Der Betreiber des Frankfurter Flughafens verkauft seine Anteile am Airport Hahn f√ľr einen Euro an Rheinland-Pfalz

Der Flughafen Frankfurt-Hahn im Hunsr√ľck, der vor gut zehn Jahren als ein Konversi¬≠onsprojekt des Landes Rhein¬≠land-Pfalz aus einem amerikani¬≠schen Milit√§rflugplatz entstan¬≠den ist, geh√∂rt wieder dem Land Rheinland-Pfalz allein. Schneller, als es die Beteiligten selbst er¬≠wartet hatten, einigten sich Land und Fraport AG darauf, dass der Betreiber des Flughafens Frank¬≠furt ‚Äěden Hahn“ f√ľr einen Euro r√ľckwirkend zum i. Januar 2009 dem Land √ľberschreibt. Das Un¬≠ternehmen war mit 65 Prozent der gr√∂√üte Anteilseigner am Flughafen Hahn, w√§hrend die L√§nder Hessen und Rheinland-Pfalz jeweils 17,5 Prozent halten. Hessen wollte seinen Anteil zu¬≠n√§chst auch verkaufen, doch h√§lt es seine 17,5 Prozent weiter, es wurden weitere m√∂gliche Nachforderungen des Nachbar¬≠landes abgelehnt.

Anbindungsprobleme und rote Zahlen schreckten ab

Die im M-Dax notierte Fraport AG hatte sich einen Zeitrahmen von zehn Jahren gesetzt, in dem sie den Flughafen in die schwar¬≠zen Zahlen bringen wollte. Gro¬≠√üe Projekte waren mit dem rund 90 Kilometer entfernt liegenden Projekt verbunden worden: Als Ausweichflughafen f√ľr den chronisch √ľberlasteten Frank¬≠furter Airport sollte er dienen und eine ‚ÄěFlughafenkooperati¬≠on“ sollte aufgebaut werden. Fra¬≠port-Chef Wilhelm Bender brachte gar eine Transrapidver¬≠bindung zwischen dem gr√∂√üten Flughafen des europ√§ischen Kontinents und seinem Ableger ins Spiel. Doch in den zehn Jah¬≠ren war es weder gelungen, die Stra√üenverbindung zwischen Autobahn und Flughafen kom¬≠plett auf vier Spuren auszubau¬≠en, noch die fr√ľher zur Kohlelie¬≠ferung f√ľr den US-J√§gerst√ľtz¬≠punkt genutzte Eisenbahnver¬≠bindung zu reaktivieren.

Ausl√∂ser f√ľr den Ausstieg aus dem gemeinsamen Flughafen-Entwicklungsprojekt war ein Streit √ľber die Einf√ľhrung eines sog. Hahn-Talers geworden. An¬≠gesichts nicht endender roter Zahlen sollten sich nach den Vor¬≠stellungen der Fraport AG die Passagiere mit einem Betrag von drei Euro an der Zukunftsent¬≠wicklung des ‚ÄěHahn“ beteiligen. Au√üerdem sah ein Konzept mehr Verkaufsfl√§chen hinter den Gates vor sowie eine schnellere Vermarktung der gro√üen Fl√§¬≠chen auf dem Flugplatzareal.flughafen_hahn_michael-cawley-anja-seugling-in-ffm

Ryanair Vize-Präsident Michael Cawley und Pressesprecherin Anja Seugling. Foto: Wygoda

Doch der einzige große Kunde des Flughafens, die irische Ryan­air, tat das, was sie immer tut, wenn sie ihre Privilegien gefähr­det sieht: Sie drohte mit dem Ab­zug ihrer Flugzeuge, die Frank­furt-Hahn erst zu dem interes­santen Lowcost-Airport der ver­größerten Rhein-Main-Region gemacht hatten.

Damit war f√ľr die Mainzer Lan¬≠desregierung die Schmerzgrenze erreicht. Sie lehnte die Einf√ľh¬≠rung der Flughafengeb√ľhr ab. In Kreisen der Luftfahrtbranche wird zwar Verst√§ndnis f√ľr das Verhalten der Landesregierung ge√§u√üert, f√ľr die die unterentwi¬≠ckelte Hunsr√ľck-Region rund um den Hahn heute bereits ein Erfolgsprojekt dank der Flugha¬≠fenentwicklung ist. So haben in rund 120 Betrieben √ľber 3 200 Mit¬≠arbeiter Arbeit gefunden. Und ein Gutachten der FH Trier hat f√ľr das Jahr 2012 am Flughafen 6 461 Besch√§ftigte und weitere 4 523 in der Region prognosti¬≠ziert. Der rheinland-pf√§lzische Wirtschaftsminister Hendrik Hering (SPD) wies in diesem Zu¬≠sammenhang darauf hin, dass bereits im Jahr 2005 durch den Hahn 52,3 Millionen Euro Steu¬≠ern in die Kassen des Landes ge¬≠flossen seien. Das sei ‚Äěein Mehr¬≠faches an Steuereinnahmen, als urspr√ľnglich investiert wurde“.

Die Interessen der Partner sind sehr unterschiedlich

Da verwundert es nicht, dass die Interessen der Fraport als an der B√∂rse notiertes Unternehmen andere sind als die des Landes Rheinland-Pfalz, das regionale F√∂rderpolitik betreiben muss, die durch einen m√∂glichen Ab¬≠zug der Ryanair einen schweren D√§mpfer erlitten h√§tte. Die Pas¬≠sagierzahlen waren durchaus be¬≠achtlich. Mit vier Millionen Pas¬≠sagieren und rd. 125 000 Tonnen Fracht im vorigen Jahr liegt er im Frachtbereich auf Platz f√ľnf nach Leipzig und im Passagierbe¬≠reich auf Platz elf vor Leipzig. Doch wird kritisiert, dass der iri¬≠sche Billigflieger es wieder mal geschafft hatte, sich seine preis¬≠werten Flugtickets von jemand anderem bezahlen zu lassen.

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Das Vorfeld des Flughafens Hahn Foto: Flughafen Hahn

Wie es weitergehen soll, erl√§u¬≠tert Wirtschaftsminister Hand-rik Hering in einem Gespr√§ch mit DEMO: ‚ÄěWir werden in den kommenden drei Monaten einen Entwicklungsplan f√ľr den Flug¬≠hafen Hahn vorlegen und uns dann einen neuen Partner su¬≠chen.“ Von den Mitarbeitern des Flughafens erhielt er bei der Vor¬≠stellung seines Konzepts ein lautstarkes ‚ÄěDanke“ zugerufen. Doch wird auch Hering sicher wissen, dass es nicht einfach werden wird, etwa die EU-Kom¬≠mission davon zu √ľberzeugen, dass die st√§ndigen Zusch√ľsse des Landes sein m√ľssen. Ein Verfah¬≠ren gegen den Flughafen Frank¬≠furt-Hahn hat die Kommission bereits eingeleitet.

Die Fraport AG dagegen bel√§sst zwar ihre Mitarbeiter im Huns¬≠r√ľck und wird weiter auch mit ihrem Know-how bereitstehen, wie Flughafen-Vizevorstand Ste¬≠fan Schulte versicherte, doch kann sie den weiteren Entwick¬≠lungen beruhigt entgegensehen. Die fr√ľher angedachte Flugha¬≠fen-Kooperation ist f√ľr sie nach der Genehmigung der vierten Bahn nicht mehr aktuell und den Dauerkrach mit dem An¬≠teilseigner Lufthansa wegen der Unterst√ľtzung der Billigkonkur¬≠renz ist sie damit auch losgewor¬≠den. Angesichts der Folgen der Finanzkrise f√ľr den Luftverkehr hat sie genug andere Sorgen.

Hermann Wygoda