Nach zwei Jahren konnte in Hanau das PPP- Bieterverfahren im Rahmen des wettbewerb­lichen Dialogs abgeschlossen werden. Magistrat und Stadtver­ordnetenversammlung beschlos­sen mit großer Mehrheit, dass die Hanseatische Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft mbH /HBB) aus Lübeck den Zuschlag erhalten sollte. Damit hat Hanau nach mehr als 50 Jahren die Chance erhalten, seine Innen­stadt grundlegend zu moderni­sieren. „In den vergangenen Jah­ren wurde doch immer wieder aufs neue diskutiert, was wo wie verändert werden könnte. Weil die Stadt aber in diesen Diskus­sionen nie als Ganzes gesehen wurde, konnte man sich an kei­ner Stelle darauf einigen, welche Veränderungen notwendig sind“, erläuterte Hanaus Oberbürger­meister Claus Kaminsky (SPD) die Bedeutung der jetzt getroffe­nen Entscheidung gegenüber der DEMO.

Der Freiheitsplatz heute von oben Foto: Wygoda

Diesmal ging es ohne große Geheimhaltung

Zur Überraschung aller waren sich selbst die Fraktionen im Stadtparlament selten einig. Die­se gemeinsame Entscheidung wird im hohen Maße auch dem Verfahren zugesprochen, das ge­wählt wurde, um den privaten Partner für das Projekt zu finden. Denn in den bisher üblichen PPP-Verfahren musste immer un­ter strengster Geheimhaltung über die eingereichten Angebote verhandelt werden. Selbst die Vertreter der Stadtparlamente waren dieser Geheimhaltung un­terworfen.

Im Dialog-Verfahren dagegen sind immer wieder Verfahrens­schritte vorgesehen, in denen die Öffentlichkeit durch die Investo­ren und den Magistrat informiert werden kann. Davon haben Han­aus Bürger in überraschend gro­ßem  Umfang  Gebrauch  gemacht. Die Bürgerversammlun­gen mit den Ausstellungen der bis dahin erreichten Ergebnisse wurden sehr gut besucht. Zum Teil wurden sie in manchen Ein­zelheiten heftig diskutiert. Im­mer wieder wurde etwa die Frage aufgeworfen, ob man den Frei­heitsplatz wirklich an die Inves­toren verkaufen müsse.

Nachdem auch der Regierungs­präsident der permanent finan­ziell klammen Stadt Hanau grü­nes Licht – wenn auch mit Auf­lagen versehen – gegeben hat, be­ginnen die Arbeiten an den Planungsunterlagen, um mit dem zwischen 200 Millionen und 300 Millionen teuren Um­bau der Innenstadt zu starten.

Dabei werden die drei wichtigs­ten Plätze Hanaus des als „Neu­stadt“ bezeichneten Stadtkerns erneuert: Der Freiheitsplatz, der „Neustädter“ Marktplatz und der Kirchplatz mit der Wallonisch-Niederländischen Kirche.

Hanaus OB Claus Kaminsky (SPD) erläutert die geplanten Veränderungen für den Freiheitsplatz Foto: Wygoda

Die Stadt hat sich die Neugestal­tung des Marktplatzes selbst vor­behalten. Sie soll jedoch in enger Abstimmung mit HBB erfolgen. Am Freiheitsplatz, der zur Zeit noch ein eher unwirtlicher Platz mit Busbahnhof, Taxihaltestel­len und einem großen Parkplatz ist, sollen ein Einkaufszentrum mit der Stadtbibliothek, ein mo­derner, verkleinerter, Busbahn­hof und eine Tiefgarage gebaut werden. Da die Genehmigungs­verfahren hier besonders lange dauern werden, wird mit einem Baubeginn nicht vor dem Jahr 2012 gerechnet.

Eher mit Zurückhaltung wird der Bereich um die Wallonisch-Niederländische Kirche ange­gangen, da hier mit heftigen Pro­testen der Bewohner der kaum noch zu sanierenden alten Wohnungsbauten gerechnet wird. In einer gemeinsamen Projektge­sellschaft wollen die Stadt und HBB diesen Teil der Stadt teilwei­se abreißen und zum Teil auch sanieren. Für Hanau, das steht außer Frage, hat mit dem Ergeb­nis des wettbewerblichen Dia­logs eine modernere Zeitrech­nung begonnen. Von der erneu­erten „Neustadt“ erwartet auch der Einzelhandel für Hanau ei­nen neuen Anfang, der auch zu­sätzliche Kunden in die Stadt bringen soll.         Hermann Wygoda