DEMO 5-2009 In dem Projekt. einer Stadt ein komplett neues Gesicht zu geben, hat Hanau einen weiteren wichtigen Schritt getan:  Vier der ursprünglich fünf Investoren haben Im Rahmen des in der Bundesrepublik erstmals angewandten Vergabeverfahren „Wettbewerblicher Dialog“ in der sogenannten „Dialogphase“ der Bevölkerung ihre Vorstellungen und Ideen für eine neue Innenstadt öffentlich vorstellen und erläutern können. Die „Dialogphase“ ist in dem Vergabeverfahren (siehe auch DEMO 9-2008) vorgesehen, um die Öffentlichkeit trotz der sonst vorhandenen Schweigepflichten während der Vergabe beteiligen zu können.

„Wir waren uns trotz vieler gegenteiliger Aussagen sicher, genügend Investoren zu finden, die sich bei dieser für Hanau so wichtigen Entscheidung beteiligen werden“, sagte der Oberbürgermeister der Heimatstadt der Brüder Grimm,  Claus Kaminsky (SPD). Zufrieden fügte er hinzu, dass „alle Bewerber in der Champions League spielen“.

in der Tat betreiben alle Bietergemeinschaften im Rhein-Main-Gebiet und in ganz Europa Stadtentwicklungen. Die  Bietergemeinschaft 3W/ING Real Estate Germany aus Wiesbaden, die ECE Projektmanagement aus Hamburg, die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) aus Lübeck und die Frankfurter MAB Development. Drei der Bewerber um diesen großen und verantwortungsvollen Auftrag haben bereits in Hanaus Nachbarschaft, in der Mainmetropole Frankfurt am Main,  große Projekte entwickelt oder sind gerade dabei. Die ECE hat in Frankfurt bereits zwei große Einkaufscenter gebaut und wird auch am früheren UEC, dem jetzt SkylinePlaza  genannten Einkaufs- und Bürocenter am Rande der Messe für den Einzelhandel beteiligt sein. MAB hat gerade das neue Einkaufscenter „My Zeil“ auf der Frankfurter Zeil eröffnet.

Der in Hanau zu erfüllende Auftrag bedeutet für alle Investoren nicht weniger als die Umgestaltung der kompletten Innenstadt in einer Platzfolge von fünf Plätzen. Mit dem laufenden Verfahren wollen die Stadtväter endlich die Nachkriegsgeschichte ihrer Stadt vergessen machen. Nachdem im März 1945 die Kleinstadt im Osten Frankfurts zu 90 Prozent durch Bomber dem Erdboden gleichgemacht wurde, wurde sie in der Nachkriegszeit ohne Gesicht und Charme wieder aufgebaut, ein Schicksal, dass sie mit manch’ vergleichbarerer Kommune bis heute teilt.

Die Investoren haben, wie zu hören war, in ihren Vorschlägen Neubauten von 50.000 Quadratmeter bis zu 95.000 Quadratmetern Bruttogeschossfläche vorgesehen. Die Investitionen der Investoren sollen zwischen 160 Millionen Euro bis zu 265 Millionen Euro betragen und die Stadt Hanau müsste zwischen fünf Millionen Euro und 25 Millionen Euro selbst in die Hand nehmen. Das Besondere an dem Verfahren ist nämlich, dass hier Projekte mit wirtschaftlicher Bedeutung, wie der Einzelhandel oder die Büroflächen, mit solchen für die Stadt notwendigen Vorhaben gekoppelt werden, die weniger lukrativ sind.

Für den Oberbürgermeister ist der eingeschlagene Weg ein „Meilenstein von stadthistorischer Bedeutung“, zumal über eine Neugestaltung einzelnen Plätze der Stadt schon viele Jahrzehnte gestritten wurde. Bei der überragenden Bedeutung des Projekts für die Stadt Hanau ist es auch kein Wunder, dass das Diskussionsforum und nicht zuletzt auch die dreitägige Ausstellung der Investorenideen von den Bürgen förmlich überrannt wurden: 3.500 Menschen haben sich für die städtebauliche Zukunft ihrer Stadt interessiert.

Zeitpunkt, öffentliche Präsentation und Diskussion der Überlegungen kommen für den OB genau richtig, will er sich doch am 17. Mai wiederwählen lassen und kann sich mit diesem Projekt als kompetenter Macher präsentieren, zumal sich kein Oberbürgermeister vor ihm an diese Herkulesaufgabe gewagt hatte.

Im Herbst sollen die Ideen des Siegerentwurfs öffentlich vorgestellt werden, bevor die Entwurfsplanung beginnt. Ende 2010 oder Anfang 2011 könnte der erste Spatenstich für die komplette Neugestaltung der Hanauer Innenstadt erfolgen. Für den „Macher“ Kaminsky  ist der Stadtumbau nicht die einzige große Aufgabe, die er für Hanau auf den Weg bringt. Erst kürzlich konnten 800 Bürgerinnen und Bürger auf einer Rundfahrt mit dem OB die 430 Hektar großen ehemaligen US-Kasernen besichtigen, für die man jetzt ebenfalls neue Verwendungen finden muss. Auch das wird für Hanau einen weiteren großen Sprung in seiner Entwicklung bedeuten, für den Kaminsky weiter regieren will.

Hermann Wygoda