Frankfurt am Main 6.6.2014  FNP   Stolz ist Hartmut Hübner, Leiter des Siemens-Schaltanlagenwerkes, nach 30 Jahren am Standort in Fechenheim schon. Denn „sein“ Werk habe sich in dieser Zeit auch zum „Leitwerk“ für die Siemens-Standorte in vielen Ländern der Erde entwickelt, die nach dem sogenannten „Frankfurter Produktionssystem“ arbeiten.

Zwar ist Siemens bereits seit 1848 in Frankfurt vertreten (siehe Info-Kasten), doch erst 1971 hatte Siemens das Unternehmen „Voigt und Haeffner“ in der Hanauer Landstraße nahe des Osthafenplatzes übernommen. In beiden Firmen wurden damals Anlagen zur elektrotechnischen Ausrüstung hergestellt, ohne die keine sichere Stromversorgung möglich wäre, denn die Schaltanlagen können entweder Teile eines Stromverteilernetzes abschalten oder etwa die Lampen in ganzen Straßenzügen ein- beziehungsweise ausschalten.

Bei diesen gasisolierten Mittelspannungsanlagen konnte sich das Frankfurter Werk in den vergangenen 30 Jahren zum weltweit größten Unternehmen für diese Anlagen entwickeln, in dem mehr als 1600 Mitarbeiter beschäftigt sind.

Siemens  WSerk Frankfurt 2014
Fertige Schaltkästen werden für den Transport bewreit gestellt  Foto: wygoda

Hübner verwies darauf, dass die Anlagen zur Sicherstellung der elektrischen Versorgung nicht nur in den Frankfurter Hochhäusern, wie den beiden Türmen der Europäischen Zentralbank (EZB), oder in den Rechenzentren stehen, sondern auch bei der aktuellen Umstellung auf erneuerbare Energien für die künftigen dezentralen und intelligenten Netze eine zentrale Rolle spielen. „Für die sichere Energieversorgung der Ballungsräume, wie unserem Rhein-Main-Gebiet, werden die Netze miteinander kommunizieren müssen, um sowohl die großen Kraftwerke als auch die dezentralen Energieerzeuger mit Photovoltaik-Anlagen oder Windkraftanlagen miteinander zu verknüpfen“, erläuterte der Werksleiter.

Kunden in 85 Ländern

Täglich verlassen 150 bis 170 Lastwagen das Fechenheimer Werk mit etwa 1100 Schaltanlagen, die für die Kunden in mehr als 85 Ländern weltweit nach deren jeweils eigenen technischen Anforderungen zusammengestellt werden.

Für Hartmut Hübner gibt es kaum einen besseren Standort als Frankfurt, da er mit den erstklassigen Verbindungen über den Flughafen, die Autobahnen und dem ICE-Knoten im Hauptbahnhof „hervorragend angebunden ist, um unseren 5000 Kunden im Jahr eine schnelle An- und Abreise zu ermöglichen, wenn sie sich über unsere Angebote vor Ort informieren möchten“.

Siemens  WSerk Frankfurt 2014
Zur Dichtungsprüfung nach dem Zusammenbau Foto: Wygoda

Info: Lange Geschichte in Frankfurt

Mit Frankfurt verbindet Siemens eine lange gemeinsame Geschichte: 1848 wurde die berühmt gewordene Telegraphenverbindung zwischen Berlin und Frankfurt von Siemens gebaut.

Hübner kündigte für das Werk den Bau eines eigenen Blockheizkraftwerkes für 1,2 Millionen Euro an, das etwa 80 Prozent der in dem Werk verbrauchten Stromenergie liefern soll. Bereits in drei Jahren rechne sich diese Investition, unterstrich der Werksleiter.

Globales Herzstück

Trotz der im Siemenskonzern angekündigten Einsparungen beim Personal brauchen sich die Mitarbeiter im Werk in Frankfurt keine Sorgen machen, da es „das Herzstück der globalen Produktion für Länder wie Indien und China ist“, wie Stephan May, Leiter der Geschäftseinheit „Mittelspannung“ sagte, da die Produktionsstandards für alle anderen Produktionsstätten in der Welt hier in Frankfurt entwickelt würden.

Im Jahr 2009 hatte Siemens über 30 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung des Standorts investiert. Die Fertigungsfläche wurde um etwa 10 000 Quadratmeter erweitert. Zudem wurden ein automatisiertes Logistikzentrum und ein Kundenzentrum neu errichtet – jeweils entsprechend aktueller Energieeffizienz-Normen.

Das 30-jährige Bestehen wird mit einem dreitägigen Fest gefeiert, das am Samstag auch die Familien der Mitarbeiter einbezieht, die zu einem „Familientag“ in das Werk eingeladen sind.