminal im Frankfurter Osthafen nach wie vor eine große Bedeutung, um Containerschiffe für den Weitertransport in die Rhein-Main-Region zu ent- und beladen, betont Höhnemann.

Die Berliner Premium Estate Group will trotzdem bauen. Einen positiven Bauvorbescheid hat sie schon länger vorliegen. «Ein Wohnprojekt in dem als Mischgebiet ausgewiesenen Gebiet ist nunmal zulässig», erläutert der stellvertretende Leiter der Frankfurter Bauaufsicht, Rainer Kling, die Rechtslage. Wincanton hatte gegen den Bauvorbescheid Widerspruch eingelegt.

Erfolglos, wie sich nun zeigt. Im Oktober wollen die Berliner Investoren loslegen. Angefangen wird mit dem geplanten Erweiterungsbau an der Ecke zur Lindleystraße. Unter dem Neubau soll eine zweistöckige Tiefgarage mit 83 Abstellplätze entstehen. Darüber und im Altbau insgesamt 13 große Büros und 78 Wohnlofts entstehen. 2012 soll das Gebäude bezugsfertig sein. 28 Millionen Euro, sagte Werner Stapelfeld, Geschäftsführer der Premium Estate Group, werde der Umbau kosten. wyg