Hanau 28.März 2009 Vier Investoren sind im Rahmen des Vergabeverfahrens „Wettbewerblicher Dialog“ von den fünf Teilnehmern, die ihre Planungsunterlagen abgegeben haben, übrig geblieben, die ihre Vorschläge für den größten Umbau in Hanaus Stadtgeschichte realisieren wollen. War zunächst sogar damit gerechnet worden, dass es keine Interessenten an diesem in der Bundesrepublik noch nicht durchgeführten Verfahren geben werde, stellte Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD) befriedigt fest: „Alle Bewerber spielen in der Champions League“, sagte Hanaus Oberbürgermeister Claus Kaminsky (SPD).

Der Schloßplatz aktuell Foto: Wygoda

Es sind die Bietergemeinschaft 3W/ING Real Estate Germany aus Wiesbaden, die ECE Projektmanagement aus Hamburg, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) aus Lübeck und die Frankfurter MAB Development. Zwei der Bewerber um den großen und verantwortungsvollen Auftrag sind bereits in Frankfurt durch besonders große Projekte hervorgetreten. So hat die ECE in Frankfurt das Hessencenter und das Main-Taunus-Center gebaut und wird auch am UEC für den Einzelhandel beteiligt sein. Und MAB hat gerade das neue Einkaufscenter „My Zeil“ auf der Frankfurter Zeil eröffnet.

Der Schloßplatz wie ihn HBB neu gestalten möchte

Es geht in dem Auftrag um nicht weniger als die Umgestaltung der kompletten Innenstadt in der Platzfolge von fünf Plätzen: Der Altstadt mit dem Schlossplatz, der Freiheitsplatz, Neustädter Markt und das Stadtquartier um die Wallonisch- Niederländische Kirche.

Die Investoren haben wie zu hören war in ihren Vorschlägen Neubauten von 50.000 Quadratmeter bis zu 95.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche vorgesehen. Die Investitionen der Investoren reichen von 160 Millionen Euro bis zu 265 Millionen Euro und die Stadt Hanau müsste zwischen fünf Millionen Euro und 25 Millionen Euro selbst investieren.

Der Platz hinter der wallonisch-niederländischen Kirche aktuell.  Foto: Wygoda

Für den Oberbürgermeister ist der jetzt eingeschlagene Weg ein „Meilenstein von stadthistorischer Bedeutung“, zumal über eine Neugestaltung einzelnen Plätze der Stadt, wie etwa den Freiheitsplatz, der zur Zeit als Busbahnhof und Parkplatz genutzt wird, schon viele Jahrzehnte lang gestritten wurde.

„Noch nie waren wir in den vergangenen Jahrzehnten so nah dran, so viele Probleme auf einmal zu lösen“, stellte Kaminsky fest. Der OB versicherte zugleich, dass allen Mietern geholfen werde, die aus ihren Wohnungen ausziehen müssen. „Wir werden mit jedem einzelnem sprechen und eine Lösung finden“, versicherte das Stadtoberhaupt, das sich am 17. Mai in einer Direktwahl der Wiederwahl durch die Bürger stellen muss.

Mit dem jetzt in seien zweite Phase eingetretenem Verfahren wird nach jahrzehntelangem Stillstand bei der Innenstadtentwicklung in der Brüder-Grimm-Stadt östlich von Frankfurt am Main ein ganzes Bündel von Baumaßnahmen gleichzeitig umgesetzt werden. Denn es geht um alle Bereiche des städtischen Lebens von Wohnen, Verkehr, Einkaufen, Gastronomie, bis zu Freizeit und Kultur.

Bei den jetzt vorgestellten Entwürfen für alle Plätze geht es um Größe, Standort, Proportionen der Bauten und ihr mögliches Aussehen. „Die genauen Architekturen werden in vielen Fällen erst nach Architektenwettbewerben festgelegt“, unterstrich Martin Bieberle, der Hanauer Stadtentwicklungsreferent.

Perspektive hinter der Wallonisch-Niederländischen Kirche von MAB

Die weitere Chronologie des Wettbewerblichen Dialogs sieht vor, dass nach der jetzt am Wochenende erfolgten Präsentation der Vorschläge bei der die Investoren sich die Meinungen der Hanauer Bürger anhören können, bis zum 8. Juni die Angebote abgegeben werden.

Danach muss das Stadtparlament entscheiden, ob mindestens zwei der Investoren aufgefordert werden, ihre konkreten Angebote vorzulegen. Nach diesem Beschluss muss nach der Verfahrensvorgabe am Ende ein Vertrag zwischen der Stadt und einem Investor abgeschlossen werden. Das ist für das Ende dieses Jahres vorgesehen.

Damit könnte Ende 2010 oder Anfang 2011 der erste Spatenstich für die komplette Neugestaltung der Hanauer Innenstadt erfolgen.

Hermann Wygoda