Im Lindenberg in der R├╝ckertstra├če gelten keine so starren Regeln

G├Ąste im Lindenberg in der R├╝ckertstra├če sollen sich eher wie in einer Wohngemeinschaft f├╝hlen und weniger an ein Hotel erinnert werden. Das Konzept jedenfalls ist neu in Frankfurt.

FNP┬á 28.12.2012 ┬á┬á Franklfurt am Main┬á┬á┬á ├ťber dem Hauseingang der Villa mit der wei├č gestrichenen Fassade in der R├╝ckertstra├če steht Lindenberg. Mehr nicht. An der Haust├╝r ist auf einer gro├čen Tafel zu lesen, dass das Lindenberg offenbar ein Hotel ist und Inhaber eines K├╝nstlersozialversicherungsausweises, registrierte Freiheitsk├Ąmpfer und niederl├Ąndische Staatsb├╝rger verg├╝nstigte Konditionen erhalten.

Lindenberg Boardinghaus R├╝ckerststrAu├čenansicht des „Lindenberg“ Foto: Wygoda

Allerdings bestreitet Steen Rothenberger, Investor und Projektentwickler in einer Person, vehement, dass er in dem denkmalgesch├╝tzten Wohnhaus, das fr├╝her der Familie Holzmann geh├Ârte, ein Hotel betreibt. Der Name ist aber auch Programm. Denn: Udo Lindenberg wohnt in Hamburg auch schon seit Jahren in einem Hotel, erl├Ąutert er und erg├Ąnzt: Ich m├Âchte, dass meine G├Ąste sich nicht wie in einem Hotel mit starren Regeln f├╝hlen, sondern eher wie G├Ąste etwa in einer Wohngemeinschaft.

Service buchen

Deshalb kann sich im Lindberg jeder Gast beispielsweise selbst versorgen, hat einen eigenen K├╝hlschrank in der Gemeinschaftsk├╝che oder kann sich bestimmten Service wie Kochen oder Bettenmachen dazu buchen. In der Preisliste f├╝r die zehn Zimmer des Hauses steht deshalb auch ab 99 Euro pro Tag f├╝r die Einzimmersuiten oder ab 140 Euro pro Tag f├╝r die Zweizimmersuiten.

Testphase f├╝r das Konzept

Da Rothenberger sich nicht ganz sicher war, ob ein solches Konzept, bei dem die G├Ąste selbst mitmachen m├╝ssen, tats├Ąchlich ankommt, hatte er in einer Testphase mit toleranten G├Ąsten sein Konzept erst einmal ausprobiert und aus diesem Grund auch auf eine ├Âffentlichkeitswirksame Er├Âffnung des Hauses verzichtet.

Lindenberg Boarding-House mit Steen Rothenberger und Eva K├Âsling

Eva und Steen Rothenberger in einem der Salons Foto: Wygoda

Wer das Lindberg bisher von innen gesehen hat, war laut Rothenberger begeistert. Sogar die Denkmalsch├╝tzer der Stadtverwaltung sind voll des Lobes ├╝ber das Konzept. Denn Rothenberger hat es mit seinem Konzept geschafft, die Struktur des Hauses als Wohnhaus praktisch nicht zu ver├Ąndern. Das Treppenhaus ist so offen geblieben wie es war, und die gro├čen und hohen Zimmer des klassizistischen Altbaus wurden in ihrer Architektur nicht ver├Ąndert. B├Ąder und Toiletten wurden in eigene gro├če W├╝rfel hinter die Betten hineingestellt, die nicht die H├Âhe der Decke erreichen, Raum bis zu den W├Ąnden frei lassen und keine sogenannte Trockenbauten darstellen. Zudem hat jedes Zimmer eine feine individuelle Note erhalten keines gleicht dem anderen.

F├╝r sportliche G├Ąste gibt es selbstverst├Ąndlich einen Fitnessraum, auch eine Bar ist f├╝r sie vorhanden, diese kann allerdings einmal in der Woche zum Kino umfunktioniert werden.

Das Lindenberg, hei├čt es poetisch, ist ein gemeinsamer Raum. Ein Ort zum Eintauchen, Einatmen, Zusammensein oder Zur├╝ckziehen. Ein feiner Grad zwischen Geselligkeit und Intimit├Ąt. Das Zusammenleben mit Gleichgesinnten per Knopfdruck ein- oder ausschalten.

Rothenberger erz├Ąhlt, dass er selbst ├╝berrascht war, dass unser Konzept so gut angenommen wird. Die Belegungsdauer reicht bereits jetzt von mehreren Monaten bis zu einigen Wochen. So konnte er auch das Ansinnen eines Geldinstituts ablehnen, das Interesse daran hatte, sein Lindenberg komplett zu mieten. Denn seine G├Ąste sind bereits in den ersten Monaten zu 90 Prozent ├╝ber die Mundpropaganda zu ihm gekommen. Wir wissen auch gar nicht, in welches Vertriebssystem wir gehen sollten, unterstreicht der Hotelmanager, denn wir sind doch ein Exot, f├╝r den eine Vertriebsplattform im Internet v├Âllig fehlt.

Lindenberg Boardinhosue Steen Rtrhenberger

Steen Rothenberger in einem der Hotelzimmer Foto: Wygoda

Als Experiment angelegt

F├╝r Rothenberg gibt es f├╝r sein Experiment keinen besseren Standort als das Ostend. Dort tr├Ąfen alt und neu zusammen. Und er denkt schon daran, nach dem ├╝berschaubaren Experiment mit zehn Zimmern ein gr├Â├čeres Haus zu er├Âffnen.

Seit knapp einem Jahr betreibt Rothenberg das Lindenberg jetzt. Nach der Renovierung sieht man an der Front einen Treppenaufgang, der fast an New York erinnert, es fehlt lediglich das Gesch├Ąft im Souterrain. wyg