Frankfurt am Main 20.06.11 So etwas hat es in den vergangenen 20 Jahren noch nicht gegeben: Auf einen Schlag kann man mit einer Eintrittskarte tausend Kunstwerke von mehr als 150 Künstlern aus der Sammlung des Frankfurter Museums für Moderne Kunst (MMK) sehen. Da bekanntlich das Museum in der Braubachstraße nicht so groß ist, wurde von dem Investor, DIC, des Maintor genannten Objektes, wo früher einmal die Degussa Hauptverwaltung ihren Sitz hatte, ein Gebäude mit rund 4.000 Quadratmetern Fläche zur Verfügung gestellt. Das Gebäude in dem bis zum Oktober die Kunst residiert, wird nach der Show abgerissen.

57 Pinguine von Stephan Balkenhohl mit Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth und MMK-Direktorin Susanne Gaensheimer. Foto: Wygoda

Trotz aller Größe des Museums selbst, des gegenüberliegenden ehemaligen Hauptzollamtes und des Gebäudes auf dem ehemaligen Degussa-Areal könnten dennoch „nur“ 40 Prozent der kompletten Sammlung gezeigt werden, erläuterte die  Direktorin des MMKs, Susanne Gaensheimer.

Wer in das ehemalige Degussa-Gebäude am Main kommt, wird von einem Café mit Sonnenterrasse empfangen, das der Künstler Tobias Rehberger eingerichtet hat. Es ist eine Rauminstallation, die aus der Sammlung der ehemaligen Dresdner Bank kommt, wo sie den einstigen Mitarbeitern als Kantine diente. Rehberger hatte sie in mehrere Sitzgruppen geordnet, die nach Städten benannt waren, in denen das Bankhaus Filialen unterhielt. Fünf sind in der Ausstellung installiert, darunter Moskau, Dubai oder Mailand.

Wer durch die fünf Stockwerke des Gebäudes schlendert, in dem die ehemaligen Büros zu Kunstateliers umgebaut wurden, kann sich auf einer Expedition durch die Gegenwartskunst seit den 60er Jahren wähnen. So sind hier die von den Besuchern des MMK am meisten vermissten 57 Pinguine von Stephan Balkenhol (endlich?) wieder zu sehen.

Bereits im Erdgeschoss ist die 1985 verstorbenen Künstlerin Charlotte Posenenske, zu erleben, die mit Bau- und Verpackungsmaterialien minimalistische Skulpturen gebaut hat, die oftmals als zur Einrichtung gehörig gesehen werden können, weil sie auch „echte“ Abluftkanäle sein könnten. Hier ist auch der chinesische Künstler Ei WeiWei zu sehen, dessen 96 Blumenvasen gegen den Verkauf der traditionellen chinesischen Kunst in das westliche Ausland protestieren. Da Ei WeiWei noch immer von der chinesischen Regierung an einem geheimen Ort gefangen gehalten wird,

96 Porzellanvasen von Ei WeiWei Foto: Wygoda

ist seine Beteiligung sicher auch als ein politisches Signal zu verstehen. Die großen und besonders teuren Werke des Museums, wie Roy Lichtensteins „yellow and green brush“ ist zusammen mit der gesamten Pop Art im Haupthaus geblieben.

Tischgesellschaft von Katharina Fritsch Foto: Wygoda

Hier ist auch die bekannte „Tischgesellschaft“ vom Katharina Fritsch wieder an ihrem angestammten Platz zu erleben. Ebenso das aus Stein und Glas gebaute Iglu von Mario Merz.

Kultusstaatsminister Bernd Neumann lobte das MMK in seiner Rede zur Eröffnung im Kaisersaal: „Das MMK und seine ambitionierte Jubiläumsausstellung sind wichtige Bausteine für den exzellenten Ruf der Kulturstadt Frankfurt“, sagte er. Was hier seit den späten 70er Jahren entstanden ist, sei ein eindrucksvolles Erfolgsmodell.

Einen gedruckten Katalog gibt es nicht. Dafür werden auf der Webseite des MMK www.mmk-frankfurt.de/de/sammlung/zur-zeit-ausgestellt die meisten der Werke präsentiert.  Diejenigen Werke, die noch nicht eingestellt wurden, sollen in der nächsten Zeit ergänzt werden.

Bis zum 9. Oktober ist die Ausstellung „MMK 1991-2011. 20 Jahre Gegenwart“ noch zu sehen. Für alle drei Ausstellungsorte kostet der Eintritt 12 Euro.

Hermann Wygoda