Als noch niemand an Hochhäuser dachte: Eine Ausstellung zur Geschichte der Frankfurter Häfen

FAZ 18-8-2006

Normalerweise steht das Modell im Ma¬≠gistratssitzungssaal von W√∂rth am Main, einer Stadt s√ľdlich von Aschaffenburg. Seit gestern aber kann man die ‚ÄěMaakuh“ im Kontorhaus am Frankfurter Osthafen sehen. Seinen Namen bekam dieses unge¬≠w√∂hnliche Schiff, weil sein Signalton an das Muhen einer Kuh erinnerte, au√üer¬≠dem h√∂rte man immer Ketten rasseln wie in einem Stall, wenn es irgendwo auftauch¬≠te. Solche Kettenschleppdampfer waren fr√ľher regelm√§√üig auf dem Main unter¬≠wegs. Das Prinzip funktionierte so: Auf dem Flu√üboden zwischen Mainz und Bam¬≠berg lag eine schwere Metallkette. Sie guckte jeweils nur an der Stelle aus dem Wasser, an der das Schiff gerade war, und wurde vom Bug √ľber eine Dampfmaschi¬≠ne zum Heck gef√ľhrt. Die Dampfmaschi¬≠ne bewegte das Schiff mit Kraft an der Ket¬≠te entlang – es konnte so vier bis f√ľnf wei¬≠tere K√§hne ziehen.

‚Äě Maakuh “ nannten die Frankfurter die Kettenschlepp¬≠dampfer, die Ende des 19. Jahrhun¬≠derts aufkamen. Wo sie auftauchten, h√∂rte man ihre Si¬≠gnalt√∂ne, die an ein Muhen erinnert ha¬≠ben sollen. Au√üer¬≠dem rasselten die Ketten wie im Stall Auf dem Grund des Flusses lag eine schwere Eisenkette. An ihr zog eine Dampfmaschine den Schlepper und vier bis f√ľnf K√§hne vorw√§rts. 1936 war die Zeit der ‚Äě Maa¬≠kuh“ vor√ľber: Der Dieselmotor mach¬≠te ihr den Garaus.

‚ÄěHafenstadt Frankfurt am Main“ ist der Titel einer Ausstellung, die im Kon¬≠torhaus an der Lindleystra√üe seit ge¬≠stern gezeigt wird. Von der ‚ÄěMaakuh“ gibt es dort nicht nur das Modell zu se¬≠hen – auch ein St√ľck der alten Kette, die in den drei√üiger Jahren nach England an einen Schrotth√§ndler verkauft wurde, hat man aufgetrieben, au√üerdem die Ori¬≠ginal-Schiffsglocke. Ann√§hernd 100 Fo¬≠tos zur Hafengeschichte hat Hermann Wygoda gesammelt, der die Ausstellung f√ľr die Hafen Frankfurt Managementge¬≠sellschaft gestaltet hat.

Gezeigt wird die Geschichte der H√§fen gleichsam als Voraussetzung f√ľr die Ent¬≠wicklung Frankfurts. Als noch niemand an Hochh√§user dachte, verschickte man Postkarten von der Stadt oft mit Hafenan¬≠sichten. Auf mittelalterlichen Bildern si¬≠gnalisierten viele Schiffe vor Frankfurt Reichtum. Auch die Kurf√ľrsten sollen zur Kaiserwahl nicht nur auf dem Landweg angereist sein, sondern bisweilen auch per Schiff, wie ein Holzschnitt der ‚ÄěGoldenen Bulle“ zeigt, mit der 1356 Frankfurt als Wahlort festgelegt wurde. Damals legten die Schiffe noch dicht am R√∂merberg an.

Mit der sogenannten Mainkanalisierung (1883 bis 1886), bei der Staustufen zwischen Frankfurt und der M√ľndung in den Rhein gebaut wurden, nahm der Schiffsverkehr einen starken Auf¬≠schwung. 1886 wurde der Westhafen er¬≠√∂ffnet, 1913 der Osthafen. Frankfurt be¬≠kam eine Speicherstadt, allerdings klei¬≠ner als jene in Hamburg, und sogar Hafenkneipen entstanden.

Heute haben die H√§fen einen gewalti¬≠gen Strukturwandel hinter sich. Der Transport von Masseng√ľtern verlor an Bedeu¬≠tung. Aus dem Westhafen wurde 1997 ein Wohngebiet. Im Osthafen werden noch drei Millionen Tonnen Fracht im Jahr um¬≠geschlagen: Sand und Kies f√ľr die Beton¬≠herstellung etwa, aber auch Kohle, √Ėl und Container.

CHRISTIAN SIEDENBIEDEL

‚Ė† Die Ausstellung ‚ÄěHafenstadt Frankfurt“ ist noch bis zum 16. September im Kontorhaus, Lindleystra¬≠√üe 12, zu sehen. Ge√∂ffnet ist sie dienstags bis samstags von 15 bis 19 Uhr und sonntags von 12 bis 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.

‚Äě Maakuh “ nannten die Frankfurter die Kettenschlepp¬≠dampfer, die Ende des 19. Jahrhun¬≠derts aufkamen. Wo sie auftauchten, h√∂rte man ihre Si¬≠gnalt√∂ne, die an ein Muhen erinnert ha¬≠ben sollen. Au√üer¬≠dem rasselten die Ketten wie im Stall Auf dem Grund des Flusses lag eine schwere Eisenkette. An ihr zog eine Dampfmaschine den Schlepper und vier bis f√ľnf K√§hne vorw√§rts. 1936 war die Zeit der ‚Äě Maa¬≠kuh“ vor√ľber: Der Dieselmotor mach¬≠te ihr den Garaus.

Besucher in der Ausstellung Hafenstadt Frankfurt am Main