Nach dem FNP-Bericht über die Gefahren von Styropor-Dämmung zieht das Thema Kreise: Im September wird sich die Konferenz der Bauminister der Länder damit befassen.

Der hessische Wirtschaftsminister Florian Rentsch (FDP) zieht Konsequenzen aus dem schweren Brand eines Hauses in der Adickesallee Ende Mai. Er hat darum gebeten, „das Brandverhalten von Fassadendämmungen aus Polystyrol“ auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz der Bauministerkonferenz am 20. und 21. September zu setzen. Wie berichtet, waren bereits vor dem Vorfall in der Adickesallee zwei Häuser in Sachsenhausen und in der Battonstraße durch an der Hausfassade angezündeten Sperrmüll in Brand geraten. Auch diese Fassaden waren mit Polystyrol gedämmt worden. Doch die Frankfurter Bauaufsicht hatte die Gefahr, die durch das Polystyrol ausgehen kann, heruntergespielt und darauf verwiesen, dass der Dämmstoff zugelassen sei und als schwer entflammbar gelte.

In der Battonstraße in Frankfurt am Main konnte größerer schaden verhindert werden, da die Feuerwehr hier schnell angreifen konnte Foto: Wygoda

Doch diese These wird massiv in Zweifel gezogen. Wirtschaftsminister Rentsch hat die Vorsitzende der Bauministerkonferenz der Länder, die saarländische Innenministerin Monika Bachmann (CDU), darauf hingewiesen, dass in Frankfurt „die Fassade eines in Bau befindlichen Gebäudes über alle Geschosse unter extremer Rauchentwicklung unerwartet schnell“ abgebrannt sei, „wobei der Brand über die geborstenen Fenster in die Geschosse getragen wurde“. Rentsch schlug vor, die Feuerwehr an der Vorbereitung der Konferenz zu beteiligen. Und er regte an, „zusätzliche Großbrandversuche“ in Betracht zu ziehen, um eine realistische Risikoabschätzung zu ermöglichen.

Die Forderung nach „realistischen Brandversuchen an Fassaden“ hatten viele Brandsachverständige, aber auch Feuerwehrchefs bei unseren Recherchen erhoben. Die bisherigen Versuche für die Zulassung der Polystyrol-Platten erschienen ihnen als nicht ausreichend.

In dem Beitrag der Sendung „Panorama“ sagte Reinhard Ries, in Frankfurt sei „durch eine Dokumentation von der ersten Sekunde an belegt, dass dieser Dämmstoff sofort überprüft werden muss“. Ries ging sogar noch weiter und bezeichnete „das weitere Verbauen“ als „fraglich, um nicht zu sagen, dass es sofort gestoppt werden müsste“. Denn die Frankfurter Feuerwehr habe inzwischen durch eine Umfrage unter den deutschen Berufsfeuerwehren Berichte darüber, dass in den letzten Jahren fünf weitere Brandfälle dieser Art registriert wurden, die jedoch in keiner Statistik auftauchten, da es eine solche nicht gebe.

Nach der Sommerpause wird sich voraussichtlich auch das Frankfurter Stadtparlament mit den Bränden befassen. Die Vorsitzende des Ausschusses für Recht und Sicherheit, Ursula Busch (SPD), sagte der FNP, dass sie den Feuerwehrchef einladen wolle. wyg