Jetzt kann man es sehen: Die EZB wächst. Die ersten zehn Stockwerke des Doppelturms sind im Kern fertig, alle sieben Tage entsteht ein weiteres Stockwerk. Die Fassade der ehemaligen Großmarkthalle wurde inzwischen renoviert.
Von Hermann Wygoda
Frankfurt. 16.9.2011 FNP    Die Europäische Zentralbank (EZB) sei mit ihrem 500 Millionen Euro teuren Neubau im Plan, sagte Andrea Jürges von der EZB gestern nach einem Rundgang über die Baustelle. 2014 will die Zentralbank mit ihren rund 1500 Beschäftigten, die derzeit auf mehrere Gebäude in der Innenstadt verteilt sind, in das neue Domizil im Osten Frankfurts ziehen. Die Türme am Main werden rund 2300 Arbeitsplätze bieten. Auf Frankfurts größter Baustelle sind 400 Bauarbeiter beschäftigt.
Alles im Lot
Auch für Thomas Rinderspacher, den Projektbeauftragten der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Neubau im Ostend ist derzeit alles im Lot, zumal es bisher auch keinen ernsthaften Unfall gegeben habe. Auf der Riesenbaustelle wird nicht nur ein Hochhaus hochgezogen. Vielmehr wird gleichzeitig in den Dimensionen eines weiteren, flachgelegten Hochhauses gebaut: Die ehemalige Großmarkthalle ist mit ihren 250 Metern länger als die beiden neuen Hochhäusern hoch werden (185 Meter).

Jede Woche wird ein Stockwerk fertig. Die Baustelle der EZB Foto: Wygoda

In der Großmarkthalle, die in Zukunft neben den Besprechungs- und Konferenzräumen, auch das Rechenzentrum aufnehmen wird, wurde inzwischen eine Bodenplatte eingebaut. Doch das ist keine normale, gerade durchgehende Bodenplatte, sondern hat für die unterschiedlichsten Leitungen, Kabel und Rohre für Wasser, Abwasser, Telefon- und Datenleitungen, Durchlässe und Öffnungen, die alle vorher genau angefordert und festgelegt werden mussten, erläuterte der Projektleiter. 15 000 Kubikmeter Beton wurden für diese Bodenplatte verbaut. Auch das Haus im Haus für die Konferenzräume, das in die Großmarkthalle gebaut wird, ist bereits im Entstehen. So wurden die Treppenhäuser weitgehend gegossen und für die Eisenkonstruktion, die die großen Glasflächen halten werden, stehen die ersten Betonteile. Im östlichen Kopfbau sind alle Betonteile saniert und mit neuem Beton verspritzt worden. 1250 Fenster, davon allein 400 in den Treppenhäusern im Osten und Westen, werden entweder erneuert oder gesäubert. Die neuen, nach den historischen Vorbildern gebauten Fenster, seien inzwischen auf dem Schiff unterwegs von China nach Frankfurt. Damit sich die neue Großmarkthalle auch den Besuchern der EZB möglichst so zeigt wie das Original aus dem Jahr 1929, sind die neuen Fensterrahmen rot angestrichen.
Wärmeschutz
Heute sind sie aus doppeltem Isolierglas, leicht grünlich, gefertigt. Sonst können sie die aktuellen Forderungen nach dem Wärmeschutz gar nicht erfüllen, erläutert Rinderspacher. Auf dem Rundgang kann man immer wieder Bemerkungen hören, die darauf hindeuten, dass allen Beteiligten die Arbeit an der früheren Gemieskerch des Architekten Martin Elsaesser viel Spaß macht.
In der Fassade sind Stein für Stein abgetragene und sorgfältig gesäuberte Klinker der früheren Annex-Bauten wiederverwendet worden. Während der östliche Kopfbau bereits in seiner neuen Gestalt mit den neuen Fensterbändern zu sehen ist, wird im westlichen noch an der Ausbesserung der Fugen gearbeitet. In der Großmarkthalle ist selbstverständlich der größte Anteil Handarbeit notwendig, unterstreicht Dieter Allgöwer, der Projektleiter der Firma Torkret für die Sanierungsarbeiten. Für sein Unternehmen hat der Auftrag an der Großmarkthalle auch so etwas wie einen Dejá-vu-Charakter: Torkret war 1927 bis 1929 am Bau der Großmarkthalle beteiligt.