Frankfurt am Main 8.2.2014 FNP  

Denkmalamt blickt auf ein Jahr mit erfreulichen Funden und ärgerlichen Verlusten zurück

Unter der Stadt liegen wahre Schätze verborgen und weil oft der Zufall sie zutage fördert, ist die Freude doppelt groß. So war es auch 2013. Mancherorts aber kam das Denkmalamt zu spät Alteisensammler waren schneller.

Frankfurt. 

Verborgene Reste der Stadtmauer, Göttergaben aus der Römerzeit: Von diesen spektakulären Funden weiß Andrea Hampel, die Leiterin des Denkmalamts, auch Monate danach noch wortreich zu schwärmen.

Den Beginn ihres Jahresrückblicks widmete sie aber zwei Schätzen, die nun gar nicht im Verborgenen liegen – und auch deshalb vom städtischen Denkmalbeirat zu den „Denkmälern des Jahres“ gekürt worden sind: die beiden Kräne auf der Ruhrorter Werft im Osthafen und das Haus der ehemaligen Viktoria-Apotheke in der Freßgass’. Schließlich zeigen beide Beispiele, wie man Altes ins Neue integrieren kann. Die Kräne aus dem Jahr 1912, die letzten von einst 18 auf der Werft, bildeten zusammen mit der Gastwirtschaft Oosten, ein „interessantes Ensemble“, findet Hampel. Eine der Kranbahnen wurde sogar als Aussichtsplattform auf die Skyline der Stadt in die Gaststätte integriert. Auch das Freßgass’-Gebäude von 1956, das heute ein Modegeschäft beherbergt, blieb weitgehend in seiner früheren Struktur erhalten.

Freßgass Gebäude aus dem Jahr 1956, frühere Viktoria- Apotheke

Ehemalige Viktoria Apotheke aus dem Jahr 1956 Foto: Wygoda

Ruhrorter Werft mit Skyline

Kräne auf der Ruhrorter Werft Foto: Wygoda

Drei Glückstreffer

Fraglos aber gelten drei Glückstreffer als Höhepunkte 2013. Reste der alten Stadtmauer wurden beim Erweiterungsbau des Flemings-Hotel am Eschenheimer Turm und in der Baugrube für das Hotel an der Alten Oper gefunden.

Und dann kam noch Harheim-Süd: Dank der dort geplanten Wohnungsbauten wurden dort archäologische Funde aus der Römerzeit sowie ein Grab aus der Hallstein-Zeit entdeckt. In Heddernheim machten die Archäologen noch einen interessanten Fund obwohl der Fundort, ein Keller, bereits 1925 einmal archäologisch untersucht wurde:. eine goldplattierte Schale aus der Römerzeit, die vermutlich als Dank an die Götter dort vergraben worden war. Ein solcher Fund sei für Frankfurt bisher einmalig, sagte Denkmalschützerin Hampel – und strahlte.

Zu spät

Bei allen Erfolgen: Es gab auch Fälle, in denen der Denkmalschutz zu spät kam oder sich notwendige Schutzarbeiten verzögerten. So etwa unter der Landbrücke vor der Honsellbrücke. Die schön gestalteten eisernen Stützen landeten, schnöde als Alteisen abqualifiziert im Schmelzofen.

Osthafen Kran von Fries und Sohn 1951

Kran im Osthafen- gebaut 1951 von der Frankfurter Firam Fries Foto: Wygoda

Das gleiche Schicksal dürfte auch einen grünen Kran der Frankfurter Firma Fries aus dem Jahr 1951 ereilt haben. Hier war das Denkmalamt bereits tätig geworden, doch wieder waren vermutlich die Alteisensammler schneller. Und der große Wasserturm im Osthafen, einst Stadtgaswerk der Mainova, scheint ebenfalls in Gefahr: Man sehe, so war zu hören, „keine Chance für eine vernünftige Nutzung“. wyg