DEMO ¬Ĺ-2011 Ein virtuelles Kraftwerk, das aus m√∂glichst vielen kleinen, zusammengeschalteten Strom¬≠erzeugern besteht, will man in Frankfurt bauen, um Schwan¬≠kungen aus der Produktion der Windkraft- oder Sonnenanlagen auszugleichen und sich zugleich auch von den gro√üen Stromer¬≠zeugern frei zu machen.

Schon l√§nger wird bei dem st√§d¬≠tischen Energieversorger mainova AG an dem Projekt ‚Äěvirtuelles Kraftwerk“ gearbeitet, das jetzt in eine erste Testphase gehen wird.

Hatte man zun√§chst die relativ gro√üen¬† Notstromanlagen¬† im Stadtgebiet in den Hochh√§usern der Banken und B√ľros und nicht zuletzt bei den vielen Betreibern von Rechenzentren ins Auge ge-fasst, wird jetzt in dem ersten Test ein Verbund von zwei klei¬≠neren Blockheizkraftwerken an¬≠gestrebt. In den ersten Gespr√§¬≠chen f√ľr einen Versuch mit den mainova-eigenen Notstrom-Ag¬≠gregaten habe sich herausge¬≠stellt, dass die Genehmigungs¬≠verfahren f√ľr die kleineren Blockheizkraftwerke leichter zu handeln seien als f√ľr die gro√üen Anlagen, ‚Äěf√ľr die es bisher keine Vorschriften gibt, unter welchen technischen Bedingungen sie Strom f√ľr das √∂ffentliche Strom¬≠netz produzieren und gleichzeitig auch ihre Aufgabe als Not¬≠stromlieferant erf√ľllen k√∂nnen“, erl√§uterte der Gesch√§ftsf√ľhrer der ABG Nova, einer Tochter der mainova AG und des st√§dtischen Wohnungsunternehmens ABG Holding, Bernd Utesch.

Deshalb wurde die zunächst als zweiter Schritt geplante Einbe­ziehung der Blockheizkraftwer­ke vorgezogen. Die Tests sollen mit zwei kleineren Blockheiz­kraftwerken beginnen.

Voller Energie: Blockheizkraftwerk in Frankfurt. Foto: Hermann Wygoda

In diesem Feldtest muss sich he¬≠rausstellen, mit welcher Strate¬≠gie die dann produzierte Strom¬≠menge mit dem h√∂chsten Ge¬≠winn vermarktet werden kann, da sich nur dann die Kosten f√ľr den Anschluss eines Blockheiz¬≠kraftwerks an das virtuelle Kraft¬≠werk rechnen.

Dabei hat man auch im Blick, dass dieses virtuelle Kraftwerk zum Beispiel dann eingesetzt werden kann, wenn die sonst teuer eingekauften Stromspitzen aus der ‚Äěheimischen Versor¬≠gung“ gedeckt werden k√∂nnen, statt sie bei den gro√üen Erzeu¬≠gern einzukaufen.

Dass die Steuerung beider Aufga¬≠ben – n√§mlich sowohl des Ein¬≠satzes als Stromerzeuger in das √∂ffentliche Netz als auch weiter¬≠hin f√ľr die Sicherstellung der W√§rme- und Hei√üwasserversor¬≠gung f√ľr die Mieter, nicht ganz trivial ist und einiger Erfahrung bedarf, liegt auf der Hand. So m√ľssen durch gen√ľgend gro√üe Speicher die Warmwasservorr√§¬≠te immer dann einspringen, wenn das Kraftwerk Strom f√ľr das Netz produziert.

Im Frankfurter Stadtgebiet arbei¬≠ten inzwischen mehr als 170 de¬≠zentrale Blockheizkraftwerke, die zusammen eine Leistung von mehr als 20 000 Kilowattstun¬≠den oder 20 Megawatt haben. Ihre elektrische Leistung reicht von f√ľnf Kilowattstunden, etwa im Keller eines Mehrfamilien¬≠hauses, bis zu Gro√üanlagen mit bis zu 100 000 Kilowattstunden. Allerdings erwarten die Fachleu¬≠te, dass erst Anlagen ab etwa 50 Kilowattstunden f√ľr einen An¬≠schluss an das virtuelle Kraft¬≠werk infrage kommen. Doch k√∂nnen auch die kleineren Anlagen bei der Versorgung etwa eines Einfamilienhauses mit Strom einen Beitrag leisten, um die Energieversorgung √∂kologi¬≠scher zu gestalten.

Hermann Wygoda