Von Hermann Wygoda

FNP  6.2.2014   Frankfurt am Main   Alte Rohre, verrostete Motoren, überall Feuchtigkeit: Im Palmengarten müsste allerorten dringend saniert werden. Das notwendige Geld wurde zuletzt lieber ins Renommierprojekt Gesellschaftshaus gesteckt.

Der Palmengarten ist für Frankfurter und Touristen noch immer ein Schmuckstück, mehr als 600 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr dorthin ins Westend. Doch leider trügt die nach außen so freundlich erscheinende Kulisse; hinter ihr hat der Palmengarten in den vergangenen Jahren unschöne Flecken bekommen, wie ein genauer Blick in die Schauhäuser und Gartenanlagen zeigt. Da sieht man zersprungene Scheiben in den Dächern der Gewächs- und Sammlungshäusern und verrostete Elektromotoren, die eigentlich die Sonnenschutzrollos über den Glasdächern bewegen sollen. Die Fenster des Blütenhauses mussten mit Verpackungsplastik abgedeckt werden, um die empfindlichen Pflanzen vor der Kälte zu schützen.

Palmengarten-  Blütenhaus

Das Blütenhaus musste mit Verpackungs-Plastikplanen gegen Kälte geschütz werden Foto: Wygoda

Dass die Besucher die marode Technik und die aufgeplatzten Wände nicht sehen, liegt nur daran, dass alle Mitarbeiter des Palmengartens dafür sorgen, dass den Gästen solche Anblicke erspart bleiben. Als vor kurzem das Verwaltungsgebäude von überwuchernden Efeu befreit wurde, bekam man nicht nur die fast italienisch anmutende Architektur des Gebäudes zum ersten Mal zu sehen, sondern auch die Schäden, die die Pflanze am Mauerwerk angerichtet hat. Im Inneren wurde in einem Büro die abgehängte Decke heruntergenommen. Dahinter blieb über Jahrzehnte hinweg eine interessante Malerdekoration erhalten, die jetzt wieder sichtbar gemacht werden soll. Mauerschäden durch eindringendes Wasser sind auch in den Betriebsräumen der Grotte im Palmenhaus zu bewundern, die durch den angelegten Wasserfall entstanden sind.

Die von 1982 bis 1987 gebauten Häuser des Tropicariums sind ebenfalls in die Jahre gekommen. In den Technikkellern sind noch einige Wasserpumpen von damals zu bewundern, die heute viel zu viel Strom verbrauchen. Und dort, wie die eine oder andere Pumpe inzwischen erneuert wurde, sieht man dann auch die verrosteten Rohre, die aus Geldmangel eben nicht erneuert werden konnten.

Palmengarten Wasserleitungen in der Zisternen-Anlage

Verrostete Rohrleitungen im Tropicarium Foto: Wygoda

Aus einer bisher öffentlich nicht bekanntgewordenen Aufstellung geht hervor, dass die Sanierung aller Anlagen und Einrichtungen mehr als 31,5 Millionen Euro verschlingen wird. Und dies ist nur eine vorsichtige und grobe Schätzung, in der die Planungskosten noch nicht berücksichtigt sind. Allerdings sind die Gewächs- und Sammlungshäuser nicht etwa nur zum Ansehen oder für den Palmengarten selbst da. Die Sammlungshäuser beherbergen eine der weltweit zehn größten Pflanzensammlungen mit vielen bedrohten Arten.

Aber nicht allein in den Technikräumen ist ein großer Investitionsstau aufgelaufen. Auch in den Räumen für die Mitarbeiter scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. So gibt es in den Umkleiden nur drei Duschen für Frauen, aber zwölf für Männer – und das, obwohl es längst genauso viele Gärtnerinnen wie Gärtner gibt. Zwar wurden provisorisch weitere Duschen eingebaut, doch um sie zu erreichen, müssen die Frauen von den Umkleideräumen über den Flur laufen.

98.000 Euro fließen weg

Ein weiteres Beispiel ist – auch wenn es von außen ganz passabel aussieht – das Haus Leonhardsbrunn. Wer sich im Keller umschaut, sieht überall Wasser durchs Mauerwerk dringen, weil bei der erst kürzlich erfolgten Sanierung offenbar vergessen wurde, auch das Mauerwerk rundum abzudichten.

Palmengarten_ Gewächshaus mit geflickten Scheiben

Notdürftig angeklebte Glöasscheiben in einem Gewächshaus Foto: Wygoda

Dass in der jüngeren Vergangenheit so wenig für die Sanierung und die Erhaltung der Anlagen getan werden konnte, führt der Direktor des Palmengartens, Matthias Jenny, darauf zurück, dass „in den vergangenen Jahren immer die Sanierung des Gesellschaftshauses im Vordergrund stand“. Deshalb sei die Summe, die im Haushalt für den Palmengarten vorgesehen war, allein für dieses Projekts sehr hoch gewesen. „Für Sanierungen oder Reparaturen konnten keine zusätzlichen Gelder eingestellt werden“.

In einem Magistratsbericht hatte Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne) den Zusammenhang zwischen Gesellschaftshaus einerseits und dem Sanierungsbedarf des Palmengartens andererseits selbst hergestellt. Dort heißt es wörtlich. „Nur nachträglich sei angemerkt, dass in den letzten Jahren mit erheblichen Mehrkosten bereits 39,3 Millionen Euro für die Sanierung des Gesellschaftshauses aufgewendet wurden.“

Palmengarten Einer der verrosteten Motoren für die Schatten-Rollos

Ein verrosteter Elektromotoren für den Sonnenschutz auf dem Dach einws der Gewächshäuser Foto: Wygoda

Das, so kann man heute sagen, dürfte ungefähr den Kosten entsprechen, die für die Sanierung aller Anlagen und Häuser notwendig sein wird. Der Palmengarten-Chef hat mit solchen Verschiebungen wichtiger Investitionen schon häufiger Erfahrungen sammeln müssen. Denn auch die Trink- und Brauchwasser-Ringleitungen müssten dringend auf Vordermann gebracht werden, entsprechende Arbeiten ziehen sich seit drei Jahren hin. Insgesamt sechs Kilometer lang sind die mehr als 30 Jahre alten Rohrnetze, 5,2 Millionen Euro müssten hineingesteckt werden.

Wie es in der Magistratsvorlage weiter heißt, kommen noch weitere 98.000 Euro hinzu, die pro Jahr durch den Wasserverlust der maroden Leitungen entstehen; deren Reparatur kann jedoch nur in den Monaten November bis März oder April erfolgen, da sie unter den Wegen verlaufen. Befürchtet wird, dass sich auch dieses Projekt bis 2016 hinzieht.