Von Hermann Wygoda FNP  12.10.2013   Frankfurt

Wenn es nach der Deutschen Flugsicherung (DFS) geht, können im Rhein-Main-Gebiet quasi keine neuen Windräder gebaut werden. Betroffen davon sind auch zwei Standorte in Frankfurt. Ein Gutachten macht den Investoren aber wieder HoffnungVon Hermann Wygoda FNP  12.10.2013   Frankfurt

Die Deutsche Flugsicherung (DFS) gerät unter Druck. Denn die Betreiber von Windkraftanlagen wehren sich immer stärker gegen die nach ihrer Meinung zu starre Haltung der DFS zu Windkraftanlagen. Die Flugsicherung lehnt neue Windräder im Rhein-Main-Gebiet derzeit aus Sicherheitsgründen ab. Das Potenzial sei ziemlich ausgeschöpft, sagte ihr Sprecher Axel Raab noch am Donnerstag (wir berichteten).

Windkraftanlagen bei Bad Vilbel

Winkraftanlagen bei Nieder-Erlenbach Foto: Hermann Wygoda

Doch die Anlagenbauer, die unter anderem in Nieder-Erlenbach und Bergen-Enkheim Windräder errichten wollen, geben nicht auf. Vier Windräder etwa plant die Mainova-Tochter „Abo Wind“ in Nieder-Erlenbach, direkt neben vier bereits auf Karbener Gemarkung stehender Anlagen. Nun hat sich das Unternehmen Unterstützung bei der Firma „Navcom Consult“ besorgt. In der 70 Seiten starken Expertise heißt es als Schlussfolgerung, die unter anderem auf einer Simulationen basiert, „dass diese geplanten Windkraftanlagen (WEA) in der Entfernung von mehr als elf Kilometern nach gutachterlichem Ergebnis ohne besondere Maßnahmen und Einschränkungen errichtet werden können“.

Keine Simulationen

Der Gutachter ist nicht irgendwer: Gerhard Greving hat langjährige Erfahrungen. Unter anderem durch seine Arbeit für den früheren Hersteller der laut DFS beeinträchtigten Drehfunkfeuer, SEL-Alcatel. Dort habe er unter anderem die für Nieder-Erlenbach ausschlaggebende Anlage „Metro“ entwickelt und aufgebaut, berichtet Greving. Er macht der DFS auch den Vorwurf, dass sie die Richtlinie der Internationalen Luftfahrtorganisation (ICAO) nicht korrekt auslege. Diese habe den 15-Kilometer-Radius nicht als feste Größe ausgegeben, sondern vor jeder Entscheidung, ob eine Anlage gebaut werden darf oder nicht, eine Einzelfallprüfung durch eine Computersimulation gefordert. Diese Computersimulationen würden jedoch von der Flugsicherung nicht gemacht.

Raab bestätigt, dass die DFS neue Windkraftanlagen an einem Standort dann ohne Prüfung ablehne, wenn sich dort bereits mehrere Anlagen drehen.

Umso unverständlicher ist es für verschiedene Planer und Bauherren der Anlagen, dass sie von der DFS auf eine erste Voranfrage zunächst tatsächlich eine positive Antwort erhalten, die sich dann aber, nach der Einreichung aller Daten und Unterlagen, in ihr Gegenteil verkehrt. Dazu gibt der Direktor des Bundesaufsichtsamts für Flugsicherung (BFA) Nikolaus Herrmann zu: Diese Praxis hat „noch Optimierungsbedarf“.

Gerichte anrufen

Was ebenfalls für Kopfschütteln und Unverständnis bei den Beteiligten sorgt, ist die „totale Gesprächsverweigerung der DFS“, wie es uns nicht nur ein Politiker aus dem Regionalverband sagte. Alexander Koffka, Sprecher von „Abo Wind“, kündigt trotzdem an, nach der erhaltenen Ablehnung für die Windkraftanlagen in Nieder-Erlenbach „auf jeden Fall noch einen Versuch zu unternehmen, um mit der DFS ins Gespräch zu kommen“. Danach werde man die Gerichte anrufen, unterstrich er. Mit dem vorliegenden Gutachten fühle man sich für diese juristische Auseinandersetzung „gut gewappnet“.

Windkraftanaölgen bei Friedberg

Drei Winkraftanlagen bei Friedberg Foto: Hermann Wygoda

Welche Auswirkungen die Forderung der DFS nach einem 15-Kilometer-Radius um ihre Anlagen für das Gebiet des Regierungspräsidiums (RP) Darmstadt hat, erläuterte Regierungspräsident Johannes Baron: Das von der Hessischen Landesregierung angestrebte Ziel von zwei Prozent des Strom aus Windkraft sei so „nicht erreichbar“.

Einen Schritt weitergegangen ist bereits die Kreisverwaltung des Landkreises Wesermarsch in Norddeutschland. Dort sind es Drehfunkfeuer des Flughafens Bremen, die die Errichtung neuer Windräder verhindern könnten. Die Kreisverwaltung hat jedoch fünf Windkraftanlagen eines Windparks mit insgesamt 33 Anlagen genehmigt, obwohl die DFS ihr Veto eingelegt hatte. Auch dort wird auf ein Gutachten der Investoren verwiesen, das zu dem Ergebnis kommt, dass die vom BFA befürchteten Störungen der Navigationsgeräte in der absoluten Form nicht haltbar seien. Man habe das Gutachten „ausführlich untersucht und es auf Plausibilität überprüft“, heißt es. Daraufhin habe man sich der Einschätzung des Gutachters, ebenfalls Navcom Consult, angeschlossen. Jetzt wäre es an der DFS, gegen die Baugenehmigung zu klagen.

Drehfunkfeuer Metro

Das Drehfunkfeuer Metro Foto: Hermann Wygoda

In Hessen will auch die Bürgermeisterin von Hünfelden, Silvia Scheu-Menzer (parteilos), die Gerichte anrufen, falls die DFS den Bau einen dort geplanten Windpark ablehnen sollte. Angeblich soll aber das für Hünfelden zuständige RP in Gießen überlegen, die Anlage ohne die Zustimmung der DFS zu genehmigen.