CDU-Frankfurtmagazin

Die St Leonhardskirche direkt am Mainufer ist eines der bedeutendsten und beeindruckendsten DenkmÀler Frankfurts. Die seit 2008 laufenden Sanierungsarbeiten im Inneren haben ihre herausragende historische Stellung mit sensationellen Funden unterstrichen. Von Hermann Wygoda

Bei den Arbeiten fĂŒr eine neue Bodenhei­zung wurde unter der nördlichen Seiten­apside in zwei Metern Tiefe ein StĂŒck des romanischen VorgĂ€ngerbaus ausgegraben, und es konnten zudem Bauteile eines weiteren, noch Ă€lteren GebĂ€udes nachgewiesen werden. In der zum Main gelegenen Seitenapside wurde eine als Sensationsfund geltende Figurengrup­pe, die drei klagende Menschen darstellt, aus der SpĂ€tgotik, gefunden. Es wird vermutet, dass die Figuren zu einer Darstellung des Grabes Jesu gehören könnten. Die 60 Zentimeter großen Terracottafiguren sind bemalt und wurden in die Zeit zwischen 1400 bis 1430 eingeordnet. Schon bei ihrem Auffinden konnte sie von absolut her­ausragender QualitĂ€t bewertet werden, was die spĂ€teren Untersuchungen bestĂ€tigten. Nach den ersten Recherchen wurden die Figuren mit der Hallgartener Madonna, die im Louvre steht, verglichen und wegen ihres besonders schönen und lieblichen Stils der Region des Oberrheins zugeordnet, ohne dass der Meister oder seine Werkstatt nĂ€her bestimmen werden konnte.

Kirche St Leonardt außen

Die St Leonhardskirche nach ihrer Außenrenovierung  Foto: Wygoda

Der „Atzmann“

Die weiteren Ausgrabungen brachten einen so­genannten „Atzmann“ zutage, eine steinerne, fast mannsgroße Figur die ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammt. Der soggenannte „Atz­mann“ stand vermutlich in der NĂ€he des Altars und trug liturgische BĂŒcher oder die Bibel. Auch Reste einer Wandmalerei konnten freigelegt werden, die auf die frĂŒhere Außenmauer der Sakristei aufgemalt waren. Dies ist eine große Sel­tenheit in der Malerei. SpĂ€ter wurde vor dieser Malerei der sogenannte Brommenchor, nach sei­nem Stifter genannt, im 15. Jahrhundert ange­baut. ZunĂ€chst war dieser Chor fĂŒr die Besucher offen, er wurde spĂ€ter zugemauert. Auch hier konnten weitere Figuren gefunden werden, die ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammen. Nach dem Ende der Restaurierungsarbeiten soll der Chor wieder geöffnet werden. Weitere Er­kenntnisse ĂŒber eine der Ă€ltesten Kirchen Frank­furts erhoffen sich die DenkmalschĂŒtzer von den 18 Grabplatten, die aus dem Bauschutt frei­gelegt wurden.

Fußbodenniveau wie 1530

St Leonhrad Bodenebene

WĂ€hrend der Grabungsarbeiten wurde der Fußboden bis auf den Untergrund abgesenkt. Er wird spĂ€ter auf das Niveau der SĂ€ulen wieder aufgefĂŒllt werden Foto: Wygoda

Im Rahmen der Sanierungsarbeiten ist vorgese­hen, das Niveau des Fußbodens um 40 bis 90 Zentimeter abzusenken, damit das Niveau er­reicht wird, das die Kirche etwa um 1530 hatte. Die Besucher werden dann nicht nur die SĂ€ulen des Engelbertportals aus der Zeit um 1220 kom­plett sehen können, sondern auch die Malereien im Chorraum, die bisher durch den höheren Fuß­boden teilweise verdeckt waren.

Der Autor ist Reporter und Fotograf und lebt in Frankfurt am Main.

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