Frankfurt am Main. führt beim Passivhausbau. Nachholbedarf herrscht bei städtischer Infrastruktur I Von Hermann Wygoda

DEMO 12_2008

Im Oktober war man in Frank­furt überrascht über das starke Interesse an einer Veranstaltung über Passivhausbauten. Mehr als 60 Stadtverordnete und Verwal­tungsfachleute waren aus Frei­burg angereist, um sich vor Ort zu informieren, wie man insbe­sondere Altbauten der 1950er-und 1960er-Jahre so saniert, dass sie den Passivhausstandard fast erreichen. „Früher“, sagt der Ge­schäftsführer der städtischen Wohnungsbauholding, Frank Junker, „wären wir nach Freiburg gefahren, um dort zu sehen, wel­che Möglichkeiten des energie­sparenden Bauens es gibt“.

Ihre derzeitige Spitzenstellung im nachhaltigen Bauen nach Pas­sivhausstandard mit bisher rd. 300 gebauten Wohnungen ver­dankt die Mainmetropole auch der Tatsache, dass nach einem ersten erfolgreichen Versuch die Stadtverordnetenversammlung beschlossen hatte, städtische Wohnungen nur im Passivhaus­standard zu errichten. Neben den bereits 300 fertig gestellten Woh­nungen sind weitere 220 im Bau. Bisher, so konnte Junker seinen Besuchern verkünden, habe das Unternehmen „keinerlei Proble­me gehabt, die Wohnungen zu verkaufen“. Und in der Tat waren auf Infoveranstaltungen für neue Projekte, „ohne Anzeigen“ wie Junker betont, immer mehr feste Interessenten, als Wohnun­gen angeboten wurden.

„Nicht ganz einfach“, räumte er ein, sei die Sanierung des Altbau­bestands gewesen, doch habe es sich gezeigt, dass für die Mieter trotz des nicht ganz erreichten Standards enorme Einsparerfol­ge erzielt wurden: Während vor der Sanierung für jede Wohnung 1 100 Liter Heizöl pro Jahr ver­brannt werden mussten, konnte der Heizölverbrauch nach der Sa­nierung auf 150 Liter reduziert werden – eine Ersparnis von 850 Liter pro Wohnung und Jahr. Für das nächste Projekt kündigte er an, werde ein „Warmmiete-Mo-dell“ eingeführt, da die Erhebung der Verbrauchsdaten und das Schreiben der Rechnungen teu­rer seien als die Heizkosten. 2315 Wohnungen will die städti­sche Holdung bis 2010 im Passiv­hausstandard neu bauen oder energetisch sanieren.

passivhaus-hansaalee_b2315 Wohnungen im Passivhausstandart will die ABG Holding bis zum Jahr 2010 errichten Foto: Wygoda

Die erzielten Erfolge beim Ener­giesparen beschränken sich nicht nur auf den Wohnungs­bau. Das Energiereferat der Stadt verkündet stolz, man sei auf dem Weg zur „Green City“, und ver­weist darauf, dass die Bauherren der Hochhäuser in der Bankenmetropole seit Anfang der 1990er-Jahre im Rahmen eines Energieforums „Banken und Bü­ro“ über energiesparendes Bauen informiert wurden. Dabei sei es zum Beispiel gelungen, der Commerzbank AG bei ihren Planungen eine Einsparung des Energiever­brauchs von einem Drittel ge­genüber der ursprünglichen Pla­nung aufzuzeigen.

Dass Energieeffizienz vom Markt bei Neuplanungen inzwischen sogar gefordert werde, bestätigt Stefan Blümm von der Deut­schen Immobilien Chance (DIC). In der Innenstadt plant die DIC zurzeit, ein 21 000 Quadratmeter großes Gelände der Degussa AG als „MainTor“ mit Büros und Wohnungen zu entwickeln. Er betont, dass „wir heute schon an die möglichen kommenden Vor­schriften für die Nachhaltigkeit von Gebäuden bei der Fertigstel­lung im Jahr 2014 denken müs­sen“.

Auch Investoren und künftige Mieter hätten die Energie­preise heute im Blick. Daher wer­de viel Zeit und Energie in die Prüfung der verschiedensten Energiespartechniken gesteckt, die teils noch in der Entwicklung sind. So wolle man etwa mit der Stadt darüber verhandeln, die in einem großen Abwassersammler unter dem Gelände vorhandene Wärme zu nutzen.

Reduzierung der Energiekosten spielt auch beim Betreiber des Frankfurter Flughafens, der Fra­port AG, eine Rolle. Hier werden zuerst die Altbauten auf Einspar­möglichkeiten hin untersucht. Bei Sanierung etwa der Brand­schutztechnik im Terminal 1 von 1972 konnten 30 bis 40 Pro­zent Energiekosten gespart wor­den. Fraport-Chef Wilhelm Ben­der hatte erst kürzlich ein ambi-tioniertes „Sechs-Punkte-Pro­gramm für mehr Klimaschutz“ vorgelegt, das vorsieht, die „na­tionale Zukunftsaufgabe Flugha­fenausbau“ C02-neutral zu reali­sieren. Dabei sei angestrebt, den durch den Ausbau entstehenden zusätzlichen Energieverbrauch durch Einsparungen zu kompen­sieren. So kündigte er an, dass ge­plante neue Terminal 3 mit Hilfe energieeffizienter, innovativer Gebäudetechniken, Geothermie und Photovoltaik als „low emis-sion terminal“ zu errichten.

Frankfurts OB Petra Roth sieht ihre Stadt – immerhin 1990 Gründungsmitglied des EU-Kli­ma-Bündnisses von Städten und Gemeinden – auf gutem Wege. Schließlich sei man europaweit führend beim Passivhausbau. Mitte April 2009 ist dann die „13. Internationale Passivhausta­gung“ am Main zu Gast. Ende 2008 will das Planerbüro Albert Speer unter dem Stichwort „Frankfurt für die Umwelt“ ein Konzept vorlegen, wie die Ban­kenstadt Mobilität, Ressourcen­schutz und Energieeffizienz zu­sammenbringt. Derzeit sei neben Privatgebäuden wie den Deut­sche-Bank-Türmen – die gerade aufwändig energetisch saniert werden – auch die städtische In­frastruktur nicht mehr ganz Stand der Technik.