12.02.2009 02:50 Uhr Lokales Frankfurt

Von Hermann Wygoda

Frankfurt. Vier Posaunen, darunter seine «King», mit der er meistens spielte, sind die PrachtstĂŒcke im Nachlass von Albert Mangelsdorff, des grĂ¶ĂŸten deutschen Jazz-Posaunisten. Mit im Paket sind viele Auszeichnungen, Plakate, Schallplatten, TonbĂ€nder und CDs, BĂŒcher und persönliche Korrespondenz, sowie ein nicht eingelöster Scheck

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Albert Mangelsdorff auf seinem letzten Konzert im Palmengarten. Foto: Wygoda

Jetzt haben alle diese Dinge ihre Heimat im Archiv des Frankfurter Instituts fĂŒr Stadtgeschichte gefunden. I 40 Regalmeter sind angefĂŒllt mit dem «Albert-Mangelsdorff-Archiv», das Kulturdezernent Felix Semmelroth (CDU) vorstellte. Semmelroth dankte der Witwe des 2005 verstorbenen Jazzmusikers, Ilo Mangelsdorff, und deren Sohn Ralph. Sie ermöglichten es, dass die umfangreiche und vielfĂ€ltige Materialsammlung in Frankfurt der Nachwelt erhalten bleibt.

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Alberts „King“-Posaune. Im Hintergrund Frankfurts Kulturdezernent Professor Felix Semmelroth, die Leiterin des Instituts fĂŒr Stadtgeschichte Evelyn Brockhoff, Ilo Mangelsdorff und Ralph Mangelsdorff Foto: Wygoda

Denn beinahe wĂ€re der Nachlass von Albert Mangelsdorff in eine andere Stadt gegangen. Beinahe in letzter Minute wurde Kulturdezernent Semmelroth eingeschaltet. Zusammen mit der Leiterin des Instituts fĂŒr Stadtgeschichte, Evelyn Brockhoff, arbeitet er beharrlich daran, dass Albert Mangeldorffs Noten, seine Posaunen und die Schallplattensammlung seiner Vaterstadt erhalten blieben. Die Stiftung Polytechnische Gesellschaft engagierte sich finanziell, um das Erbe fĂŒr Frankfurt zu sicher. Semmelroth nannte den Musiker einen Â«ĂŒberzeugten Frankfurter». Selbst in den USA hĂ€tten ihm alle TĂŒren offen gestanden, doch in seinem Buch «Frankfurt am Main. Jazzmusik und grĂŒne SoĂŸÂ» schrieb er: «Mich hat es nie hier weggezogen. Ich fand immer, dass ich in Frankfurt am besten aufgehoben war. Ich glaube auch, dass so, wie ich mich entwickelt habe, als Musiker und als KĂŒnstler, es nirgendwo anders möglich gewesen wĂ€re. Ich wollte nie von Frankfurt weg.»

Der Leiter des DarmstĂ€dter Jazzinstituts, Wolfram Knauer, wies darauf hin, dass es «schon sehr traurig gewesen wĂ€re, wenn dieser Nachlass nicht in der Region Frankfurt Rhein-Main geblieben wĂ€re». Er kĂŒndigte an, dass das Jazzinstitut auf seinem diesjĂ€hrigen Jazzforum dem Einfluss Albert Mangelsdorffs auf den deutschen Jazz nachgehen wird. Dazu soll eine Wanderausstellung entstehen, die vom DarmstĂ€dter Jazzinstitut und vom Frankfurter Institut fĂŒr Stadtgeschichte gemeinsam erarbeitet wird.

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Schallplatten und ein Karton mit Noten von Albert Mangelsdorff Foto: Wygoda

Die Leiterin des Frankfurter Instituts kĂŒndigte an, dass mit dem Nachlass von Albert Mangelsdorff der Grundstock gelegt worden sei, um ein Archiv der Frankfurter Jazzgeschichte aufzubauen. Ein Vorhaben, von dem viele Freunde des Jazz in der Mainmetropole schon seit vielen Jahren getrĂ€umt haben. Denn beispielsweise der Nachlass von Horst Lippmann, dem großen und wichtigen Frankfurter Jazz-Impresario, ist zu großen Teilen bereits in seine Geburtsstadt Erfurt gegangen, weil sich dort einen privater Verein darum bemĂŒht hat.

Zu Mangelsdorffs Nachlass gehören auch auf den ersten Blick kuriose Dinge. Etwa eine Gitarre, denn er begann zunĂ€chst Gitarre und Geige zu spielen, bevor er auf die Posaune umstieg. SpĂ€ter nutzte er die Gitarre zum Komponieren. In den hinterlassenen Dingen findet sich auch ein TĂŒrschild mit dem Namen «Kernbeisser». Damit wollte der berĂŒhmte Musiker sich und seine Frau vor neugierigen GĂ€sten schĂŒtzen.