Frankfurt am Main 05.Januar 2012     Seit Jahresanfang gehört der Botanische Garten zum Palmengarten, er bleibt aber der Wissenschaft erhalten
Um den Vertrag wurde länger gerungen, mit dem 1. Januar ist er gültig: Die Uni gab den Botanischen Garten ab.

Für Eingeweihte, die den Botanischen Garten am Ende der Siesmayerstraße kennen, ist er so etwas wie „ein Frankfurter Paradies“. Abgeschirmt vor allzu vielen neugierigen Spaziergängern wissen nur wenige, dass der Lehrgarten, der zum Jahresbeginn von der Uni an die Stadt Frankfurt und damit den Palmengarten überging, öffentlich zugänglich ist.
Besucher erwartet ein „wissenschaftlicher“ Garten, der zuerst 1766 von der Senckenbergischen Stiftung am Eschenheimer Turm eingerichtet worden war. 1907/ 08, als die Stadt das Gelände dort für ihre Erweiterung benötigte, zog der Botanische Garten an den nordöstlichen Rand des Palmengartens um.

Botanischer Garten Matthias Jenny (links), Manfred Wessel Foto: Wygoda

Für dessen Leiter, Matthias Jenny, gehören die Gärten schon immer zusammen, der Botanische Garten hätte „schon dem Palmengarten zugeordnet werden sollen, als die Universität 1963 an das Land überging“, meint er. Es dauerte weitaus länger. Erst 2012 wurde nun der Vertrag zwischen Land und Stadt wirksam, der den Übergang regelt. Die Universität wird sich auf dem Riedberg, wo die Naturwissenschaften ihren neuen Standort haben, wieder einen eigenen wissenschaftlichen Garten anlegen, doch werden Forschung und Lehre auch am Palmengarten erhalten bleiben.

Erholen und Lernen
„Für den Palmengarten sehe ich in dieser Lösung, die erst nach schwierigen und langwierigen Verhandlungen zu erreichen war, eine ideale Ergänzung. Er hatte immer beide Aufgaben: als Park für die Bevölkerung und zugleich als Lehr- und Lernort.“
Der Botanische Garten soll so erhalten bleiben, wie er angelegt wurde. „Der Vertrag sieht vor, dass die Universität ihre Lehr- und Forschungsarbeiten dort auch weiterhin abhalten wird, weil der neue Garten auf dem Riedberg nicht alles aufnehmen kann, was hier angelegt wurde“, erläutert Jenny. Das Land Hessen gibt für die Arbeit der Botaniker weiterhin 600 000 Euro im Jahr. 5000 Pflanzenarten und ihre Samen sind in dem Lehrgarten versammelt – eine Vielfalt, die ihm Bedeutung weit über Frankfurt hinaus verleiht. Zumal die Frankfurter Biologen als eine der ersten botanischen Sammlungen damit angefangen hatten, Pflanzen in ihren natürlichen Gemeinschaften anzusiedeln.
Das passt zum Palmengarten. In dessen Schauhäusern sind die exotischen Arten ebenfalls nach Pflanzengemeinschaften angeordnet, nun „haben wir jetzt als Ergänzung noch die Vegetation der gemäßigten mitteleuropäischen Vegetationszonen bis hin zu Alpinenzone hinzubekommen“, freut sich Jenny.

Botanischer-Garten_Weiden-am-See-im-Winter Foto: wygoda

Zaun bleibt
Dass beide Gärten nun von einer Stelle aus geführt haben, biete Raum für etliche Synergien. Von der Öffentlichkeitsarbeit des Palmengartens werde auch der Botanische Garten profitieren. Allzu eng sollen beider aber nicht zusammenwachsen. So soll laut Jenny „der Zaun zwischen beiden Gärten unbedingt erhalten bleiben, damit die etwa 30 000 Besucher des Rosen- und Lichterfestes den Botanischen Garten nicht überlaufen“.
Dieser war bis vor etwa 20 Jahren für Laien nur eingeschränkt zugänglich. Damals bot der technische Leiter Manfred Wessel erstmals Führungen durch die Pflanzensammlung an. „Bei uns kann man beispielsweise an der roten Farbe der Schilder jene Pflanzen erkennen, die vom Aussterben bedroht sind.“
Auch Wessel hält die Anbindung an den Palmengarten für „erfreulich, nachdem vorher über Pläne diskutiert wurde, die den Verlust dieses Botanischen Gartens zur Folge gehabt hätten“. Damit meint Wessel Überlegungen des Stadtplanungsamtes, nach denen aus Palmen- und Botanischem Garten sowie der heutigen Jugendverkehrsschule ein sogenanntes „Gartenreich“ entstehen sollte. Der Titel klang gut, aber die beiden Fachleute Manfred Wessel und Matthias Jenny waren sich von Anfang an einig, dass ein solches Reich nicht entstehen sollte.
Gegen eine einheitliche Planung für beide Areale hat der Palmengarten-Chef allerdings nichts einzuwenden, mahnt sie sogar an. So ist zu klären, um nun anstelle der alten Institutsgebäude der Biologen tatsächlich Wohnungen gebaut werden können. Eine erste Idee, dort Studentenwohnungen zu errichten, war bei den Zuständigen in Wiesbaden nicht auf Gegenliebe gestoßen.
Auch weitere Immobilienfragen sind ungeklärt: Dabei sind die alte Kita sowie die Jugendverkehrsschule, die gegenüber dem Palmengarten im Grüneburgpark liegen, dringend sanierungs- oder gar erneuerungsbedürftig. wyg