Der Frankfurter Flughafen bietet insbesondere produzierenden Unternehmen einen entscheidenden Wettbewerbsvorteil: Mit Liefer- und Servicezeiten innerhalb von 24 bis 48 Stunden weltweit können sie punkten.

„Der Flughafen ist ĂŒberlebenswichtig fĂŒr Frankfurt“, warnte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Immobilienchancen, Ulrich Höller, dieser Tage vor Journalisten. Höller bebaut gerade das Maintor-Areal, eine Immobilien-eine Immobilienentwicklung fĂŒr rund 580 Millionen Euro, bei der er darauf angewiesen ist, auch internationale Mieter fĂŒr die BĂŒros zu gewinnen. Schon 1986 hat der Investor des Opern-Turms, Jerry Speyer, beim Bau des Messeturms, darauf hingewiesen, dass Frankfurt „die einzige Stadt weltweit ist, in der man in 15 Minuten vom Flugzeug in seinem BĂŒro ist“.

Aber nicht nur Immobilienfachleute schĂ€tzen Frankfurts schnelle Erreichbarkeit aus aller Welt. Aber nicht nur Immobilienfachleute schĂ€tzen Frankfurts schnelle Erreichbarkeit aus aller Welt. Auch die Unternehmen in der Region machen immer wieder deutlich, dass sie ihren GeschĂ€ftserfolg nicht zuletzt den Verbindungen verdanken, die ihnen der Flughafen sowohl fĂŒr den Transport ihrer Produkte und Waren, als auch fĂŒr den kurzfristigen Service beim Kunden innerhalb von 24 oder 48 Stunden ermöglicht

Eines dieser Unternehmen ist die Christian Bollin Armaturenfabrik in Frankfurt-Sossenheim, ein mittelstĂ€ndischer Hersteller von Armaturen fĂŒr praktisch alle Anwendungen.

Hier werden mehr als 3.000 verschiedene Armaturen entweder auf Lager gehalten oder aber innerhalb kurzer Fristen gefertigt und an den Kunden ausgeliefert. „Wir können unsere Produkte innerhalb von etwa einer Stunde nach Fertigstellung am Flughafen ĂŒber die Spedition zum Versand bereitstellen, die dann in zwei Tagen etwa in Beijing beim Kunden sein können“, erlĂ€utert die Firmenchefin Dagmar Bollin-Flade.

Selbst die Betreiber der Internet- Hotels in Frankfurt sehen die zah rhen Mnnlirhkpiten Frankfurt an oder Europa vergleichen, sondern mit New York, Los Angeles, Dubai oder Hongkong. Das ist die Liga, in der wir hier in dem vergleichsweise kleinen Frankfurt spielen“.

FĂŒr produzierende Unterneh­men sind jedoch nicht allein die Lieferzeiten fĂŒr ihre AuftrĂ€ge von Bedeutung. Mindestens ebenso viel Bedeutung kommt den Zeiten fĂŒr Ersatzteillieferungen oder fĂŒr die Si­cherstellung des Services zu. So ist die Sicherstellung von Servicezeiten innerhalb von 24 bis 48 Stunden, und das weltweit, eines der besten Argumente fĂŒr VerkaufsabschlĂŒs­se. Deshalb unterhalten eine Viel­zahl großer Unternehmen wie etwa Siemens Medical oder Airbus direkt auf dem FlughafengelĂ€nde oder aber in unmittelbarer NĂ€he des Airports große Ersatzteillager, um die schnel­le Versorgung weltweit sicherstel­len zu können.

„Um diese Liefer- oder Service­zeiten zu erreichen, ist eine Logistik­kette notwendig, die sich nicht allein auf die Frachtflugzeuge stĂŒtzt, son­dern gerade die vielen Passagierflug­zeuge des Hubs Frankfurt ermögli­chen erst das dichte Netz. Rund 50 bis 70 Prozent der Frachttransporte werden als Beiladefracht in den Pas­sagierflugzeugen befördert“, erlĂ€u­tert der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des House of Logistic and Mobility (Holm), Ste­fan Walter, die besondere Rolle des Frankfurter Flughafens fĂŒr die Logistik der Unternehmen sowohl in der Region FrankfurtRheinMain als auch Deutschlands. Vom Frankfurter Flug­hafen bestehen durch die VerknĂŒp­fung der Verkehrswege Luft, Schie­ne, Straße und Wasser auf engstem Raum die besten weltweiten Verbin­dungen. So bieten etwa die Deutsche Lufthansa und ihre Cargo-Tochter 160 Passagier- und 70 Frachter-Flug­zeuge sowie 90 Lastkraftwagen-Ver­bindungen in einem regelmĂ€ĂŸigen Li­nienverkehr an.

Auch der weltweit tĂ€tige Kon­zern fĂŒr Spezialchemie, Clariant, weiß, welche Vorteile ihm die NĂ€he seiner Standorte zum Frankfurter Flughafen bringt: „Hier im Rhein-Main-Gebiet profitiert Clariant mit seinen 2 500 Mitarbeitern von der ex­zellenten Infrastruktur. Über Straße, Schiene, Wasserweg und den Flugha­fen Frankfurt sind unsere drei Stand­orte in Höchst, Sulzbach und Wies­baden weltweit verbunden“, so Ulrich Ott, Leiter Deutschland der Clariant. Zudem sei der Frankfurter Flughafen das Entree fĂŒr die zahlreichen inter­nationalen GĂ€ste und Mitarbeiter des Unternehmens. „FĂŒr uns als forschen­des und produzierendes Unternehmen ist dies ein kaum zu ĂŒberschĂ€tzender Standortvorteil“, sagt Ott.

Die ProduktionsstĂ€tten von Cla­riant liegen auch im Industriepark Höchst, wo annĂ€hernd 90 Unterneh­men mit etwa 22 000 Mitarbeitern ihren Sitz haben. Auch JĂŒrgen Vormann, Vorsitzender der GeschĂ€fts­fĂŒhrung von Infraserv, dem Betreiber des Industrieparks, nennt die unmit­telbare Nachbarschaft zu allen Ver­kehrstrĂ€gern den „wichtigsten Stand­ortvorteil des Industrieparks Höchst“, dessen erfolgreiche Entwicklung am Standort „durch die NĂ€he zum Frank­furter Flughafen unzweifelhaft posi­tiv beeinflusst“ werde.

Zur Diskussion ĂŒber die Nacht­flĂŒge hat der Luftfahrt-Logistikex­perte des Fraunhofer Instituts fĂŒr Luftfahrtlogistik, Heinrich Frye, einen Vorschlag eingebracht, der aufhor­chen lĂ€sst: „Ich sehe Möglichkeiten, auf NachtflĂŒge mit Cargo-Flugzeu-gen zu verzichten. Doch wĂ€re dazu die notwendige Voraussetzung, dass dieses Nachtflugverbot fĂŒr alle eu­ropĂ€ischen FlughĂ€fen gilt.“ Die ein­zigen Ausnahmen vom Nachtflugver­bot mĂŒssten fĂŒr die Standorte von UPS, DHL und Fed Ex gelten. Denn auch er sieht es als nicht praktika­bel an, den Cargo-Luftverkehr vom Passagierverkehr durch eine Verlage­rung etwa auf den Flughafen Hahn zu trennen. „Das wĂ€re mit viel zu ho­hen Kosten fĂŒr die doppelte Einrich­tung der Technik und die doppelte Zahl der Mitarbeiter verbunden und fĂŒhrte auch zu einem nicht zu ver­antwortenden Zeitverlust,“ sagt er.

Darin sind sich der Cargo-Exper-te und der Finanzvorstand der Luft­hansa Cargo-Tochter, Peter Gerber, einig. Gerber sieht allerdings ein mögliches Nachtflugverbot fĂŒr ganz Europa eher skeptisch. „Wir werden, falls es in dem Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht in Leipzig tatsĂ€chlich zu einem Nachtflugver­bot kommen sollte, in den kommen­den drei bis fĂŒnf Jahren eine lang­same Abwanderung etwa an die FlughĂ€fen Paris und Amsterdam er­leben“, sagt er voraus. Gerber geht jedoch davon aus, dass das höchste Verwaltungsgericht sein Urteil nach der geltenden Rechtslage fĂ€llen wer­de. Der Bund sei fĂŒr den Luftverkehr in der Bundesrepublik zustĂ€ndig, wĂ€hrend die LĂ€nder alle Luftfahrt­entscheidungen nicht aus eigener Kompetenz, sondern ausschließlich in Auftragsverwaltung fĂŒr den Bund fĂ€llten. I