Frankfurt am Main 11.04.2015 Der „echte Frankfurter Bub“ Emil Mangelsdorff, ist in Preungeshaim in einem sozialdemokratisch eingestellten Elternhaus zusammen mit seinem drei Jahre jüngeren Bruder Albert aufgewachsen. In diesem Haus wurde der „Feindsender“ Radio Luxemburg gehört, der Emil,. Als er etwa zehn Jahre alt war, brachten ihm die Ätherwellen dieses Senders regelmäßig Jazz ins Haus.

Emil Mangelsdorff im Holzhausenschlösschen_b (c) Frankfurter Bürgerstiftung

Emil Mangelsdorff in neinem Konzert im Holzhausen- Schlösschen

Foto: Frankfurter Bürgerstiftung

Mit 12 Jahren spielte Emil zum ersten Mal öffentlich auf dem Akkordeon in der Rokoko-Diele des Kyffhäuser-Hotels in der Kaiserstraße mit dem Hot Club,. Zu dieser Band gehörte unter anderen Jazzern, die später berühmt werden sollten, auch Horst Lippmann, der nach dem Ende der Nazi-Diktatur und des zweiten Weltkrieges das deutsche Jazzfestival organisierte. Horsts Vater hatte aus den USA Jazz-Platten mitgebracht, die von den Jugendlichen nicht nur gehört, sondern auch nachgespielt wurden. Im Hoch’schen Konservatorium lernte Emil später Klarinette, bis sein Lehrer von den Nationalsozialisten abgesetzt wurde und ein linientreuer auf seine Stelle kam, der dem Jazz ein Ende bereitete.

Den Nationalsozialisten war die Aktivität der Jungen „Swingboys“ nicht entgangen. Emil kam ins Gefängnis, wurde später zur Armee einberufen und musste an die Ostfront in Russland. Dort, so erzählte er es später immer wieder, wurde ihm deutlich wie wichtige die Musik für ihn war, als er von einem vorbeifahrenden Schiff eine Jazzmelodie hörte.

Nachdem er wieder in Frankfurt angekommen war, hatte ihm Carlo Bohländer unter die Arme gegriffen und ihm die ersten Auftritte ermöglicht. Von da an wurde Emil Mangelsdorff zu einem der Gründungsväter, was heute die „Jazzhauptstadt Frankfurt“ genannt wird. Im Jazzkeller am heutigen Horst Lippmann-Platz jammte er mit all den großen Jazzern, die wegen der vielen US-Soldaten gerade in Frankfurt Konzerte gaben und die danach im Jazzkeller die Nacht beendeten. Emil war auch einer der ersten, die sich an dem vom Schlagzeuger Thomas Cramer im Mouson-Turm ausgerufenen Verein der „Jazzinitiative Frankfurt“ im Vorstand beteiligten. Die Idee hinter dem Verein, der bis heute besteht, war, dass den Musikern Mindesthonorare bezahlt werden sollten und sie nicht nur für einen Anteil an den Eintrittsgeldern spielten.

Seine Erfahrungen während der Nazi-Herrschaft gibt Emil Mangelsdorff noch heute weiter, wenn er vor Schülern erzählt, was es hieß in den 30er Jahren Jazz zu spielen, als diese „Negermusik“ verboten wurde. Denn, und das ist ihm wichtig, „Jazz betont und braucht den individuellen Ausdruck“, und ist damit gleichsam der direkte Gegensatz zu allem ist, was eine konforme Massen ist.

Emil Mangelsdorff hat viele Ehrungen der der Stadt Frankfurt, des Landes Hessen und der Bundesrepublik erhalten. Sogar zum „Ritter des Jazz“ wurde er geschlagen, Doch ihm ist noch wichtiger, dass er seit mehr als 20 Jahren einen Ort gefunden hat, an dem er einmal im Monat seine Konzerte mit von ihm eingeladenen Künstlern geben kann: Das Holzhausenschlösschen. Clemens Greve, der Hausherr, erzählt stolz, dass in den immer ausverkauften Konzerten mehr als 100 verschiedene Musiker hier gespielt haben. Ihn, der eigentlich ein typischer Klassik-Musiker ist, habe Emil Mangelsdorff, so berichtete er gegenüber uns, „hat mich davon überzeugt, wie nahe doch die Klassik und der Jazz sich dann sind, wenn man sich mit Musik intensiv beschäftigt“.

Und bestimmt wird auch das geplante Geburtstagskonzert zum 90. Geburtstag von Emil Mangelsdorff intensiv werden, zu dem er nicht weniger als vier Posaunisten eingeladen hat. Doch ist dieses Konzert ebenfalls bereits ausverkauft, sodass man sich für die Konzerte am 1. Juni und am 6. Juli am besten schon heute Karten bestellen sollte. Ob es für den 90. Geburtstag gewollt ist oder nicht, jedenfalls passt es ebenfalls zu seinem90. Geburtstag, dass die Firma Bellaphon gerade jetzt die alten Platten von Emil Mangelsdorff wieder aufgelegt hat, die so viele Jahre in ihren Archiven verschwunden waren. Und für Emil Mangelsdorff wünschen alle Jazzfreunde ihm: „Keep Swinging, Emil“ .    Hermann Wygoda