FNP 22-5-2012 Frankfurt am Main    Er vernetzt Schiffe, Schiene und Straße und verbindet Industriestandorte in ganz Europa: der Osthafen, der am Mittwoch seinen 100. Geburtstag feiert. Im zweiten Teil unserer Serie widmen wir uns seiner Zukunft.

„Ab September in einem der attraktivsten Quartiere der Stadt“ so informiert das Planungsbüro Schüßler-Plan in einer Anzeige seine Kunden über den Umzug in den Osthafen, in das „Dock 2.0″. Für ein Planungsunternehmen ist dies eine überraschende Aussage, da man dort genau weiß, dass dieses „Quartier“ ein Industriegebiet ist. Das Dock 2.0 liegt unmittelbar neben dem Kontorhaus der Hafen Management GmbH und damit auch gegenüber dem Containerterminal. Das Büroprojekt von Groß und Partner war im Hafen mit großer Skepsis beobachtet worden. Denn man hielt es als einen zusätzlichen Mosaikstein für eine weitere Umwandlung des „Industriegebietes Hafen“ in einen Bürostandort. Wenn jetzt von einem „der attraktivsten Quartiere der Stadt“ geschrieben wird, dann wird diese Skepsis sicherlich nicht geringer werden.

In der Vergangenheit, so war zu hören, kamen von den Mietern in dem Kontorhaus etliche Klagen über zu viel Lärm aus dem Containerterminal. Denn das Aufeinandersetzen der großen Container funktioniert nicht ohne erhebliche Geräuschentwicklung.

Dabei ist das Containerterminal wohl derjenige Betrieb, der im Osthafen nicht nur die Globalisierung der sogenannten „Realwirtschaft“ dokumentiert, sondern auch stetig wächst. Gerade wurde die verlängerte Bahn für den Portalkran bis an die Schmickstraße in Betrieb genommen. Und Geschäftsführer Christian Eichmeier erwartet für das kommende Frühjahr nicht nur einen neuen und schnelleren Portalkran, sondern bis dahin auch eine weitere deutliche Steigerung der Umschlagzahlen. Wurden auf dem Gelände im vergangenen Jahr noch 50 000 Container durchschnittlicher Größe (TEU) bewegt, sollen es 2012 zwischen 58 000 und 60 000 TEU werden. „Diese Zahl ist nicht zu hoch gegriffen“, meint Eichmeier angesichts der Fakten seit Anfang des Jahres.

Inzwischen wurde auch die Zahl der sogenannten Ganzzüge aus Hamburg auf drei pro Woche erhöht, ab 1. Juni werden sechs Ganzzüge aus Rotterdam und Antwerpen in Frankfurt eintreffen. Diese Erweiterung des Zugangebotes war möglich geworden, nachdem das Gleis bis an die Schmickbrücke ausgebaut wurde und damit die erforderliche Länge erreicht hat, damit die Züge nicht mehr auseinandergenommen werden müssen.

Im Osthafen zusammenführen

Die Skepsis über die Zukunft im Osthafen, die angesichts des immer weiter voranschreitenden Baus der neuen Loft-Wohnungen am Osthafenplatz bei vielen Anliegern nicht weichen will, ist auch bei Petra Mandausch, der Geschäftsführerin der Mandausch- Gruppe, nicht zu überhören. Sie sieht die Entwicklung im Osthafen nach wie vor mit Sorgenfalten. Ihr Unternehmen, das im Osthafen Altpapierverarbeitung, Bauschutt-Containerdienst und Aktenvernichtung betreibt, möchte sein weiteres Standbein, die Aktenarchivierung, aus einem der nördlichen Vororte Frankfurts in den Osthafen verlegen. „Wir würde gerne hier im Osthafen alle Aktivitäten unserer Gruppe zusammenführen und für die Aktenarchivierung eine eigene, nach allen gesetzlich notwendigen Vorgaben gebaute Halle errichten“, sagte sie.

Allerdings haben ihre derzeitigen Mietverträge bei der Hafen-Frankfurt-Management GmBH (HFM) nur noch eine Laufzeit von 18 Jahren. Das, so unterstreicht sie, sei zu wenig um die Investition in Höhe von drei bis fünf Millionen Euro zu tätigen. Zumal sie für diese Laufzeit wohl auch kaum einen Bankkredit erwarten könnte. So hofft sie, dass in der nächsten Aufsichtsratssitzung der HFM ein Beschluss gefasst wird, dass ihr Pachtvertrag über den derzeit geltende Zeitraum hinaus verlängert werden kann. Die Frage nach einem Umzug stellt sich für Petra Mandausch nicht, denn: „Wir können in kein Gewerbegebiet ziehen, dort nimmt man uns nicht, weil wir zu viel Lärm und Schmutz machen“, klagt sie. Also bleiben ihr nur Industriegebiete, aber die sind im Rhein-Main-Gebiet inzwischen zur Mangelware geworden.

Besser sieht die Situation in der Hafenmühle aus. Nachdem es durch viele Verhandlungen und auch öffentlichen Druck nicht zu der geplanten Schließung der Mühle gekommen ist, hat der neue Geschäftsführer der Mühle, Jan Gausepohl, den Auftrag bekommen, die Mühle „wieder in die Spur zu bringen“. Er meint, dass der Mühlenstandort Frankfurt großes Potenzial inmitten der Region mit ihren hervorragenden Anbindungen zu Wasser, zu Land und auf der Schiene habe. Der in der vierten Familiengeneration gelernte Müller, der zuletzt in Bukarest eine Mühle neu strukturiert hat, bekam acht bis neun Millionen Euro, um am Main die Mühle auf Kurs zu bringen.

 

In der Schweiz gebaut

Damit das gelingt, hat er mit zwei Kollegen für eine der beiden Mühlen die Konstruktion eines neuen Hochleistungsmühlenwerkes entworfen. Im Moment werden gerade sieben Stockwerke im Gebäude herausgerissen, um sie für die neue Mühle aufbauen zu können. Im August soll die Mühle, die in der Schweiz gebaut wird, geliefert werden und im Dezember in Betrieb gehen. „Wir haben die aktuellste Steuerungstechnik einbauen lassen, die auf dem Markt ist und so in keiner anderen Mühle angewendet wird“, berichtet er mit Stolz in der Stimme. So soll beispielsweise der Ventilator durch Sensoren an den Filtern auf die tatsächlich notwendige Leistung gebracht werden. „Bisher lief der Ventilator immer in Höchstlast, das kostete zu viel Strom und machte zu viel Krach“, betont Gausepohl. Er will, dass die Frankfurter Mühle in der Kampffmeyer-Mühlen-Gruppe wieder einen besonderen Stand bekommt. wyg