FRANKFURT AM MAIN 13.9.2011  Verkehrsdezernent Stefan Mejer (Grüne) sieht in der Entwicklung des Ostends „einen großen Fortschritt für die Stadt Frankfurt“. Und dazu zählte er nicht allein den Neubau der Europäischen Zentralbank (EZB), sondern auch die künftige größere Attraktivität der beiden Mainufer.  Immerhin hat sein Dezernat einen Etat in Höhe von 106 Millionen Euro in die neuen Straßen, die Neugestaltung des Osthafenplatzes, die Sanierung der Honsellbrücke und den Bau der neuen Brücke Ost zur Verfügung, der bis zum Juni 2013 investiert sein wird, wenn auch die neue Brücke fertiggestellt ist.

Bisher wurden der Knotenpunkt vor dem Portikus und die Sonnemannstraße  erneuert. Zum ersten Mal war jetzt zu erfahren, dass die Erneuerung der Sonnemannstraße durch zu späte Entscheidungen der EZB und den Neubau für Globetrotter vor der Eisenbahnbrücke verzögert wurden, weil Entscheidungen über die Fernwärmeversorgung zu viel Zeit benötigten.

Aktuell wird an der Eytelweinstraße und an der Eyssenstraße gebaut. Die Eyssenstraße wird die spätere Zufahrt für die Mitarbeiter der EZB in ihre Tiefgarage sein. Mit den Vorbereitungen für den Abriss der langgezogenen Rampe zur Honsellbrücke wurde bereits begonnen. Diese sogenannte Vorlandbrücke wird bis auf zwei der Rundbögen abgebrochen. Das ist notwendig, damit eine ebenerdige Kreuzung der Eyssenstraße mit der die Eytelweinstraße gebaut werden kann.

Die Honsellbrücke Foto: Hermann Wygoda

Die Honsellbrücke selbst muss saniert werden, da der Stahl nach 100 Jahren nicht mehr tragfähig genug ist. Um die historische Gestalt der Honsellbrücke nicht allzu sehr zu verändern, wurde in einem Gutachten ein Vorschlag erarbeitet, der über den beiden Rundbögen gleichsam eine zweite Haube vorsieht, an die die erneuerte Fahrbahn angehängt wird. „Wir erreichen damit, dass die Fahrbahn praktisch an einer eigenen Brückenkonstruktion hängt, die dann nicht mehr von den historischen Brückenbögen getragen werden muss“, erläuterte der Architekt Ferdinand Heide, der nicht nur die Sanierung der Honsellbrücke, sondern auch die neue Brücke Ost, die sich an die Honsellbrücke in Richtung  Oberrad anschließen wird, baut. Für ihn ist die gefunden Lösung „die Chance, dass das Ensemble aus der Vorlandbrücke und der Honsellbrücke als städtebauliches Ensemble bestehen bleiben kann.“ Wie der Verkehrsdezernent erläuterte, werden die beiden Brückenbögen zunächst nicht ausgebaut, sondern als „Leerraum“ belassen, damit ein späterer Betreiber einer kulturellen Nutzung seine eigenen Vorstellungen verwirklichen kann.

Der Frankfurter Architekt hatte den Wettbewerb für die neue Mainquerung vor fünf Jahren gewonnen. Nach Auskunft der Leiterin des Straßenbauamtes, Gabriele Dehmer, wurden die Aufträge für die neue Brücke bereits vergeben. Voraussichtlich im Frühjahr des nächsten Jahres soll mit dem Bau der Brücke als „Open-Air-Schauspiel“ begonnen werden. Denn die komplette Konstruktion wird auf dem nördlichen Mainufer erfolgen, von wo aus sie nach der Fertigstellung auf Pontons auf ihre Widerlager eingeschwommen wird.

Die künftige Brücke Ost. Animation Ferdinand Heide Architekt

Verkehrsdezernent Mejer sah sich schon neben den rund 17.000 Kraftfahrzeugen am Tag auf dem Fahrradweg über die Brücke nach Oberrad radeln. Um auf der südlichen Seite des Mains die Angst vor zu viel Verkehr zu nehmen, wies er darauf hin, dass am Ende der Brücke eine sogenannte Pförtnerampel dafür sorgen wird, dass der Verkehr, auch nach Offenbach zum Kaiserleikreisel, nur in quasi homöopathischen Dosen fließen kann.

Bei den Kosten für das neue Bauwerk konnte Stefan Mejer noch eine gute Nachricht vermelden: Statt wie zunächst errechnet wird die neue Brücke nicht 41 Millionen Euro kosten, sondern voraussichtlich nur 31 Millionen. Zehn Millionen  Euro konnten Dank der inzwischen gesunkenen Metallpreise eingespart werden. Doch machte Mejer kein Hehl daraus, dass man bei Bauarbeiten „vor Überraschungen nicht sicher“ sein könne, was wohl heißen sollte, dass er nicht ausschließen kann, dass die hier eingesparten zehn Millionen in anderen Projekten vielleicht wieder als Mehrkosten eingesetzt werden müssen.

Hermann Wygoda