FRANKFURT-LIVE-COM

(11.12.10) Mit rund 30 Fotografien zeigt der Frankfurter Reporter und Fotograf Hermann Wygoda das alte und neue Bild des Frankfurter Ostends. Von der Großmarkthalle und ihrem Umbau in die Zentrale der Europäischen Zentralbank, eine der wichtigsten und mächtigsten der Welt, bis zur Lahmeyerbrücke wurden die markantesten und interessantesten Motive aus dem Frankfurter Stadtteil ausgewählt, der noch vor wenigen Jahren als „Schmuddel-Stadtteil“ angesehen wurde.

Zu dem Bild des Ostends gehören ebenso die Künstlerateliers, Gref Völsings Rindswürste, die Server im DE-CIX, das Institut für Neue Medien, der Ostpark und der Zoo oder die Automeile auf der Hanauer Landstraße und das Containerterminal im Hafen. Auch an das ehemals jüdische Viertel Frankfurts, das in der vernichteten Synagoge an der Friedberger Anlage sein sichtbares Symbol verloren hat, wird in der Ausstellung mit historischen und aktuellen Aufnahmen gedacht. Mit seinen vor zehn Jahren fertig gestellten Bürogebäuden in der Hanauer Landstraße, hatte der Immobilienentwickler Ardi Goldmann die Initialzündung für die Neuentwicklung der Hanauer Landstraße nach dem Verlust ihrer Aufgabe als Industriestandort gegeben.

Die Ausstellung im Haus der AWO Frankfurt zeigt bis um 30 April 2011 die ganze Bandbreite des Stadtteils mit historischen Fotos, die die Entwicklung des Stadtteils verdeutlichen. Was im 19. und dem beginnenden 20. Jahrhundert der Hafen war, sind heute im Ostend die IT-Infrastruktur und die Europäische Zentralbank, die der Stadt weltweites Renommee verschaffen.

„Frankfurts Ostend ist, auch wenn viele das nicht wahrnehmen, einer der vielfältigsten und spannendsten Stadtteile Frankfurts“, sagte die Vorsitzende der AWO Ostend und des Frankfurter Bundes für Volksbildung, Dr. Renate Wolter-Brandecker, in ihrer Einführung zu der Ausstellung. Die Arbeiterwohlfahrt wolle, dass den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die in dem Gebäude arbeiten, ein Gefühl für den Stadtteil vermittelt wird.

Die AWO Kreisverband Frankfurt am Main e. V. ist sowohl mit ihrer Geschäftsstelle als auch mit einer ihrer größten Pflegeeinrichtungen, dem August-Stunz-Zentrum, im Ostend verankert. „Als Wohlfahrtsverband wollen wir im Rahmen unserer Kampagne „Solidarische Stadtgesellschaft“ dafür Sorge tragen, dass der Wandel des Ostends ein sozial verträglicher wird“, erklärt Dr. Jürgen Richter, Geschäftsführer der AWO Frankfurt. „Aber natürlich zählt zur Lebensqualität eines Stadtteils noch vieles mehr, insbesondere das kulturelle Angebot. Darum haben wir die Fotoausstellung von Hermann Wygoda hier zu uns ins Haus geholt und laden alle Ostend-Fans und Interessierte sehr herzlich dazu ein.“

Das Ostend – Frankfurts Zukunftswerkstadt
Das Ostend ist 6,43 Quadratkilometer groß, hier leben rund 27.000 Menschen und es ist der Stadtteil, in dem ein wichtiger Teil von Frankfurts Zukunft in den vergangenen zehn bis 15 Jahren gemacht wurde und noch immer gemacht wird. Der Stadtteil beginnt am Main auf der östlichen Seite der Obermainanlage. Die Grenze verläuft auf der Flussmitte bis zum Hafenbecken II des Oberhafens und dann entlang der Carl-Benz- und der Dieselstraße. Hinter der Lahmeyerbrücke überschreitet sie die Bahngleise und verläuft parallel bis zur Ratswegbrücke nach Westen. Bis zur Eissporthalle begleitet sie auf der südlichen Seite den Ratsweg, knickt an der Ostparkstraße nach Süden und folgt der Bornheimer Landwehr bis zur Arnsburgerstraße und dem Sandweg. Der Sandweg ist die westliche Begrenzung bis zur Obermainanlage.

Die Geschichte des Stadtteils begann im 19. Jahrhundert, davor erstreckte sich Acker-, Wiesen- und Gartenland entlang der Hanauer Landstraße. Als Oberbürgermeister Adickes sich 1890 entschloss, den neuen Osthafen zu bauen, begann der Aufschwung des Ostends als wichtigstes Industriegebiet Frankfurts. Und das ist es, mit Unterbrechungen, bis heute geblieben – nur, dass sich die ansässige Industrie verändert hat. Am besten ist das an einem großen Grundstück hinter der Ratswegbrücke zu erkennen. Bis zum Jahr 1993 wurde hier bis zur Daimlerstraße bei Messer-Griesheim Gas für die Schwerindustrie produziert. Heute wird auf dem gleichen Grundstück die wohl wichtigste Ressource des 21. Jahrhunderts verwaltet: das Internet. Hier steht der inzwischen weltweit wichtigste Internet-Austauschknoten, der DeCix.

Auch der weltberühmte Frankfurter Zoo hat im Ostend seinen Platz, ebenso wie das Frankfurter Filmhaus und das Medienzentrum. Zu dem besonderen Flair dieses Stadtteils tragen neben vielen Künsterateliers auch Werbeagenturen, Filmmacher, und nicht zuletzt die angesagtesten Nachtclubs der Stadt bei. Aber es gibt im Ostend auch den zusammen mit dem neuen Osthafen angelegten Ostpark als eines der großen innerstädtischen Erholungsgebiete. Seit die Kohle vom Erdgas abgelöst wurde, finden sich heute Wohn- und Freizeitflächen auf dem früheren Industriegelände der Weseler- und Ruhrorter Werft.

Die Ausstellung „Das Ostend – Fotografien von Hermann Wygoda“ ist vom 7. Dezember 2010 bis zum 30. April 2011 im Haus der AWO Frankfurt (Henschelstraße 11, 60314 Frankfurt am Main / Ostend) zu sehen.
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag von 9 bis 17 Uhr, Freitag von 9 bis 12Uhr.
Öffentliche Verkehrsmittel: U 6 bis Ostbahnhof, Ausgang Danziger Platz. (hbh)

Hermann Wygoda, Jahrgang 1948, arbeitet seit 1977 in Frankfurt am Main als Reporter und Fotograf für mehrere Zeitungen, Zeitschriften, den Hessischen Rund-funk und das Internet. Daneben hat er bereits eine Vielzahl von Ausstellungen als Kurator organisiert.

1999 war er im Historischen Museum Frankfurt an der „Geburtstagsausstellung“ zum 250. Geburtstag von Johann Wolfgang Goethe beteiligt. Er betreute die Abteilung „Goethe in Frankfurt am Main heute“ und nutzte zum ersten Mal in einem Frankfurter Museum das Internet als Ausstellungsgegenstand, um dem Publikum „Goethes Adressen im Internet“ zu zeigen.

2001 erarbeitete er im Haus am Dom des Museums für Moderne Kunst die Ausstellung über den früheren Frankfurter Fotografen Paul Wolff.

2004 kuratierte er im Karmeliterkloster die Ausstellung über die Geschichte des Jazz in Frankfurt am Main „Der Frankfurt Sound – Eine Zeitreise in Jazz“.

2007 war er Kurator für die Ausstellung „Hafenstadt Frankfurt am Main“ für die Frankfurter Hafenmanagementgesellschaft. Nach dieser Ausstellung veröffentlichte Hermann Wygoda das Buch „Hafenstadt Frankfurt am Main“, das im Verlag B3 erschienen ist (s. Besprechung in Frankfurt-Live.com).

2009 präsentierte der Frankfurter Reporter und Fotograf eine Ausstellung zum 150. Jubiläum der Frankfurter Hafenbahn.