Die Berichterstattung der FNP über Brände an mit Styropor gedämmten Häusern hat zu einem Umdenken in der Stadtverwaltung und bei Fachleuten geführt.

Von Hermann Wygoda

Die bundesweite Aufmerksamkeit ist groß: Nachdem die FNP über die Gefahren der Dämmung mit Polystyrol (Styropor) berichtet hatte, zogen der Spiegel und das ARD-Magazin Panorama nach. Im Juni war an einem Gebäude in der Adickesallee in kürzester Zeit die mit Styropor gedämmte Fassade in Brand geraten.

Auch die Stadtverwaltung reagierte mittlerweile. Noch unmittelbar nach unserem Bericht hieß es in einem städtischen Argumentationspapier: Die Tatsache, dass Wärmeverbundsysteme mit Polystyrol genehmigt sind, spreche für ihre Ungefährlichkeit. Jetzt teilte der Sprecher von Baudezernent Olaf Cunitz (Grüne) mit: „Nach einer ämterübergreifenden Besprechung wird darüber nachgedacht, ob es auch mögliche Alternativen zu mit Polystyrol gedämmten Außenwänden gibt.“

Frankfurts Feuerwehrchef Reinhard Ries befürchtet weiter Brände an mit Polystyrol wärmegedämmten Fassaden  Foto: Wygoda

Das Deutsche Institut für Bautechnik in Berlin, das die Zulassungen für alle Bauprodukte und Bauarten in der Bundesrepublik erteilt, hatte noch im November vergangenen Jahres darauf verwiesen, dass bei einem Brand in Berlin, bei dem zwei Menschen starben, das Wärmeverbundsystem nicht nach den geltenden Vorschriften gebaut worden sei. Jetzt kündigte der Leiter der Abteilung Brandschutz, Professor Gunter Hoppe, im Gespräch mit der FNP an, dass sich Fachleute demnächst bei einem Ortstermin in Frankfurt aus erster Hand über die Brände informieren werden.

Derzeit sieht das Institut keine Veranlassung, die Zulassung von Polystyrol zurückzuziehen oder andere Sofortmaßnahmen einzuleiten. Allerdings werde sich die Bauministerkonferenz auf ihren Sitzungen im August und September mit dem Thema befassen.

Albrecht Brömme, Präsident des Technischen Hilfswerkes, war früher Feuerwehrchef in Berlin und kämpft noch immer für eine korrekte Bewertung von Polystyrol beim Einsatz als Dämmstoff. Er fordert jetzt „eine öffentliche und objektive neue Überprüfung des Baumaterials Polystyrol, um die Diskussion zu erden“. Dabei werde sich zeigen, ob Fehler beim Einbau für die Brände verantwortlich sind und ob das aus Erdöl hergestellte Polystyrol weiterhin für die Abdichtung von Hausfassaden Verwendung finden könne.

Hauseingang mit Dämmplatten Foto: Wygoda

Auch bei den Architekten scheint es zu einem Umdenken zu kommen. Der bekannte Frankfurter Architekt Stefan Forster, der sich nicht zuletzt durch seine Passivhäuser einen Namen gemacht hat, sagte der FNP, er werde seinen Bauherren „demnächst ein Schreiben schicken, in dem wir sie auf die jetzt aufgetretene Brandgefahr hinweisen werden“. Für ihn sei die Klinkerfassade als zweischalige Wand die bevorzugte Bauweise, da sie „sowohl den aktuellen Anforderungen an die Dämmvorschriften als auch dem Wunsch nach Nachhaltigkeit“ entspreche.

Für ihn ist die Dämmung mit Polystyrol „ein Widerspruch in sich, denn Polystyrol wird zu über 90 Prozent aus Erdöl hergestellt“. Doch sei man als Architekt dem Sparen verpflichtet, da das Bauen immer mehr unter einem enormen Kostendruck stehe. Von den Architekten werde erwartet, dass sie möglichst preiswerte Materialien verbauen. Deshalb seien die Dämmplatten aus Polystyrol „derzeit das Maß der Dinge, nach dem sich die Bauherren richten“.